30. Dezember:

Steve Vai nimmt Abschied von Lemmy Kilmister

Am 30. Dezember postete Steve Vai eine lange, ausführliche Nachricht auf Facebook, in der es um den zwei Tage zuvor verstorbenen Lemmy Kilmister geht.

Steve war am 13. Dezember noch auf der Feier von Lemmys 70. Geburtstag im Rockclub Whisky A Go Go. Nur 13 Tage später musste Lemmy erfahren, dass er an einem Gehirntumor leidet und voraussichtlich nur noch zwei bis sechs Monate zu leben hat – zwei Tage darauf, am 28.12.2015, starb er.

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„Lemmy war der Superlativ von einzigartig“, schrieb Vai.

„Jeder liebte ihn. Er war das Herzstück vom Rock ‛n Roll wie ihn jeder liebt. Ich traf ihn mal im ,Rainbow Bar and Grill’ und sagte zu ihm: ,Also wann willst du mich fragen, ein Solo auf einer Motörhead-Scheibe zu spielen?’ Er sagte: ,Ich werde am Mittwoch mittags bei dir sein. ‘

Die Soli dauerten nur ein paar Stunden, aber wir beide saßen danach noch um die 10 Stunden da und redeten. Er konsumierte dabei Unmengen von Alkohol und Speed, aber er stotterte und trällerte kein einziges Mal oder verpasste eine Gelegenheit, sich inspirieren zu lassen. Er war scharf, aufmerksam und jederzeit außerordentlich präsent. Ich konnte das nicht begreifen.

Das Album, bei dem ich mitgewirkt habe, ist das 2004 erschienene ,Inferno’ und einige Tage später schickte mir Lemmy ein graviertes Feuerzeug. Wie cool, nicht?

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Die Geschichten, die er erzählte, waren faszinierend und so lernte ich diese bemerkenswerte Person kennen, die er war. Ich fand heraus, warum ihn so viele vergötterten und verehrten. Lemmy marschierte im Takt seines eigenen Drums. Sein Vertrauen in sich selbst und in seine Musik war groß und er war vielleicht der ehrlichste Mensch, den ich in diesem Business kannte. Er stand so in Verbindung mit sich selbst und er erlaubte anderen, sie selbst zu sein, ohne über sie zu urteilen.

Er beschwichtigte nichts oder beschönigte die Dinge, sondern übermittelte einem die Reflexion der eigenen Absichten, sprich wenn du ein Arschloch bist, solltest du besser vorbereitet sein, dass du verbal verloren bist. Aber wenn deine Moral es wert war, dann war er unglaublich warm, rücksichtsvoll, großzügig und unterstützend. Er gab einem seine vollste Aufmerksamkeit, wenn man mit ihm sprach und das ist das beste Geschenk, das man jemandem machen kann. Wir liebten ihn, weil er unsere Wünsche inspirierte, unabhängig zu sein und uns unserer Arbeit zu widmen, wie er. Und er tat das mit einem unglaublich soliden, abgerundeten und geerdeten Gefühl von Vertrauen, Wärme und Verstand.

Und nicht zu vergessen, er spielte den harten, schnellen, keine-Ausreden Rock ‘n Roll mit außergewöhnlichem Aussehen, Stimme und Bass-Sound. Er war ein großartiger Performer, dessen Echtheit gewaltig war. Auch die Art, wie sein Mikrofon über ihm hing, wird in die Geschichte gehen. Er war ,the One… ALONE.’

Ich schrieb einen Song mit ihm und Ozzy, der ,My Little Man’ hieß und 1995 auf Ozzys ,Ozzmosis’ erschien. Lemmy schrieb den Songtext. Wenn man auf den Text achtet, kann man einen Einblick in seine Sanftmut erlangen, die in ihm ruhte. Der Song ist sehr berührend und als ich seinen Sohn Paul kennengelernt habe, wurde mir klar, wie aufrichtig dieser Text war.e2809eesgibtaugenblicke2c0aindenenmanweic39f2c0awannmanjemandemdas0aletztemalinseinemleben0aaufwiede-default

Ich erinnere mich daran, als meine Frau ihn traf und eine Gelegenheit hatte, das Muttermal auf seiner Wange zu küssen. Ich war glücklich genug, eingeladen worden zu sein, auf seinem 70. Geburtstag zu performen, der ein paar Wochen, bevor er von uns ging, im Whisky A Go Go stattfand. Ich spielte mit Bob Kulick und Lemmys Sohn Paul, der ein wirklich guter Gitarrist ist. Nach der Show ging ich zu Lemmy auf den Balkon, wo er die ganze Nacht saß. Er war erschreckend dünn und gebrechlich, aber er hatte immer noch diese beständige Wahrnehmung all dessen, was in der Welt um ihn herum passierte. Ich hielt seine zittrige Hand, erzählte ihm, wie schön es war, mit seinem Sohn zu jammen und dann küsste ich seine Hand und sagte ,Gott segne dich, mein Bruder, und danke. ’

Es gibt Augenblicke, in denen man weiß, wann man jemandem das letzte Mal in seinem Leben auf Wiedersehen sagt, und trotz der anwesenden Traurigkeit, war es ein herzlicher Gruß […] und ein kurzzeitiger Austausch von tiefem Respekt und Freude an der Kenntnis des anderen.

Er war der Coolste und dort, wo auch immer seine Aufmerksamkeit jetzt ist, ist auch er noch.

Lemmy, du warst außergewöhnlich und wir sind dankbar.“

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ich habe den ganzen Tag seine Platten rauf und runter gespielt – LAUT – und in meinem Ritus die Toten zu Ehren – ihm eine Gebets-Fahne an meinem Strauch – vor unserem Haus aufgehängt 🙂 Dass alle sehen – und sein Name und die Gedaknen dazu im Wind und Wetter vergehen- und in unseren Herzen wird er ein ewigen Platz haben !

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