HARMONISCHE PACKUNG

Warwick BC300 im Test

Unauffällig gibt er sich im schwarzen Filzbezug, zugunsten des günstigen Preises. Unter der Haube werkelt allerdings hochwertige Analogtechnik im Dienst feinauflösender Klangkultur, in übersichtlicher Weise variabel und durch einen Fünfzehnzöller erwachsen präsentiert.

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(Bild: Dieter Stork)

Die Beschreibung verspricht „classsic Sound with modern performance“, wobei ersteres den „klassischen“ Graphic EQ im Stil der Eighties und den potenten Fünfzehnzöller meint, Letzteres die konsequent nebengeräuscharme Auslegung der Schaltung und das zusätzliche Hochtonhorn. Warwicks Spitzenmodell der Bass-Combos ist also in gewisser Weise retro und dennoch auf der Höhe der Zeit.

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Alles im Blick

Warum sind eigentlich die großen Graphic Equalizer aus der Mode gekommen? Schließlich bieten sie fein abgestufte Eingriffsmöglichkeiten in den Frequenzgang und bilden die Einstellung auch noch übersichtlich ab. Das wird bei Warwicks 10-Band-EQ sogar noch durch blaue LEDs auf den Schiebereglern unterstützt, sodass man auch im Dunklen erkennen kann, wo man klanglich unterwegs ist.

Und damit man auf die Schnelle noch eine Alternative zum eingestellten Sound parat hat, lässt sich der Graphic EQ per Kippschalter deaktivieren – also alles in allem eine äußerst praktische Sache. Der BC300 besitzt separate Klinkeneingänge mit entsprechender Anpassung für passive und aktive Bässe, die Feinabstimmung geschieht am Gain-Regler. An einem Kippschalter lässt sich der Verstärker in Spielpausen stumm schalten, direkt in der Eingangsstufe ist auch ein regelbarer Compressor vorhanden.

Nicht überladen, aber alles vorhanden
Nicht überladen, aber alles vorhanden (Bild: Dieter Stork)

Damit der große Graphic EQ für die Feinheiten frei bleibt, sind noch zwei zusätzliche Drehregler für Bass und Treble vorhanden, darüber liegt der (Master-) Volume-Regler. Playbacks können per Miniklinke am Aux In eingespeist werden, fürs lautlose Üben ist ein Kopfhörer-Ausgang vorhanden. Effekte können an den rückwärtigen Klinkenbuchsen Send und Return seriell in den Signallauf eingefügt werden, fürs Stimmgerät ist eine eigene Anschlussbuchse vorhanden.

Der Line Out gibt das Vorstufensignal hinter dem Volume-Regler heraus, während der symmetrische DI-Ausgang sowohl in der Pre- wie in der Post-Einstellung stets pegelunabhängig vom Volume arbeitet. Leider werden eingeschleifte Effekte grundsätzlich nicht im DI Out wiedergegeben.

Für zusätzliche Boxen steht eine Kombibuchse für Klinke und Speakon bereit, laut Beschriftung soll die Mindestimpedanz von 4 Ohm nicht unterschritten werden. Das gilt offensichtlich für die Gesamtlast inklusive des eingebauten 8-Ohm-Fünfzehnzöllers, da die analoge Transistorendstufe ihre Nennleistung von 300 Watt an 4 Ohm abgibt. In der Beschriftung der Speaker-Buchse wäre 8 Ohm wohl weniger missverständlich.

Füllige Basis

Der potente 15“-Lautsprecher arbeitet zur Unterstützung druckvoller Tiefen in einer Bassreflexkammer, deren Austritts- öffnung unten auf der Front liegt. Ein hochwertiges dynamisches Hochtonhorn erweitert die Wiedergabe zu den höchsten Frequenzen hin – allerdings wurde ihm das Warwick-Logo direkt vors Gesicht gesetzt, sodass sich eine eher indirekte Brillanzabstrahlung ergibt.

Das Hersteller-Logo wurde direkt vor dem hochwertigen Hornhochtöner platziert.
Das Hersteller-Logo wurde direkt vor dem hochwertigen Hornhochtöner platziert. (Bild: Dieter Stork)

Das ist auch in der Wiedergabe klar bemerkbar, wo der Combo einen tighten und bassstarken Grundklang entwickelt, ohne dass sich spitze Höhen in den Vordergrund setzen. Sogar die entsprechenden Klangregler können voll aufgedreht werden, das Höhenspektrum bleibt stets rund und mild. Insbesondere für Liebhaber brillanter Einstellungen lässt sich mehr aus dem Hochtonhorn herausholen, wenn man das Warwick-Logo entfernt.

Die große Stärke liegt somit weniger in den Extremen, sondern im homogenen, dichten Bass-Sound, den der 15“-Combo in stimmiger Qualität und mit sauberer Tragkraft überträgt. Durch den eingebauten Dynamic Distortion Limiter darf man sich pegelmäßig auch an die absolute Leistungsgrenze herantasten, ohne dass störende Verzerrungen auftreten – die kluge Schaltung bügelt aufkommende Verzerrungen unauffällig und frühzeitig aus.

Bewährte Analogtechnik mit dickem Netztrafo
Bewährte Analogtechnik mit dickem Netztrafo (Bild: Dieter Stork)

Überzeugend arbeitet auch der einstellbare Compressor, der angenehm weich eingreift und bei einer höheren Dosierung und wirksamer Verlängerung des Sustains auch reizvollen Squash hinzufügt. Feinfühlig und exakt greifen die Klangregler in den stimmigen Grundklang ein, sind wie gesagt weniger fürs Grobe, sondern für präzise Feinabstimmung zuständig.

Resümee

Der BC300 ist eine leistungsfähige Bassanlage mit betont harmonischen Ergebnissen, welche dem Bass die tragende Rolle im Band-Sound sichern. Extreme Krassklänge sind eher nicht vorgesehen, dafür wirken die umfangreichen Klangregler umso feiner auf die Nuancen. Auch der Compressor wird mit seiner weichen Art der Sustain-Verlängerung gut ankommen, insbesondere bei Fretless-Spielern.

PLUS

• stimmiges, harmonisches Klangbild

• nuancenfeine Klangregelung

• Compressor

•Übersichtlichkeit

•Verarbeitung

MINUS

• eingeschleifte Effekte werden nicht per DI-Out übertragen

• Warwick-Logo vor Hochtonhorn angebracht

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