Produkt: Gitarre & Bass 3/2019
Gitarre & Bass 3/2019
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So viel Identität

Test: Torillo FullCustomVoice Volta 5string

Torillo FullCustomVoice Volta 5string(Bild: Dieter Stork)

Man braucht nur kurz hinzuschauen und es ist klar: Hier ist ein begeisterter Bassfreak am Werk, der in die Spitze will. Wenn er dort nicht schon längst ist. Was Thomas Germann liefert, muss sich nämlich auch vor den größten Namen der Edelbass-Welt nicht verstecken.

Dabei nimmt man die Marke Torillo erst seit zwei Jahren wahr. Doch natürlich gibt es eine Vorgeschichte, und Thomas Germann hat schon in den 15 Jahren davor seine Instrumente gebaut. Ohne umfangreiche Erfahrungen wäre ja auch die heutige Reife schlicht undenkbar: Sein Volta 5string zieht als FullCustomVoice-Modell alle Register, vor allem mit spannender Holz-Komposition.

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holzstimme

Genau die Hölzer sind das Thema der FullCustomVoice-Serie, wo dem Instrument vor allem mit ungewöhnlichen Holz-Kombinationen eine ganz eigene Stimme eingehaucht wird. Dabei ist die Decke aus teurem Buckeye Burl (der Maserknolle einer kalifornischen Kastanienart) samt passend verkleidetem Tonabnehmerpaar zwar optisch spektakulär, die darunter liegende Mahagonibasis des Bodys aber ebenfalls sehr bemerkenswert, da sie aus einem Stück besteht.

Natürlich zeigt auch der Fivestring-Hals ein besonderes Voicing, schließlich bekommt man nicht alle Tage extrem geriegeltes Eschenholz geboten, während der breite Mittelstreifen der dreiteiligen Konstruktion aus dunkler Wenge besteht. Das gerade Halsstück verschwindet in der abgewinkelten Kopfplatte, die in stabil aufwendiger Konstruktion angeschäftet ist, in der Mittelzone wieder aus dem rehbraunen Khaya besteht, mit Seitenstücken aus großzelligerem Mahagoni und einem fetten Frontbelag aus Buckeye Burl, der wie beim Body mit schwarz kontrastierendem Zwischenfurnier aufgeleimt ist.

Die perfekte Ausführung der Details ist nicht nur handwerklich anspruchsvoll, sondern sorgt auch für gehörige Versteifung des Headstocks. Stabil geht es auch am anderen Halsende zu, wo der Hals trotz des flachen Übergangs rückseitig vom auslaufenden Korpusholz abgestützt wird und bis zum Neck Pickup in den Body hineinragt. Für die Homogenität der Konstruktion wurde sogar jenseits des Tonabnehmers eine dreistreifige Mittelzone aus Khaya und Wenge in den einteiligen Body eingesetzt, was man im Zargenbereich unter dem Buckeye-Mittelstreifen sehen kann.

Im tiefschwarzen Ebenholzgriffbrett sitzen 24 Jumbos, die Leersaitenlage definiert ein Nullbund, der Sattel ist aus Knochen gearbeitet. Für Holzliebhaber und Fans aufwendiger Verarbeitung ist das knackig in Hochglanzlack präsentierte Instrument ein Traum!

Torillo Volta
Die angeschäftete Kopfplatte ist eine anspruchsvolle Konstruktion. (Bild: Dieter Stork)

aktivismus

Die Korpuskonstruktion wird nochmals von den Tonabnehmer-Kappen kopiert, die eine Basis aus Khaya mit aufgeleimter Buckeye-Decke besitzen. Bei den Torillo-Humbuckern könnte man natürlich auch alle Schaltungsvarianten der Zweispuler anbieten, doch zugunsten eines charakteristischen Transparenz-Voicings begnügt sich dieser Bass mit der Parallel-Verdrahtung. Auch auf einen Passiv-Umschalter wurde hier verzichtet, dafür gibt es zu Mastervolume und Pickup-Überblender aktive Klangregler für Bässe, Mitten und Höhen. Die Batterie muss man unter dem Mahagonideckel des E-Fachs suchen, wo man etwa alle 200 Spielstunden einmal hineinschauen wird.

Selbstverständlich gibt es auf Wunsch, neben vielen anderen Feinheiten, auch einen Passiv-Umschalter, damit der Torillo gegebenenfalls ohne Strom funktioniert. Gekapselte Gotoh-Tuner bieten sahnig feingängige Präzision, dämpfungsarme Verankerung am anderen Saitenende kombiniert mit dreidimensionaler Einstellbarkeit der solide Schaller-2000-Steg. Die montierten Gurthalter sind mit den Schaller Security Locks kompatibel. Am Gurt hält der 4,3-Kilo-Fünfsaiter stabil in günstiger Spielhaltung und ist angenehm selbstverständlich bis in die höchste Lage spielbar.

Auf dem breiten Griffbrett ist viel Platz, den Fingersatz sauber zu sortieren, am Steg sind die Saitenabstände auf 18,5 mm justiert, damit man beim festen Reinlangen volle Energie auf die Saiten geben kann. Wenn Fodera-Fans von Torillo begeistert sind, wird das seinen Grund haben.

füllcharakter

Ein eigener Charakter wird versprochen, und der wird sogar überdeutlich geliefert. Auf der Basis üppig schnurrender Sustain-Entwicklung präsentiert der FullCustomVoice-Volta einen betont dunklen, braunen Ton mit gefährlich grollenden Warmmitten und Rollbässen höchster Füllkraft. Wo man sonst eher einen hochglanzpolierten HiFi-Klang mit ausgelassenen Brillanzen vermutet hätte, ist dieser Fivestring ein Spezialkönner in runder, tragkräftiger Harmonie.

Filigrane Details kommen trotzdem zur Geltung, nur eben nicht aggressiv, hektisch und spitz, sondern seidig, satt und entspannt. Die charakterstarken Elektroergebnisse erstaunen umso mehr, als dass die Humbucker-Spulen ja wirklich in der transparentesten Variante – der niederohmigen Parallel-Schaltung – betrieben werden; offenbar macht es hier das Ganze, die ungewöhnliche Hölzer-Kombination mit viel Mahagoni, Esche und Wenge wird daran gewiss ihren Anteil haben.

Am Ende auch die (noch) verwendete Aktivschaltung, deren Identität Torillo nicht verraten möchte, weil die neue eigene Elektronik gerade am Start ist. Im Testbass finden sich zwei vergossene Module, die von Bartolini stammen könnten. Darauf deuten auch die runden, warmen Klangergebnisse hin, wenn man an den Reglern dreht: Weiche, voluminöse Bässe wie von einem Röhren-Amp, ebenso tief und saftig angelegte Knurrmitten. Die Höhen wirken sogar bei voller Dosis nie hart oder vorwitzig, klaren das Klangbild ohne Allüren wirksam auf und bleiben dabei stets seidig und rund. In jedem Fall bietet der klangprägende EQ eine charaktervolle, stimmige Performance und unterstützt die markante Identität dieses großen Fivestrings.

Torillo Volta
Sanft geht es vom Hals in den Korpus, um bis in höchste Lagen ungehindert vorzudringen. (Bild: Dieter Stork)

resümee

Thomas Germanns FullCustomVoice-Fivestring spielt auf höchstem Bassniveau, und damit ist nicht nur die knackig präsentierte, so aufwendige wie perfekte Verarbeitung gemeint, sondern auch der überaus gelungene eigene Stimmcharakter des Instruments. Satt und saftig, tragstark und grollend, seidig fett und betont harmonisch geht der Volta zu Werke, schnurrt wie eine starke Raubkatze. So viel Identität gibt es selten, Torillo hat das FullCustomVoicing sicher im Griff!

Vielen Dank an Station Music für das Ausleihen des Testbasses!

PLUS
• Klangverhalten, markanter Eigencharakter
• stimmige Variabilität
• Spielbarkeit
• Hölzer, Verarbeitung, Konstruktion

Torillo Volta

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2019)

Produkt: Gitarre & Bass 6/2019
Gitarre & Bass 6/2019
Neoclassical Bluesrock: Yngwie Malmsteen+++Strat, Style, Strings, Sound: Jimmie Vaughan+++Glam-Metal 2019: Steel Panther+++Auf langer Abschieds-Tour: Rickey Medlocke & Lynyrd Skynyrd

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Mein Hut, der hat three Ecken…

    „Natürlich zeigt auch der Fivestring-Hals ein besonderes Voicing, …“

    Glauben Sie ernsthaft, daß jemand solchen Sprachenmatsch für besonders „cool“ hält? Das ist die Sprache der Wichtigtuer – Sie sollten ihn nicht nötig haben. Und kommen Sie mir bitte nicht mit der Fachbegriff-Keule!
    Ihr Fachgebiet ist die Musik, an die Öffentlichkeit treten Sie jedoch mit dem Wort und übernehmen damit Verantwortung für die Sprache. Ich glaube nicht, daß sich beides ausschließt. Es erwartet niemand von Ihnen, akademisch in der Gegend herumzustelzen, doch fände ich es schön, wenn Sie Ihrer Sprache etwas mehr Aufmerksamkeit schenkten.
    Dennoch dankeschön für Ihre fundierten Artikel!
    Ihnen ein schönes Weihnachtsfest und alles Gute für das neue Jahr!

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  2. was hat der herr denn zu bemängeln an dirk groll’s sprache?
    wer sich lange zeit mit dem instrumentenbau und ja, natürlich dann auch mit der musik, denn um die geht’s doch letzendlich immer dabei, beschäftigt hat, kann eigentlich nur das hohe lied singen auf einen der kompetentesten, und in seiner vermittlung von grundlegendem und detailliertem wissen über unser geliebtes instrument unübertroffenen journalisten
    sowohl die zunft der bassbauer in deutschland und natürlich darüber hinaus, als auch zahllose novizen und fortgeschrittene bassspieler
    haben über jahre von der fundierten beschreibung und bewertung
    zahlloser bässe profitiert, da hat wohl auch kaum jemand etwas von angeblichem “sprachenmatsch” gemerkt. eher war es immer wieder
    eine freude durch die tests über neues, interessantes und kurioses unterrichtet zu werden und das in der regel unterhaltsam und sehr sachkundig.

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