Yamaha BB2025X im Test

E-Bass von Yamaha, stehend
FOTO: Dieter Stork

 

Nur wenige Marken schaffen es, markante Klassiker in die Welt zu setzen. Die BB-Serie von Yamaha darf man getrost zu den berühmteren Bass-Designs zählen. Und der aktuelle BB2025X führt vor, dass die Modellentwicklung noch keineswegs am Ende angelangt ist.

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Denn in diesem aufwendigen Fünfsaiter stecken einige interessante Feinheiten, die man nicht auf den ersten Blick erfasst. Auch wenn man optisch an langjährige Traditionen anknüpft, muss das ja nicht heißen, dass die Entwicklung des BB-Basses vollständig abgeschlossen ist – im Gegenteil.

 

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FOTO: Dieter Stork

 

Konstruktion des Yamaha BB2025X

Die verchromten Pickup-Rahmen erinnern an längst vergangene Zeiten, als es noch galt, ungenaue Korpus-Aussparungen zu verdecken – Yamaha erhebt sie zum Stilmittel und fügt beim BB2025X noch ein passgenau ausgeschnittenes Pickguard und ein metallenes Kontrollfeld für den klassischen Rockbass-Look à la Fender hinzu. Solche Auffälligkeiten mögen allein dem speziellen Aussehen dienen, es gibt allerdings noch einige unsichtbare Maßnahmen, die direkt auf den Klang abzielen.

So steckt unter der deckenden Korpus-Lackierung eine dreiteilige Konstruktion aus Erlenholz, die zur Steigerung der Stabilität an den Leimnähten mit eingesetzten Ahorn-Nutenkeilen verstärkt wurde. Zu den unsichtbaren Maßnahmen gehört auch die patentierte Aufbereitung der Hölzer, die unter Druck und erhöhter Temperatur kurz mit Dampf behandelt und anschließend getrocknet wurden. Yamaha nennt das Acoustic Responance Enhancement und möchte dadurch ein ähnlich resonantes Schwingungsverhalten wie bei alten, eingespielten Instrumenten erreichen. Ebenfalls dem guten Ton soll auch das kräftige Durchrütteln des fertigen Instruments dienen, welches der Hersteller als Initial Response Acceleration bezeichnet. Erwiesenermaßen fördert die dadurch hervorgerufene Materialentspannung die Gleichmäßigkeit des Schwingungsverhaltens bei Musikinstrumenten, was bereits vor Jahrzehnten durch Untersuchungen von Professor Gerhard von Reumont nachgewiesen wurde.

Zurück zu den sichtbaren Dingen: Der aufgeschraubte Hals ist eine fünfstreifige Konstruktion aus zwei Sorten Ahorn und schmaleren Mahagonistreifen. Während außen harter Rock Maple verarbeitet wurde, sitzt in der Mitte zwischen den Mahagonistreifen hellerer Riegelahorn, wobei sämtliche Hölzer mit stehenden Jahresringen und klangharter Statik verarbeitet wurden. Im aufgeleimten Palisandergriffbrett sitzen 21 mittelstarke Bünde und ein Sattel, der aus dem gleichen Neusilber-Material wie die Bundstäbchen gefertigt ist.

 

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FOTO: Dieter Stork

 

Ausstattung

Die Hardware sieht auf den ersten Blick konventionell aus, auf der Kopfplatte sitzen offene Stimmmechaniken im Vintage-Stil. Dabei wird sogar ein Niederhalter für die mittleren drei Saiten notwendig, um ausreichenden Druck auf den Sattel zu gewährleisten – was zumindest für die A-Saite den Saitenwechsel verkompliziert. Auch beim Steg scheint es sich oberflächlich um eine gewöhnliche Konstruktion zu handeln, wenn auch alle Standschrauben der Saitenreiter durch eingestanzte Nuten in der Grundplatte gegen seitliches Verrutschen gefeit sind. Bei näherer Untersuchung stellt sich aber heraus, dass dieser unauffällige Steg zwei Arten der Saitenaufhängung erlaubt, darunter das Einfädeln durch den Body. Um ungesund radikale Knicke zu vermeiden, geschieht dies allerdings im 45-Grad-Winkel, sodass die Lagerbuchsen für die Ballends in der abgeschrägten, hinteren Korpuskante liegen. Und noch ein weiteres Detail fällt auf, nämlich die abgeschrägte Oberseite der Saitenreiter, welche die Auflagefläche verkleinert und somit den Auflagepunkt der Saiten präzise definiert. Leider hat sich beim Test aber schon an dieser Stelle die erste Saite durch einen Kernbruch verabschiedet – womöglich ist die Auflagekante also doch zu scharf.

Während die meisten Pickup-Konstruktionen für jede Saite separate Polepieces aufweisen, setzt Yamaha auf die Gleichmäßigkeit durchgehender Polklingen, damit beispielsweise auch bei extremen Stringbendings der volle Pegel gewahrt bleibt. Prinzipiell könnte man die Tonabnehmer-Bestückung als P/J-Konfiguration bezeichnen, wobei der Splitcoil in der Halsposition mit Alnico-Barrenmagneten bestückt ist, während für den Singlecoil am Steg ein keramischer Magnet zum Einsatz kommt.

 

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FOTO: Dieter Stork

 

Praxis

Bei einer insgesamt passiven Elektrik setzt der Yamaha auf klare und übersichtliche Bedienung: Ein dreistufiger Kippschalter dient zur Pickup-Anwahl, des Weiteren ist lediglich ein Pegelsteller und eine passive Höhenblende vorhanden. Das deutet auf einen straighten Rockbass hin. Dabei ist der Longscale-Hals mittelbreit und relativ flach geformt, was auch beim festen Zupacken die Kräfte schont und trotzdem am Steg ziemlich erwachsene Saitenabstände von 18 mm erlaubt. Mit 4,4 kg liegt dieser Fünfsaiter genau im Normalbereich, am Gurt fühlt er sich als Rocker in der Waagerechten wohl.

Am Verstärker überzeugt der Yamaha durch seinen dichten, satten Klang, und zwar in allen Einstellungen. Die tiefen Mittenbereiche sorgen hier für souveräne Durchsetzungs- und Tragkraft mit offensivem Growl, wobei der Singlecoil in der Steg-Position interessanterweise beinahe genauso stark und fett rüberkommt wie der Splitcoil. Die verschiedenen Magnetmaterialien hört man dennoch heraus, und der zweigeteilte Tonabnehmer mit den Alnico-Barren erzeugt auch bei festen Anschlägen immer einen tendenziell warmen Sound mit mild abgerundeten Präsenzanteilen, während der keramisch aufgeladene Steg-PU den Ton eine Spur schärfer und knackiger artikuliert. Für HiFi-mäßige Brillanz ist der BB2025X freilich nicht ausgelegt, zumal ja keine aktive Klangregelung an Bord ist, um die obersten Highlights in den Vordergrund zu stellen. seine eindeutigen Stärken liegen in den geradezu perfekt ausgewogenen Rocksounds und dem einfachen Zugriff auf drei verschiedene Varianten davon.

 

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FOTO: Dieter Stork

 

Resümee

Wo andere Instrumente der oberen Preisklasse zumeist für maximale Variabilität ausgestattet sind, setzt der BB2025X auf eine starke Identität. Er ist ein Rocker mit Leib und Seele, und dazu passen Optik, straighte Bedienung und kraftsparende Bespielbarkeit ebenso wie sein kompromissloses Klangverhalten. Satt grollend und dicht artikuliert der Yamaha seinen tiefmittig dominierten Rock-Ton, sodass man sogar mit dem Steg-Singlecoil alleine ein tragfähiges Offensiv-Fundament erzeugen kann. Dieser aufwendig und durchdacht gebaute Fivestring ist wie gesagt kein Allround-Talent, aber ein umso stärkerer Charakterdarsteller, ein klassicher Rockbass erster Güte!

 

Übersicht

Fabrikat: Yamaha

Modell: BB2025X

Typ: E-Bass mit Massivkorpus, Fünfsaiter

Herkunftsland: Japan

Mechaniken: verchromt; offene Stimmmechaniken, Flachsteg m. optionaler Saitenführung durch den Korpus, Neusilber-Sattel, konventionelle Gurthalter

Hals: aufgeschraubt, fünfstreifig Ahorn/Mahagoni/Riegelahorn

Griffbrett: Palisander

Halsbreite: Sattel 43,20 mm; XII. 64,1 mm

Bünde: 21, Medium Jumbo

Mensur: 863 mm, Longscale

Korpus: dreiteilig Erle

Oberflächen: Korpus u. Kopfplatte hochglänzend lackiert, Hals matt lackiert

Tonabnehmer: 1x Yamaha Splitcoil Alnico, 1x Yamaha Singlecoil m. Keramikmagnet

Elektronik: passiv

Bedienfeld: Volume, Tonblende, dreistufiger Pickup-Schalter

Saitenabstände Steg: 18 mm

Gewicht: ca. 4,4 kg

Lefthand-Option: nein

Vertrieb: Yamaha

25462 Rellingen

www.yamaha.de

Zubehör: Koffer, Kabel

Preis: ca. 3270

 

Plus

  • Rock-Sounds
  • Bespielbarkeit
  • Verarbeitung, Hölzer
  • Ausstattung

Minus

  • Steg-Saitenreiter zu scharfkantig, Saitenbruch-Gefahr
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