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Kulturschwinger

Test: Warwick RockBass Infinity 5-string

Warwick RockBass Infinity 5-string(Bild: Dieter Stork)

Hochgezüchtete Qualität ist das Markenzeichen, selbst wenn es sich um die günstigste Serie aus China handelt. Warwicks Infinity-Modell ist jetzt auch als RockBass lieferbar.

Dass Warwick auch in China produziert, bedeutet bekanntlich nicht, dass man in der Ausstattung und im Spielgefühl nennenswerte Abstriche macht. Und auch, wenn die Holzauswahl hier konventioneller scheint als bei den teureren Serien, mit besonderen Klangleistungen darf man zuverlässig rechnen.

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Anspruchsvoll

Solide Grundlage für das Schraubhalsmodell sind ausgesuchte Hölzer: harter und gerade gewachsener Ahorn für den dreistreifigen Hals, Red Alder für den zweiteiligen Korpus. Eine dünne Furnierdecke aus makellos geriegeltem Ahorn ziert den Korpus, knackig präsentiert der klare Hochglanzlack die Holzdetails. Beim Hals sind die einzelnen Holzstreifen mit dünnen, schwarzen Furnierstreifen voneinander abgesetzt, die Mattlackierung sorgt für Griffigkeit.

Im gut 5 mm dicken Griffbrett aus Wenge sitzen 24 extrahohe Jumbobünde, akkurat verrundet und brillant auf Hochglanz poliert. Durch die sanft nach hinten abgewinkelte Kopfplatte wird optimaler Saitendruck auf den Sattel gewährleistet, dessen Tedur-Konstruktion an zwei Inbusschrauben in der Höhe justierbar ist, um ohne unwiderrufliche Feilarbeiten perfekte Bespielbarkeit in den tiefsten Lagen einstellen zu können.

(Bild: Dieter Stork)

Die gekapselten Präzisionsmechaniken arbeiten feingängig und präzise, ausgesprochen aufwendig ist die Warwick-Bridge am anderen Saitenende, wo der massige Saitenhalter und die dreidimensional einstellbare Bridge separat ins Korpusholz eingelassen sind. Zur Standard-Ausstattung bei Warwick gehören noch die markeneigenen Security Locks, die das Instrument sicher am Gurt halten.

Um an den Halsspannstab heranzukommen, lässt sich das Verschlussdeckelchen ohne Werkzeuge öffnen, das gleiche gilt für den Deckel des rückwärtigen Elektronikfachs, wo die Batterie für die Aktivelektronik sicher in einer metallenen Halteklammer untergebracht ist.

Warwick RockBass Infinity 5-string
Gediegene Ausstattung lässt Warwick auch den günstigen Modellen zukommen. (Bild: Dieter Stork)

Für die elektrische Tonabnahme sitzt ein MEC-Humbucker mit großen 9,5-mm-Stahlpolen in der Stegposition, am Hals der passend dazu aufgebaute MEC-Singlecoil. Per Überblender hat man flotten Zugriff auf alle Mischungsvarianten, wobei der Humbucker durch einen dreistufigen Kippschalter drei Grund-Sounds anbietet, je nachdem, ob serielle oder parallele Verdrahtung der beiden Spulen oder der Singlecoil-Modus angewählt sind.

Da das RockBass-Modell auf eine Passiv-Einstellung verzichtet, sind die beiden Aktiv-Klangregler für Höhen und Bässe permanent in Betrieb. Was den Stromverbrauch angeht, ist das auch kein Problem, denn ein 9-Volt-Block ist für rund 1000 Betriebsstunden gut.

Aufgeräumte Ordnung im werkzeuglos zu öffnenden E-Fach (Bild: Dieter Stork)

Detailkultur

Kurzer, kompakter Korpus und bis zur höchsten Lage frei zugänglicher Longscale-Hals, das ist das Grunddesign des Infinity. Was ungehinderte Spielbarkeit übers gesamte Griffbrett zulässt, erfordert freilich einen langen Arm, wenn es in die tiefsten Regionen hinabgeht, zumal das Modell seine natürliche Balance erst in der Waagerechten findet.

Entgegenkommend ist das Spiel auf dem flachen Halsprofil, die akkurate Bundierung erlaubt zudem eine komfortabel niedrige Saitenlage. Weil zum freieren Schwingen die dicke H-Saite ein dünner auslaufendes Ende besitzt, war beim Testbass allerdings der entsprechende Saitenreiter der Bridge etwas zu niedrig justiert und sollte für festes Zulangen höher eingestellt werden – ansonsten kam der RockBass-Infinity perfekt aus dem mitgelieferten Gigbag.

Mit tightem, sauberem Detailton, direkter Ansprache und schnurrendem Sustain präsentiert sich der Infinity universell für jede Stilrichtung, in der ein Bass etwas zu sagen hat und nicht nur brummelnd im Hintergrund steht. Das kann er bei zugedrehtem Höhenregler und entsprechend dosiertem Bass zwar auch, doch wäre es schade um die filigranen Nuancen, die er kultiviert darbieten kann.

Damit man leichtgängig durch die Lagen flutscht, sind die extrahohen Jumbobünde blitzeblank poliert. (Bild: Dieter Stork)

Auch aufgrund des langen, ungehindert bis zum höchsten Ton spielbaren Griffbretts ist das Modell für solistische Ausflüge prädestiniert und vermag dabei auch klanglich zu glänzen. Durch die drei Varianten lässt sich beim Humbucker zwischen einem obertonstarken, hellen Singlecoil-Sound von der stegnäheren Spule, dem transparenten, MM-ähnlichen Klang in der Parallelschaltung und einem dichteren, knurrigeren Ton in der seriellen Variante wählen, der mit dem Überblender die saftig knurrende Komponente des Singlecoils in der halsnäheren Position hinzumischen kann.

An den aktiven Klangreglern hat man großzügige Reserven im Fundamentbass und spritzig lispelnde Brillanzen zur Hand, für die Qualität der Elektronik spricht, dass es auch bei voller Höhendosis kein störendes Rauschen gibt.

Resümee

Mit seinem detailreichen, kultivierten Klang glänzt der Infinity im wahrsten Sinne des Wortes in allen möglichen Stilrichtungen, wobei die ungehinderte Spielbarkeit des Halses bis zum höchsten Ton auch zu solistischen Ausflügen einlädt. Dass man hier auch bei der günstigen RockBass-Version klanglich gediegene Qualität geboten bekommt, ist unüberhörbar und auch in der kraftvollen Art, wie der Infinity seine Feinheiten rüberbringt, handelt es sich um einen Kulturschwinger.

PLUS

  • detailreiche Klangkultur
  • Sound-Variabilität
  • Spielbarkeit Hals
  • Ausstattung, Hölzer
  • Verarbeitung

MINUS

  • designbedingte Kopflast

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2019)

 

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Also für knapp 1000 Euro sollte man auch guten Klang, Bespielbarkeit und Verarbeitung erwarten auch wenn oder gerade weil er aus China kommt für das Geld.

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