Eine kreative Reise mit ...

Pain Of Salvation: In The Passing Light Of Day

Angesprochen auf den Song ‚The Show Must Go On‘, sagte Queen-Gitarrist Brian May in Bezug auf Frontman Freddie Mercurys Krankheit einst: „Während seiner Entstehung waren wir mit Dingen konfrontiert, über die wir damals nicht sprechen konnten. Doch in der Welt der Musik – da ging es.“ Der Satz scheint Allgemeingültigkeit zu haben, denn mit ‚In The Passing Light Of Day‘ haben Pain Of Salvation nicht nur eines der besten Alben ihrer Karriere veröffentlicht, sondern auch ein Konzeptwerk über den Beinahe-Tod von Band-Chef Daniel Gildenlöw.

Eugen Lyubavskyy, Pirate Smile

Vor zwei Jahren gewann Pain-Of-Salvation- Sänger & -Gitarrist Gildenlöw den Kampf gegen fleischfressende Bakterien nur knapp und – so floskelhaft es auch klingt – kehrte in jeder Hinsicht erstarkt zurück. Wir unterhielten uns mit ihm und seinem isländischen Gitarristen Ragnar Zolberg vor ihrem Konzert in Köln. Warum sich die Retro-Fans bestens mit digitaler Technik anfreunden können und weshalb auf dem Album vierzig Jahre alte Drum-Spuren sowie eine verstimmte Ibanez- 7-Saiter-Gitarre zu hören sind, erfahrt ihr in diesem spannenden Gespräch. Ragnar Zolberg ist mittlerweile nicht mehr Teil der Band, da er ersten Informationen nach von Daniel Gildenlöw entlassen wurde. Zum Zeitpunkt des Interviews war von Spannungen nichts zu bemerken.

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Daniel Gildenlöw

Daniel, eure aktuelle Tour scheint sehr gut zu laufen, viele Gigs sind ausverkauft. Ehrlicherweise überrascht mich das nicht angesichts des neuen Albums.

Daniel Gildenlöw: Na ja, es ist eine Sache ein Album aufzunehmen, das sich der Fan dann zu Hause in Ruhe anhört. Es ist aber was komplett anderes, das Material auch live aufzuführen. Ein gutes Beispiel dafür waren die ‚Road Salt‘-Alben. In manchen Ländern hatten wir viele Fans, die damit nichts anfangen konnten. Sie haben ‚Remedy Lane‘ geliebt und ‚Road Salt‘ gehasst. Als wir es dann live gespielt haben, konnten dieselben Leute bei den ,Road-Salt-Songs’ dann aber nicht still stehen. [lacht]

Eugen Lyubavskyy, Pirate Smile
Es gab da diesen fast schon verstörenden Moment, als ich mich für eine billige, moderne Epiphone entschieden habe, anstatt eine 70er-Gibson zu verwenden. – Daniel Gildenöw

Hat das Album für euch neue Türen geöffnet? Mir ist aufgefallen, dass viele Leute, die Pain Of Salvation vorher überhaupt nicht kannten, nun ganz viel von euch reden.

Daniel Gildenlöw: Wir bekommen so etwas immer erst verzögert mit. Ich denke, die Resultate werden wir alle im Laufe des Jahres nach und nach sehen. Es ist ähnlich wie bei unserer Tour mit Dream Theater, 2002. Damals hatten wir auch keine unmittelbaren Veränderungen bemerkt, in den folgenden Jahren gab es jedoch eine positive Entwicklung.

Hinter ‚In The Passing Light Of Day‘ steht deine sehr persönliche Story: Wann hast du die Entscheidung getroffen, die Geschichte deiner Krankheit zum Konzept des Albums zu machen?

Daniel Gildenlöw: Ursprünglich war ich total dagegen es überhaupt zu tun [lacht]. Sehr viele Fans rund um die Welt haben mir ein tolles Feedback gegeben während der Zeit im Krankenhaus. Sie wollten mich wohl motivieren oder mich den Silberstreifen am Horizont sehen lassen. Sie redeten mir Mut zu und sagten, dass die Story eines Tages ein wunderbares Konzept-Album abgeben würde. Als ich jedoch im Krankenhaus war – in diesem schrecklichen Outfit, in den immer gleichen Tagesabläufen gefangen – fiel es mir schwer, die Poesie dieser ganzen Situation zu erkennen. Ich hatte ein Loch in meinem Rücken und große Schmerzen. Ich habe damals kurz überlegt, wie es wäre ein Prog-Metal- Album über fleischfressende Bakterien zu schreiben, dachte mir aber: Nein, das wird nicht passieren!

Ihr seid ja auch nicht Cannibal Corpse.

Daniel Gildenlöw: [lacht] Genau das. Nichtsdestotrotz habe ich mich aber dann daran gemacht einige Lyrics zu schreiben. So mache ich es meistens – drauflos schreiben und dabei erkennen, wo man selbst gerade steht. Dort bemerkte ich, wie sich alles entwickelte. Es drehte sich natürlich nicht direkt um fleischfressende Bakterien. Viel wichtiger war die Erfahrung der ersten Tage im Krankenhaus, als die Ärzte noch keine Ahnung hatten, was mit mir nicht stimmt. Sie scheiterten mit einem Versuch nach dem anderen, die Quelle meiner Schmerzen zu lokalisieren. Darum drehten sich also meine Gedanken und ich ließ es einfach zu. Ich finde es immer am besten über etwas zu schreiben, was einen stark berührt – egal worum es dabei geht.

Eugen Lyubavskyy, Pirate Smile
Daniels Mayones Custom

Das Resultat kann man definitiv als brutal ehrlich bezeichnen.

Daniel Gildenlöw: Tatsächlich habe ich mit dieser Form des Sich-Öffnens jedes Mal zu kämpfen. Andererseits gibt es den Teil in mir, der danach verlangt etwas richtig zu machen oder gar nicht. Ich glaube es war in Astrid Lindgrens ‚Die Brüder Löwenherz‘ oder ‚Mio, mein Mio‘, wo sie etwas Tolles über Mut geschrieben hat. Sie sagte, Mut sei nicht die Abwesenheit von Furcht, sondern die Art und Weise wie man ihr begegnet. Ich finde, das ist eine tolle Beschreibung.

War die schmerzhafte Erfahrung trotzdem irgendwie hilfreich? Viel Großartiges wurde von Künstlern erschaffen, die gerade an einem sehr dunkeln Ort waren.

Das stimmt und man will es irgendwie nicht zugeben, obwohl es da ist. Ich denke starke Emotionen im Allgemeinen sind ein großer Antrieb für Musik oder jede andere Kunstform auch. Es ist aber so, dass man starke positive Emotionen anders verarbeitet. Sie bewegen einen selten dazu sich zu sagen „Ich bin so glücklich heute, also setze ich mich in einem dunklen Zimmer vor den Computer“ [lacht]. Es ist schlichtweg einfacher negative Emotionen kreativ zu verarbeiten.

Lass uns über euren Gitarristen Ragnar reden. Als Johan Hallgren 2011 ausstieg, habt ihr Leute dazu aufgefordert euch Tracks von sich zu schicken und ihr habt einige Ausgewählte dann zu Auditions eingeladen. Was mussten die Kandidaten draufhaben?

Daniel Gildenlöw: Das Ding bei uns ist, dass man so viel mehr sein muss als ein Gitarrist. Am Ende hatten wir drei Kandidaten, die uns sehr passend erschienen. Jedoch musst du bei uns nicht nur Gitarre spielen können, sondern auch die ganzen abgefahrenen Rhythmen verstehen. Wir verwenden teilweise sehr viele polyrhythmische Schichten, die übereinanderliegen. Und währenddessen muss man immer noch grooven können, das Ganze fühlen, und natürlich auch noch headbangen, während man auf der Bühne steht [lacht]. Und singen – ziemlich hoch sogar.

Da habt ihr mit Ragnar ja den Richtigen gefunden.

Oh ja. Ich denke, dass ich so hochkomme wie er, aber nicht so hoch wie Léo [Margarit, Drums]. Dafür kann ich sehr viel tiefer singen als Beide [lacht]. Lustigerweise war es am Anfang der Band genau umgekehrt – ich war der Einzige von uns allen, der richtig hochgehen konnte. Es war schwierig all diese Harmonien zu erzeugen. Daher waren auf den früheren Alben die hohen Lagen selten die führenden Harmonien. Ich fand mich oft in der seltsamen Situation wieder, dass ich nicht die Leads sang, sondern die Backgrounds, weil sie einfach höher waren. Nun ist der Gesang endlich so wie er ursprünglich gedacht war. Jedoch muss ich nun all die tiefen Stellen übernehmen.

Es ist interessant, dass Ragnar und du beide Sänger, Gitarristen und Songwriter seid. Er war auch ziemlich stark in den Schreibprozess des aktuellen Albums involviert, nicht wahr?

Daniel Gildenlöw: Absolut. Wir haben es zusammen geschrieben. Der ganze Prozess war eigentlich ziemlich unkompliziert. Wir haben uns getroffen und produktiv gearbeitet. Was mir mehr sorgen macht, ist die Bühnensituation. Ragnar ist daran gewöhnt, in der Mitte zu stehen und ist auch eine Persönlichkeit, die ziemlich schnell frustriert sein kann. Jedoch hat es bisher gut funktioniert.

Ihr setzt diesmal eine Menge interessanter Sounds ein, beispielsweise am Ende von ‚On A Tuesday‘, wo ihr den Fuzz so hoch fahrt, dass das Signal stellenweise richtig wegbröckelt. Habt ihr viel mit Effekten und anderem Equipment experimentiert?

Daniel Gildenlöw: Als wir uns an die Demos gemacht haben, nahmen wir einfach alles, was in dem Moment am einfachsten aufzutreiben war. Viele der Fuzz-Parts waren ziemlich billige Fuzz-Apps. Als wir dann ins Studio kamen, habe ich verdammt viele Dinge ausprobiert, besonders für die Fuzz-Sounds. Zvex-Pedals zum Beispiel – sie bauen tolle Geräte. Jedoch gefiel uns der hässlichschöne Klang der Demos am Ende besser, also blieben wir dabei. Viele Sounds aus der Demo- Produktion sind so auf dem Album gelandet. Unser Leitspruch für die Aufnahmen war „hässlich schön“. Wenn es um Sound und Produktion geht, mochte ich herausstechende Dinge schon immer lieber. Deswegen mag ich vermutlich vieles aus den späten 60ern und frühen 70ern. Damals ging es nicht ständig darum, alles gleichwertig hörbar zu machen. Manchmal war die Gitarre viel zu laut und sie wurde zum Song. Ich liebe so etwas!

Euer Mix ist ebenfalls ziemlich interessant …

Daniel Gildenlöw: Meine Gitarre hört man Stereo, während Ragnar eher in der Mitte ist. Bei manchen Stellen habe ich die Fuzz-Effekte an die Seiten gemixt und das unverzerrte Signal in die Mitte. Was wir auch oft gemacht haben, war, das Fuzz- Signal durch einen richtig harten Noise-Suppressor zu jagen. Sobald das Signal nachließ, brach auch der Ton weg. Teilweise haben wir millimeterweise an den Reglern gedreht, bis plötzlich genau der richtige Sound herauskam. Es ist nicht ganz leicht, das Ganze live nachzumachen. In dieser Hinsicht bin ich jedoch sehr mit meinem Helix [Daniel verwendet ein Line6-Helix-Multieffektgerät] zufrieden. Ich habe bisher nur an der Oberfläche der Möglichkeiten gekratzt. Man kann mit ihm sehr komplizierte, parallele Signalketten basteln. Damit komme ich dem Studio auf der Bühne schon sehr nahe.

Es ist interessant, dass du als Fan des 60s-Sounds kein Problem mit digitalem Equipment hast.

Daniel Gildenlöw: [lacht] Ich war schon immer von den Möglichkeiten beider Seiten fasziniert. Natürlich hätte ich gerne fünfzig verschiedene Vintage-Verstärker auf der Bühne – abgesehen von der Tatsache, dass man sie auch tragen müsste und mindestens zwei davon jeden Abend abrauchen würden. Und ganz zu schweigen von der komplizierten Verkabelung, die sicherstellen würde, dass alles total beschissen klingt. Ich versuche, mich nie zu sehr davon leiten zu lassen, was gut sein sollte. Als wir die ‚Road Salt‘-Alben geschrieben haben, gab es Momente bei denen ich vor drei wirklich teuren Verstärkern saß und am Ende verwendete ich einen chinesischen Fake- Vox-Amp, weil er einfach besser klang. Es gab da diesen fast schon verstörenden Moment, als ich mich für eine billige, moderne Epiphone entschieden habe, anstatt eine 70er-Jahre-Gibson zu verwenden. Ich habe den A/B-Direktvergleich gemacht und dachte „Jesus, ich muss hier die verdammte Epiphone verwenden!“

Welche Gitarren hast du auf dem Album eingesetzt?

Daniel Gildenlöw: Vieles wurde mit den Mayones gemacht. Es kam auch eine siebensaitige Ibanez zum Einsatz. Ungefähr 2007 hatte ich für eine Tour eine 7-Saiter gebraucht. Ich hatte nicht viel Geld und wenig Zeit, also stürmte ich den Musikladen und fragte: „Was ist eure billigste siebensaitige E-Gitarre, und habt ihr sie auch in Schwarz?“ Es wurde also die Ibanez. Kurz bevor ich zu Ragnar nach Norwegen fuhr, um dort aufzunehmen, wurde mir klar, dass viele meiner Mayones- Gitarren bei meinem Techniker waren und der war mit den Winery Dogs unterwegs. Ich kam also nicht dran. Ich schaute mich bei mir zu Hause um, und alles was ich fand, war eben jene Ibanez. Sie wurde seit Ewigkeiten nicht gewartet – im zwölften Bund hat langsam die Tonart gewechselt. [lacht] Ich brachte sie trotzdem mit, denn es ging ja nur um Demos. Ragnar hatte nur einen kleinen Amp mit 8‘‘-Speaker da, ein absolutes Mini-Teil. Ich stöpselte also meine verstimmte Ibanez ein und musste bei jeder Note kämpfen, damit sie auch richtig klang. Da es um Demos ging haben wir uns nicht zu sehr den Kopf darüber zerbrochen. Danach schickte ich das Gitarren-Signal durch mehrere Emulatoren und den Logic-Reverb, den ich sehr gut finde. Als wir dann in das eigentliche Studio kamen, probierten wir es mit besserem Equipment. Doch dieser Demo-Sound mit dem Mini-Speaker und der Ibanez war einfach besser.

Ihr habt gerade mal ein Gitarrensolo auf der Platte, nämlich auf ‚Angels Of Broken Things‘.

Daniel Gildenlöw: Ein Gitarrensolo sollte nur dann verwendet werden, wenn der Song danach schreit. Und dann kann es auch ein Drum- Solo oder was auch immer sein. Es ist eine sehr besondere Zutat. Ich verstehe nicht, weshalb Menschen der Meinung sind, ein Solo gehöre in jedes Lied. Es ist, als würde man beim Kochen alles mit Oregano würzen, einfach weil man viel davon hat. Aber bei diesem Song musste es einfach sein.

Dafür nimmt der abschließende Titelsong gleich eine komplette Vinyl-Seite in Anspruch.

Bei dem Titelsong hatte ich viel über die Länge nachgedacht. 15 Minuten sind mehr Statement als Song und ich bin mir nicht sicher, dass ein Song ein Statement sein sollte. Ich wollte eigentlich nie lange Songs schreiben. Viele Menschen, die auf die Länge schauen, erwarten ein Prog-Opus wo unfassbar viel passiert. Und dann bekommen sie fast acht Minuten, die nur aus Gitarre und Vocals bestehen. Ich hatte die Sorge, dass ich es übertreibe und die Hörer sich langweilen werden. Als ich jedoch an kürzeren Versionen davon gebastelt habe, fühlte es sich nicht richtig an. Diesen unglaublich langsamen Aufbau braucht man. Man muss es so lange hören, bis man vergisst, dass es noch derselbe Song ist. Ich weiß, dass es ein Hollywood-Over-The-Top-Ende ist, aber ich fühle es einfach. Jede Nacht sehe ich so viele Leute mit Tränen in den Augen, wenn wir es spielen. Ich habe mir überlegt T-Shirts mit der Aufschrift „PoS, making people cry since 1997“ machen zu lassen. [lacht]

Ragnar Zolberg

Ragnar, du bist 2012 zur Band gestoßen. Kanntest du Pain Of Salvation schon vor den Auditions?

Ragnar Zolberg: Ja, tatsächlich habe ich sie vorher schon intensiv gehört, so ab 2004. Ich war ziemlich großer Fan. Interessanterweise habe ich nie gewusst, dass sie auf der Suche waren und habe mich auch nicht beworben. Es war meine Frau. Sie war auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für mich. Damals wohnten wir noch in Schweden und sie hat nach Konzertkarten für Pain Of Salvation gegoogelt. Auf deren Internet-Seite hat sie dann die Ausschreibung gesehen. Sie schickte ihnen daraufhin eine E-Mail mit mehreren Videos von mir und meiner vorherigen Band und meinte, dass ich perfekt zu ihnen passen würde. Mir sagte sie nichts davon. Daher war ich ziemlich überrascht, als mich ein Daniel anrief und fragte, ob ich in zwei Tagen zum Vorspielen vorbei kommen könnte. [lacht] Ich hatte nur zwei Tage, um vier Songs vorzubereiten!

Eugen Lyubavskyy, Pirate Smile
Ragnar Zolberg mit VGS Semi-Hollow-Electric

Erzähle mir von deinem Equipment auf der neuen Platte.

Ragnar Zolberg: Ich spiele VGS-Gitarren und habe erst kürzlich ein Semi-Hollow Custom-Modell von ihnen angefertigt bekommen.

Interessante Wahl für eine Metal- Band. Wie bist du darauf gekommen?

Ragnar Zolberg: Ich mag die Tatsache einfach, dass ich eine Metal-Gitarre verwende, die nicht für Metal gemacht wurde. An sich ist es eine Anti-Hard-Rock-Gitarre. Ich finde diese Herangehensweise jedoch spannend.

Wie kriegst du sie dazu trotzdem heavy zu klingen?

Ragnar Zolberg: Als Pickups verwende ich ein passives EMG-H-Set, die einen sehr guten Biss haben. Fürs Album haben wir eine Menge Fuzz-Pedale verwendet, die unser Producer einfach bei sich herumliegen hatte. Dazu aber auch Plug-Ins von Pro Tools. Es ist unerheblich, ob der Sound digital oder analog erzeugt ist, so lange es gut klingt. Live verwenden wir Multieffekt-Boards: Ich habe ein Boss ME-80, was viele Leute verwundert. Sie sind der Meinung, ich müsste ein viel teureres Modell benutzen, womit ich absolut nicht einverstanden bin. Es ist ein großartiges, preiswertes Board, welches ich sehr schätze. Man muss ein bisschen an den richtigen Stellen drehen, schon hat man einen tollen Sound.

Wie lief der Kompositionsprozess aus deiner Sicht ab?

Ragnar Zolberg: Es war tatsächlich ziemlich einfach. Beim Schreiben hat sich Daniel oftmals hinter die Drums gesetzt und ich habe zu seinen ganzen komplizierten Rhythmen gejammt. Alles davon wurde aufgenommen und später ausgewertet. Zwei Songs hatte er bereits im Vorfeld komplett komponiert. Ich wiederum hatte ‚Meaningless‘ im Gepäck.

Erzähl uns von diesem coolen Effekt im Refrain!

Ragnar Zolberg: Was ich gemacht habe, war einen einzelnen Schrei von mir in eine Pro-Tools-Session zu importieren, der ursprünglich aus einem anderen Song stammte. Ich mache so etwas ständig – altes Zeug von mir wiederverwerten. Den Ton habe ich dann mehrmals gepitcht und geschnitten, bis das Ergebnis herauskam was nun der Refrain ist. Das Ganze baut also auf einer einzigen Note auf. Oft sind die einfachsten Dinge einfach die effektivsten.

Eugen Lyubavskyy, Pirate Smile

Hattet ihr viele dieser unerwarteten Momente während der Aufnahmen? Bei einem solchen Konzept-Album geht man ja eher davon aus, dass jedes Detail ganz akribisch geplant wurde.

Ragnar Zolberg: Nein, in diesem Fall war es überhaupt nicht so. Es sind recht viele seltsame Sounds auf dem Album gelandet. ‚Tongue Of God‘ hatte ich beispielsweise geschrieben und es auf Klavier eingespielt, damit Daniel sich das mal anhören konnte. Er fand, dass dieser Ausschnitt ein gutes Intro abgeben würde. Also beginnt der Song jetzt damit, was eigentlich keinen Sinn macht. Es ist nur Klavier und dann wird es plötzlich heavy … Am Ende macht es aber Sinn. In der Strophe hört man dann das Rascheln einer Achterbahnkette. Daniel und ich waren zusammen in einem Vergnügungspark und standen in der Schlange, als wir dieses Geräusch hörten. Wir fanden es toll, also nahm ich es mit meinem Handy auf.

Das erinnert mich an die Bewegung der Musique concrète aus Frankreich, die ebenfalls auf dem Sampling von Umgebungsgeräuschen basiert.

Ragnar Zolberg: Ja, ich arbeite viel damit. Beispielsweise habe ich für die Platte auch alte Drum-Patterns von meinem Vater aus den 70ern gesampelt. Ich habe eine Menge dieser digitalisierten Aufnahmen. Das Schlagzeug am Ende von ‚On A Tuesday‘ ist also fast 50 Jahre alt.


Aus Gitarre & Bass 06/2017

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