Geheimtipps & Newcomer

G&B Yoursite: Isaac Vacuum, Supernova Plasmajets, Dan Hunter und The Universe By Ear

Isaac Vacuum

Schwer wälzen sich die Gitarren nach vorne, machen schließlich Platz für pathetisch- melodische Vocals während alles befeuert wird von Drums und dicken Bässen: Diese opulente Heavy-Mucke überwältigt mit Bergen von Riffs, um so krasser kommen die Wechsel in balladeske Parts, in denen die Gitarren mit schönen Modulationseffekten und Hall gefärbt sind.

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Beeindruckend ist die Klangcollage ,Off‘, in der eine Art wissenschaftlicher Vortrag mit Feedbacks, Hallfahnen, Rauschen und elektronischen Sounds unterlegt wird. Es beeindruckt auch, wenn sich über einem monotonen Groove eine hohe Tapping-Melodie entfaltet. Gelegentlich erinnert Isaac Vakuum entfernt an Tool, immer geht es bildhaft auf die Reise durch ein eigenes ArtRock-Universum. ,Lords‘ heißt dieses Debüt-Album, bei dem alles stimmt: eigenes Songwriting, eigener Sound, eigenes Konzept und Artwork. Im Fußball spricht man seit einiger Zeit vom spielentscheidenden Unterschied, den ein einziger Kicker in einer Partie ausmachen kann. Bei der Band aus Krefeld/Essen ist dies Stefan Huth mit seiner acht- und zehnsaitigen Touch Guitar, der den beiden Gitarren viel Bass-Power entgegensetzt. Zudem steuert er mit einem Moog-Synthesizer viel Atmosphäre bei. Doch erst gemeinsam erzeugen Stefan, Dan Mueller (g/voc), Philipp Maike (g/voc/b) und Michel Schallenberg (dr) diese mächtige Klangwand. Beeindruckend kommt auf ihrer Website ein Live-Video: Die Musiker stehen im Kreis und erzeugen mittels Effektpedalen unglaubliche Klang- Improvisationen. Im Herbst spielen sie beim großen deutschen Progressive-Festival Euroblast. Aktuelle Termine und das Album gibt’s auf der Website.

www.isaacvacuum.com


Supernova Plasmajets

In den 80er Jahren bot US-Hair-Metal ein schrillbuntes Spektakel aus Hardrock-Riffs, Mitgröhl-Refrains und extravaganten Gitarren-Helden in engen Spandexhosen, mit toupierten Haaren sowie Lipgloss und Rouge im Gesicht. Und genau hier ist die Band aus Mannheim zu Hause.

Das selbstbetitelte Debüt der Supernova Plasmajets liefert straighte Rocker mit Pathos-Refrains und auch genretypische Power-Balladen. Die Gitarren liefern alles, was auch heute noch Spaß macht: melodische Soli, die gewürzt sind mit Tappings, Dive-Bombs und Feedbacks. Trotz allen Budenzaubers bleiben die Songs dank der schnörkellosen Drums- /Bass-Abteilung bodenständig. Und dies auch wegen der fantastischen Jennifer Crush, die im ruhigen mit Klavier unterlegten ,Hold You Close‘ mit ihrer großartigen Stimme fast schon wie Shakira klingt. Klasse Band, die mit ihrem Outfit zwischen Metal- und Hip- Hop-Klischees viel Humor verrät.

www.supernovaplasmajets.de


Dan Hunter

Mit elf Jahren kam der Offenburger, der eigentlich Daniel Hinte heißt, zur Gitarre. Van Halen, Steve Vai, Eric Clapton und Mark Knopfler standen auf der Rock- Agenda, in Sachen Blues hinterließen Albert King und B.B. King großen Eindruck.

Daniel studierte vier Jahre in den Niederlanden Jazz und Pop-Musik und spielte in verschiedenen Cover-Bands und einer BigBand, schließlich reiste er als professioneller Musiker durch ganz Europa. Jetzt veröffentlicht er mit 36 Jahren sein Debüt-Album, und auf ,Angels And Dust‘ rockt Dan mit Dirk Sengotta (dr) und Mike Holland (b) klassisch ab. Im schnellen Instrumental ,Overload‘ erinnert er mit seiner virtuosen Spielweise und seinem satten Sound an Stevie Ray Vaughan. Das klingt wirklich gut und wird in den Momenten noch spannender, wenn er zwischen die Blues-Rock-Licks mit derselben Intensität jazzige Akkord-Breaks setzt. Im folgenden ,Free‘ gibt’s UK-Hardrock der 70er, und in ,Ashes To Dust‘ zeigt er eine Singer/Songwriter- Attitüde wie Neil Young. Und ihm gelingt auch mal eine lockere Pop-Ballade. Zu den weiteren Höhepunkten gehört auch eine Nummer, zu der Scott Henderson ein tolles Solo beisteuert. Schönes Album.

www.danhuntertrio.com


The Universe By Ear

Das Powertrio aus Basel walzt mächtig im getragenen Black-Sabbath-Tempo nach vorne. Abrupt wechselt die Stimmung. Es folgt ein ruhiges Epos, das sich langsam steigert in ein scharfes Gitarren-Solo mit abgefahrenen Effekt- Sounds, um endlich wieder zum Ausgangs-Riff zurückzukehren.

Die Songs basieren meist auf hypnotischen Grooves, über denen sich auch mal bluesige Gitarren schieben können, die nach und nach mit Effekten in Richtung Hendrix an Schärfe gewinnen. Und mit angezerrtem Gesangs-Sound plus verhallten Background-Chören landet man direkt in den progressiven 60er- und 70er-Jahren, was nach Pink Floyd meets (späte) Beatles klingt. Sehr spannend wirken auch die immer wieder eingestreuten Electronica-Sounds und Samples. Gitarrist Stef Strittmacher outet sich in virtuosen Soloausbrüchen als Shredder, der zwischen Fusion-Jazz und Metal abjagt. Klasse Trip durchs Postrock-Universum.

www.theuniversebyear.com


Aus Gitarre & Bass 05/2017

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