Bill Wyman

Bill Wyman muss man nicht mehr ausführlich vorstellen: Der Brite war mehr als 30 Jahre der ruhende Pol der wilden Rolling Stones und hat Klassiker wie ,Exile On Main Street‘, ,Sticky Fingers‘ oder ,Goats Head Soup‘ mit eingespielt.

1992 beendete Bill Wyman seine Stones-Karriere, zog sich für knapp drei Jahre fast völlig aus dem Business zurück, um 1995 mit seiner neuen Band Rhythm Kings wieder in der Öffentlichkeit aufzutauchen. Seither begeistert die erstklassig besetzte Truppe die Fans mit tollen Scheiben und fabelhaften Konzerten.

Bassist Bill Wyman

Bill Wyman über das Konzept der Rhythm Kings:

Diese Band soll eine gute Mischung aus ursprünglicher Musik spielen, mit Songs, die wir besonders wichtig finden, wie etwa von Ray Charles, sowie Stücken aus den Siebzigern, Achtzigern beispielsweise von J.J. Cale und anderen Musikern dieser Ära. Außerdem spielen wir eine Menge Klassiker unter anderem von Chuck Berry oder auch von den Stones. Von denen allerdings nur zwei oder drei, denn ich möchte vermeiden, dass man mir vorwirft, den Erfolg der Stones auszuschlachten.

Wir haben den großartigen Georgie Fame an der Orgel, Geraint Watkins am Klavier – übrigens Bob Dylans englischer Lieblingspianist –, dazu Terry Taylor an der Gitarre und mich am Bass sowie als Sängerin Beverley Skeete, die vor allem die Balladen singt. Und Mary Wilson von The Supremes als Special Guest.

Ich betone es immer wieder, da es die Wahrheit ist: Diese Band zaubert ihren Zuschauern mit einem tollen Konzert ein Lächeln ins Gesicht. Welche Songs man auf dieser Tour konkret erwarten kann, steht noch nicht endgültig fest, denn wir proben für die Shows erst Ende des Monats. Sicherlich werden wir auch einige neue Songs testen, zumal wir sowieso nie das gleiche Programm zweimal spielen. Denn, wo immer wir spielen, haben wir riesige Erfolge, und deswegen machen wir diese Konzerte.

Bill Wyman über seine Position bei den Rhythm Kings:

Ich bin der Leiter der Band außerhalb der Bühne. Ich entscheide, welche Songs gespielt werden und ich stelle die Besetzung zusammen. Das Line-Up hat sich seit Gründung kaum verändert, es ist wie beim Fuß- ball: Never change a winning team! Wir wollen einfach nur unseren Spaß haben. Um Geld kann es dabei ja nicht gehen, denn wenn man mit neun Leuten auf die Bühne geht, bleibt für jeden einzelnen nur wenig übrig. Das Publikum weiß dies zu schätzen, also gibt es nach Konzerten häufig minutenlange Ovationen, was für uns natürlich toll ist.

Bill Wyman über seine Lektionen bei den Rhythm Kings:

Entspannt und leise zu spielen, das habe ich erst so richtig mit den Rhythm Kings gelernt. Bei den Stones kam dies höchstens mal im Studio, bei einer Ballade oder irgendeinem Folk-Tune vor, aber nicht wenn es auf die Bühne ging, dort war es immer sehr laut und heavy. Mir gefiel das schon damals nicht, denn ich fand immer, dass es wichtiger sei, das richtige Feeling eines Songs zu treffen und alles entspannter und möglichst laid back zu spielen.

Ich habe gerade in dieser Woche ein Interview mit einem englischen Fußballer gelesen, der soeben aus der dritten Liga zu Aston Villa in die Premier League gewechselt ist und der gefragt wurde, ob er aufgrund der hohen Ablösesumme von nahezu sechs Millionen Pfund einen besonderen Druck verspüre.

Der Spieler antwortete: „Ich habe mir tatsächlich ein paar Sorgen gemacht, aber dann kam der Manager von Aston Villa zu mir und erklärte mir, dass ich ganz entspannt bleiben könne. Der Verein wisse, was ich kann, deswegen hätten sie mich ja gekauft. Ich solle einfach nur mein Ding machen und Spaß haben.“ Genauso denke ich auch über Musik: Man muss nicht heavy spielen, um erfolgreich zu sein. Man muss seinen Verstärker nicht unbedingt auf 11 drehen – um es mit Spinal-Tap-Dimensionen zu erklären – sondern kann auch einfach entspannt spielen und alles genießen.

Ich habe dies von Leuten wie B.B. King gelernt, der mit seiner 17-köpfigen Band im Jahre 1969 mit uns tourte. Er konnte von einem wahnsinnig lauten Spektakel direkt zu einem leisen Flüstern übergehen, um den Song dann wieder zu einem großen Höhepunkt aufzubauen.  Dynamik ist der Fachbegriff dafür. In einem Klassik-Konzert bekommt man genau diese Dynamik geboten.