Produkt: Gitarre & Bass 2/2019
Gitarre & Bass 2/2019
Greta Van Fleet: Die Band der Stunde +++ Jeff Schroeder & The Smashing Pumpkins: Die Rückkehr des Originals +++ Klassisch, aber nobel: Mesa Engineering Fillmore 50, Tube Head +++ Friedman Buxom Betty Röhren-Combo
Gekonnt tiefergelegt

Test: Zeal Hydra Lowrider 5-String

Zeal Hydra Lowrider 5-String(Bild: Dieter Stork)

Zwar ist der Kaiserslauterner Gitarrenhersteller Zeal ein Custom Shop mit freier Wahl aller Spezifikationen, doch hat sich im Laufe der Zeit auch eine klare Vorstellung entwickelt, wie ein amtliches Bassmodell aussehen soll. Der erste serienmäßige Tieftöner startet opulent.

Zugegeben, hier sind bereits einige optionale Extras enthalten, wie das lange abgelagerte Korpusholz mit der auffälligen Maserpappeldecke und das eingefasste Griffbrett aus Figured Maple. Wer seinen Lowrider also schlichter mag, kommt auch preislich günstiger weg. Zugleich ist der aufgemotzte Hydra-Bass aber ein gutes Beispiel dafür, was die Kaiserslauterner handwerklich drauf haben.

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keine angst vor aufwendigen lösungen

Ausgesucht gleichmäßig gewachsener Rock Maple aus Kanada wird für den Hals verwendet, mit feinen Walnut-Trennfurnieren zwischen den drei Ahornstreifen. Spektakuläres Extra ist hier das grau eingefärbte Griffbrett aus gewölkt/geriegeltem Ahorn, rundum mit Ebenholz eingefasst. 24 fette Jumbobünde sitzen darin, natürlich verdeckt das Echtholz-Binding die Bundschlitze und ragt in der 12. und 24. Lage halbbrund ins Ahorn hinein, um die Oktaven zu markieren. Schöne Arbeit!

Auch auf der sanft abgewinkelten Kopfplatte findet sich ein elegant geformter Aufleimer aus Ebenholz, in den die hölzerne Abdeckung für den Spannstabzugang hineinragt; Schräubchen sieht man keine, denn der Deckel wird mit Magneten gehalten. Sehr vertrauenerweckend auch die sechsfache Schraubverbindung, die bis zum Hals-Pickup in den Korpus hineinragt. In den Hals eingelassene Gewindemuffen erlauben es, die verwendeten M6-Edelstahlschrauben kräftig anzuziehen und hohen Anpressdruck auf die große Kontaktfläche zu geben.

Aus zwei Stücken ist die Korpusbasis aus achtjährig luftgetrocknetem Salomon Padouk gebaut, die etwa 6 mm starke Maserpappeldecke ist mit einer kontrastierenden Furnier-Zwischenlage aufgeleimt. Auch das bis zum Pickup hineinragende Endstück des Halses wurde mit der Maserpappel verkleidet, um das harmonische Erscheinungsbild zu vervollständigen. Während der Body mit offenporigem Polyurethan-Hartlack versiegelt ist, wurde die ebenfalls seidenmatte Hals-Lackierung mit Nitrolack ausgeführt; die akkurate Verarbeitung der aufwendigen Holzkonstruktion ist bis ins Detail perfekt!

Zeal Hydra Lowrider 5-String
Für jeden Humbucker sind drei Grund-Sounds anwählbar (Bild: Dieter Stork)

Um möglichst viel Holz in den Saitenton zu bekommen, wurde kein schwerer Massesteg verwendet, sondern Steg und Saitenhalter getrennt, wobei die Ballends separat von Metall-Posts gehalten werden, die ins Korpusholz eingelassen sind. Der schmale ETS-Steg bietet aufgrund der mit Klemmschrauben festgesetzten Einzelteile die notwendige Stabilität und erlaubt dreidimensionale Justierbarkeit für jede Saite. Die gekapselten Präzisionstuner, bei denen die Saiten durch die Wickelachse geführt werden können, um hinten abgeknipst zu werden, stammen von Duesenberg.

Obwohl der Lowrider „nur“ eine aktive Zweibandklangregelung mit gestackten Knöpfen für Bässe und Höhen besitzt, ist er elektrisch auf hohe Klangflexibilität ausgerichtet. Dafür sorgen zwei Kippschalter, die für die beiden Delano-Humbucker jeweils drei Grund-Sounds abrufen lassen: Seriell, Parallel und Singlecoil. Die Pickup-Mischung geschieht per Überblender, der Master-Volume-Knopf lässt sich herausziehen, um in den Passiv-Modus zu gelangen. Die Batterie für die Aktivschaltung sitzt in einem Klappfach auf der Korpusrückseite und hält dank des geringen Stromhungers der Noll-Elektronik mehr als 1000 Spielstunden lang.

Zeal Hydra Lowrider 5-String
Auch der hölzerne E-Fach-Deckel wird durch Magnete gehalten. (Bild: Dieter Stork)

flexible offensive

Am Gurt hängt der 4,3-Kilo-Fivestring in angenehm austarierter Spielhaltung, auf dem breiten Griffbrett kommen sich die Finger auch bei komplizierten Abläufen nicht in der Quere. Dabei bietet der Lowrider mit seinem flachen, aber nicht zu dürren Halsprofil einen guten Kompromiss zwischen Spielkomfort und Solidität zum Austoben, was auch für die auf 18 mm justierten Saitenabstände am Steg gilt.

Klanglich glänzt die extrasolide ausgeführte Schraubhals-Konstruktion durch kerngesunde Sustain-Entwicklung mit perliger Brillanz; gegenüber einem durchgehenden Hals ist hier aber auch der knackige Attack stark. Diese Offensiv-Komponente wird zudem durch die Delano-Humbucker unterstützt, deren Ferritmagnete klare Kante zeigen und die Tonartikulation geschärft darstellen. Kraftvoll und zugleich straff bilden sie den Saitenton ab, dabei ist stets ein präziser Höhenklick im Spiel, der die Tonkonturen scharf umreißt.

Als „goldene Mitte“ dürfte hier die Parallelschaltung der Pickup-Spulen gelten, wo auf Basis von kernigem Growl alle Klangbereiche harmonisch und deutlich ausgeleuchtet werden – wer ein dichteres Pfund möchte, bekommt es im seriellen Modus mit saftigerer Tiefenbetonung geboten, ohne dass dabei der Draht auf der Strecke bleibt. In der Singlecoil-Einstellung wird schließlich bei beiden Pickups die stegnähere Spule benutzt, was zusammen mit dem offeneren Einspul-Obertonspektrum den aggressivsten Biss liefert – auch mit dem Plektrum eine starke Einstellung! Von der aktiven Klangregelung werden muskulöse Bässe und die hohen, silbrigen Brillanzen aufs Korn genommen, einen zusätzlichen Mittenregler vermisst man bei diesem tighten Offensivbass nicht.

Zeal Hydra Lowrider 5-String
Die Oktavlagen sind durch Ausbuchtungen der Ebenholz-Einfassung besonders hervorgehoben. (Bild: Dieter Stork)

resümee

Der Lowrider zeigt mit Bravour, dass die Gitarrenbauer von Zeal auch die Bedürfnisse anspruchsvoller Bassisten klar im Blick haben. Denn das Hydra-Bassmodell ist nicht nur sichtbar edel und durchdacht gebaut, sondern auch ergonomisch ein Bringer. Klanglich zeigt sich der Fivestring rundum flexibel mit packender Offensivnote, ist also ein universell einsetzbares Instrument für Bassisten, die nicht unbedingt nur im Hintergrund agieren wollen.

PLUS
• Klangverhalten, Sound-Flexibilität
• Spielbarkeit
• Hölzer, Verarbeitung
• Ausstattung

Zeal Hydra Lowrider 5-String

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(erschienen in Gitarre & Bass 11/2018)

Produkt: Gitarre & Bass Digital 04/2018
Gitarre & Bass Digital 04/2018
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