Warwick BC20 & BC40 im Test

Zwei Bass-Kofferverstärker von Warwick
FOTO: Dieter Stork

 

Manchmal wünscht man sich einfach nur etwas Praktisches, was den Bass unkompliziert lauter macht – einstöpseln, losspielen und gut ist’s.

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Die beiden kleinsten Warwick-Combos arbeiten nach diesem Prinzip, wobei man sie trotz geringer Leistung und kompakter Maße nicht im Tonvolumen unterschätzen sollte.

Von der Wattzahl her gehören sie eher in die Kategorie Übungsverstärker, die relativ großen und robust gebauten Gehäuse deuten allerdings auf mehr hin.

 

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FOTO: Dieter Stork
Endstufe und Netzteil sind separat im Gehäuse montiert.

 

Ausstattung von Warwick BC20 und BC40

Es sind zwei verschieden empfindliche Klinkeneingänge vorhanden, um eine günstige Pegelanpassung für aktive und passive Instrumente sicherzustellen. Eine aktive Klangregelung für Bässe, Mitten und Höhen erlaubt differenzierte Klangbeeinflussung, und mit dem Lautstärkeregler sowie zwei Miniklinken-Anschlüssen für Kopfhörer und einem Aux-Eingang (zum Einspielen von Playbacks) ist die Aufzählung der Bedienelemente und Anschlüsse schon komplett. Das sieht nach unkomplizierter Bedienung aus – dennoch sind die kleinen Warwicks keineswegs primitive Geräte.

Denn konzeptionell profitierten sie von der großen, highendigen Hellborg-Bassanlage, besitzen hochwertige Class-A-Verstärkerstufen, eine nebengeräuscharm niederohmig ausgelegte Schaltung und einen ausgefuchsten „Dynamic Distortion Limiter“, der das Tonsignal auch bei hohen Pegeln verblüffend sauber hält. Ungewöhnlicher Aufwand wird bei diesen Kleincombos auch beim mechanischen Aufbau des Verstärkerteils getrieben: Oben im Gehäuse sitzt der Preamp, auf dem Gehäuseboden sind hingegen Netzteil und Endstufe montiert. Das sorgt dafür, dass magnetische Einstreuungen durch den Netztrafo in die empfindliche Vorstufe unterbunden werden, zugleich wird die Luftbewegung in den Bassreflextunneln mitgenutzt, die Endstufentransistoren zu kühlen. In dieser Geräteklasse dürften solche Kunstgriffe wohl einmalig sein!

Stimmig geht es beim nicht minder aufwendigen Lautsprecherteil weiter. Im BC20 kommt ein 8″-Basslautsprecher zum Einsatz, im BC40 ein Zehnzöller. Bei beiden erweitert ein ungewöhnlicher Kalotten-Hornhochtöner homogen die Wiedergabe zu den höchsten Frequenzen hin, und gesunde Bässe werden durch die relativ großen Bassreflex-Gehäuse gewährleistet. Etwas komisch ist allerdings, dass bei beiden Combos das Warwick-Typenschild ausgerechnet direkt vor den Hochtönern angebracht wurde.

Damit das Gehäuse bei großen Lautstärken nicht resoniert, ist es stabil aus 13 mm Pressspan gebaut und rundum mit dämpfendem Filz bezogen. Unsichtbar ist jedoch eine ebenso wichtige Zutat, nämlich die klangliche Abstimmung von Verstärker und Lautsprecherteil aufeinander; was die Lautsprecher wegen physikalischer Limits alleine nicht bringen können, gleicht der Verstärker aus.

Insofern handelt es sich um ein sorgsam abgestimmtes, integriertes System mit optimierter Effizienz.

 

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FOTO: Dieter Stork
Konzeptbedingt sitzen Netzanschluss und Power-Schalter an einer ungewöhnlichen Stelle.

 

Warwick BC20 und BC40 in der Praxis

Bereits rein mechanisch machen die beiden Kompaktgeräte einen seriösen Eindruck, wiegen 9 bzw. 15 kg und sind mit den gebogenen Stahl-Frontgittern, Metall-Eckenschonern und rutschfesten Gummifüßen unbedingt bühnenfest gebaut.

Bühnenfest? Ja, richtig gelesen, denn diese kleinen Bassanlagen sind tatsächlich in der Lage, den Basston ziemlich erwachsen auf die Bühne zu bringen. Im Gegensatz zu den allermeisten anderen Geräten dieser Leistungsstufe fällt auf, dass der Klang bereits bei neutral eingestellten EQ-Reglern stimmt. Druckvolle, tiefe und tragfähige Bässe sind vorhanden, der Mittenbereich ausgeglichen und die Brillanzen harmonisch ausgeleuchtet: Es klingt nach Bass, so wie man es von einer großen Bassanlage her kennt. Und im Pegel leisten die kleinen Warwick-Modelle Erstaunliches, sodass selbst der BC20 zum Spielen in der Gruppe geeignet ist und auch als kompakter Bühnenmonitor für den Bass eingesetzt werden kann! Natürlich ist der BC40 mit doppelter Leistung und 10″-Lautsprecher nochmals spürbar kräftiger und meistert einen lauten Basston lässiger und noch unverfärbter. Geradezu sensationell ist, dass man diesen 40-Watt-Combo tatsächlich in einer Band mit Drummer einsetzen kann. Der Dynamic Distortion Limiter verhütet bei beiden Modellen zuverlässig fiese Verzerrungen und ist maßgeblich für die hohe Aussteuerbarkeit. Nähert man sich dem Rechtsanschlag des Volume-Reglers, wird natürlich der Limiter-Effekt zunehmend hörbar, was aber auch seinen Reiz besitzt und den Basston saftig verdichtet.

Ein weiterer Beleg für die weit überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit dieser enorm handlichen Bassanlagen ist, dass man selbst bei hoher Lautstärke noch feine Nuancen an den Klangreglern einstellen kann, sodass ein weites Spektrum vom satten, growlstarken Rockbass bis zum aufgeräumten Funk-Sound zur Verfügung steht. Und würde das Warwick-Schild nicht die Hochtonkalotte verdecken, käme auch mehr vom harmonisch-feinen Brillanzklick am Ohr des Spielers an.

 

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FOTO: Dieter Stork
Designer Jonas Hellborg hat das Herstellerschild vor den Hochtöner montiert, um die Höhenwiedergabe zu reduzieren. Wem’s zu wenig ist, der nimmt das Schild weg.

 

Resümee

Normalerweise darf man von einem Kleinst-Basscombo mit niedriger Leistung nicht viel erwarten, doch was die Einsteiger-Modelle BC20 und BC40 von Warwick klanglich leisten, kann man nur als spektakulär bezeichnen! Unglaublich voluminös, laut und tragfähig präsentieren die beiden kleinsten Combo-Modelle den Basston, sodass man sich damit tatsächlich sogar in einer echten Band Gehör verschaffen kann. Zweifellos ist dafür die hochwertige Konzeption der Minis verantwortlich, die sich in vielen Punkten vom Üblichen unterscheidet – ohne dass man dafür mehr bezahlen muss. Und somit werden diese handlich-praktischen Kompakt-Bassanlagen mit dem erwachsenen Klang auch anspruchsvolle Bassisten für sich einnehmen können.

 

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Plus

  • Klangvolumen, differenzierte Klangregelung
  • Pegelfestigkeit, Wiedergabeleistungen
  • Konzept, Verarbeitung
  • Preis/Leistungs
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