Ungetrübtes Selbstbewusstsein

Warwick GPS Streamer Stage I 5string im Test

Er war zwar nicht das erste Warwick-Modell, aber der Streamer besiegelte einst den enormen Erfolg der damals noch jungen Bass-Marke. Mit unschlagbar entgegenkommender Ergonomie, geschmeidigen Holzformen und angesagtem Aktiv-Sound legte er einen wichtigen Grundstein für den Edelbass aus deutscher Produktion.

Warwick GPS Streamer Stage I_1.1Man darf annehmen, dass es ohne dieses Vorbild etliche deutsche Bassbauer weniger gäbe – denn immerhin dominierten zu Anfang der 1980er-Jahre praktisch ausnahmslos US-amerikanische und britische Nobelprodukte das gehobene Qualitätsniveau. Doch der erfolgreiche Streamer lenkte den Blick auf deutsche Wertarbeit und verhalf damit hierzulande einer ganzen Branche zu neuem Selbstbewusstsein. Der superflache Ur-Streamer mit Kirschholz-Korpusflügeln und ultraschlankem Wenge-Hals war einer der schnellsten und mühelosesten Bässe überhaupt, überflügelte seine Spector-Formvorlage mit radikal filigran ausgearbeiteten Formen und komplett anderen Hölzern – keine Kopie, sondern ein eigener Charakter.

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Heute muss man von einer Vielzahl an Charakteren reden, wenn man sich die Variantenvielfalt der Streamer-Modelle anschaut. An die Urversion mit den Kirschholz-Flügeln erinnert zum Beispiel das Stage-I-Modell aus der German-Pro-Serie, auch wenn hier nicht der komplette Hals, sondern nur das Griffbrett aus Wenge besteht. Sowieso hat die Evolution hier einiges verändert, aber schließlich will Warwick ja zeitgemäße Player bauen und keine Museumsstücke.

Konstruktion

Anders als bei der Urversion besteht bei diesem Fivestring der durchgehende Hals aus vier Streifen hartem Ahorn, optisch attraktiv durch schwarze FurnierZwischenlagen voneinander abgesetzt. Wie einst bilden seitlich angeleimte Kirschholz-Flügel den Body, der sich aufgrund seiner gewölbten Form bestens an den Bauch des Spielers anschmiegt. In der zeitgemäßen Form ist hier allerdings alles etwas dicker geworden, wobei die zusätzliche Masse einer soliden Tonbildung nur gut tun kann. Die Verarbeitung der ausgesuchten Tonhölzer ist schlichtweg perfekt, wobei erst beim zweiten Hinschauen noch ein feines Extra auffällt: Die 24 Neusilber-Bundstäbchen im Wenge-Griffrett sind nicht nur blitzeblank auf Hochglanz poliert, sondern es fehlen auch sichtbare Schlitze in der Griffbrettflanke, was bei Warwick Invisible Fretwork Technology heißt.

Warwick GPS Streamer Stage I_01
Wie sie sehen, sehen sie nichts: Invisible Fretwork ohne Schlitze in der Griffbrettkante. (Bild: Dieter Stork)

Bei der Ausstattung hat sich im Laufe der Jahrzehnte eine Menge verändert, was ganz im Dienst der Funktionalität und Klanggüte steht. Ausgesprochen aufwendig und massig ist die zweiteilige Steg/Saitenhalter-Konstruktion, die versenkt im Korpusholz sitzt und präzisem Attack wie langem Sustain gleichermaßen zugutekommt. Zur Einstellbarkeit des Greifkomforts in tiefen Lagen dient der höhenjustierbare Just-A-Nut-Sattel und sowohl das Elektrofach wie der Zugang zum (bidirektional arbeitenden) Halsspannstab sind ohne Werkzeuge zu öffnen, auch ein eigenes System von Sicherheits-Gurthaltern hat Warwick geschaffen.

Die aktive J/J-Bestückung von MEC arbeitet in allen Einstellungen sauber und ohne Nebengeräusche, zur weiteren Klangvariation ist wie früher ein zweibandiger Aktiv-EQ an Bord. Obwohl die Technik längst auf modernen SMD-Stand gebracht wurde, hat allerdings das Zweiband-Aggregat einen deutlich größeren Stromhunger als der MEC-Dreiband-EQ: Bei 3,9 mA Stromaufnahme saugt der doppelt aktiv bestückte Streamer eine Alkaline-Batterie in etwa 130 Stunden leer.

Praxis

Ergonomische Formgebung war seit jeher die große Stärke des Streamer, und die sorgt auch beim solide gebauten Fünfsaiter für ein entspanntes Spielgefühl. Am Gurt hängt der 4,3-Kilo-Bass ausgewogen ohne Kopflast und schmiegt sich stabil an den Körper. Von den ultraschlanken Hälsen der Frühzeit (und von den ziemlich fetten der späten Neunziger Jahre) ist Warwick abgekommen, weil sich etwas mehr Fleisch in der Hand einfach besser zum engagierten Zupacken eignet – heute hat man zweifellos die goldene Mitte gefunden, die sich sowohl lässig greifen lässt, aber auch in harter Gangart angemessen ist.

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Durch die leicht ausgehöhlte Rückseite schmiegt sich er Bass bequem an den Körper. (Bild: Dieter Stork)

Das macht den aktuellen Streamer zum angenehmen Player ohne Allüren. Die heutige Holzzusammenstellung aus Ahorn, Kirsche und Wenge überzeugt schon beim unverstärkten Antesten, wo man nur die tiefe H-Saite bis in tiefste Lagen hinabwandern muss; jeder Ton wird mit machtvoller Schwingstärke und eindeutiger Definition erzeugt, ohne dass dafür eine verlängerte Mensur benötigt wird. Mit gleichmäßiger Präzision, schwingstarkem Sustain und frischem Ahorn-Obertonspektrum glänzt der Fivestring quer übers gesamte Griffbrett, wobei trotz durchgehenden Halses sein Ton nie zu schwelgend rüberkommt, sondern auch den offensiven Attack bedient und markanten Mitten-Growl entwickelt.

Die aktiven MEC-Tonabnehmer übertragen sämtliche Details und Frequenzen kraftvoll und farbenreich, wobei sich das nicht wie kühle Neutralität anhört, denn bei aller Genauigkeit kommt hier die Emotion nicht unter die Räder. Der ZweibandEQ hat seinen eigenen Charakter, weil sowohl Bass- wie auch Höhenregler ziemlich breitbandig ins Klanggeschehen eingreifen. Wer hier kräftig dreht, bekommt auch kräftige Wirkung geboten, was ziemlich in die Extreme geht. Voll aufgerissene Höhen bringen die gepflegte Ausgewogenheit aus der Balance und machen den Ton aggressiv, volle Basspackung donnert saftig in die Magengrube. Wer weniger möchte, muss halt disziplinierter mit den Reglern umgehen.

Resümee

Das aktuelle GPS-Modell vom Kirschholz-Streamer begeistert mit Spitzenqualität auf allen Ebenen. Die klangpotente Holzkonstruktion überzeugt mit starken Sounds, an denen natürlich auch die hervorragende Ausstattung beteiligt ist. Elegantes Aussehen geht einher mit grundsoliden Player-Qualitäten und ergonomischer Durchdachtheit – dieser Hammerbass garantiert Top-Ergebnisse der lebendigen Sorte und liftet die Stärken seines erfolgreichen Urahns auf das heute angesagte Niveau.

Plus
• Klangverhalten, Sounds
• Spielbarkeit
• Ausstattung
• Hölzer, Verarbeitung

Minus
• erhöhter Batterieverbrauch

 

Warwick GPS Streamer Stage I_profil

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