Bill Wyman

Der britische Bassist Bill Wyman war über 30 Jahre der ruhende Pol der wilden Rolling Stones. Erfahre bei uns alles über seinen Sound!

In Gitarre & Bass sprach der Bassist über seinen Ausstieg bei den Stones, sein Bass-Spiel und die Rhythm Kings.

Bill Wyman über …

… die Zeit nach seinem Stones-Ausstieg

… sein Zusammenspiel mit Charlie Watts

… seinen veränderten Spielstil

… die Lautstärke auf Stones-Bühnen

… das Gerücht, dass er nur alle Jubeljahre die Saiten auf seinem Bass wechselt

… seine wichtigsten Fortschritte als Bassist

… über die Rhythm Kings

Bill Wyman vor und nach den Stones

Bill Wyman Diskografie

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Bassist Bill Wyman

Bill Wyman über die Zeit nach seinem Stones-Ausstieg

Zunächst machte ich eine mehrjährige Pause, heiratete noch einmal und arbeitete an anderen Projekten: Ich schrieb Bücher, betrieb Archäologie und arbeitet dabei mit verschiedenen Museen zusammen, außerdem machte ich Fotoausstellungen rund um den Globus und kümmerte mich um mein Restaurant ,Sticky Fingers‘ in London, das nach 23 Jahren immer noch riesigen Erfolg hat.

Irgendwann kam die Lust auf Musik zurück, aber für mich stand fest, dass es diesmal anders aussehen muss. Ich wollte nur noch aus Spaß an der Musik spielen, aus keinem anderen Grund, ohne irgendwelche Gedanken an Karriere, Hit-Alben oder ähnliches. Trotzdem hatte ich mit den Rhythm Kings von Beginn an großen Erfolg, wir waren auf Platz 1 der Jazz– & Blues-Charts in England. Ursprünglich dachte ich, dass die Rhythm Kings nur einige Jahre existieren würden, doch dann entwickelte sich alles so prächtig, dass wir einfach weitermachten.

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Bill Wyman über sein Zusammenspiel mit Charlie Watts

Charlie und ich waren 30 Jahre lang eine verlässliche Größe, damit sich die anderen Band-Mitglieder in Szene setzen konnten. Ich mag es, wenn man als Bassist Freiräume lässt, damit die Musik atmen kann.

Erfahre mehr über Charlie Watts aus sticks.de – dem Fachmagazin für Drums & Percussion! 

Bill Wyman über seinen veränderten Spielstil

Bei den Rhythm Kings kommt es darauf an, dass der Bass wie ein Kontrabass klingt, denn die Songs, die wir spielen, wurden im Original größtenteils mit Kontrabass oder komplett ohne Bass aufgenommen. Also musste ich die Noten und das Spielgefühl eines Kontrabasses anstatt einer Bassgitarre umsetzen.

Bill Wyman über die Lautstärke auf Stones-Bühnen

Mit den Stones war es immer unglaublich laut! Auch schon zu Beginn, als wir noch Blues in kleinen Clubs spielten. Als ich 1963 zu den Stones stieß, hatte ich bereits diesen Bass und – zusammen mit einem Freund – eine Box mit einem 18“-Speaker gebaut, der also einen halben Meter groß war. Eine solche Box musste ich unbedingt besitzen, denn ich wollte einen möglichst großen druckvollen Sound.

Die meisten Bassisten spielten über kleinere Lautsprecher und klangen dadurch metallischer. Aber ich mochte ihren Sound nicht, also setzte ich auf diesen riesigen Lautsprecher, der mir genau das Klangvolumen gab, das mir gefiel und das ein wenig wie ein Kontrabass klang. Diesen riesigen Lautsprecher habe ich während meiner gesamten Stones-Ära gespielt, egal ob ich sie mit Ampeg-, Fender- oder Vox-Amps ansteuerte, es waren immer 18“-Speaker.

Ich spiele sie bis heute, denn sie geben mir diesen sehr massigen, körperreichen Sound. Ich möchte nicht, dass der Bass klackert, ich möchte, dass er drückt und schiebt, und dafür brauche ich diesen riesigen Lautsprecher. Es gab Zeiten, in denen Sie den halbakustischen Framus Star Bass gespielt haben, der heute noch Stone-Bass heißt; später dann – quasi ganz das Gegenteil – den Headless-Bass von Steinberger.

Den Steinberger spielte ich auf meinen letzten großen Stones-Tourneen der Jahre 1981/82 und 1989/90. Zunächst sah er ja wie ein kleines Maschinengewehr aus, was mir nicht gefiel. Also nahm ich die Version, die wie ein Bass ohne Kopfplatte aussah. Es war der erste Bass meines Lebens, der sowohl im Studio als auch auf der Bühne gut klang. Vorher musste ich immer im Studio und auf der Bühne unterschiedliche Modelle spielen, weil man einfach nicht die perfekte Qualität für die jeweilige Situation bekam.

Ich brauchte allerdings eine Short-Scale-Version, weil ich eher klein bin und sehr kleine Hände habe. Außerdem habe ich immer Flatwound-Saiten gespielt, die einen ganz besonderen Ton erzeugen. Diese Saiten spiele ich noch heute.

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Bill Wyman zu dem Gerücht, dass er nur alle Jubeljahre die Saiten auf seinem Bass wechselt

Das stimmt, manchmal ist ein Satz Saiten über mehrere Jahre drauf. Je älter sie sind umso besser klingen sie (lacht). Ich weiß, dass Gitarristen ihre Saiten teilweise nach jeder Show wechseln, um diesen Twang zu bekommen. Aber ich brauche kein Twang, ich brauche einen knurrenden, knochigen Ton, und den bekomme ich dadurch, dass ich so gut wie nie meine Saiten wechsele.

Bill Wyman über seine wichtigsten Fortschritte als Bassist

Vermutlich ganz zu Beginn meiner Laufbahn, also Anfang bis Mitte der Sechziger, so etwa 1964 und 1965. Wir experimentierten damals sehr viel mit unterschiedlichen Sounds, wir begannen Blues zu spielen, wechselten dann zu Rhythm ‘n’ Blues und Soul und schwarzer Musik und verwandelten unseren Stil bis in die Siebziger sukzessive in Richtung einer härteren Rock-Musik. Aber für mich waren es dennoch die gleichen Grundideen, ein absolut vergleichbares Feeling. Am Anfang meiner Karriere lernte ich vor allem von anderen.

Ich hörte eine Menge Schallplatten, achtete dabei ganz genau auf andere Bassisten und suchte mir gezielt kleine Dinge heraus, von denen ich glaubte, dass sie zu mir passen. Übrigens lernte die komplette Band von anderen Musikern. Ich entdeckte etwas Besonderes bei einem anderen Bassisten und versuchte dies in mein Spiel zu übernehmen. Aber ich war nicht der einzige, Paul McCartney oder John Entwistle von den Who machten es genauso. Wir Bassisten lernten damals ebenso von anderen Musikern wie es die Gitarristen oder die Pianisten unserer jeweiligen Bands taten.

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Bill Wyman über das Konzept der Rhythm Kings

Diese Band soll eine gute Mischung aus ursprünglicher Musik spielen, mit Songs, die wir besonders wichtig finden, wie etwa von Ray Charles, sowie Stücken aus den Siebzigern, Achtzigern beispielsweise von J.J. Cale und anderen Musikern dieser Ära. Außerdem spielen wir eine Menge Klassiker unter anderem von Chuck Berry oder auch von den Stones. Von denen allerdings nur zwei oder drei, denn ich möchte vermeiden, dass man mir vorwirft, den Erfolg der Stones auszuschlachten.

Wir haben den großartigen Georgie Fame an der Orgel, Geraint Watkins am Klavier – übrigens Bob Dylans englischer Lieblingspianist –, dazu Terry Taylor an der Gitarre und mich am Bass sowie als Sängerin Beverley Skeete, die vor allem die Balladen singt. Und Mary Wilson von The Supremes als Special Guest.

Ich betone es immer wieder, da es die Wahrheit ist: Diese Band zaubert ihren Zuschauern mit einem tollen Konzert ein Lächeln ins Gesicht. Welche Songs man auf dieser Tour konkret erwarten kann, steht noch nicht endgültig fest, denn wir proben für die Shows erst Ende des Monats. Sicherlich werden wir auch einige neue Songs testen, zumal wir sowieso nie das gleiche Programm zweimal spielen. Denn, wo immer wir spielen, haben wir riesige Erfolge, und deswegen machen wir diese Konzerte.

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Bill Wyman über seine Position bei den Rhythm Kings

Ich bin der Leiter der Band außerhalb der Bühne. Ich entscheide, welche Songs gespielt werden und ich stelle die Besetzung zusammen. Das Line-Up hat sich seit Gründung kaum verändert, es ist wie beim Fuß- ball: Never change a winning team! Wir wollen einfach nur unseren Spaß haben. Um Geld kann es dabei ja nicht gehen, denn wenn man mit neun Leuten auf die Bühne geht, bleibt für jeden einzelnen nur wenig übrig. Das Publikum weiß dies zu schätzen, also gibt es nach Konzerten häufig minutenlange Ovationen, was für uns natürlich toll ist.

Bill Wyman über seine Lektionen bei den Rhythm Kings

Entspannt und leise zu spielen, das habe ich erst so richtig mit den Rhythm Kings gelernt. Bei den Stones kam dies höchstens mal im Studio, bei einer Ballade oder irgendeinem Folk-Tune vor, aber nicht wenn es auf die Bühne ging, dort war es immer sehr laut und heavy. Mir gefiel das schon damals nicht, denn ich fand immer, dass es wichtiger sei, das richtige Feeling eines Songs zu treffen und alles entspannter und möglichst laid back zu spielen.

Ich habe gerade in dieser Woche ein Interview mit einem englischen Fußballer gelesen, der soeben aus der dritten Liga zu Aston Villa in die Premier League gewechselt ist und der gefragt wurde, ob er aufgrund der hohen Ablösesumme von nahezu sechs Millionen Pfund einen besonderen Druck verspüre.

Der Spieler antwortete: „Ich habe mir tatsächlich ein paar Sorgen gemacht, aber dann kam der Manager von Aston Villa zu mir und erklärte mir, dass ich ganz entspannt bleiben könne. Der Verein wisse, was ich kann, deswegen hätten sie mich ja gekauft. Ich solle einfach nur mein Ding machen und Spaß haben.“ Genauso denke ich auch über Musik: Man muss nicht heavy spielen, um erfolgreich zu sein. Man muss seinen Verstärker nicht unbedingt auf 11 drehen – um es mit Spinal-Tap-Dimensionen zu erklären – sondern kann auch einfach entspannt spielen und alles genießen.

Ich habe dies von Leuten wie B.B. King gelernt, der mit seiner 17-köpfigen Band im Jahre 1969 mit uns tourte. Er konnte von einem wahnsinnig lauten Spektakel direkt zu einem leisen Flüstern übergehen, um den Song dann wieder zu einem großen Höhepunkt aufzubauen. Dynamik ist der Fachbegriff dafür. In einem Klassik-Konzert bekommt man genau diese Dynamik geboten.

Mehr über die Rolling Stones und das Geheimnis ihres legendären Sounds erfährst du auf der Stones-Themenseite!

Das Interview führte Matthias Mineur 2012.

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Bill Wyman vor und nach den Stones

1992 kündigte Bill Wyman, der am 24. Oktober 1936 als William Perks in Kent geboren wurde, an, die Rolling Stones zu verlassen. Doch er wurde dafür nur belächelt. Keith Richards sagte: „Entweder man stirbt, so wie Brian Jones, oder man wird gefeuert, so wie Ron Woods Vorgänger Mick Taylor.“

Anders könne man die Rolling Stones nicht verlassen. Bill war bis 1993, also immerhin 31 Jahre lang, Mitglied der Stones. Denn als die Band 1961 noch „Mick Jagger and the Rolling Stones“ hieß, waren neben Mick und Keith noch Gitarrist Brian Jones, Ian Stewart (Piano), Mick Avory (Schlagzeug, der später bei The Kinks spielte) und ein gewisser Dick Taylor am Bass dabei.

Wymans Nachfolger war dann kein geringerer als Daryl Jones, der schon mit Miles Davis, Sting, Herbie Hancock und vielen anderen gespielt hatte. Er war allerdings nie festes Band-Mitglied und erschien auch nie auf offiziellen Pressefotos.

Nachdem sich Bill Wyman für knapp drei Jahre fast völlig aus dem Business zurückgezogen hatte, tauchte er 1995 mit seiner neuen Band Rhythm Kings wieder in der Öffentlichkeit auf. Seither begeistert die erstklassig besetzte Truppe die Fans mit tollen Scheiben und fabelhaften Konzerten.

Bill Wyman machte in der Vergangenheit nicht nur aufgrund seiner Musik von sich reden. 1989 heiratete er mit 52 die damals 18-jährige Mandy Smith. Die Ehe hielt zwei Jahre. Zur Hochzeit waren nicht nur die Stones  anwesend, sondern auch andere Musiker-Kollegen wie Eric Clapton:

Im November 2012 feierte Wyman ein kleines Bühnen-Comeback mit den Rolling Stones – für ein paar Songs stand er ebenso wie Mick Taylor bei zwei Stones-Konzerten in der Londoner 02 Arena auf der Bühne:

2016 wurde bei Wyman Krebs diagnostiziert. Da der Prostatatakrebs in einem frühen Stadium entdeckt wurde, zeigte sich ein Sprecher des Musikers jedoch optimistisch: “Wyman ist in Behandlung und wir gehen davon aus, dass er vollständig geheilt wird.”

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Bill Wyman Diskografie

Soloalben

  • 1974: Monkey Grip
  • 1976: Stone Alone
  • 1982: Bill Wyman
  • 1992: Stuff
  • 2015: Back to Basics
  • 2016: 80th Birthday Gala

 

Willie and the Poor Boys

  • 1985: Willie and the Poor Boys
  • 1992: Tear It Up: Live
  • 2006: Poor Boy Boogie – The Willie and the Poor Boys Anthology

 

Bill Wyman’s Rhythm Kings

  • 1997: Struttin’ Our Stuff
  • 1999: Anyway the Wind Blows
  • 2000: Groovin’
  • 2001: Double Bill
  • 2004: Just for a Thrill
  • 2004: Struttin’ Our Stuff – Live in Concert

 

Bootleg Kings

  • 1998: Live in Europe
  • 2000: Ride Again
  • 2001: Travelin’ Band
  • 2002: On the Road Again

 

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