Produkt: Gitarre & Bass Digital 6/2015
Gitarre & Bass Digital 6/2015
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Klasse Classic

Test: Tritonlab Sunburst

Tritonlab Sunburst(Bild: Petia Chtarkova)

In manchen Pedalen stecken inzwischen fast mehr Sounds als in großen Bass-Amps. Denn nicht nur die Basstops haben Effekte als Extra entdeckt, sondern auch Pedalgeräte zentrale Amp-Funktionen.

Fehlt natürlich die Ausgangsleistung, aber die braucht man ja heute in etlichen Situationen gar nicht, beispielsweise beim Aufnehmen oder bei kleinen Gigs, wo eine PA bereitsteht. Tritonlab aus Estland bietet als Overdrive-Spezialist jetzt mit dem Sunburst einen komplett ausgestatteten Basspreamp mit Booster, der schon optisch einen vertrauenerweckend wertigen Eindruck macht. Mit verblüffend konservativen Klangstärken.

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headroom

Klinkeneingang, Klinkenausgang, symmstrischer DI Out, und dazwischen acht Regler und vier Schalter, das verspricht schon formal einige Einsatzmöglichkeiten für den Basston. Die Signalkette beginnt hinter der Eingangsbuchse mit dem On/Off-Fußschalter und endet auch gleich wieder an der Ausgangsbuchse, wenn „Off“ getreten wird. True Bypass nennt man das, was die internen Relais hier durchschalten. Mit der kleinen Feinheit, dass zugleich ein elektronisch symmetrisches Ausgangssignal für den DI Out gebildet wird.

Wesentlich interessanter wird es natürlich, wenn der interne Preamp auch benutzt wird. Gain, Presence, Treble, Middle, Bass und Volume stehen zur Pegeleinstellung und grundsätzlichen Klangformung bereit, wobei Mitten und Bässen noch durch dreistufige Kippschalter diverse Einsatzfrequenzen zugeordnet werden können. Das Besondere ist die klassische Passiv-Ausführung des Dreiband-EQ plus Presence, die, zusammen mit den Eigenschaften der J-FET-Schaltung, auf beste alte Zeiten verweisen und so prägnant wie harmonisch nach Röhre klingen soll.

Und das bis in die Übersteuerung, hinzu kommen noch Boost und Blend, wenn der Boost-Fußtaster bedient wird; das erste Poti bestimmt die Übersteuerung, das zweite den Mix zwischen Boost-Sound und Clean-Signal. Beiden Fußtastern sind LED-Statusanzeigen zugeordnet, dem DI Out ein Ground-Lift-Schalter. Das stabile Pedalgehäuse aus Aluguss beinhaltet eine Platine mit durchweg hochwertigen Bauteilen, ist mit einem besonders rauscharmen JFET-Opamp im Eingang ausgestattet und gibt sich insgesamt blitzsauber gebaut.

Nur der Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen, es wird ein externes 9-Volt-Netzteil mit mindestens 300 mA gefordert. Und das hat einen speziellen Grund, denn die JFET-Schaltung wird tatsächlich mit wesentlich höherer Spannung gefahren, als es netzteilmäßig aussieht: Ein interner Wandler erhöht sie zugunsten eines mächtigen Headrooms auf 33 Volt.

Tritonlab Sunburst
Eine Subplatine trägt den Wandler für die hohe Betriebsspannung der JFET-Schaltung. (Bild: Petia Chtarkova)

fatroom

Der Markt bietet inzwischen eine Menge verschiedener DI-Basspreamps, auch mit Overdrive – der Sunburst spielt mit seinen harmonischen Übersteuerungsmöglichkeiten und der auf Vielseitigkeit getrimmten Passiv-Klangregelung eindeutig in der Boutique-Liga. Schon am Gain-Regler hat man tatsächlich röhrenmäßige Overdrive-Möglichkeiten, vom cleanen, strahlenden Tonsignal geht es hier betont feinfühlig über rauchigen Crunch bis in fetzig-feingriesige Zerre, die als Grund-Sound gewählt werden kann.

Die nächste Besonderheit liegt in der komplexen Interaktion der passiven Klangregler, ganz wie man es von einem klassischen Röhrenverstärker kennt. Die große Stärke der Schaltung liegt in den Feinheiten und subtilen Timbre-Nuancen, wobei die zusätzlich wählbaren Schwerpunktfrequenzen für Low und Mid durchaus markant heraushörbar sind. Ganz so übersichtlich wie bei aktiven EQ-Schaltungen geht es hier nicht zu, so wird man ohne ausreichende Treble-Dosierung kaum eine Presence-Wirkung bemerken und auch die Deutlichkeit der Middle-Regelung hängt von der Bassdosierung ab. Doch genau diese Interaktion ist auch für die feinen Zwischentöne verantwortlich, mit der das Tritonlab-Pedal punktet.

Der zuschaltbare Boost fährt den Ton dann nochmals tiefer in die Übersteuerung, wiederum mit ausgesprochen überzeugend röhrigem Charakter und bemerkenswert fetter Bassbasis, selbst wenn hier Vollgas gegeben wird. Interessant ist dabei, dass je nach Gain-Einstellung nicht nur zwischen unverzerrt und Overdrive gewählt werden kann, sondern auch zwischen milderem Anzerren und fetziger Übersteuerung.

Am Blend-Regler lässt sich, neben der eigentlichen Boost-Dosierung, noch das Verhältnis zwischen Grundeinstellung und zugeschaltetem Boost regulieren. Der unglaublich fette und warme Vintage-Charakter der hochvoltig betriebenen JFET-Schaltung wird viele andere Preamps mit Overdrive wohl ziemlich knochig dastehen lassen.

resümee

Der Sunburst ist kein normaler DI-Preamp für Bassisten, sondern auf fette, nuancenreiche Vintage-Sounds hochgezüchtet, und diesen röhrenartigen Charakter liefert die mit hoher Spannung betriebene JFET-Schaltung so authentisch, dass wirklich die Sonne aufgeht! Schon im Normalbetrieb fällt auf, dass sich der Preamp ausgesprochen feinfühlig und harmonisch ankitzeln und übersteuern lässt, der zusätzlich einschaltbare Boost führt dann mit stimmiger Fetzigkeit und ungemein voluminösem Bassfundament das Werk fort. Feinste Nuancen und charaktervolle Timbre-Variationen sind die große Stärke dieses hochwertig aufgebauten Boutique-Pedals, dessen Preis in Anbetracht der tollen Klangleistungen sogar recht zurückhaltend erscheint.

PLUS
• röhrenartiges Wiedergabeverhalten
• harmonische Verzerrung
• satt-bassiger Overdrive
• nuancenreiche Passiv-Klangregelung
• hochwertiger Aufbau, Verarbeitung
MINUS
• ohne Netzteil

Tritonlab Sunburst

(erschienen in Gitarre & Bass 12/2018)

Produkt: Gitarre & Bass Digital 09/2015
Gitarre & Bass Digital 09/2015
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