Sattel die Tele!

Gute Stimmung mit der Fender Telecaster

Wir Tele-Spieler befinden uns in einem Dilemma – wir wollen zum einen nicht auf die Messing-Saitenreiter der traditionellen TeleBrücke verzichten, zum anderen müssen wir uns mit Intonationsproblemen herumschlagen. Diese alten Messing-Böckchen sind einfach besser als alle anderen Systeme, die Fender und andere Firmen in der Vergangenheit gezeigt haben.

Tele
(Bild: Archiv)

Denn diese großen Teile bedeuten mehr Masse, die sich positiv auf Output, Sustain und Ton der Gitarre auswirkt. Und außerdem üben zwei Saiten pro Saitenreiter einfach mehr Druck auf den Korpus aus, so dass die Schwingungen der Saiten konkreter übertragen werden. Aber die mangelhafte Intonation ist genauso wie der gute Sound systembedingt. Denn wenn zwei Saiten auf einem Böckchen aufliegen, ist eine genaue Einstellung der Intonation pro Saite einfach nicht möglich.

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Bis ich dahinter kam, dass dies auch gar nicht unbedingt sein muss, vergingen ein paar Jahre. Bis vor kurzem dachte ich immer noch, dass eine Gitarre dann richtig gestimmt ist, wenn der Flageolett-Ton am XII. Bund mit dem gegriffenen Ton des XII. Bundes übereinstimmt. Aber meistens stimmen diese Töne eben nicht überein, jedenfalls nicht auf meiner mit normalen Vintage-Saitenreitern bestückten Tele. Ich habe nun eine Methode entwickelt, diesem Problem beizukommen und dabei zufällig nebenbei einige andere Probleme lösen können. Zuerst muss die Einstellschraube für die Oktavreinheit des mittleren Saitenreiters so eingestellt werden, dass der gegriffene Ton am XII. Bund der D-Saite ein wenig tiefer erklingt als der Flageolett-Ton am XII. Bund.

Nun prüfe den gegriffenen Ton der G-Saite am XII. Bund. Er darf nur einen Hauch höher klingen als der entsprechende Flageolett-Ton. Verwende dazu am besten ein Stimmgerät. Alles klar soweit? Jetzt kann die komplette Gitarre gestimmt werden, und zwar so, dass die offene G-Saite zwischen A-440 und A-439 Hz auf dem Stimmgerät einpendelt. Bei dem gegriffenen G auf dem XII. Bund sollte das Stimmgerät jedoch genau A- 440 Hz anzeigen. Die anderen Saiten können dann ganz normal gestimmt werden. Feinabstimmungen kann man am besten ohne Stimmgerät machen, indem man die E-Mollund E-Dur-Akkorde in der ersten Lage miteinander vergleicht. Dabei sollte das Gis (GSaite, 1. Bund) nicht mehr als zu hoch empfunden werden, wie dies meist bei normal gestimmten Gitarren der Fall ist. Trotzdem sollte sich das offene G noch harmonisch in den EMoll-Akkord einfügen.

Jerry Donhaue
Jerry Donhaue (Bild: Archiv)

Ein anderes Beispiel: Klingt der A-Dur-Barré-Akkord in der fünften Lage sauber und rein, erscheint typischerweise der nächstliegende E-Akkord (5. Saite/VII. Bund, 4. Saite/VI. Bund, 3. Saite/IV. Bund, 2. Saite/V. Bund) leicht „daneben“. Die große Terz (hier: das Gis auf der 4. Saite im VI. Bund) ist der Übeltäter; sie klingt in der Regel zu hoch. Aber nach meiner Einstellung, bei der der gegriffene Ton am XII. Bund der D-Saite leicht unter dem entsprechenden Flageolett-Ton liegt, existiert dieses Problem nicht mehr. Gelegentlich – dies ist aber von der Saitenstärke und der Härte des Anschlags abhängig – macht es auch Sinn, die tiefe E-Saite eine Idee zu tief zu stimmen. Ich selbst benutze eine .042er E-Saite und schlage manchmal sehr hart an – also stimme ich sie ein wenig zu tief.

Aber das entscheide jeder für sich selbst! Die Idee zu meinem Tuningsystem habe ich von Klavierstimmern übernommen. Würden sie zum Stimmen eines Klaviers ein Stimmgerät verwenden, dann klänge es schrecklich. So benützt der Klavierstimmer das Stimmgerät, wenn überhaupt, nur als Referenz und stimmt das gesamte Klavier nach seinem Gehör. Dabei werden die tiefen Töne leicht höher und die hohen Töne leicht tiefer gestimmt, um eine insgesamt harmonische Gesamtstimmung zu erreichen.

Dieses Konzept habe ich auf die Telecaster übertragen, und nachdem dies dort so gut funktionierte, auch auf meiner Stratocaster angewendet. Das ganze Leben besteht aus Kompromissen, also: Check it out!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. JAn den Missstimmungen ist was dran . Persönlich ziehe ich die 6 Standard Reiter auf der Tele vor . Keinerlei Stimmprobleme auf der American Standard . Der Twång der Tele geht eh im Bandsound unter .ausser im Blues Trio mit hoher Lautstärke . Trotzdem bin ich eher Strat Typ

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  2. Auch meine Strat ist nicht gefeit vor Verstimmungen . Das gehört leider dazu . Mit bestimmten Intonationen vor oder hinter dem Bundstab wird s dann aber harmonischer

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