Warwick Pro Series Corvette Standard Ash, 5-String bzw. 4-String Fretless im Test

Zwei Warwick-Bässe, 4- bzw. 5-saitig, stehend

 

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Neben den aus deutscher Produktion stammenden Instrumenten, die den nachhaltigen globalen Erfolg der Firma Warwick begründeten, bietet der Hersteller nun auch Instrumente aus koreanischer Fertigung an.

 

 

Eigentlich ist das nicht sonderlich spektakulär, da Warwick schon seit einigen Jahren Instrumente unter dem Rockbass-Label in Fernost herstellen lässt. Sehr erfolgreich werden in China seitdem preisgünstige Instrumente gefertigt, welche durch strenge Qualitätskontrollen auch den peniblen Warwick-Ansprüchen genügen. Dank dieser Produktionsverlagerung können auch Anfänger und Musiker mit einem kleinen Budget, erstklassige Marken-Instrumente zu einem günstigen Preis erwerben, ohne dass sie sich mit dubiosen Fernost-Kopien herumschlagen müssten. Warwick hat nun einen neuen, zusätzlichen Produktions-Standort in Korea geschaffen, der sich an den Qualitätsansprüchen von professionellen Musikern orientiert. Die in Korea gefertigten Instrumente heißen jetzt Warwick Pro-Series und weisen hinsichtlich Konstruktion und Ausstattung kaum Unterschiede zu der deutschen Fertigung auf, können aber zu einem deutlich günstigeren Preis angeboten werden. Im Folgenden sollen aus dieser neuen Produktlinie ein Corvette Fünfsaiter und ein Corvette Fretless-Viersaiter etwas genauer betrachtet werden, die sich zudem durch eine unterschiedliche aktive, bzw. passive Elektronik unterscheiden.

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Konstruktion des Warwick Pro Series Corvette Standard Ash

Bei der Holzauswahl ist schon einmal kein Unterschied zu der deutschen Fertigung feststellbar. Man hat ganz auf die bewährten Klanghölzer gesetzt, und so sind beide Instrumente mit einem zweiteiligen Korpus aus leichter, amerikanischer Sumpfesche gebaut worden. Das matte, offenporige Oil-Finish ist in verschiedenen Farbtönen erhältlich, im vorliegenden Fall „Nirvana Black“ bei dem Fünfsaiter und „Honey Violin“ bei dem Fretless, mit dem die markante Maserung kultiviert betont, gleichzeitig aber auch die sehr schöne holzige Haptik optisch unterstützt wird. Das typische Warwick-Spielgefühl ist natürlich auch bei den passgenauen, vierfach mit dem Korpus verschraubten Hälsen direkt gegeben, da sie, wie man es von diesem Hersteller fast gewohnt ist, aus tropischen Exotenhölzern zusammengesetzt sind. Der hartholzige Hals des Fünfsaiters besteht aus vier Streifen Ovangkol, die mit feinen Ekanga-Streifen voneinander getrennt worden sind. Diese verleihen dem Hals eine zusätzliche Stabilität und sollten zudem positive Einflüsse auf das Ansprechverhalten und die Tonbrillanz haben. Im Wenge-Griffbrett sitzen 24 sauber polierte Jumbobünde aus Bronze die bei dem ansonsten baugleichen Fretless natürlich fehlen, der zudem durch den schmaleren Hals auch nur eine dreistreifige Halskonstruktion besitzt. Die verwendeten Hölzer, die gleichen Holz-Kombinationen und die blitzsaubere Verarbeitung lassen bis hierhin keinen Unterschied zu der deutschen Produktion erkennen. Die Hardware offeriert ebenfalls die aus heimischer Produktion bekannten Einzelkomponenten. Beide Instrumente besitzen einen höhenverstellbaren Sattel, der natürlich besonders wichtig für die Fretless-Ausführung ist, da man hiermit äußerst effektiv die individuelle Schnurreinstellung justieren kann.

Gekapselte Stimmmechaniken, praktische Security-Locks und die zweiteilige Steg/Saitenhalterkonstruktion mit ihren dreidimensionalen Einstellmöglichkeiten und Klemmfixierungen, haben sich über viele Jahre bewährt und werden ebenfalls in der koreanischen Fertigung verwendet. Tonabnehmer und Elektronik-Ausstattung entsprechen zwar nicht der deutschen Corvette-Ausgabe, aber auch hier stammen die verwendeten Bauteile von MEC. Bei den beiden vorliegenden Instrumenten ist zudem eine unterschiedliche Ausstattung augenfällig. Der Fretless ist mit zwei passiven „Dynamic Correction“ Tonabnehmern in klassischer J/J Konfiguration bestückt und hat als Passiv-Bass auch nur einen Volume-Regler, einen Überblend-Poti für die Tonabnehmer und eine Höhenblende erhalten. Der Fünfsaiter hingegen besitzt zwei aktive MEC-J/J-Tonabnehmer sowie eine Aktivelektronik für Höhen und Bässe, ebenfalls aus dem Hause MEC. Durch das Herausziehen des Volume-Reglers kann der aktive Zweiband-EQ zwar stillgelegt werden, aber wegen der doppelten Aktiv-Ausführung wird in jedem Fall eine Batterie benötigt. Diese befindet sich unter dem werkzeuglos zu öffnenden Schnappdeckel des E-Fachs auf der Korpusrückseite. Dies ist insofern von Bedeutung, da durch die doppelte Aktiv-Ausstattung die Stromaufnahme ca. 3,86 mA beträgt (ca. 150h/Alkaline Batterie) und ein schneller Batteriewechsel wichtig werden kann.

 

Praxis

Die Beliebtheit und der damit einhergehende kommerzielle Erfolg der Corvette-Baureihe sind unter anderem der Schnörkellosigkeit dieser Instrumente geschuldet. Absolut zickenfrei und unkompliziert präsentieren sich demgemäß auch die Bässe der Pro Series. Am Körper hängen die Instrumente neutral und sehr gut ausbalanciert, wobei der Fünfsaiter wegen seines leichten Korpus eher zu einer waagerechten Position tendiert. Allerdings lassen sich die Instrumente in jeder gewünschten Spielposition sehr gut kontrollieren und das geringe Gewicht sollte selbst bei einem mehrstündigen Konzert Ermüdungserscheinungen hinfällig machen. Der Name verpflichtet, und so sind auch die koreanischen Modelle flinke und leichte, gleichwohl auch robuste Sportinstrumente. Beide Bässe haben einen sich gut anfühlenden Hals. Während der Fretless über einen schlanken mit nicht zu fülligem D-Profil verfügt, besitzt der Fünfsaiter naturgemäß einen etwas breiter ausgefallenen, der aber ebenfalls eine mühelose Bespielbarkeit in allen Lagen anbietet. Die Saitenlage ist bei beiden Instrumenten sehr gut und spricht für eine gewissenhafte Endkontrolle in dem neuen koreanischen Werk, sowie einer sorgfältigen Bundierung im Falle des Fünfsaiters.

Da beide Instrumente identische Hölzer erhalten haben, ist bei trockener Anwendung bei beiden ein frischer, präziser Holzklang unüberhörbar. Wie zu erwarten, sorgt der Korpus aus Sumpfesche für die detaillierte Ansprache und einen pfundig satten Ton, während die Halskonstruktion für knurrende Mitten und einen präzisen gleichwohl nicht zu vorlauten Drahtton sorgt. Am Verstärker trennen sich dann die Wege der beiden Instrumente, was bei der unterschiedlichen Elektronikaustattung auch nicht weiter verwundert. Die passiven MEC-Tonabnehmer verschaffen dem Corvette Fretless einen transparenten, festen und konkreten Auftritt, der feinste Detailauflösungen und tiefste Bässe wie selbstverständlich mit extralangem Sustain wiedergibt. Mit dem passiven Singlecoil in der Stegposition lassen sich nasale, gleichwohl distinguierte Jaco-Sounds erzielen, die mit Hilfe der Höhenblende effektiv variiert werden können. Während man sich hier solistisch austoben kann, bietet sich der Tonabnehmer in der Halsposition für eine voluminöse, warme und geschmackvolle Fretlessbegleitung an.

Die bekannte Empfindlichkeit von passiven Singlecoils gegenüber Brumm-Einstreuungen ist auch bei der Corvette vorzufinden, allerdings erhält man dafür auch eine sehr klare und durchsichtige Übertragung durch die MEC-Tonabnehmer. Der Fünsaiter ist mit aktiven MEC-Tonabnehmern ausgerüstet, und das führt dann auch zu einer offensiveren und druckvolleren Ausrichtung, gleichwohl werden aber auch hier kleinste Details nicht vernachlässigt und lebendig dargestellt. Von einem sauber konturierten kraftvollen Bassfundament bis hin zu feinen eleganten Brillanzspitzen zeigt der Fünfsaiter eine bemerkenswerte Vielseitigkeit, wobei besonders die drahtige Pfundigkeit hervorsticht, die den Corvette zu einer unwiderstehlichen Groove-Maschine macht, welche eine Anwendung vor allem im Funk-, Jazz- und Fusionbereich nahelegt. Zudem besitzt der Fünfsaiter auch noch einen aktiven Zweiband-EQ, dessen Regler für Bässe und Höhen, harmonisch mit den Grund-Sounds der Tonabnehmer abgestimmt sind und geschmackvoll dosierte Nuancierungen zulassen.

 

Resümee

Kompetente Verarbeitung, durchdachte Holzauswahl, leichte Bespielbarkeit und bemerkenswerte Klangleistungen, die beiden Corvette Bässe aus der neuen Pro Series unterscheiden sich kaum von ihren deutschen Kollegen. Einzig bei den Tonabnehmern und der elektronischen Ausstattung finden sich kleinere Abweichungen, die aber durchaus das mittlerweile fast zwei Jahrzehnte alte Corvette-Konzept sinnvoll bereichern. Der Corvette ist ein kompakter, rassiger Rennbass mit Vollausstattung und hervorragender Alltagstauglichkeit. Dank koreanischer Fertigungstätte ist er jetzt sogar zu einem sehr verbraucherfreundlichen Preis erhältlich.

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