G&B Testbericht

Trace Elliot AH600-12 im Test

Bass-Endstufe von Trace Elliot
(Bild: Dieter Stork)

Die englische Marke gehörte einst gewiss zu den angesagtesten, hat sich aber in der letzten Zeit ein wenig rar gemacht. Und das, obwohl man noch 2007 die Technik radikal überarbeitete und eigentlich sehr attraktive Bass-Amps auf der Höhe der Zeit anzubieten hat.

 

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Erst letztes Jahr wurden noch die Endstufen in der Leistung hochgesetzt, sodass beispielsweise aus dem AH500 nun ein AH600 geworden ist. Dass diese kräftigere Version nun auch endlich lieferbar ist, muss mit einem Test gefeiert werden!

Bedienelemente des Trace Elliot AH600-12

Das Design war ja schon immer genial übersichtlich: Links der große Gain-Regler, rechts der ebenso auffällige Master (der hier Output Level heißt), in der Mitte ein üppiger Graphic EQ mit 12 Einstellbereichen, und das alles grün ausgeleuchtet, damit nicht nur man selbst seinen Trace auf der Bühne gut erkennen kann. Zwar sind im Laufe der Zeit einige Knöpfchen hinzugekommen, aber die haben sinnvolle Funktionen und schmälern keineswegs die klare Linie. So hat man ja bereits in der vorletzten Generation eine Vorstufenröhre in das Transistor-Konzept integriert, deren Aussteuerungsgrad am Drive-Regler justiert und deren Einfluss auf die Wiedergabe am Blend-Poti hinzugemischt werden kann. Rechts neben dem Equalizer finden sich zudem zwei Compressor-Regler. Zwei deshalb, weil man die Dynamik-Bearbeitung in zwei Frequenzbereiche aufgeteilt hat, damit beispielsweise nicht die saftigen Bässe pumpen, wenn man einen harten Slap in den Brillanzen hinlegt. Der Kompressionsgrad ist also in Low und High Band separat justierbar.

Unauffälliger ist hingegen das geniale Management aller Einzelfunktionen geraten, wo man der cleanen Signalverarbeitung mit Drucktastenschaltern die einzelnen Verarbeitungsstufen zugeben kann. Und das nicht nur am Amp selbst, sondern auch über den mitgelieferten Sechsfach-Fußschalter, der als echte Parallel-Fernbedienung ausgelegt ist. Preshape-Filter, Röhrenstufe, Graphic EQ, Zweiband-Compressor, Effekt-Einschleifweg und Mute-Funktion sind somit auch per Fuß schaltbar, und das ganz unkompliziert und auch im Wechsel mit der Handbedienung der Schalter am Amp. Egal, ob man eine Funktion per Fuß oder mit dem Finger einschaltet, funktioniert die Sache und wird sowohl am Verstärker wie auch am Fußschalter korrekt angezeigt.

Anschlüsse

Bestens durchdacht zeigt sich auch der Einschleifweg für externe Effekte, dessen Vielseitigkeit immerhin sechs Klinkenbuchsen bedingt. Drei Send-Ausgänge sind vorhanden, wo neben dem normalen Fullrange-Ausgang nämlich der Lo Pass nur die Bässe herausgibt und der Hi Pass ein Send-Signal mit beschnittenem Bassanteil anbietet. Drei Klinkeneingänge stehen denen gegenüber, nämlich ein Mono-Return und separate Rückführungen für linken und rechten Kanal. Stereo-Effekte werden dabei intern für die Wiedergabe wieder zum Mono-Signal zusammengemischt, denn anders als sein großer Bruder AH1200 hat unser 600er Testgerät ja nur eine Mono-Endstufe. Alle Sends und Returns dürfen übrigens auch gleichzeitig benutzt werden, der Konstrukteur Paul Stevens hat hier ganze Arbeit geleistet! Der Effektweg ist per Schalttaste zwischen seriellem Einfügen und parallelem Zumischen umschaltbar, ein separater Regler ist für den Effektpegel zuständig.

Wenn es darum geht, Stereo-Effekte an die Live-P.A. weiterzugeben, kann übrigens auch das 600-Watt-Monogerät weiterhelfen, denn hier sind gleich drei symmetrische D.I.-Ausgänge vorhanden: Left, Right, Pre EQ. Des weiteren geben unsymmetrische Klinkenausgänge das Stereo-Ausgangssignal der Vorstufe (diesmal hinter dem Output-Level-Regler) heraus, auch ein Klinkenanschluss fürs Stimmgerät ist vorhanden. Seine neuerlich auf 600 Watt heraufgesetzte Ausgangsleistung gibt der Trace an einer Kombibuchse für Speakon und Klinke heraus, außerdem ist ein zweiter Klinkenausgang vorhanden. Zwar findet man bei den Ausgangsbuchsen deren Belegung und die eher nutzlose Bezeichnung der Buchsentypen, nur hat man leider vergessen, die wichtige Angabe der zulässigen Minimal-Impedanz dort aufzudrucken, die man erst aus der (löblich umfangreichen und mehrsprachigen) Bedienungsanleitung heraussuchen muss.

Trace Elliot AH600-12 in der Praxis

Zur Information: Die volle Nennleistung gibt die eingebaute Class-D-Endstufe an 4 Ohm ab. Die grüne Beleuchtung der Frontplatten-Bedienelemente lässt sich übrigens an einem Drehregler auf der Rückseite dimmen. Und für den großen Fußschalter wird ein 7,5 m langes Anschlusskabel mitgeliefert, was auch für geräumigere Bühnen ausreichen dürfte. Allerdings findet man gleich zwei Fußschalter-Anschlussbuchsen vor, denn das knackfrei durch FETs geschaltete Fernbedienungskonzept gestattet es sogar, einen zweiten Controller anzuschließen, falls die Laufwege on Stage das als sinnvoll erscheinen lassen! Für eine exakte Gain-Justierung steht eine fünfstellige LED-Anzeige bereit.

Bezüglich so moderner Technik ist es etwas schade, dass nach dem Einschalten des Geräts sofort die Lüfterkühlung anspringt und permanent einen vernehmlichen Geräuschteppich erzeugt. Geht so etwas nicht auch geräuschfrei? Auf der Bühne oder beim engagierten Proben wird das zwar nicht weiter stören, im Studio kann der Lüfter freilich nerven. Entschädigt wird man dafür jedoch mit beeindruckenden Sounds.

Einem Trace sagt man eine blitzsaubere, klare Wiedergabe mit brillanten Details nach, und der aktuelle AH-600-12 liefert den Hochglanzklang mit beeindruckender Tiefe und Feinzeichnung. Das aktivierte Pre-Shape-Preset gehört dabei zur Grundeinstellung, um vor allem an den unteren und oberen Grenzen des Instrumententons die Feinheiten explizit auszuleuchten, was der AH-600-12 zudem ohne jede Kälte geschmeidig und klangschön hinzaubert. Und wenn es um aggressiveren Charakter geht, kann die zumischbare Röhrenstufe wirksam weiterhelfen, denn sie ist grundsätzlich heiß ausgelegt und bringt schon bei ganz zurückgedrehtem Drive markant offensive Mittenpräsenzen in den Basston. Nur wenige Millimeter weiter geht der Drive dann schon in hörbares Zerren über, welches sich zur kompromisslosen Kettensäge steigern lässt und dem Trace-Fan ganz neue Welten erschließt.

Dass man mit einem fein aufgefächerten Zwölfband-Equalizer seine persönlichen Klangvorstellungen besonders genau realisieren kann, ist mehr als eine Binsenweisheit. Schließlich erlaubt das Aggregat nicht nur präzisen Zugriff auf das charakterentscheidende Mittentimbre, sondern durch die bemerkenswert feine Aufteilung in den untersten Tiefen (30, 40, 60 und 100 Hz) auch genaueste Kontrolle über die Druckentfaltung. Dem gleichen Ziel dient auch der zweibandig ausgelegte Compressor, der bei entsprechender Justierung selbst bei harten Slaps ein Abtauchen des Bassfundaments zu verhindern weiß. Andersherum lassen sich damit auch saftige Sustain-Orgien im Grundnotenbereich abfeiern, ohne dass die klare Brillanz darunter leidet. Der einstellbare Kompressionsgrad kann nur als enorm bezeichnet werden, zumal es sich hier um echte Verstärker-Kompressoren und nicht nur um Dynamik-Begrenzer handelt. Das bei extremeren Effekt-Einstellungen unvermeidliche Rauschen wird durch schnelle Noisegates wirksam abgekappt.

Resümee

Starke Sounds von beeindruckender Klarheit und Geschmeidigkeit bis hin zur rotzigen Säge und pumpender Effekt-Kompression – dieser Bass-Amp hat eine wundervolle Klangpalette anzubieten, die sowohl mit feinfühliger Dosierbarkeit wie auch mit kompromissloser Wirkungsstärke aller Regelmöglichkeiten punkten kann, vom extrem universell ausgelegten Effektweg ganz zu schweigen. Das Management dieser Fülle an unterschiedlichen Sounds ist ebenfalls perfekt gelungen, die unkomplizierte Parallel-Bedienung der Schalttasten und Fußschalter ist vorbildlich. Der AH600-12 ist außerdem nicht nur in Klang und Bedienung Spitze, sondern auch ein souverän starkes Aggregat und einer der schönsten Bass-Amps überhaupt. Was will man mehr?

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