G&B Basics

Richtig Löten: Ein Gitarren-Workshop für Praktiker

Sich in elektrischen Dingen selbst zu helfen, hat bei Musikern eine lange Tradition – das verwendete Material wird stark beansprucht, und für jeden Wackelkontakt im Klinkenstecker zum Techniker zu laufen, ist lästig und kostet Geld. An was man sich letztendlich herantraut, muss jeder selbst einschätzen. Dabei behalte man bitte seine Sicherheit und die der anderen fest im Auge! Hier geht es freilich nicht um das „Was“, sondern um das „Wie“ beim Löten. Solides Handwerk ist schließlich die Basis dafür, dass Ideen auch funktionieren.lötstellen-die-funktionieren

Werkzeuge

Einen brauchbaren Lötkolben bekommt man schon für weniger als € 10, der Leistungsbereich um 20 Watt ist genau richtig für die allermeisten Arbeiten. Von den teureren und recht unhandlichen Lötpistolen, die lediglich den Vorteil schneller Betriebsbereitschaft haben, ist abzuraten – im engen Elektronikfach ist eher zierliches Lötgerät mit feiner, meisselförmiger oder bleistiftspitzer Lötspitze einfach besser.

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Und wer öfter als nur gelegentlich zum Lötkolben greifen will, bekommt auch ein Qualitätsprodukt (z. B. von Ersa) für rund € 30. Dabei sind die Typen mit Löttemperaturen bis ca. 350 Grad für das traditionelle, bleihaltige Lötzinn geeignet, solche mit Temperaturen über 400 Grad für das moderne, bleifreie Lötzinn. Eine große Lötstation mit einstellbarer Temperatur ist erheblich teurer als ein einfacher Lötkolben und lohnt sich nur für sehr umfangreiche Arbeiten.

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Das kleine Lötbesteck

Auch wenn seit Mitte 2006 für Gerätehersteller die Verwendung des bleifreien Lots vorgeschrieben ist, darf man als Privatperson weiterhin das bleihaltige Lötzinn verwenden. Das ist allerdings wegen des giftigen Bleianteils gesundheitlich problematischer, man sollte deshalb während der Arbeiten Essen und Rauchen unterlassen und sich nach dem Hantieren mit Bleilot immer gründlich die Hände waschen.

Dafür hat das bleihaltige Lötzinn den Vorteil eines niedrigeren Schmelzpunktes und deutlich leichterer Handhabung, während das bleifreie Lot mit ca. 40 Grad höheren Temperaturen verarbeitet werden muss und es zudem schwerer macht, schöne Lötstellen hinzubekommen. Es gehört schon etwas Übung dazu, beim heißen Bleifrei-Löten nicht die Kabelisolierungen zu verschmurgeln und zuverlässige Lötstellen zu schaffen. Ob bleihaltig oder bleifrei, in jedem Fall ist dünnes Elektronik-Lötzinn mit Flussmittelfüllung angesagt, beispielsweise 0,5 bis 1,0 mm dünn.

Einige weitere Werkzeuge gehören zum Lötbesteck, in jedem Fall ein möglichst handlicher Saitenschneider. Für den Gelegenheitseinsatz funktioniert ein Billigteil; wer aber öfter damit arbeitet, dem ist ein langlebigeres Produkt mit gehärteten Schneiden (z. B. von Knipex) zu empfehlen. Mit etwas Übung kann man den Saitenschneider auch zum Abisolieren von Kabelenden benutzen und spart sich somit eine spezielle Abisolierzange.

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Vor dem Zusammenfügen müssen beide Lötpartner verzinnt werden.

Um angekokelte Fingerspitzen zu vermeiden und auch an unzugänglicheren Stellen zu operieren, ist noch eine kleine Spitzzange vorteilhaft, wobei ich persönlich solche mit gebogener Spitze bevorzuge, weil man damit auch auf engem Raum Drahtenden festhalten kann, ohne dass die Zange beim Löten im Weg ist. Insbesondere beim Löten von Steckern hat man regelmäßig mindestens eine Hand zu wenig, um nämlich Drahtende, Lötkolben, Lötzinn und Stecker zugleich festzuhalten.

Ein kleiner Schraubstock erleichtert die Arbeit ungemein, für ganz kleines Geld bekommt man auch als Löthelfer eine „Dritte Hand“ wie z. B. den Halter ZD-10D (Reichelt Elektronik) mit zwei Halteklemmen und zusätzlicher Lupe. Des Weiteren kann eine kleine Absaugpumpe für altes Lötzinn oder Lötsauglitze ebenfalls nützlich sein; Näheres dazu später im Text. Und zu guter Letzt sollte man noch Vorsorge treffen, dass der Wohnzimmertisch keine Brandflecken von herabtropfendem Lötzinn bekommt. Ein kleines Sperrholzbrett oder eine Keramikkachel reichen dafür aus.

Vorgehensweise

Prinzipiell sind beim Löten zunächst beide Lötpartner, die zusammengefügt werden sollen, zu verzinnen. Dazu hält man Lötkolben und Lötzinn gleichzeitig an die zu verlötenden Stellen, bis diese ganz von Lötzinn überzogen sind. Dabei reicht es nicht, wenn irgendwo eine kleine Lötzinnperle anhaftet, vielmehr muss beim Verzinnen so lange Hitze zugeführt werden, bis das Lötzinn entspannt fließt und sich über die gesamte Lötstelle verteilt.

In zu kurzen Lötzeiten und mangelhaftem Verzinnen beider Lötpartner liegt der häufigste Fehler bei unzuverlässigen Verbindungen, weshalb man in solchen Fällen auch von „kalten Lötstellen“ spricht. Zu lange Lötzeiten sind wiederum auch nicht günstig, weil sich dann Schlacken bilden, welche die Lötstellen verunreinigen und ebenfalls schlechte, brüchige Lötstellen ergeben.

Als absoluter Lötanfänger lohnt es sich, zunächst das perfekte Verzinnen an dünneren und etwas dickeren Litzen zu üben, bevor man sich an wertvollere Werkstücke herantraut! Optimal ist dabei eine ausreichende und zugleich möglichst kurze Lötzeit, die bei kleineren Lötstellen etwa zwischen einer und drei Sekunden liegt. Bis zum Erstarren der Lötstelle sind zusammengefügte Lötpartner still zu halten, Erschütterungen müssen vermieden werden.

Je größer und massiger die zu verbindenden Leiter sind, desto länger kann es dauern, bis ausreichend Wärme zugeführt ist und die Lötstelle fest wird, was einige Sekunden dauern kann. Der empfohlene 20-Watt-Lötkolben reicht beispielsweise für Drahtstärken bis 2 qmm Querschnitt aus, für fette 4-qmm-Lautsprecherlitzen braucht man ein wattstärkeres Lötgerät.

In jedem Fall ist es für die Wärmeübertragung wichtig, dass von vornherein das Lötzinn mit dem reinigenden Flussmittel eine Wärmeleitbrücke zwischen Lötkolben und der Lötstelle herstellt. Bleihaltiges Lötzinn fließt bereits bei niedrigeren Löttemperaturen besser als bleifreies und benetzt die Lötstelle besser, vor etwaigen Gesundheitsgefahren kann man sich durch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen, wie z. B. dünne LatexHandschuhe, schützen.

Eine gute Lötstelle erkennt man beim bleihaltigen Lot an der glänzenden Oberfläche, während dies bei bleifreien Lötstellen nicht unbedingt der Fall sein muss. In der Praxis ist es übrigens nicht immer leicht, vorhandene Lötstellen als bleifrei (ggf. bei Geräten ab 2006) oder bleihaltig zu identifizieren. Vermischte Lötungen funktionieren zwar, allerdings gibt es noch keine Erkenntnisse über deren Langzeitbeständigkeit. Wenn man also sicher ist, eine bleifreie Lötstelle vor sich zu haben, sollte besser auch mit bleifreiem Lötzinn gearbeitet werden.

Die mechanische Festigkeit der Lötstelle kann man nach dem Erkalten durch leichten Zug mit der Zange prüfen. Sofern Lötaugen bzw. Lötösen zur Verfügung stehen, ist das zu verlötende Drahtende nach Möglichkeit durchzustecken. Bei Reparaturen und Modifikationen hat man es allerdings mit alten Lötstellen zu tun, die zunächst mit einem (ggf. mit Spiritus befeuchteten) Pinsel entstaubt und dann vom alten Lötzinn befreit werden sollten, um Schlackenbildung bei erneutem Löten zu vermeiden.

Dazu gibt es kleine Entlötpumpen, mit denen man das erhitzte Lot absaugen kann. Besonders für Platinen ist sogenannte Lötsauglitze noch geeigneter als eine Entlötpumpe. Dazu legt man die Lötsauglitze auf die zu entlötende Stelle und erhitzt sie mit dem Lötkolben, bis sie sichtbar das alte Lötzinn aufgesaugt hat; gegebenenfalls ist der Vorgang bei größeren Lötzinnmengen mit einem Stück unverbrauchter Sauglitze zu wiederholen.

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Zwei Lötstellen unterschiedlicher Qualität

Vor allem in älteren Geräten aus amerikanischer Fertigung wurden zum Teil auch Anschlussdrähte mehrfach durch die Lötösen gefädelt, was regelrechte Lötknoten bildet, die sich kaum mehr entwirren lassen. Statt an solchen Stellen lange herumzubraten, ist es in der Regel günstiger, den alten Draht abzukneifen und nach dem weitgehenden Absaugen des alten Lötzinns die Drahtknoten mit dem Saitenschneider zu entfernen. Eine gute Lötstelle benötigt solche Service-unfreundlichen Verknotungen nicht! Wer bei sicherheitsrelevanten Lötstellen auf zusätzliche Stabilisierung Wert legt, kann dies z. B. bei Lötösenverbindungen durch einen Überzug mit Schrumpfschlauch erreichen.

Litzen, die in Schraubverbindungen (Lüsterklemmen, Netzstecker) gehalten werden, sollten übrigens nicht verzinnt werden, da das Lötzinn auf Dauer nicht der Federkraft der Schraubverbindung standhält und Wackelkontakte provoziert. Um die feinen Litzendrähte beim Verschrauben vor Zerstörung zu schützen, gibt es im Elektronikhandel sogenannte Ader-Endhülsen in allen möglichen Größen. Soviel Sorgfalt sollte die Sicherheit uns wert sein!

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Vielen Dank für diese hilfreichen Informationen.
    Ich habe zuvor noch nie gelötet doch mit diesem Artikel wurde es meiner Meinung nach sehr gut erklärt.
    Da ich zudem Musiker bin und selbst auch Probleme mit einigen meiner Geräten habe, hilft mir dieser Artikel extrem weiter.
    Vielen Dank dafür!

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  2. Prima illustriert und gut erklärt.Leider gab und gibt es im Raum Berlin noch immer einen so genannten Gitarrenbauer,der es absolut nicht schafft,saubere Lötarbeiten zu erledigen.Ich rede da von laienhaften „kalten“ Lötstellen,die schlußendlich irgendwann doch nur Ärger bereiten,und die Kunden bemerken dieses Ärgernis leider erst,wenn sie mit ihrer Elektrischen Gitarre live on Stage wegen eben dieser Pfuscharbeiten an der Elektrik dieses „Gitarrenbauers“ kläglich scheitern.Wer amüsiert sich als Gitarrist schon an Wackelkontakten,bzw. abgelösten Kabelverbindungen,die solch ein Dillettant von „Gitarrenbauer“ fabriziert,und sich seiner Unfähigkeit korrekte Lötarbeiten abzuliefern noch nicht einmal bewußt ist.Und dies ist noch nicht einmal ein Einzelfall,sondern traurige Realität,da er desweiteren außer unsachgemäßer Lötarbeiten,leider auch neue Knochensättel total verkehrt bearbeitet,frische Saiten noch nicht einmal dehnt usw. Es ist schon unglaublich,was sich in Berlin so alles „Gitarrenbauer“ oder „Gitarrentechniker“ nennt.Da wird mir übel! Aber eure G&B Basics sind top,vielen Dank!

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  3. Für Anfänger ganz ordentlich und kompakt erklärt – vielleicht sollte noch ein Foto zur falschen und richtigen Handhabung des Lötkolbens dazu – Ihr wisst schon, so eine “vonne Elektriker Innung”, wo das Model beim Fototermin zum ersten mal im Leben einen Lötkolben in der Hand hat ;-). Jetzt ernsthaft: mit dem Multimeter fehlt in der Auflistung ein absolut unerlässliches Werkzeug, dessen Umgang ebenso wie der mit dem Lötkolben gelernt werden will. Damit findet man dann bei Kabeln auch schon mal einen Schluss zum leitenden Kunststoffmantel (“Höhendieb”) oder an der Gitarre die unerwünschte Verbindung zwischen Poti- oder Buchensanschluss und E-Fach Abschirmung – oder überhaupt erstmal dei Ursache für schlechte Sounds oder “keinen Ton”. Es ist halt immer noch so: wer viel misst, misst Mist, wer nicht misst, muss glauben oder raten…

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  4. leider leider leider kommt mir der Artikel bekannt vor, in abgewandelter Form hier schon mal gelesen und von mir kommentiert. Jedem der Industriell mit Elektronikfertigung zu tun hat drehen sich sie Zehnägel auf. Fängt beim 20W Lötkolben an, taugt eher als beheizbares Brecheisen aber nicht zum Löten von Steckern. Das zeigt das Ergebnis rechts im Bild von den Lötstellen unterschiedlicher Qualität, das war ein 20W Lötkolben der beim Kontakt mit der Lötstelle Kalt wurde. Geht weiter über 400Grad beim Bleifrei löten. Das ist laut Norm (hier IPC) viel zu heiß, selbst bleifreies Lot schmilzt je nach Legierung bei spätestens 268Grad und Platinen werden im Ofen mit max 280° gelötet. Handlöten findet selbst bleifrei bei unter 350Hrad statt Der Spaß hört beim Blei auf. Das wurde hauptsächlich aus Umweltschutzgründen nicht mehr erlaubt, weil es immer noch nicht sichergestellt ist das jeglicher Elektronikschrott auch fachgerecht entsorgt wird. ich möchte nicht dementieren dass es besonders Gesund war damit zu löten. Das aber ist wieder Temperaturabhängig ob das Blei verdampft oder nicht. Wer nach Norm mit Absaugung gelötet und nicht auf dem Zeug rumgekaut hat war wenig gefährdet. Wer heute mit Blei lötet bringt Blei in die Umwelt ein und mit nem 400Grad Lötkolben nützen auch Handschuhe nichts es sein denn man zieht sie über die Nase.
    Anständige bleifreie Lötpunkte bekommt man leider nur mit einer Industrielötstation und einer Leistung jenseits 300W hin. Die heizt beim Kontakt mit dem kalten Metall geregelt nach, bleibt heiß genug um die Lötstelle in Sekunden zu erhitzen ohne zu überhitzen und sorgt für saubere langhaltbare Lötverbindungen

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  5. Oben steht ja auch Artikel aus dem Archiv. Es steht auch, dass er sich an den Gelegenheitsbastler richtet. Da die Preiswertlötkolben keine richtige Temperaturregelung haben ist es auf jeden Fall schwieriger eine vernünftige Lötstelle zu produzieren als mit einer leistungsstarken, geregelten Lötstation. Es geht aber trotzdem. Zumindest zum verdrahten einer Gitarre reicht es. Zu den genannten Industrie Lötstationen hätte ich denn doch eine Nachfrage. Welche haben denn da 300 Watt an einer Lötstelle / Lötkolben?

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  6. Jetzt wüsste ich gern noch, wo ich bleihaltiges Lötzinn herbekomme. Ich habe gerade eine fette Rolle von diesem modernen Zeugs, und komme nur schlecht damit klar …

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    1. Überall dort, wo du auch das moderne Zeugs bekommst.
      Lokaler Elektronikhandel, Conrad, Reichelt, ebay, Musikding etc.
      Schau nach der Bezeichnung 60%Sn 40%Pb, das ist die gute Mischung. 🙂

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