Q&A of today:

Bass: Klettband jenseits des Sattels für den Sound?

Q: Ich hab eine Frage an den Fachmann: Was ist das auf dem Bild? Ist es etwa gut für den Retro-Sound? Dann habe ich noch etwas gesehen: Warum spielen Bassplayer mit Handschuh? Kennst du noch einen anderen Geheimtipp betr. Sound-Formung? Wenn ich einen „alten“ Sound wie James Jamerson brauche, stopfe ich etwas Schaumstoff unter die Saiten bzw. die Steg-Abdeckung.

Charlie Hofer (G&B-Leser)

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A: Das Klettband jenseits des Sattels soll womöglich ein Mitschwingen bzw. störendes Sirren der Saitenstücke zwischen Sattel und Tunern vermeiden. Man macht Ähnliches deshalb bei Streichinstrumenten, allerdings am anderen Ende, zwischen Steg und Saitenhalter, wo wirklich störende Töne entstehen können. Wahrscheinlicher soll das Klettband hier die Saiten fest genug in die Sattelkerben drücken, weil ja mangelnder Andruck bei nicht abgewinkelter Kopfplatte mitunter tatsächlich ein Problem sein kann. Beim klassischen Fender-Design schnarrt z. B. die feste leer gespielte A-Saite gerne. Eleganter als das Spannband wäre freilich, die betreffenden Saiten so tief wie möglich auf die Tuner zu wickeln.

Mit Handschuhen hatte ich auch schon einmal gespielt, nämlich als ich im Winter im ungeheizten Proberaum unbedingt einen Kramer Bass mit Aluhals benutzen wollte. Es waren sogar lammfellgefütterte Fäustlinge, was natürlich nicht so gut für kompliziertere Sachen war. Immerhin: Klanglich ergab sich das krasse Gegenteil von Slappen ;o)) Bei Handschweißproblemen kann zudem ein fingerloser Handschuh helfen, damit es besser flutscht! Aber dass auf einem bundierten Bass die Handschuhe irgendwie tolle Soundeffekte erzeugen, möchte ich bezweifeln. Selbst mit ganz umhüllten Fingern hört man bei der Greifhand den Unterschied fast nicht – für die Anschlaghand ist natürlich nur ein fingerloses Modell brauchbar, sonst wird jedes Timing ruiniert. Du machst es schon richtig – wenn’s alt klingen soll, hilft Schaumgummi als Saitendämpfung.

Und noch ein Soundtipp: Nach dem Saitenaufziehen die Saiten direkt hinter den Auflagepunkten Sattel und Steg einmal kräftig runterdrücken, um ihnen beim „Abknicken“ an diesen Stellen zu helfen: Besonders die dicken schwingen dann hörbar freier und harmonischer. [1992]

Dirk Groll


Aus Gitarre & Bass 02/2017

 

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Also ich finde Fretwraps sehr unsinnig – eher gutes Marketing als wirklich sinnig – du hast auch Flatwounds garnicht angemerkt – die machen nämlich wirklich den alten motown Sound ala Jamerson erst möglich

    Die Handschuh Feage kam wahrscheinlich wegen Scotts Basslesson auf – er spielt mit Handschuhen da er eine Haut/Nerven Krankheit hat – er kann nur mit Handschuhen spielen

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  2. Zur Antwort von Dirk Groll bezüglich des Kletterndes und der Handschuhe:
    Vorab, Dirk ist sicherlich ein sehr erfahrener Bassist und Redakteur – ich schätze seine fachkundigen Artikel sehr. Hier liegt er aber glaube ich etwas daneben (bzw. vergisst im Faller der Handschuh wesentliche Aspekte): Dass Klettband hat sicherlich nichts mit Satteldruck zu tun, dazu ist es ja mechanisch gar nicht in der lage, Es gibt von Victor Wooten etliche Videos, wo er anstatt des hier abgebildeten Klettbandes ein Haargummi verwendet. Vorwiegend bei Soli zieht er es hoch – um die leeren Saiten zu dämpfen, nach dem Solo schiebt er es wieder zurück auf den Sattel. Wegen der Handschuhe: Etienne Mbappe ist ja ein “Dauer-Handschuh-Spieler”. Ich habe deswegen mal bei seinem Management angefragt. Wie Dirk richtig schreibt, hat das mit Sound nichts zu tun. Aber Etienne hat eine Kontakt-allergie. Ein anderer “berühmter” Handschuh-Spieler ist Scott Devine, von “Scotts Basslessons”. Er erklärt das selbst in einem Post: Er hat eine Nerven/Muskel Erkrankung: Wenn er ohne Handschuh spielt, macht seine rechte Hand unkontrollierte Bewegungen (zittern). Berührt er die Hand, hört das Zittern auf. Der Handschuh hat also den Effekt einer gewissen Kompression, die gegen das “Zittern” wirkt.In beiden Fällen sind die Handschuhe also ein medizinisch notwendiges Übel.

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    1. Vielen Dank für diese kompetenten, ergänzenden Infos zu Dirk Grolls Antwort. 🙂

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  3. Mich interessiert es auch was es mit den Fretwraps auf sich hat. Immerhin spielen einige
    bekannte Größen wie Guthrie Govan mit den Teilen?! Muß ja irgend eine Auswirkung auf den Sound haben? Ich denke nicht das es “nur” cool aussehen soll? Vielleicht fragt ihr einfach mal im eigenen Haus beim Kolummnisten Peter Fischer nach, der hat seine
    Gitarren auch immer mit den “Haargummis” bestückt?!

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  4. Ich als Gitarrist brauche den Freterap um das Mitschwingen der Leersaiten frikeligen Techniken zu eliminieren. An der Kopfplatte ist das Teil nur “geparkt” wenn es nicht im Einsatz ist.
    Greeezzz

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  5. Das mit dem “Klettband” am Kopf dürfte ganz sicher das sein, was Kollege Chris schreibt: geparkt für den Einsatz. Gitarristen wie auch Basser nutzen es, um bei Soli die Leersaiten maximal wegzudämpfen. Während bei den Gitarren irgendeine Haarband-Lösung ausreicht, könnte ich mir beim Bass wegen der enormen Schwinungen schon vorstellen, dass es etwas festgezurrt werden muss, um effektiv zu sein (natürlich nicht *zu* fest, ist ja kein Kapo! ).

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  6. Ich habe eine Zeitlang ebenfalls Handschuhe an der linken Hand getragen, und zwar Baumwollhandschuhe, bei denen ich die Finger abgeschnitten hatte. Mein Baß war kopflastig und der Hals ist lackiert. Das führte dazu, daß es sehr schwierig für mich war, die Lagen zügig zu wechseln. Eine schwitzige Hand wäre da eher hilfreich gewesen, hatte ich aber nicht zur Verfügung. Der Handschuh diente mir praktisch als Gleitmittel. Ich habe dann ein Zusatzteil gebastelt und angebracht und damit die Kopflastigkeit aufgehoben bekommen habe, weshalb ich nun keinen Handschuh mehr benötige.
    Mich nervt Kopflastigkeit an Bässen sehr. Anderen Bassisten scheint sie absolut nichts auszumachen. Oder nehmen sie es nur zähneknirschend hin? Das wüßte ich gerne mal.

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  7. Moin,
    Fretwraps oder Haargummis hinterm Sattel nutze ich und auch andere bei Bass und Gitarre, um das Mitschwingen der Saiten zu den Mechaniken zu unterbinden. Störend ist das Mitschwingen bei schnellen Stopps, weil ohne diese Dämpfung ist da keine Ruhe. Das Ganze triit natürlich bei aggressiv eingestellten Verstärken stärker und damit auch störender auf. Bei Strats oder ähnlichem bringt es nicht soviel, da hier das Schwingen der Tremolofedern weiterhin zu hören ist.

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