Metallica: Meilenstein 1986 – Master Of Puppets

 

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Ein Artikel aus Gitarre & Bass,  Ausgabe 07/2003  ///  Los Angeles, 1981: Ein achtzehnjähriger Drummer schafft es, einen Platz auf einem Underground-Metal-LP-Sampler zu ergattern – ihm fehlt nur noch eine Band. Mit dem Vorwand, er hätte einen Plattenvertrag, holt Lars Ulrich einen jungen introvertierten Gitarristen mit ins Boot – James Hetfield.

Die zwei machen sich an die Arbeit: Der erste Metallica-Song ‚Hit The Lights‘ entsteht und wird auch veröffentlicht. Hetfield & Ulrich arbeiten weiter zusammen, aber mit ständig wechselnden Musikern am Bass und an der zweiten Gitarre. Für das erste Album wird dann endlich eine feste Besetzung gefunden: Neben James Hetfield (git/voc) und Lars Ulrich (dr) gehören ab sofort Cliff Burton (b) und Kirk Hammett (g) zu Metallica. Hammett ersetzte Dave Mustaine, der es vorzog bei Megadeth zu klampfen. Im Jahre 1983 erscheint dann ‚Kill ’em All‘, eine schnelle und harte, mit turbulenten Hammett-Soli gespickte Platte.

Ein Jahr später folgt das zweite Album ‚Ride The Lightning‘. Der Band-Sound wird definierter, die Musik ist hart und schnell, dabei aber kontrollierter als beim t(h)rashigen Vorgänger. Und auch die ersten ruhigen Momente entstehen: ‚Fade To Black‘ gilt als eine der ersten Metal-Balladen der Neuzeit. Metallica wird immer beliebter und der Sound der Bay Area (San Francisco und Umgebung) boomt immer mehr. Mit der Veröffentlichung von Slayers ‚Reign In Blood‘ und Metallicas ‚Master Of Puppets‘ werden gleich zwei Meilensteine des Thrash- und Speed-Metals gelegt.

 

Bleiben wir im Jahr ’86 und bei ‚Master Of Puppets‘: „Das soll Metal sein?“ Diese Frage wird sich so mancher gestellt haben, als er die sanften Akustikklänge zu Beginn des

Openers ‚Battery‘ hörte. Die Antwort folgt wenige Sekunden später und lautet „Ja! Das ist Metal!“ Die Akustische wird schon nach 37 Sekunden gegen die Stromgitarre getauscht und die Musik nimmt ihren rasanten Lauf. Nach einer melodischen Überleitung folgt ein hartes, stark verzerrtes Riff, der Schlagzeuger steigt ein und Metallica heben ab. Und spätestens wenn Hetfield den Mund aufmacht, steht fest: Hier ist eine absolut originelle Band am Start, die „klassischen“ Rock-Gesang mit abgefahrensten, vertrackten Riffs kombiniert. Und schnell wird klar: Noch aggressiver und härter als ihr Vorgänger ist diese Platte geworden. Die Beteiligten zeigen wirklich alles was sie können. Hetfields Gesang setzt sich durch und auch eine seine Rhythmus-Gitarrenarbeit glänzt. Drummer Ulrich spielt hier besser als je zuvor und auch Kirk Hammett gibt ein Highspeed-Solo nach dem anderen zum Besten. Interessant aus heutiger Sicht ist, wie modern & zeitlos diese fast zwei Jahrzehnte alten Songs klingen – gar nicht so weit weg von SOAD oder RATM …

Metallica band foto

Trotz Speed & Härte behalten Metallica auf ,Master Of Puppets‘ den Sinn für Melodie und Groove. Welcher angehende Metal-interessierte Nachwuchsgitarrist hat sich nicht an dem Riff des acht-Minuten-Epos, nach dem das Album benannt ist, die Finger verknotet? Aber auch die ruhigere, düsterere Seite dieser Band kommt zum Vorschein: ‚Welcome Home (Sanitarium)‘, ein Song über das Leben in der Psychiatrie, zeigt außerdem die gute melodische Arbeit der Metallica-Gitarristen. Mit einem relativ ruhigen Intro baut sich der Song dynamisch stetig weiter auf, zuerst kommt ein Gitarrensolo, erst danach der Ge- sang – und es wird härter und härter. Schöne zweistimmige Gitarren! Darauf folgt ‚Dis- posable Heroes‘, eine richtig dreckige Thrash-Nummer, schnell, hart und aggressiv. Anschließend: ‚Leper Messiah‘, meiner Meinung nach der einzig schwächere Song der Platte. Nach dem auf dem Vorgänger-Album ‚Ride The Lightning‘ enthaltenen ersten Instrumental ‚The Call Of Ktulu‘ folgt jetzt mit ‚Orion‘ ein weiterer Achtminüter ohne Gesang. Langes Intro, melodisches Riff, viele Soli – genial. Das Ende des Puppenspiels bereitet ‚Damage, Inc‘ und so wie der Song heißt, hört er sich auch an: Hier wird es noch mal sehr schnell und sehr hart. Das war 1986 der Metal der Zukunft …

 

Mit dieser Leistung hatte Metallica den Durchbruch geschafft. Die erste Europa-Tour folgte und somit auch das schwerste Kapitel in der Biographie. Bei einem Busunfall am 27. September 1986 in Schweden wird Cliff Burton getötet. Das vorabendliche Konzert geht in die Geschichte ein, denn dort spielte Burton sein letztes Bass-Solo. Die ersten Gerüchte, dass Metallica sich nun auflösen wird, kursieren – aber die verbliebenen Band-Mitglieder beschließen weiterzumachen. Man sucht einen neuen Bassisten und findet Jason Newsted, der es nicht einfach in der Band hat. Er wird nie richtig integriert und gilt in der Band als der „New Fucker“. 1988 wird dann ‚… And Justice For All‘ verö̈ffentlicht. Der Metallica-Sound wird schon fast progressiv, die Songs werden immer länger, aber an Härte und Tempo geht nichts verloren. Der Song ‚One‘ wird als Single veröffentlicht, die Nummer wird später mit einem Grammy ausgezeichnet. Bis zum Jahr 1991 müssen die Fans weltweit auf neuen Output warten. Das nächste Album heißt dann wie die Band selbst. ‚Metallica‘ wird als „das schwarze Album“ bekannt und geht in den Charts auf Platz 1 – es wird über 10 Millionen mal verkauft. Metallica mutiert von der größten Metal-Band zur größten Mainstream-Metal-Band aller Zeiten. Den wohl eindeutigsten Beitrag dazu liefert der Song ‚Nothing Else Matters‘, der von Rundfunkstationen international rauf und runter gespielt wird. Ab diesem Punkt kennt jeder Metallica.

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Die Band absolviert Welttournee nach Welttournee und die ersten Oldschool-Fans ahnen schlimmes: Metallica entwickelt sich jetzt auch noch vom Metal in Richtung Mainstream-Hardrock. 1996 und ’97 erscheinen ,Load‘ und ,Reload‘, und diese Platten kommen manchmal fast schon bluesig daher.

Danach wird es ruhig um Metallica. 1998 wird eine DoCD names ‚Garage Inc.‘ veröffentlicht, eine Mischung von Cover-Songs. Bei der ’99 veröffentlichten ‚S&M‘ scheiden

sich schließlich die Geister „Metal mit Geigen?“ Viele Fans finden das Experiment mit dem Symphonie-Orchester gelungen, nicht weniger viele finden es schlecht. Reine Geschmackssache.

Das war im Jahre 1999. Danach gab es lange keine Veröffentlichung mehr von Metallica. Frontman James Hetfield machte sich auf, seine Alkoholsucht in den Griff zu bekommen. Jason Newsted schied aus der Band und die verbliebenen Mitglieder hatten sich

zumindest zeitweise nicht mehr viel zu sagen. James Hetfield kehrte 2002 geheilt aus der Reha zurück und die ersten Pläne für ein neues Album wurden geschmiedet. Ohne festen Bassisten begannen die Aufnahmen zu ‚St. Anger‘; den Bass übernahm bei den Aufnahmen Producer Bob Rock, live ist seit dem Robert Trujillo (Suicidal Tendencies, Infectious Grooves, Ozzy Osbourne) dabei.

2008 folgte das aktuelle Album Death Magnetic.

Ob Metallica noch einmal solch einen Meilenstein setzen kann wie damals mit ‚Master Of Puppets‘? ■

 


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