Profi-Technik

Test: Tech21 SansAmp GED-2112

Tech21 SansAmp
FOTO: Dieter Stork

In der aktuellen Landschaft von Miniatur-Basstops und verblüffend gut ausgestatteten Vorstufen im Pedalformat wirkt ein 19″-Preamp fast schon Retro. Doch für den professionellen Einsatz hat die Rack-basierte Bauweise natürlich nach wie vor ihre Berechtigung.

Geddy Lee ist kein Bassist, der sich mit braven Grundnoten im Hintergrund zufriedengibt. So groovy er durch die Lagen jagt, haben seine melodiösen und treibenden Licks das Bassspiel wohl genauso bereichert wie Jacos virtuose Beiträge. Nur eben nochmals offensiver im Ton, und dafür hat er sich zusammen mit Tech21 jetzt seinen eigenen SansAmp auf den Leib geschneidert.

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getrennte wege

Wie man der Frontplatten-Aufteilung entnehmen kann, besitzt die Vorstufe eine Drive- und eine Deep-Sektion. Das Besondere daran: Beide Abteilungen verstärken das Bass-Signal gleichzeitig und besitzen dafür separate Ausgänge. Entgegen konventioneller Vorstufen-Konzepte ist eine Mischung beider Ausgangssignale im Gerät selbst nicht vorgesehen; sowohl unsymmetrische Klinken-Ausgänge wie auch symmetrische XLR Outputs sind vorhanden, um Drive- und Deep-Signal herauszugeben, sei es an zwei getrennte Endstufen im Live-Betrieb oder auf zwei Mixer-Kanäle für PA und Recording.

Ebenfalls stehen auf der Rückseite zwei Instrumenten-Eingänge bereit, um auf die Schnelle zwischen zwei Bässen wechseln zu können, natürlich ist der Umschalter von vorne zu betätigen. Die Eingangsempfindlichkeit lässt sich für sehr heiße Signale um 20 dB dämpfen. Wer weder die doppelte Eingangsbestückung noch die Abdämpfung benötigt, kann seinen Bass auch einfach in die Front-Klinkenbuchse einstöpseln.

Tech21 SansAmp
FOTO: Dieter Stork
Beide Bearbeitungskanäle besitzen getrennte Ausgänge mit Klinkenbuchsen und XLR.

Die Drive Section entspricht dem SansAmp RPM und besitzt eine aktive Dreiband-Klangregelung mit stufenlos von 170 Hz bis 3 kHz durchstimmbarem Mittenbereich. Bei ganz zurückgedrehtem Blend-Regler arbeitet die Vorstufe clean und unverzerrt. Am Drive lässt sich zusätzlich die SansAmp-Komponente definieren, was vom sauberen Ton bei zurückgedrehtem Regler über angeraute Klänge bis zur aggressiven Vollverzerrung mit komprimierter Röhrenverstärker-Charakteristik reicht. Die Balance zwischen Zerrton und sauberen Sounds ist wiederum am Blend-Regler stufenlos dosierbar, für die letztendliche Ausgangs-Lautstärke ist Level 1 zuständig. Auf der Rückseite finden sich Klinkenbuchsen zum Einschleifen externer Effekte in den Drive-Signalweg. Per Schalttaste lässt sich der Einschleifweg vom seriellen Einfügen auf einen 50/50-Anteil umschalten.

In der Deep Section wird der Basston nach Geddy Lees Vorstellung vorgefiltert, der fette Grundklang und der Overdrive kann allerdings noch am Saturation-Poti individuell justiert werden. Level 2 ist der Master-Regler für die Deep-Abteilung, die Schalttaste zwischen Drive und Deep Section fungiert als Stummschalter für sämtliche Ausgänge außer dem Tuner Out. Eine weitere Klinkenbuchse gibt das komplett unbearbeitete Basssignal heraus, falls noch ein zusätzlicher Pre-EQ-Ausgang benötigt wird. Der Pegel der unsymmetrischen Klinkenausgänge für Drive und Deep kann per Schalttaste auf ein Zehntel abgedämpft werden, auch die elektronisch symmetrierten XLR-Ausgänge lassen sich mittels eigenem Dämpfungsschalter entsprechend umschalten; hier ist noch zusätzlich ein Ground-Lift-Schalter vorhanden.

Tech21 SansAmp
FOTO: Dieter Stork
Ohne Beschriftung bleibt der Mute-Schalter.

doppelt stark

Die Folgen der beiden parallel angesteuerten, aber danach komplett getrennten Signalwege im GED-2112 liegen auf der Hand: Man benötigt dahinter zwei Wege zur weiteren Verstärkung oder für die Aufnahme. Und das hat seinen guten Grund, schließlich soll die separate Weiterverarbeitung ja gerade die besten Eigenschaften für Zerrklang und Deep-Komponente gewährleisten, was nicht so wäre, wenn man beide Komponenten am Ausgang wieder zusammenmischen würde. Für optimale Ergebnisse im Live-Betrieb bedeutet das getrennte Endstufen und Boxen für beide Sektionen, für PA-Abnahme und Aufnahmen im Studio sind sicherlich zwei Mixer-Kanäle kein großer Aufwand, um an beste Ergebnisse zu kommen.

Für den Normal-Player mit weniger hohen Ansprüchen wäre sicherlich noch ein gemeinsamer Ausgang mit Umschalter von Drive auf Deep sinnvoll, was dieses professionell gedachte Gerät aber nicht vorsieht. Einen Ausweg dafür könnte ein simpler A/B-Umschalter bieten, der mit beiden Ausgangssignalen gefüttert wird und sie dann auf eine Mono-Wiedergabeanlage leitet. Natürlich würde man durch die Mono-Verarbeitung einen großen Vorzug der parallel betriebenen Vorstufen verlieren, die mit getrennter Wiedergabe wirklich ein echtes Plus an Pfund und Differenziertheit bringen.

Während die Drive-Abteilung ausgesprochen vielseitige Klangformung von sanft angeraut bis zur harmonischen Säge bietet und dabei individuelle Gewichtung der Frequenzen erlaubt, überzeugt der Deep-Kanal durch einfachen Umgang mit dem geschmackvoll vorgeformten Sound, der sich am Saturation-Regler noch mächtig aufpumpen lässt. Der erreichbare Zerrgrad ist hier weniger drastisch und obertonreich als beim Drive-Kanal, dafür umso fetter und druckvoller, schließ- lich steht ja auch Deep dran.

resümee

Die Idee, die hinter dem GED-2112- SansAmp steht, ist bestechend einfach und betritt dennoch Neuland in der Bassverstärkung: Getrennte Verarbeitung von aggressiven Zerr-Sounds und fetten, tragkräftigen Komponenten erzeugt am Ende mehr Druckpfund und kommt zugleich differenzierter rüber, und wer einmal bei Geddy Lee reinhört, weiß, wofür man das gut brauchen kann. Durch die sinnvoll üppige Anschluss-Bestückung ist die Zweikanal-Parallelverarbeitung des Basstons zudem ohne weiteren Aufwand im Studio und für die PA-Abnahme nutzbar.

Durch eine simple Kanal-Umschaltung auf einen gemeinsamen Ausgang wäre der Doppel-Preamp für den Normalbassisten freilich einfacher auf der Bühne einsetzbar, auch wenn dabei der Hauptgedanke der Zweiweg-Wiedergabe auf der Strecke bliebe; für die PA ließen sich ja dennoch beide Sounds separat abmischen.

Tech21 SansAmp
Tech21 SansAmp

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(erschienen in Gitarre & Bass 01/2018)

Ein Kommentar zu “Test: Tech21 SansAmp GED-2112”
  1. Hallo Gitarre und Bass Team. Toller Bericht über den Sansamp GED 2112. Aber eines habt ihr übersehen. Er lässt sich sehr wohl als Mono-Preamp nutzen. Allerdings muss man dafür das Gerät an der Unterseite aufschrauben und einen Jumper umstecken. Schon ist das Teil für den Ottonormalbassisten nutzbar, allerdings lässt es sich dann auch an der PA nicht mehr mit zwei Kanälen mischen, denn auch da kommt nur noch ein Monosignal beider Preamps an.

    Wenn ihr Bilder vom besagten Jumper haben wollt, kann ich euch gerne zukommen lassen.

    Grüße

    Chris

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