Produkt: Jack Bruce 1943 – 2014
Jack Bruce 1943 – 2014
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Test: Yamaha Broadbass BBP34 & BBP35

Yamaha Broadbass BBP34 & BBP35
(Bild: Dieter Stork)

Die BB-Serie ist der große Klassiker im Yamaha-Bassprogramm, mit dem die Japaner sich einst in der amerikanisch dominierten Qualitätsriege Respekt verschafften, natürlich zu einem günstigen Preis. Japanische Qualitätsarbeit bieten auch die aktuellen BBP-Modelle, allerdings hat sich inzwischen einiges in der Welt verändert.

Schließlich ist die wohlhabende Industrienation schon sehr lange keine billige Werkbank mehr, das haben andere asiatische Staaten übernommen. Vielmehr steht das Land der aufgehenden Sonne jetzt für Hightech-Präzision und Spitzengüte – umso höher die Erwartungen an die frisch aufpolierten BB-Premiumbässe.

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alter stil, aber knackig

Am gewohnten Umriss und dem Vintagemäßigen Passiv-Konzept hat sich nichts geändert, anders als das ehemalige Spitzenmodell BB2000 handelt es sich bei den aktuellen Modellen jedoch um Schraubhals-Konstruktionen. Allerdings um ausgebufft stabile, denn die Hals/Korpusverbindung geschieht einerseits durch sechsfache Verschraubung sehr innig, andererseits ziehen zwei schräg eingesetzte Schrauben dabei den Hals fest in die passgenaue Korpustasche. Die fünfstreifige Halsbauweise entspricht ansonsten dem alten Vorbild, hier wird dreimal Ahorn mit zwei schmaleren Mahagoniteilen kombiniert, im Palisandergriffbrett sitzen sowohl beim Vier- als auch beim Fünfsaiter 21 Medium-Bundstäbchen.

Nicht nur der Hals, sondern auch der Korpus zeigt sich durch laminierte Sandwich-Bauweise „gehärtet“, wobei die äußeren Erleteile eine Lage aus Ahorn in die Mitte nehmen. Während sich der Body in hochglänzendem Polyesterlack präsentiert, wurde die Halsrückseite griffig seidenmatt versiegelt; nur die Kopfplatte ist wieder passend zum Body in Hochglanz lackiert. Kleines Detail: Der nicht abgewinkelte Headstock benötigt für ausreichenden Saitendruck auf den Sattel Niederhalter für die höheren Saiten; statt wie ursprünglich nur für D und G beziehen die neuen BBPs jetzt auch die A-Saite mit ein, beim Fünfsaiter sind es E, A und D.

Yamaha Broadbass BBP34 & BBP35
Saitenführung beim 5-String, von hinterer Korpuskante aus gesehen. Die Saiten können sowohl von oben, als auch im 45-Grad-Winkel durch den Korpus eingefädelt werden. (Bild: Dieter Stork)

Auf die eigenen Pickup-Formate hat Yamaha nun verzichtet und statt derer P/J-Konfigurationen mit konventionellen Maßen montiert; nicht, dass es nötig wäre, die sorgsam im Vintage-Stil mit Alnico-Magneten gebauten Original-Pickups auszutauschen – aber es ist immerhin jetzt ohne größere Komplikationen möglich. Änderungen gibt es auch beim Steg, dessen Blechwinkel-Grundplatte mit Führungsnuten für die Standschrauben der Saitenreiter ausgestattet ist, aber vor allem jetzt auch die Option bietet, die Saiten durch den Body einzufädeln. Um den teuren Drähten exzessive Knickwinkel zu ersparen, geschieht dies im 45- Grad-Winkel.

Yamaha Broadbass
Statt eigener Formate sitzen in den BBP-Bässen nun Alnico-Pickups mit herkömmlichen Maßen. (Bild: Petia Chtarkova)

unkompliziert und tight

Mit dem flachen Halsprofil präsentieren sich beide Testbässe als angenehm unkomplizierte Player, wobei der Fünfsaiter mit 18 mm fast das gleiche Stringspacing wie der Viersaiter (19 mm) besitzt. Andererseits ist der Viersaiter beinahe genauso schwer wie der Fünfer und mit 4,4 kg schon ein besonders massiger Spielpartner. Am Gurt bemerkt man wegen seiner guten Balance davon allerdings wenig, beim Fivestring zieht die Kopfplatte ein wenig stärker nach unten, er stabilisiert sich aber auch mit flutschigem Gurt in der Waagerechten.

Eine Besonderheit der BBP-Modelle ist das I.R.A. Treatment; bei der Initial Response Acceleration handelt es sich um eine werksmäßige Vibrationsbehandlung, welche die schwingungsmäßigen Eigenschaften eines eingespielten Instruments bereitstellen soll. Bei der Vibrationsentdämpfung handelt es sich nicht um zweifelhafte Zauberei, wie Professor Gerhard von Reumont schon vor mehr als einem halben Jahrhundert nachweisen konnte. Sein patentiertes Verfahren verringert schädliche Verspannungen in der Holzkonstruktion und ist in der Lage, die klangliche Gleichmäßigkeit aller Töne zu verbessern.

Yamaha Broadbass
Zwei schräg eingesetzte Befestigungsschrauben ziehen den
Hals in die Korpustasche.
(Bild: Petia Chtarkova)

Tatsächlich geben sich beide Testbässe auffällig gewogen, mit entgegenkommender Tonansprache sind quer übers ganze Griffbrett keine Deadspots zu bemerken. Ob das nun tatsächlich durch die spannungslösende Vibrationsbehandlung kommt oder einfach nur an der ausgezeichneten Material- und Verarbeitungsqualität der Japaner liegt, spielt eigentlich keine Rolle: Beide kommen direkt aus dem Koffer als stimmstarke Player!

Übrigens scheint man die besonders tighte Tonartikulation noch stärker im Elektrobetrieb zu bemerken, wo die Alnico-Pickups unüberhörbar den charaktervollen Präsenzbiss liefern, das gesamte Tongeschehen aber dennoch auffallend aufgeräumt und präzise kalkulierbar abläuft. Beim Fivestring ist bis in tiefste Lagen die klare Tondefinition bemerkenswert, und man kann ihn sogar noch tiefer stimmen, ohne dass der H-Saiten-Ton schlabbrig wird – und das ohne Extra-Longscale!

Während die P-Splitcoils prinzipbedingt unempfindlich gegen eingestreutes Brummen sind, hat man sich in der Stegposition aus Charaktergründen für echte Singlecoils entschieden, mit entsprechender Sensibilität für elektromagnetische Störer.

Yamaha Broadbass(Bild: Petia Chtarkova)

resümee

Was an Yamahas BBP-Modellen sofort auffällt, ist die Präzision, mit der hier der Charakterbiss eines stimmigen Vintage-Sounds kultiviert wird. Blitzsauber und akkurat ist dabei nicht nur die Verarbeitung, sondern auch das tighte, ausgewogene Schwingungsverhalten der Instrumente, die ab Werk durch Vibrationsentdämpfung vorbehandelt sind. Auf den flachen Halsprofilen von BBP34 und BBP35 fühlen sich die Finger sofort wohl, was fraglos auch am bemerkenswert gewogenen Schwingverhalten liegt.

PLUS
• Klangverhalten, Gleichmäßigkeit
• Spielbarkeit, flaches Halsprofil
• Hölzer, Verarbeitung
• hochwertige Ausstattung, Stringsthru-body-Option
MINUS
• Gewicht (BBP34)

Yamaha Broadbass

(erschienen in Gitarre & Bass 12/2018)

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