Steve Morse

Stories, Interviews und News zum Deep Purple Gitarristen Steve Morse. Der US-amerikanische Gitarrist ist seit über 40 Jahren eine prägende Figur an der Rock-Gitarre! Was ist das Sound-Geheimnis seiner virtuosen Rock-Gitarre?

Im Vergleich zu seinen beiden namhaften Vorgängern Blackmore und Satriani zeichnet sich Morse vor allem als rhythmisch außerordentlich versierter Musiker aus. Seine flinken Finger, seine atemberaubenden Läufe quer übers Griffbrett, sein unnachahmlicher Ton prägten bereits ,Purpendicular‘, sein 1996 erschienenes erstes Album mit Deep Purple.

 

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Steve Morse Biografie 

Steve Morse & Deep Purple

Töne & Technik von Steve Morse 

Equipment & Sound von Steve Morse 

Steve Morse Signature Gitarre 

Steve Morse Diskografie

Steve Morse Biografie

Geboren wurde Steve Morse 1954 in Hamilton, Ohio, wobei er den Großteil seiner Kindheit in Iggy Pops Heimatstadt Ypsilanti, Michigan verbrachte. Von diesem allerdings unberührt blieben Morses erste musikalische Gehversuche auf Klavier, Klarinette und schließlich Gitarre, die er auch in seiner ersten Band The Plague spielte.

Steve Morse mit seiner Gitarre
Steve Morse mit seiner Signature Gitarre (Bild: Chris Hafer, Mineur)

Ende der Sechziger verschlug es die Familie Morse nach Augusta, Georgia, wo Steve nicht nur die Highschool besuchte, sondern auch weitere (Cover-)Bands gründete, aus denen später zunächst ein Duo namens Dixie Dregs mit dem Bassisten Andy West hervorgehen sollte. Beide zog es in den 70ern an die University Of Music in Miami, wo sie die Besetzung der Dixie Dregs um Allen Sloan (Geige), Frank Josephs (Keyboards) und Rod Morgenstein (Schlagzeug) erweiterten.

1975 folgten erste Aufnahmen einer Musik, die nicht nur wegen ihrer Instrumentierung stark an John McLaughlins Mahavishnu Orchestra angelehnt war und damals von der Band selbst durchaus treffend als „Avantgarde Country“ bezeichnet wurde. Einige Alben und eine Umbenennung in The Dregs später, löste sich die Gruppe vorerst auf, um erst Ende der 80er-Jahre wieder zusammenzufinden und fortan ein loses Kollektiv zu bilden.

Die Zwischenzeit nutzte der Gitarrist, um mit seiner Steve Morse Band – die ursprünglich als Trio begann, jedoch regelmäßig durch Gäste erweitert wurde – sein Profil als Musiker und Komponist weiter zu schärfen. In der Folge gab es ab 1988 einen kurzen Zwischenstopp bei der Rock-Band Kansas, mit der er zwei Alben aufnahm, sowie diverse andere Veröffentlichungen mit der Steve Morse Band, The Dregs, und schließlich 1994 die ersten Produktionen mit Deep Purple.

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Steve Morse & Deep Purple

Als Morse damals, 1994, überraschenderweise zu den Rock-Dinos stieß, waren Deep Purple schon eine der größten Rock-Legenden überhaupt. Man hätte also erwarten können, dass Morse einigen Druck zu spüren bekam und Erwartungen gerecht werden musste. Immerhin hießen seine Vorgänger Ritchie Blackmore und für jeweils kurze Zeit Tommy Bolin und Joe Satriani.

Doch das verneint Morse: „Davon habe ich damals gar nicht viel mitbekommen. Ich wusste eins: Deep Purple wollten mich und ich wollte selbst bleiben. Andere Erwartungen gab es nicht. Sie wollten jemanden, der anders klingt als Ritchie und das war sehr klug von ihnen. Denn Ritchie war ein sehr besonderer Gitarrist und wenn jemand so klingt wie er, dann ist das nur eine Kopie.“

Also musste und wollte Morse sich auch gar nicht verbiegen, sondern hat viel von seinem musikalischen Charakter und seinen Erfahrungen bei Deep Purple einfließen lassen und – wo es nötig war – sein Spektrum erweitert.

 


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Die Öffentlichkeit staunte jedoch nicht schlecht, als Deep Purple nach dem Ausstieg Ritchie Blackmores und der Interimslösung mit Joe Satriani den Amerikaner Steve Morse zum neuen Band-Mitglied bestimmten. Morse, der Prototyp des modernen Gitarristen, sorgte nun also bei der Rock-Ikone Deep Purple für frischen Wind.

Steve Morse spielt das legendäre Intro von Smoke On The Water Live At Montreux 2006:

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Ein Jungbrunnen für Deep Purple!

Für seine neuen Kollegen bedeutete Morses Einstieg ein Jungbrunnen, musikalisch wie menschlich. War die Band nach den ständigen Querelen mit Ritchie Blackmore sowieso angeschlagen und durch die Entscheidung Satrianis, sich gegen Deep Purple und für eine Solokarriere zu entscheiden, verunsichert, blühten Sänger Ian Gillan, Bassist Roger Glover, Organist Jon Lord und Schlagzeuger Ian Paice durch ihren neuen Gitarristen spürbar auf.

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Töne & Technik von Steve Morse

„In den 70ern war es eine Schande, wenn du klangst wie jemand anders. Wenn du heutzutage nicht klingst wie irgendetwas, das im Radio läuft, hast du keine Chance.“ sagt Steve Morse heute. Und tatsächlich war er schon früh jemand, dessen Stil nicht an das Spiel seiner Helden angelehnt war, sondern von Beginn an eigene Wege ging.

Mit verantwortlich dafür war sicherlich sein durch die Ausbildung in Klassik und Jazz an der Universität erweiterter Horizont. Das dort erlangte Wissen machte er sich stets zunutze: „Eine meiner Stärken war es immer, einer Band verschiedene Möglichkeiten anbieten zu können. Je mehr du weißt, desto einfacher fällt es dir, ein Genre auszuweiten und auch andere Dinge einfließen zu lassen. Generell finde ich nicht, dass es schlecht ist, gut ausgebildet zu sein und viel Erfahrung zu haben.“

Die Vermischung verschiedener Genres findet man bei ihm schon in den frühen Dixie-Dregs-Aufnahmen, auf denen er Fusion und Country in fast gleichberechtigten Teilen einander gegenüberstellt. Dies ist sicherlich auch mit ein Grund dafür, dass in vielen Analysen und Abhandlungen über Steve Morse der Eindruck vermittelt wird, er würde immer und überall die mixolydische Tonleiter verwenden.

Was den Country-Anteil in seiner Musik betrifft, ist da sicherlich etwas dran, denn das macht dieses Genre nun mal aus. Aber dieser Modus ist bei Weitem für Morse kein musikalisches Dogma. Morse fühlt sich mehr in durch Chromatik erweiterten Tonleitern als in Pentatoniken zuhause, was für die frühe Eigenständigkeit dieses Gitarristen spricht. Denn Mitte der Siebziger, als die ersten Dixie-Dregs-Aufnahmen entstanden, war Rock-Musik noch stark von Pentatonik und Blues-Tonleiter geprägt.

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Doch schon damals war Morse tonal auf eher vom Jazz geprägten Pfaden unterwegs, wohlgemerkt in stark von Rock und Country geprägter Musik. Das resultierte bei ihm in einem versierten Gebrauch allerlei verschiedener Modi, immer aber gepaart mit einem häufigen Gebrauch von Chromatik. Und das natürlich mit einer Virtuosität, die bis heute ihresgleichen sucht.

Peter Fischer zeigt dir in dem Workshop einen Country-Lick à la Steve Morse & Albert Lee:

Technisch war Steve Morse schon früh nahezu perfekt, ohne diese Fähigkeiten allerdings in protziger Manier einzusetzen. Vor allem sein superschnelles, nicht selten mittels Handballen abgestopptes Alternate-Picking prägte schon immer seine Soli und Kompositionen und ist sicherlich seinem großen Faible für das Mahavishnu Orchestra um John McLaughlin geschuldet.

Auch wenn Gitarristenohren wahrscheinlich hauptsächlich die Virtuosität seiner rechten Hand bewundern, sieht Morse selbst seine Technik ganz anders, wie er in einem Gitarre & Bass Interview von 1990 verrät:

„Die linke Hand ist die Schlüsselstelle, wo deine Gedanken auf die Gitarre übertragen werden. Mit meiner rechten Hand spiele ich mehr automatisch. Meine rechte Hand ist so eine Art Sklave der linken – im positiven Sinne. Die linke Hand denkt, die rechte Hand führt aus.“

Und wie spielt man DEN Klassiker eigentlich richtig? Steve Morse erklärt in dem Video von TC Electronic, wie er “Smoke On The Water” spielt:

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Equipment & Sound von Steve Morse

Steve Morse frönte zu den Dixie-Dregs-und Morse-Band-Zeiten der 70er-Jahre, und auch noch in den 80ern, oft einem weitaus weniger verzerrten und spitzeren Sound als heute bei Deep Purple. Mitverantwortlich dafür könnte seine in Teilen selbstgebaute bzw. -veränderte Gitarre sein, die er damals verwendete.

Rig Rundown! Die Kollegen von Premier Guitar folgten Steve Morse 2015 backstage: 

 

Ursprünglich spielte er seit 1976 eine Stratocaster, der er jedoch mit einem Telecaster-Body mit Akustikgitarren-Saitenhalter sowie zwei Humbucker- und zwei Singlecoil-Tonabnehmern versah. Als diese Gitarre in die Jahre gekommen war, fand Morse in der Firma Music Man einen engagierten Partner, mit dem er ein eigenes Signature-Modell entwerfen und weiterentwickeln konnte, das er seither spielt.

Im Gegensatz dazu wechselte Steve Morse sowohl Verstärker als auch Effekte recht häufig, sodass ihm kein einzelnes, typisches Setup zuzuschreiben ist. Was sich allerdings schon früh herauskristallisierte, war, dass Morses Sound mit wenigen, gängigen Effekten wie Hall und Delay auskommt, und dass er die Wet-Anteile dieser Effekte gerne mittels verschiedener Volume-Pedale steuert.

Steve Morse gibt in dem Video Tipps zum Lernen von komplexen Parts:

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Steve Morse Signature Gitarre

Seine blaue Signature-Gitarre von Ernie Ball Music Man hat Morse in den letzten Jahrzehnten kaum aus der Hand gelegt, was die Frage aufwirft, ob man da nicht manchmal die Inspiration und die unterschiedlichen Eigenschaften, die einem verschiedene Instrumente geben können, vermisst. Doch das kann Morse mit einem klaren „Nein“ beantworten.

„Denn wenn ich darüber nachdenke, wie ich mein Spiel verbessern kann, dann mündet das nie in dem Wunsch, eine andere Gitarre zu besitzen, sondern immer in der Erkenntnis, dass ich mich mit bestimmten Dingen eingehender beschäftigen sollte. Es geht ums Üben! Ich habe noch nie eine Gitarre als Hürde wahrgenommen, sondern wenn es mal eine Hürde gab, dann war das immer die Musik selbst.“

2015 präsentierte Ernie Ball Music Man zwei weitere Steve Morse Signature Modelle mit einem Double-Cutaway, vier Custom DiMarzio Pickups und einem intuitiven Schaltungslayout.

Text: Marian Menge

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Steve Morse Diskografie

Steve Morse Band

  • 1984 – The Introduction
  • 1985 – Stand Up
  • 1989 – High Tension Wires
  • 1991 – Southern Steel
  • 1992 – Coast To Coast
  • 1995 – Structural Damage
  • 1996 – Stressfest
  • 2000 – Major Impacts
  • 2002 – Split Decision
  • 2004 – Major Impacts 2
  • 2005 – Prime Cuts
  • 2008 – Steve Morse Live in New York (inkl. DVD)
  • 2009 – Out Standing In Their Field
  • 2009 – Prime Cuts Volume 2

Dixie Dregs

  • 1975 – The Great Spectacular (Demos aus der Zeit an der University Of Miami)
  • 1977 – Free Fall
  • 1978 – What If
  • 1979 – Night Of The Living Dregs
  • 1980 – Dregs Of The Earth
  • 1981 – Unsung Heroes
  • 1982 – Industry Standard
  • 1987 – Best Of The Dixie Dregs
  • 1988 – Off The Road
  • 1989 – Divided We Stand
  • 1992 – Bring ‘em Back Alive (live)
  • 1994 – Full Circle
  • 1997 – King Bisciut Flower Hour Presents: (live)
  • 2000 – California Screamin’ (live)
  • 2001 – Live in Connecticut 2001 (live, 2 CDs + Video-DVD)
  • 2002 – The Millennium Collection

Deep Purple

  • 1996 – Purpendicular
  • 1997 – Live At The Olympia ’96
  • 1998 – Abandon
  • 1999 – Total Abandon Australia ’99 (live)
  • 1999 – In Concert With The London Symphony Orchestra
  • 2001 – The Soundboard Series Australasian Tour 2001 (live)
  • 2001 – Live At The Rotterdam Ahoy
  • 2003 – Bananas
  • 2005 – Rapture of the Deep
  • 2006 – Live At Montreux 1996
  • 2007 – Live At Montreux 2006
  • 2011 – Live At Montreux 2011
  • 2013 – Now What?!
  • 2015 – From the Setting Sun … In Wacken (live)
  • 2015 – … To the Rising Sun in Tokyo (live)
  • 2017 – Infinite

 

Living Loud

  • 2004 – Living Loud
  • 2005 – Live In Sydney 2004

 

Kansas

  • 1986 – Power
  • 1988 – In The Spirit Of Things
  • 1998 – King Biscuit Flower Hour Presents Kansas
  • 2001 – Dust in the Wind
  • 2003 – From The Front Row … Live!
  • 2004 – Sail On The 30th Anniversary Collection

Angelfire

  • 2010 – Angelfire

 

Flying Colors

  • 2012 – Flying Colors
  • 2013 – Live in Europe
  • 2014 – Second Nature