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Kemper Amp Special
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Hörbass

Test: TiefTöner Wohlklang 13

Jede Zeit hat ihre eigenen Themen. Wo man an der Bassfront ganz früher mit schweren Boliden um schiere Leistung kämpfte, rückte dann später die leichte Transportabilität in den Fokus. Und jetzt geht es um günstige Hörbarkeit.

(Bild: Dieter Stork)

Zwar breiten sich die Bässe ohnehin rundum aus, aber das gilt nur für die tiefsten Frequenzen. Für tightes Spiel ist es aber auch wichtig, den präsenten Klick gut im Ohr zu haben, das gilt natürlich im Proberaum genauso wie auf der Bühne. Mit der Wohlklang 08 hat die deutsche Marke TiefTöner bereits eine praktische Lösung parat, wo ein einfacher Trick dafür sorgt, dass man alle Frequenzen auch im unmittelbaren Nahfeld genau mitbekommt. Allerdings stößt man pegelmäßig mit dieser 2×8″-Bassbox irgendwann auf Grenzen, weshalb ein leistungsstärkeres Aggregat mit mehr Membranfläche entwickelt werden musste.

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Einer nach oben

In der Wohlklang 13 arbeiten drei potente Neodym-Zehnzöller von Sica, von denen zwei die klassische Frontabstrahlung übernehmen. Auch der dritte wirkt am Klangvolumen mit, strahlt aber geradewegs nach oben. Dorthin, wo sich die Ohren des Spielers befinden, wenn er direkt bei der Box steht. Und das dürfte zumindest auf kleinen Bühnen meist der Fall sein. Alle drei Speaker sitzen in einer gemeinsamen Bassreflex-Kammer. Für einen Aufpreis von 80 Euro lässt sich, mithilfe eines optionalen L-Reglers, der Pegel des nach oben gerichteten Speakers stufenlos dosieren. Zwei Kombibuchsen für Speakon oder Klinke bilden das Anschlussfeld der mit 600 Watt belastbaren Box. Aus der Zusammenschaltung dreier 8-Ohm-Lautsprecher ergibt sich der ungewöhnliche Impedanzwert von 5,3 Ohm, der freilich von jedem 4-Ohm-Amp klaglos akzeptiert wird, auch wenn dabei nicht ganz die volle Nennleistung abgerufen wird.

(Bild: Dieter Stork)

Das Sperrholz-Gehäuse besitzt 15 mm Wandstärke, innen verhindert ein Versteifungskreuz Gehäuseschwingungen und außen dämpft sie ein Filzbezug. Im Inneren findet man noch Polster aus Noppenschaumstoff und einen Beutel mit Dämmwolle, um stehende Wellen und etwaigen Kistenklang zu schlucken. Schalengriffe, Metallecken und stählerne Schutzgitter für die Lautsprecher komplettieren die tourfeste Ausstattung. Kleines Detail: Damit von oben keine rasselnden Krümel durchs Gitter auf die Speaker-Membran fallen können, ist das Stahlgitter mit einer feinmaschigen Gaze hinterlegt, was man dann auch den vorderen Speakern gönnte.

Luftig

Dass die ziemlich erwachsen wirkende 3×10″-Box nur 22 kg auf die Waage bringt, hat sie dem leichten Pappelsperrholz und den kompakten Neodym-Magneten zu verdanken. In der Performance gibt sich das Aggregat angenehm räumlich, was ja wegen der Abstrahlung in zwei verschiedene Richtungen auch zu erwarten war. Räumlichkeit ist überhaupt der Grundcharakter der Wohlklang 13, die weniger auf drückende Bässe, sondern auf luftige Darbietung mit der naturgegebenen Präsenz der Zehnzoll-Lautsprecher setzt. Wo die Dreier-Kombination trotz Bassreflex- Unterstützung in den tiefsten Frequenzen sehr aufgeräumt agiert, bildet sie auch die obersten Highlights angenehm mild ab; gerade weil hier schrille Spitzen ausbleiben, kommen auch stark verzerrte Basssounds harmonisch rüber.

Der nach oben strahlende Speaker trägt im direkten Nahfeld tatsächlich zur genauen Hörbarkeit des Gespielten bei. Dass dieser Lautsprecher im Anschlussfeld einen Pegelsteller besitzt, macht allerdings vor allem die Räumlichkeit der Wiedergabe variabel, sodass man in gewissem Rahmen zwischen der schlanken Direktheit einer 2×10″-Bestückung und der erweiterten Luftigkeit der in mehrere Richtungen strahlenden 3×10″ wählen kann.

Resümee

Die Idee für das bessere Hören ist bestechend einfach und der zusätzliche nach oben ausgerichtete Lautsprecher tatsächlich im direkten Nahfeld sehr hilfreich. Überraschender ist allerdings ein Nebeneffekt der Abstrahlung in mehrere Richtungen, nämlich die angenehm luftige Räumlichkeit, mit der die Wohlklang 13 den Basston wiedergibt. Man kann davon ausgehen, dass sich diese Räumlichkeit bei intimeren Band-Aufstellungen günstig auswirkt, während auf größeren Bühnen ein exakterer Fokus wünschenswert ist – wofür der obere Lautsprecher ja einen eigenen Pegelsteller besitzt.

PLUS

  • luftige Räumlichkeit in der Wiedergabe
  • Pegelsteller für oberen Lautsprecher
  • Verarbeitung

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2020)

Produkt: Gitarre & Bass Digital 04/2018
Gitarre & Bass Digital 04/2018
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Kommentare zu diesem Artikel

  1. 5,3 Ohm Gesamtimpedanz ergibt sich, wenn 2 Speaker in Reihe und der dritte
    dazu parallel geschaltet werden. Das in in Reihe geschaltete Pärchen wird
    wohl das sein, was nach vorn gerichtet ist. Allerdings fällt hier wegen der höheren Impedanz weniger Leistung ab. Der “nach oben Speaker” wird hörbar lauter bzw. zu laut sein, oder? Ein L-Regler ergibt hier einigen Sinn. ABER DAS DER DANN NOCHMAL EXTRA KOSTET!!$$ Tsss, tsss. oh, oh.

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Es sind 3 x 16 Ohm parallel geschaltet, d.h. das meiste kommt vorne raus. Wie der Autor schrieb (“günstige Hörbarkeit”), ist die Box für das, was darin verbaut ist, am unteren Ende der Preisskala angesiedelt. Ich kann sie auch teurer machen und den Regler dann serienmäßig anbieten, aber einige meiner Kunden wollten den gar nicht. Warum sollten sie dann dafür zahlen müssen?

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  2. 5,3 Ohm Gesamtimpedanz ergibt sich, wenn 2 Speaker in Reihe und der dritte
    dazu parallel geschaltet werden. Das in Reihe geschaltete Pärchen wird
    wohl das sein, was nach vorn gerichtet ist. Allerdings fällt hier wegen der höheren Impedanz weniger Leistung ab. Der “nach oben Speaker” wird hörbar lauter bzw. zu laut sein, oder? Ein L-Regler ergibt hier einigen Sinn. ABER DAS DER DANN NOCHMAL EXTRA KOSTET!!$$ Tsss, tsss. oh, oh.

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  3. Schade um die teuren Neodymtreiber. Bei der Antriebsstärke würde ich eher drei rearloaded Basshörner à la JBL-Rutsche draus basteln, von denen jedes weit räumlicher daherkommt wie jedes Bassreflexsystem und für die beste gleichmäßige Verteilung von Tieffrequenzen sorgt. Bei meinen Eigenkonstruktionen habe ich den Hornmund meist nach hinten gerichtet, da es klangverteilungstechnisch fast keinen Unterschied macht, das gefaltete Horn so besser in die Quaderform einer Box passt und besser aussieht. Das Pappelsperrholz ist gerade für rearloaded Hörnerkonstruktionen super, da es nicht nur viel Gewicht, sondern auch Dämmung spart. Leider wagt sich heute kein einziger grosser Hersteller mehr an die Entwicklung der mit Abstand besten Bassboxen. Ein gefaltetes Horn lässt sich nur in idealisierter Form im Voraus berechnen und benötigt daher meist eine längere Erprobungsphase, bis die beste räumliche Kompression der Luft mit der Rückseite der Lautsprechermembran zusammenwirkt. Ist diese Arbeit aber mal geleistet, gibt es nichts besseres.

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    1. Klar bringt eine Rutsche mehr Bass. Aber der Zweck dieser Box ist es ja nicht, eine Disco mit Tiefbass zu versorgen. Ein drückender Tiefbassanteil führt im wirklichen Leben bzw. auf der Bühne schnell zu einem Dröhnen und treibt dem FoH-Mann Schweißperlen auf die Stirn

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