Modern Miller

Test: Sire Marcus Miller M7 4ST

Marcus Miller bringt man normalerweise mit Jazz-Bass-Designs in Verbindung, natürlich auch mit aufgepeppter Elektronik. Nun hat Sire mit ihm zusammen einen durchweg modernen Bass entwickelt, der Nobel-Features und stimmige Qualität zu einem verblüffenden Preis bietet.

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Die Edelbass-Anmutung ist vor allem kein leeres Versprechen und endet bei der Riegelahorndecke. Denn in entscheidenden Punkten setzt der gut durchdachte Bass auf erstklassige Teile, so machen beispielsweise die fetten Alnico-Humbucker einen sehr potenten Eindruck, die üppige Elektronik sowieso. Auch den massigen Steg darf man ruhig genauer anschauen, die gesamte Verarbeitung des Instruments ebenso.

Das Modell M7 wird mit vier und mit fünf Saiten gebaut, wobei der Viersaiter ein Standard-Longscale ist, während der Fivestring für drahtige Tiefen eine extralange Mensur besitzt. Neben verschiedenen Transparentfarben, welche die Riegelahorndecke ansprechend präsentieren, gibt es zudem noch die Wahl zwischen Erle und Sumpfesche bei der Korpusbasis. Wir haben die Erle-Version im Test.

durchdacht

Eher schlicht und zweckmäßig fängt es bei der Holzkonstruktion an: Mit vier Schrauben ist der Hals in der Korpustasche fixiert und einstreifig aus hartem, sichtbar hochwertigem Ahorn gebaut.
Um bei der Herstellung unnötigen Verschnitt zu vermeiden, ist die nach hinten abgewinkelte Kopfplatte an das gerade Halsstück angeschäftet. Im 6 mm dicken Palisandergriffbrett sitzen 24 schlanke Medium-Bünde, was in der Spielpraxis Bundgeräusche reduziert. Außerdem wirken die Bundstäbchen ungewöhnlich hoch, was leichtgängigeres Gleiten durch die Lagen befördert und natürlich der Lebensdauer zugutekommen wird. Feine Details leistet sich der M7 noch in Form eines Knochensattels und des mit Riegelahorn-Auflage verzierten Headstocks.

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Zwei Batteriefächer sind vorhanden, denn die pegelfeste Aktivschaltung wird mit 18 Volt gespeist. (Bild: Dieter Stork)

Wo die sauber in Seidenmatt lackierte Holzkonstruktion schon einen sehr ordentlichen Eindruck hinterlässt, punktet der M7 vor allem durch hochwertige Ausstattung. Beim massig ausgeführten Steg fällt die sorgfältige Führung der Saitenreiter auf, außerdem liegen die Saiten auf runden Stahlzylindern auf, die nach Lösen einer Klemmschraube das Justieren der Saitenabstände erlauben. Wer möchte, kann die Saiten sogar von hinten durch den Korpus einfädeln, um den Andruck auf die Saitenreiter zu erhöhen; ebenfalls möglich ist aber auch, sie konventionell von oben durch den Saitenhalter zu führen. Gekapselte Tuner erlauben präzises Stimmen.

Klangvariabilität wird schon durch die beiden Alnico-Humbucker gewährleistet, die an dreistufigen Kippschaltern separat in diversen Schaltungsarten betrieben werden können: Spulen parallel, Spulen seriell, eine Spule abgeschaltet. Im umfänglichen Bedienfeld ist der Pickup-Mix stufenlos an einem Überblender möglich, ein doppelstöckiges Poti vereint Volume und passive Tonblende. Schaltet man am dritten Kippschalter auf Aktivbetrieb, ist auch ein dreibandiger EQ involviert, dessen Mittenfrequenz stufenlos durchgestimmt werden kann, um die genau passende Charakternote zu treffen. Alles zusammen ergibt weit überdurchschnittliche Variabilität der Klangergebnisse, wobei die Aktivschaltung zudem besonders pegelfest ausgelegt ist und mit
18 Volt betrieben wird. Zwei Klappfächer auf der Korpusrückseite ermöglichen einfachen Zugriff auf die beiden 9-Volt-Batterien, die für etwa 220 Betriebsstunden reichen.

variabel

Am Gurt hängt der 3,7-Kilo-Viersaiter angenehm ausgewogen in günstiger Spielhaltung, man erreicht ungehindert die 22. Lage. Der schmale Hals besitzt ein rundliches C-Profil, womit sich der M7 als entspannter Player präsentiert, selbst wenn man kürzere Finger hat. Andererseits lassen sich am Steg auch breitere Saitenabstände justieren, um mit vollem Einsatz in die Saiten zu gehen; ab Werk sind 19,5 mm eingestellt.

Durch die Umschaltbarkeit der Spulen ist man nicht allein auf den pfundigen, dichten Humbucker-Sound festgelegt; schon die Parallel-Einstellung klart den Ton wirkungsvoll auf, und wer noch mehr Obertöne erfassen möchte, wird durch das schmalere Magnetfenster im Singlecoil-Modus bedient. Beim Steg-Pickup tastet dann nur die stegnähere Spule die Saiten ab, beim Halstonabnehmer die halsnähere, was schön unterschiedliche Ergebnisse erzeugt.

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Der Massesteg bietet gute Reiterführung, einstellbare Abstände, und die Saiten können auch durch den Korpus eingefädelt werden. (Bild: Dieter Stork)

Eine Stärke der MMPH-Tonabnehmer (Marcus Miller Pure Humbucker) ist die charakterstarke Reproduktion der Mittennuancen, was durchsetzungsstarke Nasalmitten in der Stegposition und fundiertes Knödeln vom Hals-PU ergibt. Der stabil gebaute Massesteg fördert dabei langes Sustain und drahtige Tonansprache. Mithilfe der aktiven Klangregler lässt sich die ohnehin schon vorhandene Klangvielfalt noch wirkungsvoll nach eigenen Vorstellungen formen, wobei der Bassregler nicht nur die allertiefsten, sondern auch druckstarke Punch-Bässe erfasst. Diese relative Breitbandigkeit führt allerdings bei extremeren Dämpfungen dazu, dass praktisch nichts mehr von den Bässen übrigbleibt.

Den Höhenregler darf man sorgloser von einem Anschlag zum anderen drehen, er ist so praxisgerecht abgestimmt, dass bei voller Brillanz-Zugabe keine unnatürliche Schärfe auftritt und auch bei ganz zugedrehtem Poti der Ton zwar rund und mild, aber nicht dumpf rüberkommt. Ein weites Spektrum von Charakternuancen erfasst der semiparametrische Mittenregler, dessen Centerfrequenz sich von bassigen Tiefstmitten bis in Edge-Präsenzen durchstimmen lässt, sodass sich sowohl bei Anhebungen wie auch bei Dämpfungen präzise die gewünschte Färbung findet.

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Die üppig ausgestattete Elektronik bietet weit überdurchschnittliche Klangvariabilität. (Bild: Dieter Stork)

Für die Qualität der elektronischen Ausstattung spricht, dass selbst bei voll aufgedrehten Klangreglern kein störendes Rauschen vernehmbar ist! Gewöhnungsbedürftig ist lediglich die besonders feinfühlige Arbeitsweise der passiven Tonblende. Da ihre Wirkung abhängig von der Ausgangsimpedanz der Tonabnehmer ist, scheint man im Singlecoil-Modus oder bei parallel geschalteten Spulen fast keine Wirkung zu bemerken, am ehesten noch beim fetten, seriellen Humbucker-Sound. Allerdings sollte man den M7 dann einmal in Bandgerechter Live-Lautstärke antesten, wo die feine Brillanz-Abrundung durch die Höhenblende erst wahrnehmbar wird.

resümee

Marcus Millers moderner M7 bietet tatsächlich eine enorme Klangvariabilität, was aufgrund der üppigen Elektro-Ausstattung kein Wunder ist. Aber man darf sich in Anbetracht des geerdeten Preises über das hohe Qualitätsniveau wundern, welches der Sire-Viersaiter in absolut überzeugender Weise rüberbringt. Wer also einen echten Allround-Könner sucht, sich aber keinen Edelbass-Preis leisten mag, ist beim Sire M7 mit Sicherheit an der richtigen Adresse. [3036]

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