Sting

Sting ist ein britischer Songwriter, Bassist und Sänger, der als Frontman von The Police und Solo-Künstler in die Rockgeschichte eingegangen ist. Erfahre mehr über sein Bass-Spiel und seine Songs!

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Sting & The Police

Welche Rolle hatte Sting bei Police?

Sting als Solo Star

Der Bassist Sting

Welchen Bass spielt Sting?

Sting als Songwriter

Sting Diskografie

Sting & The Police

Betrachtet man den Beginn der Karriere von Sting als Frontmann von The Police, so sticht natürlich die gute alte ,Roxanne‘ ins Auge.

Der Hit aus dem Jahr 1978 markiert den Beginn der atemberaubenden Laufbahn von The Police, in der die drei wasserstoffblond gefärbten Jungs abräumten, was es abzuräumen gab. ,Roxanne‘ repräsentiert die beiden Grundpfeiler des Stils, der den Sound dieses durchschlagkräftigen Trios ausmachten: Reggae & Rock.

Äußerlich mehr als einfach aufgebaut (Strophe und Refrain im regelmäßigen Wechsel), zeigt der Song im Innern doch einige Besonderheiten. Harmonisch werden einfache Dreiklänge der äolischen g-moll-Skala mit Vierklängen gemischt, wie sie eher im Jazz verwendet werden, und was in einer Zeit, in der die Sex Pistols und The Clash die musikalische Richtung vorgaben, ein beinahe mutiges Unternehmen war.

,Roxanne‘ entfaltet jedoch vor allem rhythmisch seine große Wirkung. Die synkopische Schlagzeugbegleitung des einzigartig spielenden Drummers Stewart Copeland, dem Gründer der Band und „Entdecker“ Stings, erinnert stark an Reggae und verleiht der Nummer ihren coolen und schwebenden Rhythmus.

Andy Summers’ Gitarre verdichtet dieses Bild durch eine Reggae-artige Begleitung. Dieses Strophen-Arrangement, wird im Refrain geschickt durch puren Rock-Sound kontrastiert: Schlagzeug, Gitarre und Bass spielen jetzt mit Druck gerade nach vorn und machen Dampf.

Auch bei folgenden Hits sollte dieses Strickmuster deutlich ausfallen. Das ganze dreimal hintereinandergepappt und fertig war ein Police-Hit. In der Strophe Reggae und im Refrain Rock: Für die ausklingenden 70er Jahre schien dieses Rezept narrensicher zu sein und brachte ja auch den gewünschten Erfolg. ,So Lonely‘, ,Can’t Stand Loosing You‘, ,Message In A Bottle‘ oder ,Walking On The Moon‘ sind hier wohl unvergessliche Beispiele.

The Police verbanden die damals populärsten Musikrichtungen Reggae und Punk-Rock geschickt und intelligent miteinander und verkauften Platten wie Bäcker ihre Brötchen. Doch trotzdem haben diese Songs auch heute nichts von ihrer Wirkung verloren, auch wenn sie doch rein äußerlich nach einem durchsichtigen und marktkompatiblen Muster produziert worden waren.

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Welche Rolle hatte Sting bei Police?

Gerade bei den Kompositionen wird die gewichtige Rolle Stings deutlich. Er schrieb Texte mit Gehalt und konnte in den zwei bis drei Strophen eines Pop-Songs Geschichten erzählen, die geschickt mit Bildern und Symbolen arbeiteten und den Hörer ansprachen: Einsamkeit, verschmähte Liebe, Politisches oder Philosophisches.

Wie kann man eine verschmähte Liebe in einer Rock-Nummer interessanter und deutlicher darstellen als durch die unerfüllte Liebe zu der Prostituierten Roxanne?

Das Symbol der Flaschenpost des Schiffbrüchigen in ,Message In A Bottle‘ ist ebenfalls ausdrucksstark und zeigt einfach und anschaulich das Thema der Einsamkeit, während ein stimmiges und dichtes Arrangement die zwischen A-Dur und cis-moll schwebenden Harmonien zum Klingen bringen. Und Andy Summers’ populäres Gitarrenriff ist immer noch eines „der Riffs“ überhaupt, um sich als junger Gitarrist über die Verwendung von Nonen in einem arpeggierten Pattern klar zu werden.

Ähnliches leistete Summers ja auch ein paar Jahre später, als er die Begleitung von ,Every Breath You Take‘ aufnahm. Ein Riff, das uns Puff Daddy – oder mittlerweile P.Diddy – in den späten 90ern als HipHop-Recycling-Produkt um die Ohren warf. Doch es überzeugte nach wie vor. Ein guter Song ist eben ein guter Song. Rückschlüsse auf Andy Summers’ Einfluss, den er auf diese beiden bis heute größten Hits von The Police und Sting genommen hat, dürfen an dieser Stelle natürlich gerne gezogen werden.

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Sting als Solo Star

Doch auch in seiner Zeit nach The Police festigte Sting vor allem durch die Texte seinen Ruf als außergewöhnlicher Songwriter. Wirft man einen kleinen Blick auf den Beginn seiner Solokarriere, so entdeckt man beispielsweise den Song ,Russians‘ aus dem Jahre 1985, der gleich auf mehreren Ebenen die Angst der Menschen vor einem möglichen Atomkrieg darstellt, die auch noch in den 80er Jahren allgegenwärtig war.

 

Textlich nutzt Sting das Bild des „bösen Russen“, dessen Reich der Sowjetunion von dem damaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Ronald Reagan, als das „Reich des Bösen“ bezeichnet worden war, und fragt, ob denn auch ein Russe seine Kinder liebt.

Sting hat dieses schwierige Thema verständlich umsetzen können, ohne dabei politisch agitativ zu werden – ein Kunststück, was nur wenigen Künstlern in dieser Zeit gelungen ist.

Musikalisch unterstützt Sting dieses Bild des Russen, indem er von dem russischen Komponisten Sergej Prokofiev ein Thema aus der Musik zu dem Film „Leutnant Kijé“ verwendet – übrigens einem Militärfilm. So stimmen bei diesem Song alle Ebenen überein: Der Text, die Musik und auch das Arrangement. Alle Elemente spiegeln eine gewisse „russische“ Atmosphäre und entführen den Hörer in die Welt der damaligen Sowjetunion.

Macht man nun einen Sprung in die Gegenwart zu ,Desert Rose‘, so fällt auf, dass Sting auch hier eine ähnliche Arbeitsweise anwendet. Russland wechselt mit dem Orient und Politik mit Liebe, doch ansonsten sind die Parallelen in der Arbeitsweise offensichtlich.

Die Atmosphäre ist orientalisch gehalten durch die Streicher und den Rai-Gesang das algerischen Sängers Cheb Mami, textlich berichtet das lyrische Ich über die Angst, nie die Liebe für sich zu entdecken. Sting bemüht hier auch Bilder, die dem Orient sofort zugeordnet werden: Die Wüste, die Wüstenrose, das Paradies und die Einsamkeit in der Wüste. So entfaltet der Song auch hier wieder eine starke, sehnsuchtsvolle Wirkung und kann durch das stimmige Arrangement der einzelnen Elemente zu einem tanzbaren Popsong überzeugen.

Zumal ja auch moderne Sounds durch den Produzenten Kipper den Bogen zu den ausgehenden 90ern schlagen können und Erinnerungen an das ,Ray Of Light‘-Album von Madonna wach werden lassen.

Musik-Ikonen unter sich: Mark Knopfler, Eric Clapton, Phil Collins und Sting spielen den Dire Straits Song Money for Nothing

Sting versteht es also, Elemente aus vielen Bereichen in seine Kunst einfließen zu lassen. Er bedient sich ethnischer Musik, Rock und Pop und weiten Themenkreisen, die seine Songs textlich hervorstechen lassen. Manche sehen dies als intellektuell berechnend, wieder andere platt gesagt als Klauen an, da Sting ja die ein oder andere Textzeile und Idee aus der Literatur verwendet hat. Vielleicht steckt aber auch einfach ein wacher und interessierter musikalischer Geist dahinter, der versucht immer wieder neu hinzuzulernen.

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Der Bassist Sting

Dieses Bild ergibt sich auch beim Bassisten Sting, der sich Zeit seiner Karriere bemüht hat, verschiedene Stile wie Reggae, Rock, Samba, Jazz oder Disco zu adaptieren. Dies gilt sowohl für seine Spielweise, als auch für den Sound und die Instrumentenwahl. Da fällt dem älteren Leser, der Sting ja auch noch als Kontrabassist kennt, u. a. der Ibanez-Fretless-Bass MC 940DS ein. Hierdurch entstand auch Stings unverwechselbarer Sound als Bassist, der seine Liebe zum Jazz spiegelte.

Virtuos kann sein Spiel wohl nicht genannt werden, doch hat er für die einprägsamsten Riffs gesorgt, die sich vor denen eines Paul McCartney oder eines Jack Bruce nicht verstecken mussten. ,Walking On The Moon‘, ,Tea In The Sahara‘ oder ,King Of Pain‘ sind hier als herausragende Beispiele zu nennen. Sie tragen mit dem weichen Fretless-Sound und dem geschmackvollen Chorus fast den gesamten Song.

Stings Vorliebe für krumme Taktarten wie den 5/4-, 7/4- oder 9/4-Takt, dem er vor allem in den 90er Jahren fröhnte, zeigen ihn als rhythmisch interessierten und kompetenten Bass-Spieler. Technisch fordern sie den Bassisten nicht sonderlich, dafür rhythmisch um so mehr.

Wie beispielsweise die 1993er Nummer ,Love Is Stronger Than Justice‘ vom Album ,Ten Summoner’s Tales‘ zeigt. Diese Stück ist wohl der einzige Country-Song im 7/4-Takt, den die Pop-Welt je gehört hat.

Und die Bass-Begleitung hat es mit ihren vielen Synkopen und Stakkati in sich, vor allem wenn man bedenkt, dass Sting dazu noch singt. Auch bei The Police entstanden im Zusammenspiel mit Stewart Copeland immer wieder rhythmisch sehr vertrackte Bass-Linien, die für eine Pop-Band sehr gewagt, aber gleichzeitig auch erfrischend waren – teilweise auch mit Kontrabass gespielt.

Wie Sting es selbst einmal gesagt hat, interessierten ihn schwierige Rhythmen und nur ein Gesetz könne ihn davon abhalten, mit ihnen zu experimentieren.

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Welchen Bass spielt Sting?

Was seine Ausrüstung angeht, ist Sting eher Traditionalist: Sein heutiges Haupt-Instrument ist (neben der Gitarre) sein Signature ’53 Precision Bass von Fender.

Sting live
Sting mit seinem Bass

Anfang der 50er Jahre sah der P-Bass noch eher einer Telecaster ähnlich, und das heutige Reissue-Modell basiert auf einem der ersten Fender-Precision-Bässe, den Sting vor ein paar Jahren entdeckte und lieben lernte. In den vergangenen Jahren war er aber auch mal mit Fender-Jazz-Bässen zu sehen.

Den Bassisten Sting machen also zwei Komponenten aus: Song-dienliche und tragende Riffs, sowie rhythmisch anspruchsvolle Begleitungen. Wie beispielsweise in dem Police-Song ,Spirits In The Material World‘ von der Platte ,Ghost In The Machine‘ aus dem Jahr 1981.

Hier spielt Sting in der Strophe einen echten Kamikaze-Bass, bei dem die Existenz der Eins in einem 4/4-Takt schlichtweg verleugnet wird. Für rhythmisch interessierte Bassisten ein nettes Beispiel zum Transkribieren. Und versucht mal dazu zu singen … 🙂 Viel Spaß!

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Sting als Songwriter

Was kann man noch mehr sagen zu einem Künstler wie Sting. Vieles! Sicher ist auf jeden Fall auch, dass sich an ihm oft die Geister scheiden und er wohl immer schon stark polarisiert hat. Er hat für einige der besten Texte und Songs der Pop-Geschichte gesorgt, deren Eindruck aber auch gleich wieder neutralisiert wurde durch aberwitzige Refrain-Zeilen wie „De Doo Doo Doo, De Daa Daa Daa“.

Sting live bei einem Konzert mit The Police und dem Song De do do do de da da da:

Als Sänger hat er es geschafft, das “„ljojo“ hitparadentauglich zu machen und gleichzeitig die glasklare und auffällig hohe Gesangsstimme zu etablieren. Wichtig scheint neben unwiderstehlichen Melodien bei Stings Liedern vor allem der Text zu sein. Nur wenige aus seiner Feder sagen nichts aus oder wirken einfach so dahingeschrieben.

Großer Auftritt zu seinem 60. Geburtstag – gemeinsam mit Branford Marsalis perfomt er Consider me Gone: 

Autobiographische und zeithistorische Bezüge sind fast allgegenwärtig und zeugen von einer starken Identifikation des Schreibers mit dem Song und dem Text. Vielleicht ist dies ein Anreiz für junge Songwriter über das Texten einmal mehr nachzudenken, denn das ist in der Pop- Rock-Musik heute wie gestern eines der wohl wichtigsten Elemente.

Was überhaupt macht einen guten Text aus? Was kann ich mit welchen Bildern aussagen? Was für Stilmittel stehen mir zur Verfügung? Sting hat darüber offensichtlich öfters nachgedacht und man darf gespannt sein, worüber er so in der nächsten Zeit sinnieren wird.

Privat hat Sting sein Glück übrigens seit über 30 Jahren mit der britischen Schauspielerin Trudie Styler gefunden:

(Geschrieben von Christian Jahl, erschienen in Gitarre & Bass 08/2002)

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Sting Diskografie

Solo-Alben

  • 1985: The Dream of the Blue Turtles
  • 1987: …Nothing Like the Sun
  • 1988: …Nada como el sol
  • 1991: The Soul Cages
  • 1993: Ten Summoner’s Tales
  • 1996: Mercury Falling
  • 1999: Brand New Day
  • 2003: Sacred Love
  • 2006: Songs from the Labyrinth
  • 2009: If on a Winter’s Night…
  • 2010: Symphonicities
  • 2010: Symphonicity +3
  • 2013: The Last Ship
  • 2016: 57th & 9th
  • 2018: 44/876 (mit Shaggy)

          

Police-Alben

  • 1979: Outlandos d’Amour
  • 1979: Reggatta de Blanc
  • 1980: Zenyattà Mondatta
  • 1981: Ghost in the Machine
  • 1983: Synchronicity

 

Jamaika-Felling: Das neue Album 44/876 nahm Sting gemeinsam mit Shaggy auf – hier der Song  Don’t Make Me Wait: