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Test: Warwick RockBass Rex Brown Reverso

Viermal war seine erfolgreichste Band für den Grammy Award nominiert und man kann den Plektrumspieler Rex Brown als einflussreiche Metal-Legende bezeichnen. Warwick hat ihm ein markantes Signature-Modell gewidmet, welches nun auch in der preiswerteren RockBass-Version erhältlich ist.

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Natürlich macht es einen Unterschied, ob man fast das Dreifache für das in Deutschland gebaute Signature-Original zahlt oder die abgespeckte Version aus
chinesischer Fertigung wählt. Auf einige kostspielige Details wird man verzichten müssen, aber entscheidend ist, wie viel vom Grundgedanken des Reverso-Konzepts dabei übrig bleibt. Vorweg: Es ist eine Menge, vor allem in den wichtigen Punkten, die den Klangcharakter, das Handling und den offensiven Sound prägen.

abspecken

Beleuchtete Side Dots im Hals sind eine feine Sache, aber mit erheblichem Aufwand und Kosten verbunden. Gegenüber dem Original-Signature verzichtet der RockBass Reverso also darauf. Die gute Nachricht: An der grundsätzlichen Konstruktion mit durchgehendem, dreistreifigem Ahornhals und seitlich angeleimten Korpusteilen aus Erle ändert sich nichts, außer, dass beim günstigeren Modell der Deckbelag aus einem etwas schlichteren Riegelahorn-Furnier, statt aus 1 cm dickem Quilted Maple in AAAA-Qualität besteht.

Der klangliche Unterschied dürfte sich in Grenzen halten, die aufwendigere Lackierung und der schöne Kopfplattenbelag des Originals sind wohl rein optische Werte. Auch, dass hier fürs Griffbrett Wenge statt Palisander zum Einsatz kommt, muss man nicht als Abwertung verstehen. 24 extradicke Jumbobünde aus hartem Bronzematerial sitzen im RockBass-Griffbrett, während das erheblich teurere Original mit Neusilber-Bünden bestückt ist, Bundschlitze in der Griffbrettflanke sieht man dank der Invisible Fretwork Technology bei beiden Bässen nicht. Und dass im RockBass die E-Fach-Öffnung durch einen Kunststoffdeckel statt mit noblem Holz verschlossen ist, wird man sicherlich gerne in Kauf nehmen.

Die dicken, harten Bronzebünde stärken Attack und Obertöne.

Auch das günstigere Modell ist mit aktiven EMG-X-Pickups in P/J-Konfiguration ausgestattet, beide Modelle besitzen zudem eine aktive Zweiband-Klangregelung. Beim RockBass stammt sie von MEC und ist für wirksames Zupacken bekannt, was allerdings mit etwas erhöhtem Batterieverbrauch (Lebensdauer ca. 130 Betriebsstunden) einhergeht. Eine Top-Ausstattung gibt es auch bei der Hardware, wo präzise, gekapselte Tuner feingängiges Stimmen erlauben, ein höhenjustierbarer Sattel besten Spielkomfort in den tiefen Lagen einstellen lässt sowie die Warwick-typische zweiteilige Steg/Saitenhalter-Kombination einen pfundigen Ton und gute Sustain-Ausbeute fördert. Bei Sattel und Steg kann man dennoch am ehesten Klangunterschiede zwischen Original und RockBass verorten, denn beim teuren Signature bestehen beide Teile aus Messing, während sie bei unserem Testbass aus Kunststoff (Sattel) und Aluminiumguss (Steg) gefertigt sind.

Warwick Rockbass Reverso
FOTO: Dieter Stork
Auch die standardmäßige Warwick-Hardware ist erstklassig.

flink unterwegs

Schön, dass der Reverso gleich mit Gigbag geliefert wird, denn ein passendes Transportbehältnis ist aufgrund der umgedrehten Explorer-Form sicher schwer zu finden. Das Deluxe-Line-Bag ist gut verarbeitet, allerdings wird das gewählte Modell als Universallösung auch für andere große Bässe wie Stryker und Buzzard verwendet, weshalb es nicht exakt passgenau auf den Reverso zugeschnitten ist und größer als notwendig ausfällt.

Ein kleiner Makel fällt beim Testbass auf: Angelaufene Stellen auf den sonst bei Warwick immer blitzblank polierten Bünden. Mit einem Hauch Chrompolitur und einem Lappen ließen sie sich allerdings mühelos entfernen.

Obwohl der Rex-Brown-Viersaiter mit 4,3 kg etwas mehr als konventionelle Viersaiter wiegt, hängt er verblüffend angenehm am Gurt und zieht nicht an der Schulter. Das hat man der ausgewogenen Balance zu verdanken, auch mit aufragendem Hals hält er stabil seine Position. Entsprechend entspannt ist das Spielerlebnis, zumal der schlanke Hals sich auch in niedriger Trageposition mühelos greifen lässt. Für engagierte Bassarbeit im Rex-Brown-Stil ist der Reverso also tatsächlich der passend leichtgängige Player.

Auffällig ist die besonders flinke Tonansprache des Instruments. Die strahlend brillante Obertonentwicklung darf man dem harten, durchgehenden Ahornhals gutschreiben. Und womöglich ist das RockBass-Modell nicht ohne Grund mit den extraharten, fetten Bronzebünden bestückt, die das Klangergebnis ein wenig in Richtung Messing-Hardware lenken. Auf jeden Fall liefert der Reverso die Offensivität, Genauigkeit und Schnelligkeit im Ton, die man von einem RexBrown-Bass erwarten darf.

Warwick Rockbass Reverso
FOTO: Dieter Stork

Die aktiven EMG-X-Pickups bilden das gesamte Tonspektrum mit Kraft, Detailreichtum und ungeschmälerter Dynamik ab, auch das passt zu einem angriffslustigen Metal-Bass, der auch in beschleunigten Schredder-Passagen die Impuls-Hoheit nicht verliert. Vom krorrig-knackigen Attack aus der Stegposition bis zum wuchtigen, sauberen Tiefbass des P-Pickups überzeugen hier alle Varianten, die sich mit dem wirkungsstark zupackenden Zweiband-EQ noch zusätzlich aufmotzen lassen, ohne dass es unübersichtlich wird.

resümee

Es gibt zahlreiche Unterschiede zwischen dem noblen Original-Signature und dem RockBass Reverso, aber irgendwoher muss ja der beträchtliche Preisunterschied kommen. Was für den Spieler allerdings der entscheidende Punkt sein dürfte, ist die Offensivität und Schnelligkeit des Reverso-Tons, und da liefert das RockBass-Modell rundum eine überzeugende Vorstellung ab. Wer also auf einige aufwendige Nobel-Features wie beleuchtete Side Dots, Messing-Hardware, eine dicke Quilted-Maple-Decke und ästhetische Details verzichten kann, bekommt den impulsstarken Rex-BrownSound auch in der RockBass-Klasse geboten. [2445]

Warwick Rockbass Reverso
Warwick Rockbass Reverso

(erschienen in Gitarre & Bass 11/2017)

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