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Ida Nielsen im Interview – Funk Bass Princess

„Ich möchte alles dafür tun, ihn zu ehren, indem ich den musikalischen Standard hoch, und mein Herz offen halte – so wie er mir das beigebracht hat.“ Das sagt Ida Nielsen, selbsternanntes „Bass-Mädchen“ aus Dänemark über ihren großen Mentor Prince, in dessen Backing-Band sie von 2010 bis zu seinem Tod 2016 spielen durfte. Wir trafen die 42-Jährige am Rande eines Workshops, um über ihr aktuelles Equipment zu sprechen.

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Ida Nielsen begann 1991 im Alter von 16 Jahren mit dem Bassspielen, schrieb sich schon drei Jahre später an der Musikhochschule in Kopenhagen ein und machte dort 1998 ihr Diplom im Hauptfach E-Bass. Darauf folgten eigene Bands, ein erstes Solo-Album namens ,Marmelade‘ (2008) und einige YouTube-Videos unter dem Pseudonym Bassida.

An dem Punkt kam Prince ins Spiel, der die damals 35-Jährige 2010 zuerst zu einem Jam einlud und anschließend in seine Bands, die New Power Generation und später 3rdEyeGirl, holte. Sie ahnte damals schon, dass dies sowohl ihrer Karriere, als auch ihrem musikalischen Ansatz einen ganz neuen Schub verleihen würde. Und so macht der Einfluss, den Prince in den sechs Jahren auf sie hatte, tatsächlich heute einen großen Teil ihres musikalischen Denkens aus: „Wenn ich im Studio bin, habe ich immer diese Stimme im Hinterkopf, die mich fragt: ,Was hätte Prince gemacht?‘ In meiner eigenen Musik passiert tendenziell ziemlich viel, aber ich bemühe mich inzwischen, die Arrangements aufzuräumen, weil das auch immer genau sein Ansatz war.“

Für Nielsen war die Arbeit mit Prince eine lebensverändernde Episode, die sie heute als Privileg empfindet und die ihr letztendlich auch ein eigenes Sandberg Signature-Modell bescherte. Nun muss sie seit etwas mehr als einem Jahr ihren Weg alleine weitergehen, was gleichzeitig bedeutet, dass sie auch wieder mehr Zeit für ihre eigenen Projekte hat. So kam schon im letzten Jahr ihr drittes Solo-Album ,TurnItUp‘ auf den Markt.

Interview

Ida, wann und warum hast du den Kontakt mit Sandberg gesucht?

2009 habe ich zum ersten Mal ein Sandberg-Instrument auf einer Messe in der Hand gehabt. Ein Jahr später bin ich dann nach Frankfurt gefahren, um die Bässe der Firma anzuspielen und habe dabei ein Masterpiece entdeckt. Der hat mich sofort umgehauen. Ich dachte nur: ,Mann, diesen Bass brauche ich!‘ Holger Stonjek war auch da und konnte dem natürlich nur zustimmen. (lacht) Aber dann hat er diesen Bass an einen österreichischen Instrumentenhändler verkauft und mir einen anderen geschickt, der toll aussah, aber nicht genau so klang. Es tat mir wirklich leid, aber ich musste ihn zurückschicken. Na ja, das ist eine längere Geschichte, aber am Ende hat er mir den ersten Bass wiederbeschafft. Und das war noch bevor ich mit Prince zusammenspielte und berühmt wurde. Also eine tolle Geste von Holger, die mich dazu veranlasste, ein Signature-Modell mit ihm machen zu wollen.

Wie seid ihr das angegangen?

Wir hatten das vor einiger Zeit schon einmal probiert, aber das hat nicht funktioniert, weil ich zu der Zeit in den USA war und ihm meine Vorstellungen mitgeteilt hatte, was Aussehen und Pickups angeht; aber die Instrumente, die er mir dann schickte, klangen alle nicht so gut – oder halt nicht so, wie ich mir das vorstellte. Als ich dann letztes Jahr die Zeit hatte, nach Deutschland zu kommen, konnte ich drei Tage lang seinen Test-Bass spielen und verschiedene Pickups auf unterschiedlichen Positionen ausprobieren. So konnte ich mir die perfekten Pickups an genau der richtigen Stelle aussuchen. Das war sehr cool und ich bin sehr glücklich mit dem Ergebnis.

Nach was für einem Sound hast du denn gesucht?

Wir fingen ja an, bevor Prince gestorben ist, also suchte ich nach einem Sound, der gut zu dem passte, was ich bei ihm spielte, aber auch zu meiner eigenen Musik. Vereinfacht gesagt, wollte ich einen Bass, der in Funk und Rock gleichermaßen gut klingt. Der hintere der beiden Tonabnehmer ist ein Music-Man-Style-Pickup, über den man schöne Jaco-Sachen spielen kann. Der vordere ist eher im Jazz-Bass-Style, kann aber auch wie ein P-Bass klingen. In Kombination ergeben die beiden Pickups einen smoothen Sound, der sich für fast alles eignet. Beide Tonabnehmer können auch aktiv verwendet werden, aber normalerweise lasse ich sie passiv.

Ich war überrascht, wie oldschool der Bass doch klingt …

Ja. Das kommt auch daher, dass ich Saiten verwende, die schon ein bisschen älter sind, damit der Klang nicht zu höhenlastig wird.

Wie sieht es mit den Hölzern aus? Hast du da mit unterschiedlichen Varianten experimentiert?

Nein. Mir war nur wichtig, dass es ein leichtes Holz ist, damit das Instrument nicht zu schwer wird.

Welche Bässe hast du vor dem Sandberg gespielt?

Ich hatte einen alten Fender Jazz Bass und einen fünfsaitigen Yamaha TRB. Außerdem auch noch einen Musicman.

Wie sieht es mit Amps aus? Hast du im Laufe deiner Karriere viele Verstärker getestet?

Naja, nicht wirklich. Als TC Electronic 2009 ihren ersten Verstärker auf den Markt brachten, haben sie mich als ihr „Bassmädchen“ verwendet. Und seitdem spiele ich ihre Sachen. Ich mag den Blacksmith-Head sehr – zusammen mit ihren neuen Cabinets. Ich habe keine Ahnung, was sie technisch verändert haben, aber die neuen Boxen klingen für meinen Geschmack etwas crisper. Mehr kann ich dazu aber nicht sagen. Das Einzige, was ich in Sachen Boxen sicher weiß, ist, dass ich am liebsten über zwei 4×10“-Cabinets spiele, egal wie klein der Laden ist. Einfach weil ich diesen Sound brauche, um mich gegen den Drummer durchzusetzen.

Was für Pedale verwendest du?

Wenn ich unterwegs bin, habe ich ein kleines Pedalboard dabei. Auf dem habe ich neben dem Tuner einen Envelope-Filter und einen Octaver, mit dem ich nach oben und unten okatvieren kann. Dann noch einen Compressor, den ich hauptsächlich als Booster für Soli benutze. Den Envelope-Filter schalte ich in den Solo-Passagen auch manchmal ein, aber vor allem verwende ich ihn in Kombination mit dem Octaver, wenn ich in Richtung Synth-Bass gehen möchte. Mit diesen beiden Effekten allein kann ich also schon eine Menge anstellen. Auf meinem größeren Board
habe ich noch ein Fuzz-Pedal und ein Crybaby-Bass-Wah.

Wie war es für dich mit Holger Stonjek zusammenzuspielen?

Super! Ich meine, er baut Bässe, aber er ist auch ein guter Bassist. Bei den Clinics ist er eine gute Ergänzung, weil wir uns beim Solieren abwechseln können. Außerdem spielt er einen Sechsaiter und kann mich eine Oktave tiefer doppeln oder Akkorde spielen. Das macht Spaß.

Hast du irgendwelche Tipps für junge oder auch schon erfahrenere Bassisten?

Meiner Meinung nach geht es darum, etwas zu finden, was du wirklich magst, und das dann zu üben. Benutze deine Ohren! Bei manchen Sachen ist es vielleicht schwierig, sie sich draufzuschaffen, aber wenn du es einmal geschafft hast, ist es…

…wie Fahrradfahren.

Ja, genau! Für mich ging es immer um Groove. Wenn etwas groovt, liebe ich es.

Equipment

Bässe: California VM Hardcore aged Masterpiece, Yamaha TRB5, Fender Jazz Bass

Amps: TC Electronic Blacksmith Basshead mit zwei TC Electronic K-410 Cabinets

Effekte: TC Electronic SpectraComb Bass, TC Electronic Sub ,N’ Up Octaver, Digitech DOD 440 Envelope Filter u.a.

 

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