Bass Testbericht

Warwick Thumb Singlecut im Test

5-saitiger Warwick-Bass. liegend
(Bild: Dieter Stork)

Oft reden Instrumentenbauer davon, auch für Kundenwünsche ein offenes Ohr zu haben; bei Warwick ist das seit jeher eine Realität. Bereits vom ersten Bass an haben hier nicht nur prominente Musiker entscheidenden Einfluss auf das letztendliche Produkt genommen, und der Thumb Singlecut ist das jüngste Ergebnis dieser Zusammenarbeit.

 

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Aus gutem Grund trägt der Nobby Meidel Bass den Namen seines Inspirators, und der Thumb wurde nach Anregungen des Bassisten John Davis geschaffen. In echten Design-Wettbewerben wurden die Modelle Katana und Vampyre vom begeisterten Bassisten entworfen, und der neue Singlecut entstand unter reger Beteiligung des Warwick-Forums. Solche Kundennähe mag man gemeinhin großen Marken kaum zutrauen, sie ist bei Warwick aber zweifellos eine wichtige Zutat zum Erfolg.

Schließlich operiert der Hersteller mit seinen in Deutschland gebauten Instrumenten in einem Preissegment, wo der Musiker sich nicht mit Einheitsware von der Stange abgeben möchte und seinen individuellen Traumbass sucht. Um ihm den zu geben, hat die Marke nicht nur ungewöhnlich viele Modellreihen im Programm, sondern bietet bekanntlich darüber hinaus auch zahlreiche Optionen, Varianten und regelmäßig Sondermodelle an. Man muss würdigen, dass dadurch nicht nur prominente Stars ihr „Signature“-Modell bekommen.

Konstruktion des Warwick Thumb Singlecut

Der fünfsaitige Testbass besitzt einen durchgehenden Hals aus geflammtem Ahorn, wobei feine, schwarze Trennfurniere die fünfstreifige Konstruktion betonen. Im Griffbrett aus hochpoliertem Tigerstripe Ebony sitzen 26 Jumbo-Bünde. Für die seitlich an den Hals angeleimten Korpusteile wurde eine Sandwich-Bauweise gewählt, die zu gleichen Teilen aus amerikanischer Sumpfesche auf der Rückseite und knallhartem Bubinga auf der Front besteht – auch wenn man einige Phantasie braucht, um es zu erkennen, ist dieser Bass auf der Grundlage des Thumb-Modells entstanden. Der eigentliche Hauptgrund für ein solches Singlecut-Design mit langgestrecktem Korpus liegt in der Abstützung des Halses durch den Korpus, der beim Thumb SC bereits ab der 13. Lage ansetzt. Durch diese Versteifung werden Biegeschwingungen erheblich reduziert und der Basston gehörig in Sustain und Schwingstärke angefeuert.

Was die Ausstattung betrifft, gönnt Warwick allen deutschen Modellen den gleichen, hohen Hardware-Standard mit massiger, zweiteiliger Steg/Saitenhalter-Kombination, gekapselten Tunern und arretierbaren Sicherheits-Gurthaltern. Neu eingeführt wurde der höhenjustierbare Sattel aus poliertem Messing, der nun Just-A-Nut III heißt. Auch die passiven Soapbar-Humbucker von MEC sieht man erstmalig auf einem Warwick-Bass, sie wurden eigens für den Thumb Singlecut entwickelt. An dreistufigen Kippschaltern sind für jeden Tonabnehmer drei Betriebsarten und Sounds wählbar: Singlecoil, Humbucker mit parallel geschalteten Spulen und serielle Schaltung. Ein aktiver Dreiband-EQ des selben Herstellers erweitert die Sound-Einstellmöglichkeiten noch zusätzlich, wobei der Master-Volume-Knopf als Zugschalter fungiert, mit dem man den Bass auf reinen Passiv-Betrieb umschalten kann. Um klangliche Flexibilität braucht man sich mit diesem Instrument gewiss nicht zu sorgen.

Warwick Thumb Singlecut  in der Praxis

Cutaways sparen Gewicht, und da hier nur eines vorhanden ist, muss der Singlecut mit seinem großflächigen Korpus zwangsläufig schwerer als ein normales Design sein. Allerdings hält sich hier der Gewichtszuwachs trotz dicht gewachsener, schwerer Holzarten im Rahmen: 4,6 Kilogramm sind für einen ausgewachsenen Fivestring zwar ordentlich, aber auch nicht krass schwer. Alldieweil hier die Verteilung der Pfunde stimmt und der Singlecut nicht einseitig am Gurt zieht. Klar, ein solcher Massebass muss einfach stabil hängen, und ausgewogen tut er es dazu. Der fehlende obere Korpusausschnitt stört übrigens nicht im geringsten die allgemein günstige Bespielbarkeit, auch nicht bei Fingerübungen in den höchsten Lagen. Übrigens bekommt man Lefthandund Fretless-Ausführungen ganz ohne Aufpreis, und wer das neue Modell mit sechs Saiten haben möchte, wird auch bedient.

Klanglich ist der Fünfsaiter durch die umfangreiche Elektro-Ausstattung extrem wandlungsfähig, allein schon die drei schaltbaren Sounds pro Pickup bescheren eine Menge Möglichkeiten. Dabei liefern die speziell angefertigten MEC-Soapbars eine interessante Grund-Tendenz mit feinmarkiger Mittendarstellung. Bei neutral eingestelltem EQ kommt der Bass deshalb nicht ganz so klinisch hochglanzpoliert rüber wie manch anderer Edelbass, sondern geht bei breitem Frequenzumfang recht offensiv zu Werke. Die zusätzliche Portion Biss im Ton qualifiziert das Instrument dann auch für härtere Stilrichtungen, und wo man sonst einen Singlecut eher in der Jazz-Ecke einordnen würde, kann sich der Warwick spielend auch in einem rockigen Umfeld durchsetzen. Doch hat man es mit den Offensiv-Präsenzen auch wieder nicht übertrieben, sodass man den Sound mit Hilfe der wirksamen Klangregler in jede beliebige Richtung variieren kann.

In jedem Fall begeistert der massestarke und steif gebaute Fivestring durch einen sagenhaft stabilen und intensiven Ton, der mit einer grandiosen Schwingfreude gesegnet ist. Das ist schließlich der Hauptgrund für ein solches Singlecut-Design, das optisch ja einigermaßen gewöhnungsbedürftig ist.

Resümee

Keine Frage, der Thumb Singlecut ist ein extrastarker Fivestring mit grandios direkter und schwingintensiver Tonartikulation. Dabei hat man das drohende Übergewicht ziemlich gut in den Griff bekommen, sodass der Testbass am Gurt nicht einmal auffällig schwer wirkt und sich auch ansonsten durch günstige Bespielbarkeit als praxistauglicher Player präsentiert. Interessant ist dabei die offensiv bissige Nuance, die zum einen durch die harten Bubinga-Anteile, zum anderen aber auch von den speziell angefertigten Soapbar-Humbuckern eingebracht wird – was diesem Singlecut auch in rockig-aggressiven Stilrichtungen souveräne Durchsetzungsmacht beschert.

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