Warwick Bass im Test

Warwick Streamer Stage I 6-String im Test

Sechssaitiger Warwick-Bass, stehend

Der Streamer ist ein Bestseller, aber trotzdem bekommt man nicht alle Tage die mächtige Sixstring-Version in die Hände. Und Letztere dürfen bei der Broadneck-Version auch ruhig etwas größer sein.

 

Anzeige

 

Vom ultraschlanken Hals bis zum extrabreiten Brett ist bei der Marke ja alles zu haben, und das hat man nicht zuletzt der akkuraten Fertigung in Deutschland zu verdanken, womit man einfach flexibler auf Kundenwünsche reagieren kann.

 

Konstruktion des Warwick Streamer Stage

Sechssaitige Bässe sind die Domäne der Bass-Virtuosen, die auf ihrem Instrument mehr als nur die Grundtöne zupfen wollen. Damit sich bei komplexen Griffbildern und rasanten Flitzereien die Finger nicht gegenseitig im Weg stehen, bevorzugen trainierte Spieler weite Saitenabstände. Am Steg sind sie beim Testbass auf erwachsene 20 mm eingestellt, was ein entsprechend breites Griffbrett erfordert.

Der durchgehende Hals aus geflammtem Ahorn ist auf solche Bedürfnisse hin ausgelegt, ohne dass die Greifarbeit mit extremen Mühen verbunden ist, denn das Halsprofil wurde betont flach geformt. Dunklere Trennstreifen betonen die fünfstreifige Ahorn-Konstruktion des Halses, im Wenge-Griffbrett sitzen 24 Jumbobünde. Für die seitlich angeleimten Korpusteile wurde massiver Riegelahorn mit auffällig markanter Flammung verwendet, bei der Versiegelung hat der Kunde grundsätzlich die Wahl zwischen einem ungefärbten oder eingefärbten Oil Finish und einer Hochglanz-Lackierung.

In jeder Einzelheit bietet die Warwick-Ausstattung höchste Qualität, wobei die Tonabnahme durch zwei aktive MEC-Humbucker im Soapbar-Format erfolgt. Die Pickups sind dabei schmal genug, um im Spielbereich ausreichend Freiräume für alle möglichen Spieltechniken zu lassen, beispielsweise zum Anreißen der Saiten. Volume-Regler, PU-Überblender und Zugschalter zum Ausschalten der aktiven Klangregelung sind in einem doppelstöckigen Spezial-Poti zusammengefasst, die drei aktiven Klangregler für Bässe, Mitten und Höhen konnten somit übersichtlich auf Einzelplätze verteilt werden.

 

Praxis

Ein unauffälliges Detail kann große Wirkung auf das Spielgefühl haben. Gemeint ist der höhenverstellbare Sattel, mit dem sich die flachstmögliche Saitenhöhe in den untersten Lagen einjustieren lässt. Gerade bei einem Sechssaiter, der nicht selten für komplizierte Griffe verwendet wird, spielt die Kraftökonomie ja eine hervorgehobene Rolle. Der Broadneck-Sechssaiter ist zwar ein mächtiges Instrument, aber verblüffend leichtgängig zu handhaben. Auch wenn es heftiger zur Sache geht, bietet der ausgewachsene Longscale mit dem breiten Griffbrett mehr als ausreichenden Raum für einen sauberen Fingersatz und volldynamische Anschlagtechniken – wobei das Instrument verständlicherweise nicht für Bassisten mit extrakurzen Fingern empfohlen werden soll. Am Gurt hängt der 4,6-Kilo-Bass angenehm ausgewogen und ohne Kopflastigkeit, die hohlgewölbte Korpus-Rückseite schmiegt sich angenehm stabil an den Körper.

Durch die praktisch lupenreine Ahorn-Konstruktion ist ein klar definierter Drahtton in jeder Lage gewährleistet, auch in den allertiefsten Lagen auf der dicken H-Saite. Die kraftvolle Wiedergabe durch die Soapbar-Humbucker sorgt dafür, dass harsche Präsenzen sich nicht unangemessen in den Vordergrund drängen, der Grund-Sound des Sechssaiters ist somit von abgerundeter Klarheit geprägt, die hohen Saiten singen ebenso stimmstark wie brillant, und bei den tiefsten Tönen kann man sauber und wummerfrei bis in den Fundamentkeller hinab jedes Detail heraushören.

Bis auf den etwas kraftvoller abgestimmten Bassregler bearbeitet der Dreiband-EQ den Gesamtklang ausgesprochen nuancenfein und zeigt sich praxisgerecht abgestimmt. Überstarke Wirkungen scheinen bei einem derart kultiviert klingenden Bass sowieso unangemessen, denn hier ist die Ausgewogenheit bereits von Hause aus gegeben – eigentlich bräuchte man bei diesem Warwick die EQ-Regler gar nicht.

 

Resümee

Der sechssaitige Streamer Stage I ist ein mächtiger Bass, wobei sich der extrabreite Hals jedoch verblüffend angenehm spielen lässt. Klar, dass man hier mit kurzen Stummelfingern weite Wege hat, aber bei komplizierten Fingersätzen und heftiger Herangehensweise macht sich der vorhandene Platz nur positiv bemerkbar. Zumal die Ahorn-Basis perfekt mit den aktiven Soapbar-Humbuckern zusammenarbeitet und einen gleichermaßen klar definierten wie auch pfundig-gewogenen Sound garantiert. Und dadurch ist der Streamer-Sixstring nicht nur für virtuose Solisten interessant, sondern auch in der konventionellen Begleitarbeit sehr überzeugend!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: