Killer Products

Test: Trickfish Bullhead .5K & Small Mouth SM210V

Trickfish Bullhead
(Bild: Dieter Stork)

Die stattliche Ausgangsleistung ist nicht unbedingt das Wesentlichste dieses Topteils, übersichtliche Bedienung mindestens ebenso. Dazu gibt es eine vielversprechende 2×10-Box, deren selbstbewusster Auftritt bereits Autorität ausstrahlt.

Trickfish kam 2014 keineswegs aus dem Nichts, der Gründer und Bassist Richard Ruse arbeitete vorher mit Alesis, JBL, KRK und hatte einen hohen Rang bei SWR. Nach seinem zu frühen Tod Ende 2017 führen die Compagnons die Marke weiter, wir wollen eine potente und zugleich recht kompakte Bassanlage von Trickfish vorstellen. Dabei ist der .5K nur die halbe Portion, es gibt auch ein doppelt so starkes Top. Und die 2×10″-Box ist nur eine von sechs Auswahlmöglichkeiten der Marke, die sich nach eigenen Angaben vorgenommen hat, mit „killer products“ der Inspiration von tieftönenden Musikern zu dienen.

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Bullhead .5K

Es gibt Basstops mit verwirrender Vielfalt wie mit karger Einfalt; das Bullhead will die einfache Bedienung mit personalisierter Variabilität verbinden. Und das sieht man dem etwas größer geratenen Class-D-Leichtgewicht sofort an, selbstverständlich moderne Technik, aber trotzdem Vintage dargeboten. Zwischen Gain und Master werden die vier Klangregelbereiche gleichberechtigt groß präsentiert, darüber jeweils ein Kippschalter, der zwei verschiedene Centerfrequenzen zur Wahl stellt, über dem Master sitzt der Mute-Schalter.

Die günstigste Gain-Aussteuerung wird durch eine grüne und eine rote Leuchtdiode signalisiert, für passive und aktive Bässe kann die Eingangsempfindlichkeit zwischen Hi und Lo umgeschaltet werden. Das wars fast schon auf der übersichtlichen Frontplatte, kommt noch der HP-Anschluss dazu, dessen Stereoklinke einen Kopfhörer versorgt.

Auf der Rückseite geht es noch spartanischer zu: Klinkenbuchsen für den seriellen Effektweg, ein elektronisch symmetrierter DI-Ausgang mit eigenem Pegelsteller, Pre/Post-Umschalter und Ground Lift und eine Speakon/Klinke-Kombibuchse als Lautsprecher-Ausgang. Was die Gerätebeschriftung leider verschweigt, sind die durchaus ansehnlichen Anschlussdaten. Die finden sich erst im Datenanhang des Operation Manuals, gestaffelt nach Klirrfaktorwerten: Absolut clean im Nullkommabereich sind das etwas mehr als 300 Watt an 4 Ohm, mit minimaler 1%-Verzerrung allerdings schon 700 Watt und in Peaks sogar das Doppelte.

Trickfish Bullhead
Neben der Pre/Post-Umschaltung besitzt der DI-Ausgang einen eigenen Pegelsteller (Bild: Dieter Stork)

Small Mouth SM210V

Auch an der grundsolide wirkenden Box fehlen Daten im Anschlussfeld; es handelt sich laut Hersteller um ein 8-Ohm-Aggregat mit 800 Watt Belastbarkeit. Die beiden Neodym-Zehnzöller mit Gusschassis machen tatsächlich einen hochbelastbaren Eindruck und arbeiten in einem relativ großzügig bemessenen Bassreflex-Volumen. Innen ist die sorgsam versteifte Box mit Dämpfungswatte ausgekleidet, außen sorgt ein geschmackvoll gewählter Sharkskin-Vinylbezug für den wertigen Auftritt.

Der Eindruck täuscht keinesfalls, wie die hochwertig aufgebaute Frequenzweiche zeigt, die mit einigem Aufwand Höhen und Bässe auf die Lautsprecher verteilt und mit kaltleitenden Soffitten gegen Überlastung absichert; das APT-Hochtonhorn von Eminence ist zudem im Pegel einstellbar. Zwei Speakon/Klinke-Kombibuchsen stehen zum Anschließen und ggf. Durchschleifen des Endstufensignals auf eine weitere Box bereit. Damit sich die Box auch wahlweise auf die Seite legen lässt, ist dort ein zweites Quartett Gummifüße aufgeschraubt.

Trickfish Bullhead
Die Neodym-Zehnzöller besitzen robuste Gusschassis. (Bild: Dieter Stork)

markant variabel

Im Grunde ließe sich das Class-D-Top auch kompakter bauen, doch das etwas größer gewählte Gehäusevolumen hat den Vorteil, dass auf nervige Lüfter verzichtet werden kann. Still im positiven Sinne ist das Bullhead auch elektrisch, wo die rauscharme Transistorvorstufe selbst bei voll aufgedrehtem Master kein störendes Nebengeräuschniveau erreicht. Per Kippschalter lässt sich die Empfindlichkeit des Klinkeneingangs für passive und aktive Bässe umstellen, bei der Aussteuerung am Gain-Regler helfen eine grüne und eine rote LED. Und was das Topteil mit den Chickenhead-Knöpfen schon optisch andeutet, stellt sich jetzt auch klanglich heraus. Die Trickfish-Anlage punktet vom Start weg mit ansprechendem Charakter.

Mit kernigem Growl-Akzent und straffer Durchsetzungskraft wird der Basston in Szene gesetzt, wobei das vergrößerte Boxenvolumen durchaus noch satte Bassreserven verspricht, während das dosierbare Hochtonhorn eher dezent die Brillanzen auffüllt, ohne sich vorlaut nach vorne zu drängeln. Sound ist hier angesagt, und der lässt sich mithilfe der umschaltbaren Klangregler markant nach eigenen Vorstellungen formen.

Die zur Wahl stehenden Frequenzen sind so abgestimmt, dass sie jeweils eine unauffälligere und eine dichtere Klangvariante anbieten, was insbesondere bei der Kuhschanz-Charakteristik von Bass- und Treble-Regler sehr deutlich hervortritt, während man in den beiden Mittenbereichen feinfühligere Varianten wahrnimmt. Vom bullig-kissenweichen Füllfundament über präsent klingelnde Britsounds und kernig offensive Mitten-Brutalität bis hin zu trocken disziplinierten HiFi-Funk-Einstellungen reichen die Einstelloptionen hier, wobei man durchaus die vollen Einstellwege aller EQ-Regler nutzen darf. Die stramme 2×10″-Box steckt dabei alle Varianten sauber weg, etwas mehr Aufmerksamkeit muss man allerdings bei extremen Einstellungen der Aussteuerung widmen.

Denn was die rote LED anzeigt, sollte man durchaus ernst nehmen, da die Endstufe nicht durch einen eingebauten Limiter vor Übersteuerung geschützt wird und ihre Verzerrungen eher kratzig als harmonisch fetzig rüberkommen. Solange man im grünen Bereich bleibt, ist allerdings der gute Klang gewahrt, und freundlicherweise berücksichtigen die Aussteuerungs-LEDs auch alle Pegelveränderungen durch die Klangregler. Wer etwas sorgloser mit den starken Sounds der Vorstufe umgehen will, sollte besser einen Limiter in den vorhandenen Effektweg einstöpseln, der sinnvollerweise hinter dem EQ liegt.

Trickfish Bullhead
Sauber und hochwertig aufgebaut ist die Frequenzweiche, bei der Kaltleiter die Lautsprecher vor Überlast bewahren. (Bild: Dieter Stork)

Resümee

Natürlich gibt es zwischen Class-D-Tops einige Unterschiede, aber die sind längst nicht so klar herausgestellt wie früher zwischen einem Hiwatt, Peavey oder Trace Elliot. Um da erkennbare Eigenheiten herauszukitzeln, bleibt die Vorstufe. Diesen Weg geht Trickfish konsequent, von der optischen Gestaltung bis zum kernig-markanten Sounddesign. Nicht einmal in der Neutralstellung versucht sich der Bullhead zu verstecken und bezieht eindeutig Position: Muskulös, offensiv und deutlich, wobei das Top seine Möglichkeiten jedoch durch einen Limiter vor der Endstufe noch komfortabler darbieten würde. Zu den markanten Klangangeboten passt jedenfalls die straffe SM210V mit ihrer nicht in die Knie zu zwingenden Sauberkeit und dem durchsetzungsstarken Growl stimmig.

Trickfish Bullhead

Trickfish Bullhead

Trickfish Bullhead

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(erschienen in Gitarre & Bass 08/2018)

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