The Winery Dogs:

Richie Kotzen & Billy Sheehan im Interview

Nach einem fast unüberschaubaren Arsenal an Solo-DOGS Produktionen, zwei kurzen Liaisons mit den US-Glam-Rockern Poison und der Rock-Band Mr Big sowie einer aufsehenerregenden Kooperation mit den Jazz-Rock-Größen Lenny White und Stanley Clarke, ist Gitarrist Richie Kotzen heute gemeinsam mit Ausnahmebassist Billy Sheehan und Ex-Dream-Theater-, -Transatlantic- und -Avenged-Sevenfold-Drummer Mike Portnoy einer von drei gleichberechtigten Protagonisten der Allstar-Formation The Winery Dogs.

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(Bild: Matthias Mineur)

Auf der Bühne ist Kotzen ein glamouröser Gitarrenheld mit Charisma und toller Spieltechnik, dahinter erlebt man den 46-jährigen Amerikaner dagegen eher scheu, zurückhaltend und fast ein wenig unsicher. Dabei hätte der Mann allen Grund, sich auch abseits des hellen Scheinwerferlichts mit stolzgeschwellter Brust zu zeigen: Das aktuelle Album ,Hot Streak‘ der Winery Dogs, eine knackige Scheibe an der Schnittselle zwischen Rock, Blues, Funk und Fusion, ist bei den Fans wie eine Bombe eingeschlagen. Dementsprechend randvoll sind die Konzerte der Gruppe auf ihrer derzeitigen Welttournee. Auch im Hamburger Club Knust gab es Ende Februar an der Abendkasse keinerlei Tickets mehr. Wir trafen uns bereits nachmittags mit Kotzen und Sheehan, schauten uns ihr Equipment an und befragten sie nacheinander zu ihrer außergewöhnlich virtuosen Band.

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Richie Kotzen (Bild: Matthias Mineur)

Richie, existieren eigentlich Unterschiede zwischen den Reaktionen der Fans in Europa und Amerika auf die Winery Dogs?

Richie Kotzen: Nein, ich denke nicht. Überall kommen enthusiastische Fans, die sich unsere Scheiben gekauft haben und uns nun live sehen wollen, die wissen wollen, wer The Winery Dogs sind. Wir sind dankbar, dass wir überall spielen dürfen. Die Shows sind nahezu überall ausverkauft, es gibt erfreulicherweise überall große Begeisterung für das, was wir machen. Und wir haben jetzt einfach viel mehr Material, auf das wir zurückgreifen können. Auf der ersten Tour gab es nur Songs von unserem DebütAlbum, also packten wir ein paar CoverTracks dazu und verlängerten die Arrangements der Stücke. Diesmal gibt es bereits zwei Scheiben mit Winery-Dogs-Songs, und die Fans sind nach wie vor total begeistert und die Band ist weiter gewachsen, was ich toll finde.

Die Bandbreite an Stilen deiner bisherigen Karriere reicht von Rock über Metal bis Funk und Jazz-Rock. Ist die Musik der Winery Dogs deine ultimative Liebe?

Richie Kotzen: Nein. Das Schöne an meiner Laufbahn: Sie ist wie ein offenes Tagebuch. Mein erstes Soloalbum veröffentlichte ich mit 18, die Songs darauf stammten aus einer Zeit, als ich 16 und 17 war. Auf meinen ersten drei Scheiben gab es ständig etwas Neues, bis ich auf der vierten Scheibe erstmals das Gefühl hatte, eine eigene Richtung gefunden zu haben. Heute, unzählige Alben später, kann man meine Musik wie ein offenes Tagebuch lesen, aus dem man die Entwicklung eines Künstlers erkennt. Mir gefällt die Vorstellung, dass ich als Musiker ständig wachse, anstatt immer nur das Gleiche zu machen. The Winery Dogs entstanden 2011 zu einem für mich perfekten Zeitpunkt, denn ich hatte das Gefühl, dass ich als Solokünstler eine Auszeit brauchte …

Aus dieser Überlegung heraus entstanden The Winery Dogs. Ich bekam also genau das, was ich haben wollte, ohne dass ich dadurch von meiner Arbeitsweise grundlegend abweichen musste. Es kamen einfach nur zwei weitere Musiker hinzu, die bei der Sache helfen. Einfach toll! In einer Band gibt es ständig neue Herausforderungen und Dinge, die man nicht kennt, wenn man immer nur alleine gearbeitet hat. Wenn man diese äußeren Einflüsse zulässt, kann daraus etwas spannendes Neues entstehen.

Wie wichtig war für dich, bei The Winery Dogs die kleinste Form einer Band zu wählen, nämlich ein Trio?

Richie Kotzen: Wenn man ehrlich ist, habe ich ja auch als Solokünstler auf der Bühne fast immer in einer Trio-Besetzung gearbeitet. Die Erfahrung zeigt ja, dass diese Entscheidung auch für The Winery Dogs richtig war, denn in den Konzerten ist das Zusammenspiel zwischen uns absolut perfekt. Allerdings: Außerhalb der Winery Dogs wird für mich die Idee einer größeren Band aber zunehmend interessanter. Ich habe lange in Trios gespielt und dies immer sehr geliebt, aber zukünftig könnte ich mir auch vorstellen, die erste Hälfte einer Show als Trio mit all den Improvisationsmöglichkeiten zu bestreiten, um dann in der zweiten Hälfte weitere Musiker auf die Bühne zu holen und sich gezielter auf Songs und ihre Arrangements zu konzentrieren. Aber das sind Zukunftsszenarien, wenn auch außerordentlich reizvolle. The Winery Dogs werden dagegen ein Trio bleiben.

Komponierst du auf der Gitarre oder auf dem Piano?

Richie Kotzen: Auf beidem, etwa halb und halb. Viele Songs entstehen, weil ich eine Melodie oder eine Textzeile im Kopf habe. Ideen können überall entstehen, im Schlaf, beim Radiohören, am Klavier, weil mir eine bestimmte Akkordfolge gut gefällt, oder eben auch an der Gitarre. Ich gehöre nicht zu den Typen, die von ihrem Instrument besessen sind. Bis zu meinem 16. oder 17. Lebensjahr war ich von meiner Gitarre besessen, aber als ich merkte, dass mir Instrumente lediglich dabei helfen, meine eigene Musik zu machen, wurden Gitarren zu reinen Werkzeugen. Weißt du was der größte Unterschied zwischen Billy und mir ist?

Ich kann das jeden Tag beobachten: Billy sitzt stundenlang an seinem Instrument und übt, um seine physischen Fähigkeiten am Bass zu trainieren. Ich bin das genaue Gegenteil zu Billy, ich vermeide es zu üben. Wenn ich ein Instrument in die Hand nehme, dann nur um eine Idee in einen konkreten Song umzusetzen. Ich denke, deswegen funktioniert diese Band auch in der Phase des Songwritings so hervorragend. Ein Beispiel: Der Song ,Hot Streak‘ , dieses signifikante Riff, ist im Grunde genommen nur eine Aufwärmübung, die Billy bereits seit vielen Jahren spielt. Als wir uns in meinem Haus trafen, um das neue Album zu schreiben, hörte ich ihn auf dem Weg vom Badezimmer ins Studio diese Übung spielen. Ich sagte: „Das war cool! Kannst du es mir noch einmal vorspielen?“ Mike fing sofort an, dazu einen Groove zu spielen.

Ich sagte: „Daraus könnte man einen Song machen.“ Also suchte ich eine passende Akkordfolge und sang dazu. Ich war wie elektrisiert. Wir jammten ein wenig, ich nahm die Sachen auf, arbeitete nachts daran, schrieb einen Text dazu und stellte es den anderen am nächsten Tag vor. Unser Engineer Jerry Guidroz war total begeistert. Gerade das macht den Spaß in einer Band aus: Man hat unterschiedliche Charaktere, unterschiedliche Ansätze, individuelle Fähigkeiten am Instrument. Und wenn man dann in der Lage ist, das alles von außen zu betrachten und in Songs einfließen zu lassen, bekommt man tolle Resultate. Ich bin dazu in der Lage, ich kann Dinge von außen betrachten. Auf diese Weise ist ,Hot Streak‘ entstanden. Wirklich: Viele Songs sind das Resultat einer Jam-Session, bei der Billy einfach ein Übungs-Pattern in den Raum warf und wir dazu spielten.

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Die beiden Marshall Plexi 100 Watt mit vierfachem Eingang (Bild: Matthias Mineur)

Heißt das: Deine größte Stärke als Musiker sind deine Antennen, mit denen du Dinge empfangen und in Songs ummünzen kannst?

Richie Kotzen: Sagen wir es mal so: Wenn eine Idee es wert ist, habe ich sofort Visionen für einen Song. So funktioniert mein Gehirn. Wie ich vorhin bereits erwähnte: Ich denke immer darüber nach, wie man eine Idee nutzen kann, was sich daraus entwickeln lässt. Ich verschwende keine Zeit für Dinge, in denen ich keinen Sinn sehe. Das was ich am meisten an meinem Beruf liebe, ist der kreative Prozess. Ich mag es, kleine Teile zusammenzufügen und in ein größeres Ganzes, ein strukturiertes Gebilde aufgehen zu lassen. Das muss nicht unbedingt nur Musik sein. Ein Haus zu bauen ist ebenfalls ein kreativer Prozess. Ich hätte auch Spaß an Architektur, Schauspielerei, Malerei, an jeder Form von Kreativität. Aber meine Fähigkeiten liegen nun einmal im musikalischen Bereich. Es ist ein wenig wie ein Hobby, das außer Kontrolle geraten ist. (lächelt)

Auch wenn du dich als eher impulsiven, gefühlsgesteuerten Gitarristen beschreibst, besitzt du dennoch eine fabelhafte Technik. Wird die durch das Zusammenspiel mit Koryphäen wie Billy Sheehan und Mike Portnoy noch zusätzlich gefördert?

Richie Kotzen: Ich bin mir nicht sicher, denn ich habe bereits mit so vielen Musikern gespielt. Und natürlich lernt man von jedem, egal wie technisch versiert er ist. Vieles davon geht weit über den rein musikalischen Bereich hinaus. Als ich im Alter von 18 mein erstes Album mit Steve Smith von Journey aufnahm, lernte ich von ihm ein paar ganz spezielle Lektionen über Rhythmen und Timing. Einige Jahre später war ich in einer Band mit Stanley Clarke, der mir interessante Dinge über Harmonien beibrachte. Und sogar in meiner Zeit bei Poison habe ich wichtige Dinge gelernt. Poison waren eine Glam-Band und an Musikalität nicht sonderlich interessiert. Von ihnen lernte ich eine Menge über Simplizität und wie man Dinge auf Menschen überträgt, die nicht auf dem eigenen musikalischen Niveau sind. Man lernt also ständig und überall …

Mit The Winery Dogs habe ich gelernt, wie schön es sein kann, wenn sich andere um Dinge kümmern, auf die man selbst keinen Bock hat. Zum Beispiel machen mich Setlisten in meinen eigenen Bands wahnsinnig. Ich hasse es eine Song-Reihenfolge festzulegen, bevor das Konzert begonnen hat. In meinen Bands gab es nie Setlisten, alles wurde spontan und auf Zuruf entschieden. Wenn wir einen Song gespielt hatten, wusste ich, wie das Publikum reagiert, wie ich mich fühle und nach welcher Nummer mir als nächstes zumute ist. So habe ich jahrelang getourt. Mike dagegen liebt Setlisten, er liebt es, eine Show zusammenzustellen. Also lass ich es ihn machen. Toll! Billy wiederum ist unglaublich eloquent und kann Leute von seinen Ideen überzeugen. Ich liebe es, wenn er anderen etwas mitteilt, weil ich mir sicher sein kann, dass er niemanden vor den Kopf stößt. Man ist immer wieder überrascht, was man von anderen Menschen lernen kann.

Letzte Frage: Reizen dich als Instrumentalist neue Entwicklungen?

Richie Kotzen: Sie reizen mich natürlich, aber ich bin mit dem, was ich habe, hoch zufrieden. Als ich 1991 das Album mit Poison aufnahm, spielte ich Telecaster-Kopien, die sich zwar Ibanez nannten, die aber von Starfield hergestellt wurden. Als die Leute von Fender ins Studio kamen, weil der Poison-Bassist von ihnen endorsed wurde, und meine Telecaster-Kopien sahen, sagten sie: „Pass mal auf, wir schicken dir jetzt mal ein paar echte Teles.“ Ich spielte damals auf meinen Alben heimlich einige Fender-Instrumente. Fender gaben mir zwei Gitarren, eine rote Strat und eine Tele in Tobacco Brown Sunburst. Einige Jahre später bot mir Fender Japan an, zwei Signature-Modelle zu designen, eine Strat und eine Tele. Diese Telecaster spiele ich bis heute, sie ist meine Hauptgitarre, und man kann meine Signature-Tele auf der ganzen Welt kaufen. Bei den Verstärkern teste ich häufiger mal etwas Neues.

Es gibt einen Signature-Amp der britischen Firma Cornford, der allerdings nicht mehr gebaut wird. Mit ihm und einigen Vintage-Fender- und –Marshall-Amps habe ich die Songs des neuen Winery-Dogs-Albums eingespielt. Auf dieser Tour spiele ich über zwei 100-Watt Marshall-Plexi, die Version mit vier Eingängen. Für mich ist das der perfekte Live-Amp, weil er sehr perkussiv und klar klingt, so wie ich es bei Röhrenverstärkern mag. Die Winery Dogs sind eine ungeheuer laute Band, also brauche ich einen Amp, der ordentlich Dampf macht. Vor mir auf dem Bühnenboden liegen zwei Effektpedale, die ich mit Tech 21 entwickelt habe. Sie nennen sich „Fly Rig“, es sind meine Signature-Pedale. Sie haben ein Delay und ein Reverb, aber das Besondere an ihnen ist die Overdrive-Funktion, an der wir sechs Monate gewerkelt haben, bevor sie so klang wie ich es in meinem Kopf hatte. Das „Fly Rig“ in Verbindung mit dem Marshall-Plexi gibt mir den Ton und die Flexibilität, die ich brauche.

Danke, Richie!

 

Unmittelbar nach diesem Gespräch stand uns auch der an diesem Tag etwas kränkelnde Billy Sheehan für einige Minuten zur Verfügung, um seine Sicht der Dinge über die Winery Dogs zu erläutern.

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Billy Sheehan (Bild: Matthias Mineur)

Billy, eure aktuelle Scheibe ,Hot Streak‘ klingt stilistisch noch breiter und flexibler als das Debüt. Eine bewusste Entscheidung?

Billy Sheehan: Nein, das neue Album wurde nicht bewusst anders gemacht. Fast alles war wie beim ersten Mal: Wir trafen uns gemeinsam in einem Raum, warfen Ideen zusammen, arbeiteten an ihnen und entwickelten daraus Songs. Der einzige Unterschied bestand darin, dass wir in der Zwischenzeit mehr als 100 Konzerte gespielt haben und rund um den Globus getourt sind. Wir hatten einfach viel mehr Erfahrung miteinander, saßen stundenlang zusammen im Bus, an Hotelbars, im Flugzeug, wir kannten uns also weitaus besser als vor dem Debüt. Das hatte natürlich Auswirkungen auf unser Songwriting. Unsere Vorstellungen und Ideen passten noch besser zusammen, das führte zu einer sehr interessanten Scheibe, mit der wir hochzufrieden sind.

Was ist schwieriger für eine Band: einen eigenen Sound zu entwickeln oder sich nicht zu wiederholen?

Billy Sheehan: Das Wichtigste ist, darüber nicht zu viel nachzudenken. Für mich und für die meisten Bands, in denen ich war, galt: Wir planen nicht alles bis ins kleinste Detail, sondern lassen die Sache ihren natürlichen Lauf nehmen. Wir sitzen einfach gemeinsam in einem Raum, hören uns die vorhandenen Ideen an und entwickeln daraus etwas Neues. Das Einzige, was wir im Hinterkopf haben: Es darf nicht nach einem bereits vorhandenen Song klingen, was einem im Unterbewusstsein ja schon mal passieren könnte. Ansonsten denken wir nicht sonderlich konkret über das nach, was wir da machen. Wir nutzen unsere Spontaneität und das, was in diesem Moment aus uns heraus will. Wir suchen nach Dingen, die uns als Musik-Fans selbst begeistern. Ich bin ein riesiger Musik-Fan, habe zwei Terabyte an iTunes-Songs in meiner Sammlung und höre permanent Musik. Wenn mich etwas, an dem wir arbeiten, begeistert, freue ich mich und entwickle diese Idee weiter. Ich denke, dass diese Sichtweise für uns drei gleichermaßen gilt.

Die neue Scheibe klingt sehr organisch und lebendig. Gibt es dennoch Unterschiede zwischen den Studio- und den Live-Versionen?

Billy Sheehan: Jede Nacht ist anders, der Raum, die Zuschauer, der Sound. Sogar zwei Nächte im gleichen Raum mit dem gleichen Publikum wären unterschiedlich. Für mich ist die Bühne die Krönung, dort fühle ich mich am wohlsten. Studios sind für mich OK, um Ideen zu dokumentieren, aber sie sind kein Ersatz für Live-Shows. Ich wollte immer schon auf die Bühne und Songs, live spielen. Wenn wir also komponieren haben wir die Bühnenversion der Songs bereits im Hinterkopf. Deswegen erschaffen wir auch keine Monster, die sich im Konzert nicht reproduzieren lassen. Man könnte tausende Spuren mit Overdubs aufnehmen, Gastsänger und Streicher-Ensemble hinzufügen, aber dann könnte man es nicht mehr live spielen. Deswegen verzichten wir auf solchen Schnickschnack.

Im Studio gilt für uns größtmögliche Authentizität, wir vermeiden allzu viele Overdubs und spielen so viel wie möglich live. Ich denke, dass die Fans das honorieren und erkennen können, dass dies keine Mogelpackung ist. Denn auch wenn es Mogelpackungen gibt, die sehr gut gemacht sind, bleibt es dennoch Mogelei. Bei uns gibt es keine Pitch-Correction, wir singen live im Studio, wir spielen live im Studio, bei uns ist alles echt.

Liegt darin das Besondere der Winery Dogs?

Billy Sheehan: Ich hatte das Glück, mit einigen der besten Musiker der Welt zu spielen und von ihnen viel lernen zu dürfen. Ich sehe mich als lebenslangen Studenten, der nie ausgelernt hat. Mit Richie und Mike habe ich vor Jahren schon einmal gespielt, mit Richie unter anderem bei Mr. Big. Wir scheinen immer im richtigen Moment aufeinanderzutreffen, um aus purem Spaß heraus Songs zu schreiben, ohne uns Gedanken über Hits, Image oder Marketing-Strategien machen zu müssen. Wir wollen einfach nur spielen, weswegen diese Band für uns alle so besonders ist.

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Druckvoll: Fünf Hartke Hydrive 115 Cabinets (Bild: Matthias Mineur)

Gab es Überraschungen, positiv wie negativ?

Billy Sheehan: Die größte Überraschung war, dass wir ausschließlich positive Resonanzen auf unsere Musik bekommen. Ich habe schon sagenhafte Alben veröffentlicht, die nur wenig positive Resonanzen bekamen. Und ich habe mittelmäßige Scheiben herausgebracht, die Riesen-Hits wurden. Bei den Winery Dogs sind unsere Begeisterung und die der Fans identisch, was mich wirklich positiv überrascht hat.

Hast du in dieser Band etwas für dich Neues lernen können?

Billy Sheehan: Von Mike kann man enorm viel lernen. Egal was er spielt, mir fällt dazu immer etwas Spannendes ein. Manchmal ahne ich schon vorher, was er spielen wird, so gut sind wir aufeinander eingegroovt. Mit Richie ist es ähnlich, nur dass ich ihn in der Trio-Konstellation noch besser beobachten und seinem Spiel folgen kann. Ich mag vor allem auch die jazzigeren Sachen, die er spielt. Viele Leute wissen nicht, dass er bereits mit Lenny White und Stanley Clarke gespielt hat.

Ist die Attitüde der Winery Dogs eine andere als beispielsweise die bei Mr. Big?

Billy Sheehan: Jede Band ist anders, sie hat ihre eigene Dynamik, die sich sofort ändert, wenn eine Person wegfällt oder dazukommt. Winery Dogs sind eine völlig neue Sache. Richie hat noch nie mit einem Drummer wie Mike gespielt, und Mike noch nie mit einem Gitarristen wie Richie. Und auch für mich ist es etwas Neues, mit Mike und Richie zu spielen, denn Richie ist der Typ Funk/Soul/Paul-Rodgers/Stevie-Wonder-Musiker, mit dem man Mike vorher nicht unbedingt in Verbindung gebracht hätte. Aber Mike gefällt das und er passt sich Richies Spiel an. Sein Drumming in dem Song ,Regret‘ ist schlicht und ergreifend großartig. Ich hab es kürzlich Dennis Chambers vorgespielt, er meinte daraufhin: „Der Groove des Stücks ist absolut phänomenal!“ Wenn einer von uns aussteigen würde, wäre es anschließend eine vollkommen andere Band.

Hast du dein Equipment auf die aktuelle Trio-Situation anpassen müssen?

Billy Sheehan: Nein, ich vertraue sowieso in erster Linie meinen Händen. Außerdem wurden die meisten meiner Signature-Geräte für eine Trio-Situation entwickelt. Deswegen hat beispielsweise mein Bass einen doppelten Output für tiefe und hohe Sounds, wenn Keyboards oder Rhythmusgitarre fehlen.

Danke für das Gespräch!

 

In der nächsten Ausgabe werfen wir übrigens einen genaueren Blick auf Billys Equipment – stay tuned! 

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