Warwick BC150 im Test

Bass-Kofferverstärker von Warwick, schwarz/grau
(Bild: Dieter Stork)

 

Mit der Hellborg-Bassanlage durchbrach Warwick die sonst so strenge Trennung zwischen Musiker-Equipment und professioneller Studiotechnik. Naturgemäß waren die hochwertigen Komponenten allerdings auch kostspielig, doch nun profitieren auch die neuen, preisgünstigen Bass-Amps der Marke vom erworbenen Know how.

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Interessante Technik wird meist eben nicht im unteren Segment entwickelt, sondern ist allein schon aus Kostengründen ein Privileg der gehobenen Preisklassen. Zunächst jedenfalls. Wie das neue Verstärkerprogramm von Warwick doch wieder einmal beweist, kommen die Früchte der Highend-Entwicklungen aber über kurz oder lang dann doch den „Volksmodellen“ zugute. Als erstes Testgerät der aktuellen Verstärkerlinie haben wir einen 150-Watt-Combo erhalten, der nicht nur in kühlen Design-Details Ähnlichkeiten mit den teuren Hellborg-Amps aufweist.

 

Konzept des Warwick BC150

Mit einer Endstufenleistung von 150 Watt, die vollständig an den eingebauten 15″-Lautsprecher abgegeben wird, ist der BC150 der zweitstärkste Basscombo der neuen Linie. Es handelt sich um einen analog aufgebauten Transistor-Verstärker mit großzügig dimensioniertem E-Kern-Netztrafo, was man schon am Gewicht merkt. Einigermaßen ungewöhnlich ist die Aufteilung des Verstärkers in Vor- und Endstufenteil, wobei die Vorstufe mit den Bedienelementen wie gewohnt über dem Lautsprecher sitzt, der Poweramp mit dem Netztrafo aber auf dem Boden im Lautsprecherabteil montiert ist. Schön, dass der Amp ganz ohne Lüfter auskommt, der große Alu-Kühlkörper für die Leistungstransistoren sitzt unmittelbar hinter der Bassreflexöffnung.

Vom Konzept der großen Hellborg-Amps wurde die Class-A-Auslegung des Preamps übernommen, außerdem sorgt eine insgesamt niederohmige Schaltung für besonders geringe Nebengeräuschentwicklung und Einstreu-Unempfindlichkeit. Ein speziell designter Dynamic Distortion Limiter arbeitet nicht mit fest voreingestellter Einsatzschwelle, sondern orientiert sich an den tatsächlich in der Endstufe auftretenden Verzerrungen – und kann daher so feinfühlig eingreifen, dass laut Hersteller keine höheren Klirrgrade als 0,3 % auftreten und der saubere Klang stets gewahrt bleibt.

 

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Besser wäre das Logo unten auf dem Gitter platziert. (Bild: Dieter Stork)

 

Bedienelemente

Das aufgeräumte Bedienfeld wirkt ausgesprochen übersichtlich und bietet außer der vierbandigen Klangregelung zwei Volume-Regler. Da der Preamp separate Eingangsbuchsen mit angepasster Empfindlichkeit für passive und aktive Instrumente besitzt, wird ein Gain-Regler nicht benötigt, stattdessen sind Instrumentenpegel und Einspielungen über den Aux Input separat einstellbar, was vor allem für Übungszwecke und Workshops mit Playback nützlich ist. Aux In und Kopfhörer-Anschluss sind jeweils mit Stereo-Miniklinkenbuchsen ausgeführt, während die ebenfalls vorne angebrachten Anschlüsse des seriellen Effekt-Einschleifwegs und der Line Output mit großen Klinkenbuchsen ausgestattet sind. Netzanschluss und Einschalter befinden sich übrigens wegen der ungewöhnlichen Platzierung von Endstufe und Netzteil unten auf der Rückseite des Combogehäuses.

 

Lautsprecher / Gehäuse des Warwick BC150

In der Bassreflexkammer sitzt ein solide wirkender Fünfzehnzoll-Lautsprecher mit Pressblechkorb und Keramikmagnet, der in den obersten Frequenzlagen durch ein Hochtonhorn mit dynamischem Treiber unterstützt wird. Der Hersteller betont ausdrücklich, dass Elektronik und Lautsprecher sorgfältig aufeinander abgestimmt wurden, also als integrierte Einheit anzusehen sind. Mit einer Impedanz von 8 Ohm lastet der Lautsprecherteil die Endstufe voll aus, sodass die volle Nennleistung verfügbar ist. Eine Anschlussmöglichkeit für externe Boxen entfällt deshalb.

 

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Poweramp und Netztrafo sind in der ungedämpften Bassreflexkammer untergebracht. (Bild: Dieter Stork)

 

Das rundum mit schwarzem Nadelfilz überzogene Gehäuse ist aus 14 mm starken MDF-Platten gebaut, die Stärke der Frontplatte beträgt 16 mm. Dabei sorgt die Konstruktion des untenliegenden Bassreflextunnels für eine zusätzliche Versteifung, außerdem sind innen auf der Rückwand zwei Stehbretter angebracht, um Gehäuseresonanzen zu unterbinden. Alle Ecken sind mit Metallschonern bestückt, auf der Unterseite sind Gummifüße und oben ein Tragegriff montiert. In Anbetracht des Gesamtgewichts von 25 kg reicht der groß dimensionierte Koffergriff zum Anheben aus, schließlich ist es ja nicht üblich, mit einem Kofferverstärker dieser Größe längere Wege zu Fuß zurückzulegen.

 

Der Warwick BC150 in der Praxis

Durch die angewinkelte Schallwand strahlen 15″-Bass und Hochtonhorn zugunsten besserer Hörbarkeit im Nahfeld leicht nach oben, das metallene Schutzgitter bekommt durch die gewölbte Montage zusätzliche Stabilität. Etwas unverständlich ist allerdings die Platzierung des Herstellerlogos direkt vor dem Hochtöner, der dadurch unnötig abgeschattet wird. Besser säße der Warwick-Schriftzug unten auf dem Gitter. Auch die Verklebung des Nadelfilzbezugs im Bassreflextunnel ist, wie man sieht, noch nicht optimal.

Obwohl der Hersteller den BC150 vornehmlich für Einsteiger, zum Lernen und Üben oder als anspruchsvolle Lösung für Backstage und Wohnzimmer gedacht hat, macht der Combo auch „richtig in der Band“ eine gute Figur. Klar, 150 Watt sind heutzutage für eine Bassanlage eher bescheiden, aber das saubere und zugleich druckvoll bassige Klangbild bis in hohe Pegel ist wirklich bemerkenswert. Sorglos darf man das Gerät auch voll auslasten, unangenehme Verzerrungen bleiben zuverlässig aus! Stattdessen liefert der Combo bei Band-tauglichen Spitzenpegeln einen unauffällig verdichteten, satten und zugleich sauber definierten Basston – der Dynamic Distortion Limiter arbeitet vorbildlich.

Bis auf den kräftig zupackenden Bassregler ist die Klangregelung eher auf Feinheiten abgestimmt und vermeidet zugunsten eines harmonischen Klangbilds überstarke Wirkungen. Die Regler für Mitten und Höhen dürfen bis in die Extreme ausgenutzt werden, ohne dass der Basston unangemessen aus der Balance gerät. Dieser geschmackvoll austarierte EQ arbeitet prächtig mit einem guten Instrumententon zusammen, für ganz grobe Variationen ist er allerdings nicht ausgelegt. Und dass der Bassregler hier kräftiger eingreift, bedeutet nicht, dass man dies auch ausnutzen muss, denn der satte Grundklang des Combos ist auch bei neutral eingestellten Klangreglern ausgewogen.

Dabei fällt die relativ zurückhaltende Gewichtung des Hochtonhorns auf, welches sich nicht mit schneidiger Brillanz in den Vordergrund spielt, sondern dezent die Highligts ins rechte Licht rückt. Wenn das Warwick-Logo womöglich woanders angebracht wird, wo es der Hochton-Abstrahlung nicht mehr im Weg ist, darf man natürlich immer noch mit einem ausgewogenen Gesamtklang rechnen.

Für den Einsatz bei Gigs, wo mit zusätzlicher P.A.-Verstärkung gearbeitet wird, fehlt dem BC150 ein symmetrischer D.I.-Ausgang. Dann muss ggf. der unsymmetrische Line Out benutzt werden, der zwar nicht die EQ-Einstellungen herausgibt, aber immerhin die eingeschleiften Effekte. Auch ist das Line-Ausgangssignal unabhängig von der Volume-Einstellung des Amps, sodass man mit Hilfe einer externen D.I.-Box auch für solche Situationen gerüstet ist.

 

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Weil Endstufe und Netzteil auf dem Boden der Bassreflexkammer montiert sind, sitzt auch der Netzanschluss an einer ungewöhnlichen Stelle. (Bild: Dieter Stork)

 

Resümee

Der BC150 aus der neuen Warwick-Verstärkerserie ist betont übersichtlich ausgestattet und wird vom Hersteller vornehmlich als anspruchsvolles Einsteiger- und Übungsgerät empfohlen. Das ist allerdings Tiefstapelei, denn trotz des günstigen Preises beeindruckt der Warwick durch seinen gewogenen, starken und differenzierten Klang, der durch den eingebauten Dynamic Distortion Limiter selbst bei absoluten Spitzenpegeln nicht aus der Fassung gerät und sauber bleibt. Und somit müsste man anfügen, dass dieser 15″-Combo mit eindrucksvoller Klanggüte auch im echten Band-Einsatz eine gute Figur macht.

 

Übersicht

Fabrikat: Warwick

Modell: BC150

Typ: Bass-Kofferverstärker

Herkunftsland: China

Technik: Transistor

Leistung: 150 Watt an 8 Ohm

Lautsprecher: 1× 15″/8 Ohm, 1× dyn. Hochtonhorn

Gehäuse: Bassreflex; 14/16 mm MDF

Gehäuseausstattung: Nadelfilzbezug, Koffer-Tragegriff, Metallecken, Metall-Frontgitter, Gummifüße

Anschlüsse: Input Active Klinke, Input Passive Klinke, Aux In Stereo-Miniklinke, Headphones Stereo-Miniklinke, Eff. Send Klinke, Eff. Return Klinke, Line Out Klinke, Netzbuchse

Regler: Bass, Low Mid, High Mid, Treble, Volume, Aux Volume

Schalter/Taster: Netzschalter

Effekte:

Einschleifweg: 1× mono seriell

Besonderheiten: Dynamic Distortion Limiter

Gewicht: 25 kg

Maße: 530 × 580 × 380 mm

Vertrieb: Warwick

Zubehör: Netzkabel, Bedienungsanleitung

Preis: ca. 469

 

Plus

  • saubere Wiedergabe in jedem Pegelbereich
  • Nebengeräuschverhalten, kein Lüfter
  • feinfühlige Klangregelung, hochwertige Elektronik

Minus

  • Hersteller-Logo verdeckt Hochtöner

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