Charakterkoffer

Test: Tech 21 VT Bass 200

Tech 21 VT Bass 200
(Bild: Dieter Stork)

Übersichtlich und aufgeräumt präsentiert sich dieser 12″- Basskubus. Und er bewährt sich mit erstaunlich wenig Knöpfen und charakterstarken Sounds in der Praxis.

200 Watt, einmal Zwölfzoll – hier hält sich alles im Rahmen, ohne mit Superlativen zu prahlen. Am Ende erfüllt das Köfferchen aber doch Erwartungen, die man vorher kaum hatte, was es nicht zuletzt seinen markanten Anzerr- und Klangformungsmöglichkeiten verdankt. Allzu bieder sollte man sich den kompakten VT Bass 200 also nicht vorstellen.

Anzeige

wirkungsknöpfe

Das entscheidende Ding sitzt gleich am Anfang der Bearbeitungskette, direkt hinter dem Pad-Schalter für den Klinkeneingang: Mit dem Drive-Regler hat man im Griff, wie kultiviert und sauber, angeraut oder fetzig gesägt der Basston rüberkommt; die harmonisch in bestem Röhrenstil arbeitende Sansamp-Schaltung hat nicht ohne Grund den guten Ruf. Der nächste Knopf, der viel macht, folgt sofort darauf und ist mit Character beschriftet. Von der wuchtigen Badewanne bis zur rockig-offensiven Mittennase ist hier vieles drin, natürlich auch neutralere Varianten.

Durch die zusätzliche Shift-Taste wird der Filterbereich variiert und die Charakter-Auswahl größer. Mit so wirkungsreichem Klangformungsbesteck ausgerüstet, kann es sich der VT200 leisten, beim konventionellen EQ nur drei Bereiche anzubieten, das allerdings (neben der kräftigen Wirkung von +/-18 dB) noch mit einem Extra. Denn auch der Mid-Regler besitzt eine Shift-Taste, um die Centerfrequenz eine Oktave hochzuschieben. „Level“ für die Wiedergabelautstärke ist dann schon der letzte Regler im Bedienfeld.

Auch die übrige Ausstattung schafft mit überschaubarem Aufwand vielseitige Einsatzmöglichkeiten. Am Aux In können Playbacks zum Üben eingespielt werden, am Phones Out gegebenenfalls ohne Belästigung der Nachbarn abgehört werden. Für Effekte steht ein serieller Einschleifweg bereit, zur PA-Abnahme oder für Aufnahmen ein elektronisch symmetrierter XLR-Ausgang, im Pegel zwischen 0dB und -20dB umschaltbar, außer dem Ground Lift ist noch ein genereller Einschalter vorhanden. Eine externe 8-Ohm-Box kann der Combo mitversorgen, sein interner Hochtöner für stimmigere Zerr-Sounds abgeschaltet werden. Übrigens ist auch das internationale Netzteil praktisch, weil es ohne Umschaltung Netzspannungen zwischen 100 und 240 Volt akzeptiert.

Tech 21 VT Bass 200
Ein Piezo-Hochtonhorn erweitert den Wiedergabebereich nach oben. (Bild: Dieter Stork)

backfire

In etwa so klassisch wie der grobnarbige Kunstlederbezug ist die Füllung des beinahe kubischen Bassreflex-Gehäuses, der Zwölfzöller besitzt ein Pressblech-Chassis und einen gewichtigen Keramikmagnet. Zur Unterstützung in den obersten Frequenzen steht ihm ein Piezo-Horn zur Seite – einfach und effektiv. Leichtes 15- mm-Sperrholz hält das Gesamtgewicht in freundlichem Maß, zwei große Bassreflex-Rohre münden auf der Rückseite; den tiefsten Frequenzen ist es gleichgültig, sie erreichen auch so das Ohr.

Nur die Aufstellung ganz nah an der Wand könnte dadurch nachteilhaft sein. Für die zwölfeinhalb Kilo ist der oben aufgeschraubte Koffergriff komfortabel, Metallecken schützen rundum die potentiell beim Transport gefährdeten Bereiche, eine abnehmbare Nylon-Front die Lautsprecher – und dicke Gummifüße sorgen für sicheren Stand.

Die akkurat gebaute Schlichtheit gereicht dem VT-Combo zu sehr überzeugenden Ergebnissen, was ja aufgrund der Variabilität in Sachen Anzerre und Charakter keine leichte Aufgabe darstellt. Doch tatsächlich gelingen dem Lautsprecherteil praktisch alle Varianten zwischen cleanem Funk, gepflegten und raueren Charakteren bis zu aggressiven Distortions ausgesprochen stimmig, wofür am Ende auch der zu- und abschaltbare Hochtöner eine Rolle spielt.

Tech 21 VT Bass 200
Der Abschalter für das Hochtonhorn ist für runde Zerr-Sounds nützlich. (Bild: Dieter Stork)

Bei den großen Stärken des Combos, der selbst ohne zweite Box bis in verblüffende Band-Lautstärken hineinreicht, weil er bis in die Verzerrung hinein harmonisch klingt, ist nur schade, dass man nicht per Fußschalter zwischen einer heißen Zerreinstellung und einem Cleansound umschalten kann. Natürlich würde das nicht ohne zusätzliche Regler gehen, wenn nicht gar ein Zweikanal-Design erfordern.

So wie der VT-Amp jetzt aufgebaut ist, müssen jedenfalls etwaige Veränderungen am Drive im Pegel am Level-Regler ausgeglichen werden, was einen schnellen Sound-Wechsel zumindest erschwert. Zumal hier beim Live-Einsatz auch noch andere aufpassen müssen, da der symmetrische DI-Ausgang hinter dem Level-Master liegt, sein Ausgangspegel also unweigerlich jede Level-Veränderung mitmacht.

resümee

Der VT Bass 200 ist ein Charakterkoffer mit besonderer Variabilität, bei bequemem Transport ausreichend stark für den Band-Einsatz und ausgesprochen überzeugend in seiner großen Sound-Palette. Wobei die Wandelbarkeit des Charakters freilich auch vom Geschick in den Fingern abhängt, alle Klangbilder wollen manuell aufgefunden werden. Was der kompakte Tech 21 alles kann, ist beeindruckend, man muss ihn nur im Griff haben.

Tech 21 VT Bass 200

Tech 21 VT Bass 200

[5766]

(erschienen in Gitarre & Bass 08/2018)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: