Produkt: Mark Knopfler: Gear-Special
Mark Knopfler: Gear-Special
Alles über den Gitarristen, dessen Sound immer wieder als Meilenstein gefeiert wird: Mark Knopfler!
Aufwendige Vereinfachung

Test: Tech21 dUg Ultra Bass 1000 & dUg Pinnick Signature DP-3X

Tech21 dUg Ultra Bass 1000(Bild: Tom Schäfer)

Wo heute das Smartphone das Maß der Dinge ist und verblüffend kräftige 2-Kilo-Kistchen den Livejob bestreiten, scheint ein 19″-Top mit 12 Knöpfen fast schon aus der Zeit gefallen. Allerdings verfolgt dieser Signature-Amp ein sehr spezielles Sound-Konzept nach den Rezepten der altgedienten Rockbasskraft Doug Pinnick.

Dessen lang erprobtes Vorgehen bei der Bassverstärkung ist insofern aufwendig, als dass er für seinen durchsetzungsstarken wie feinfühligen Zerr-Sound den Overdrive eines Gitarrenverstärkers mit der pfundigen Power der Bassanlage kombiniert. Das soll der Ultra Bass 1000 in einem Gerät zusammenfassen und ist trotz vieler Knöpfe im Wortsinn eine Vereinfachung. Und für die Miniaturisten hat Tech21 wesentliche Preamp-Bestandteile des großen Tops in ein kleines Pedal gepackt, hier kommt also jeder auf seine Kosten.

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dUg Ultra Bass 1000

Um diesen speziellen Amp zu verstehen, muss man den Overdrive-Trick mit dem Gitarrenverstärker kennen, dazu noch einige weitere Feinheiten, die diesem Sound-Konzept dienen. Zunächst: Unten liegt der cleane Kanal, oben der für die Verzerrung. Nun wird aber nicht einfach von Clean auf Zerre umgeschaltet, sondern im Mix-Betrieb eine Mischung beider Kanäle hergestellt.

Nun kommt die nächste Eigenheit: Im unteren Kanal ist ein Tiefpass-Filter vorhanden, mit dem sich die oberen Frequenzen abschneiden lassen, im oberen Kanal findet sich etwas Ähnliches, nur werden am HPF-Knopf die Bässe unterdrückt. Heraus kommt also eine Zweiwege-Lösung, wobei der untere Kanal für alle clean drückenden Bassanteile zuständig ist, der obere nur für die heißen Charaktere von Mitten und Höhen. Auf diese Teilung der Aufgaben, unten die Bassanlage, oben der „Gitarren-Amp“, sind die unterschiedlichen Regler der Kanäle abgestimmt.

So fällt sofort auf, dass der Clean-Kanal neben dem Level zwar Regler für Bässe, Mitten und sogar Mid Boost hat, aber keinen für Treble. Und der obere Kanal Drive, Mid, Treble und Level, aber keinen Bassregler. Logisch, die braucht man auch nicht, wenn oben ohnehin nur die Höhen und unten nur die Bässe herausgegeben werden. Damit der untere Hauptkanal mit vollem Frequenzspektrum trotzdem alleine benutzt werden kann, werden im Solobetrieb die Höhen neutral austariert (und wenn der obere Kanal ins Spiel kommt, automatisch auf Minimum reduziert).

Als Extra – für intensive Sound-Verdichtung – ist dem Hauptkanal ein fetziger FET-Compressor zugeordnet. Die Umschaltung zwischen Solokanal und Mix kann auf der Frontplatte geschehen oder komfortabler am mitgelieferten Fußschalter, mit dem dann nicht nur zwischen Hauptkanal und Mix umgeschaltet, sondern auch der obere Kanal separat gefahren werden kann. Zudem ist auch ein Mute-Schalter vorhanden.

Zu den einigermaßen normalen Ausstattungsgegenständen gehört der Gain-Schalter über der Eingangsklinke, mit dem sich die Eingangsempfindlichkeit um 10 dB anheben lässt; wo sonst von Abdämpfung für starke Signale die Rede ist, geht es hier nur in die andere Richtung, um die Kanäle stärker anzukitzeln. Auf der Rückseite liegen die Klinken für Pre-Amp-Output und Power-Amp-Input sowie fürs Stimmgerät.

Besonders wird es wieder bei den elektronisch symmetrierten XLR-Ausgängen, separat für Bottomund Top-Kanal vorhanden, wie auch ein dritter Ausgang für den Mix. Für saftige Lautsprecherwiedergabe steckt im 2-HE-Top eine 1000 Watt starke Class-D-Endstufe, die ihre Power an zwei Speakon-Ausgängen bereitstellt. Dabei sorgt die moderne Endstufe mit dem Schaltnetzteil dafür, dass diese Leistungsmaschine gerade einmal fünfeinhalb Kilogramm auf die Waage bringt.

Tech21 dUg Ultra Bass 1000
In der Frequenzaufteilung für tragende Bässe und harmonischen Overdrive liegt der dUg-Trick (Bild: Tom Schäfer)

dUg DP-3X

Mit den aufwendigen Einstellmöglichkeiten des großen Bruders will das kleine Signature-Pedal den Nutzer nicht belasten – aber trotzdem den speziellen Sound-Ansatz von Doug Pinnick mit sauberem Basspfund in den Tiefen und fetziger Zerre in den hohen Frequenzen bieten. Dafür ist bei stark reduzierter Reglerzahl bereits einiges intern vorkonfiguriert. Beim Einschalten des Preamps am mittleren Fußschalter leuchten die verwendbaren Potiknöpfe grün auf, was die Sache übersichtlich macht: Volume, High, Mid, Low, Comp. Die Variation des Mittencharakters ist durch die Shift-Taste möglich.

Betätigt man den linken Fußschalter für den Mix-Betrieb, werden die rot aufleuchtenden Regler für Drive und Chunk hinzugefügt, wobei Drive hier den Übersteuerungsgrad für die hohen Frequenzen festlegt, Chunk als Höhenfilter den Obertongehalt regulierbar macht. Mit an Bord ist ein autochromatisches Stimmgerät, welches durch den Tuner-Fußschalter abrufbar ist, während der Signalweg stumm geschaltet wird. Außer den Klinken für Input und Output ist auch ein symmetrischer Ausgang vorhanden, per Schalttaste kann die Output-Klinke zum Kopfhörerausgang umfunktioniert werden. Ein Steckernetzteil gehört zum Lieferumfang.

Tech21 dUg Ultra Bass 1000
Sowohl für die Einzelkanäle als auch für den Mix stehen separate symmetrische Ausgänge bereit. (Bild: Tom Schäfer)

zwei wege, viele sounds

Dass der Namensgeber in seiner Band Kings‘s X keine zarte Saite zupft, ist bekannt. Und zugleich bildet sein Offensivbass doch ziemlich filigrane Stimmungsnuancen ab – was ja der Sinn der aufwendigen Signalverarbeitung ist. Der unten liegende Hauptkanal gibt sich im Alleinbetrieb betont universell und legt dabei den Akzent auf pfundige Wiedergabe, deren kernige Aggressivität sich am Mid-Boost-Regler noch fein dosierbar steigern lässt. Dass hier keine einstellbaren Höhen vorhanden sind, stört nicht weiter; praktisch jeder Bass hat einen Regler dafür an Bord.

Am vorhandenen Bassregler ist fundamentaler Druck abrufbar, saftig tief greift der aktive Mittenregler zu und erlaubt bei Bedarf auch einen Badewannen-Frequenzgang mit aufgeräumten Mitten. Hervorragend ist auch die Einknopf-Bedienung des Compressors gelöst, der sich ohne Lautstärkesprung zur Tonverdichtung hinzudosieren lässt und mit fetzigem Squash punktet. Jeder Millimeter Einstellweg ist hier nutzbar.

Tech21 dUg Ultra Bass 1000
Für Übersicht sorgen die farbig beleuchteten Regler. (Bild: Tom Schäfer)

Im Mix-Betrieb wird es hochinteressant, denn jetzt greift der Low-Pass-Filter im Hauptkanal und überlässt allein dem Drive-Kanal die Höhenwiedergabe. Der arbeitet mit SansAmp-Technologie und bildet in authentischer Weise das harmonische Übersteuerungsverhalten eines Röhrenverstärkers nach, dosierbar von der zarten Aufrauung bis zur singenden High-Gain-Säge. Extrem effektiv greifen Mid- und Treble-Regler in den Zerrklang ein, sodass alle Varianten zwischen warmfettem Röhrenklang und fisseliger Metal-Distortion abrufbar sind. Zur alleinigen Nutzung ist der obere Kanal allerdings weniger gedacht, denn selbst in der tiefsten Einstellung des Hochpassfilters werden die tragenden Bassanteile unterhalb von 200 Hz abgekappt.

Umso stimmiger fügen sich im Mix allerdings Clean- und Drive-Kanal zusammen, wo von unten sattes Fundament mit bemerkenswerten Growl-Anteilen kommt und in den oberen Frequenzlagen souveräne Verzerrung nach eigenem Gusto gefahren werden kann. Für die Gewichtung der Anteile sind nicht nur die separaten Level-Regler der Kanäle zuständig, auch die Variation der Frequenzen bei HPF und LPF arbeitet hier wirksam an der Klangformung mit. Durchdacht ist dabei auch, dass die Mid-Boost-Funktion, die dem Cleansound zu mehr rockiger Aggressivität verhilft, im Mix-Betrieb automatisch abgeschaltet wird – die Aggros kommen ja nun von der Drive-Abteilung.

Doug Pinnicks Sound-Konzept liefert für das ganze Rockbass-Spektrum extrem überzeugende Ergebnisse mit außergewöhnlicher Variationsbandbreite und ebenso feinfühligen wie wirkungsvollen Nuancierungen. Dass der komplett in Analogtechnik aufgebaute Preamp insbesondere bei extremen Drive-Einstellungen ein gewisses Grundrauschen erzeugt, stört nicht weiter und wird im Vergleich zu jedem Zerrpedal gut dastehen. Zumal kein Pedal so vollkommene Ergebnisse hinbekommen wird.

Natürlich steckt im kleinen Signature-Pedal ein ähnlicher Ansatz, die Bässe vom Hauptkanal clean und mit hoher Tragkraft zu übertragen und die Verzerrungsanteile auf die höheren Freuquenzlagen zu beschränken. Das funktioniert auch gut und überzeugend, jedoch kann der kleine Pedal-Preamp mit seiner stark reduzierten Reglerzahl bei Weitem nicht die Variabilität des Ultra Bass Tops anbieten. Und wo beim Top der Compressor sorglos hinzugedreht werden kann, tritt bei der Pedalversion ein so starker Pegelzuwachs auf, dass man um das Zurückregeln der Lautstärke nicht umhinkommt.

Tech21 dUg Ultra Bass 1000(Bild: Tom Schäfer)

resümee

Was sich bei Doug Pinnick als Speziallösung für zupackende und zugleich extrem nuancenreiche Overdrive-Sounds bewährt hat, ist mit dem Tech21-Topteil jetzt auch für viele andere Bassisten hochinteressant. Das vorstufeninterne Biamping für grollend fundamentale Tragkraft und umso kompromissloseres Zerrspektrum ist eine starke Idee und liefert mit dem Utra Bass 1000 ein unglaublich facettenreiches Spektrum fein dosierbarer Offensiv-Sounds. Das kleine Pedal greift zwar den gleichen Ansatz auf, kann aber mit stark reduzierten Einstellmöglichkeiten nicht in der Variabilität mithalten. Es mag zwar im Pedalsektor eine Bereicherung darstellen, aber die volle Packung gibt es nur bei diesem überragenden Topteil.

PLUS
• Konzeption, Klanggüte
• Sound-Variabilität, Drive-Effekt
• Ausstattung
• Compressor-Funktion (Ultra Bass 1000)
• Leistungsvermögen (Ultra Bass 1000)
• Verarbeitung
• Tuner (DP-3X)
MINUS
• Compressor mit starkem Pegelsprung (DP-3X)

Tech21 dUg Ultra Bass 1000

Tech21 dUg Ultra Bass 1000

(erschienen in Gitarre & Bass 03/2019)

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