Produkt: Gitarre & Bass 5/2019 Digital
Gitarre & Bass 5/2019 Digital
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Neoklassik

Test: t.man guitars T.C.Buzz III

t.man guitars T.C.Buzz(Bild: Dieter Stork)

Andreas Thiemanns Buzz III ist ein opulenter Bass, selbst wenn seine Mensur nur mittellang ist. Die wilde Decke aus Spalted Maple ist der Hingucker, und auch sonst gibt es hier eine Menge interessanter Details zu entdecken.

Korpusumriss und Bedienfeld sind unverkennbare Zitate, irgendwie auch (jedoch von anderswo) die Dreier-Pickup-Kombination. Bildschön ist bei diesem Nobel-Mediumscale nicht nur das spektakuläre Deckenholz, sondern außerdem die Thinline-Bauweise des Bodys mit Resonanzkammer. Man freut sich schon beim Anblick, den t.man-Bass endlich einzustöpseln – und wird sich wundern …

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EINTEILIG

Beim Blick auf den Preis ist natürlich klar, dass hier Außergewöhnliches geboten werden muss. Was auch geschieht: Die tolle Deckenzeichnung sieht aus wie einteilig, weil sie so perfekt aus zwei gespiegelten Hälften zusammengesetzt ist, und wirklich einteilig ist die Korpusbasis aus Erlenholz.

Einteiligkeit ist auch beim fünffach in der passgenauen Korpustasche fixierten Padouk-Hals gegeben – sieht man davon ab, dass zum Einbringen des Spannstabs das Griffbrett vom Halsstück abgesägt und dann wieder exakt aufgeleimt wurde. Vor der sanft abgewinkelten 2+2-Kopfplatte führt der ins Griffbrett eingesetzte Knochensattel die Nulllage an, dann besetzen 20 Jumbobünde die 815-mm-Mensur.

Stabile, schlanke Monorail-Einzelstege von ABM sorgen dafür, dass neben der Sustain-Förderung auch ein gehöriger Anteil der Holzschwingung auf die Saiten rückwirken kann, was ja gerade wegen der Halbresonanz-Bauweise (obere Kammer mit F-Loch, die untere Hälfte ist bis auf das schmale Elektrofach massiv) interessante Nuancen ergeben kann. Holzmäßig ist der pfiffige T.C.Buzz III ein Leckerbissen.

Was sich bei der Strat-ähnlichen Pickup-Bestückung fortsetzt, denn bei den drei Häussel-Singlecoils zitieren die Deckkappen die Bubinga-Optik des Halses. Außen sind die Einspuler um 5-mm-Alnico-Stabmagnetpaare gewickelt, der mittlere Tonabnehmer besitzt 10-mm-Single-Poles.

Am dreistufigen Wahlschalter sind die einzelnen Positionen abrufbar; drückt man den Knopf der Tonblende, bietet der Wahlschalter in den Außenpositionen einmal die Kombination von Steg- und Mittel-Tonabnehmer seriell, zum anderen Steg- und Hals-PU parallel! Auch in der t-man-Trickschaltung steckt ordentlich Hirnschmalz.

t.man guitars T.C.Buzz
Die obere Korpushälfte beherbergt eine Resonanzkammer (Bild: Dieter Stork)

MULTICHARAKTER

Mit nur 3,5 kg hängt der kompakte Mediumscale angenehm am Gurt, wenn auch der für Bass ungünstig kurze Tele-Body den Hals naturgemäß zur Waagerechten streben lässt. Besonders problematisch ist das nicht, willig lässt sich das Instrument in eine günstige Spielposition führen. Das breite Griffbrett bietet angesichts der kürzeren Mensur viel Platz für den sauberen Fingersatz, der Padouk-Hals fühlt sich außerdem erwachsen an, sodass man engagiert in die Saiten greifen kann.

Eindeutige Stärke des T.C.Buzz III ist seine Vielfalt an charakterstarken Sounds, zumeist mit kernig-holziger Note. Der Steg-Pickup sitzt relativ weit vom Steg entfernt, entsprechend dick und tief kommen seine knödelnden Durchsetzungsmitten rüber. In der Mittelposition helfen die stärkeren 10-mm-Magnete, da noch eins draufzusetzen, mit fülligem Bass unterfüttert – laut t.man ist der Mittel-PU als Haupttonabnehmer gedacht.

In Vergleich etwas zurückhaltender, dafür aber als luftig bassmächtiger Kissenbass präsentiert die Halsposition den elastischen Mediumscale-Ton. Wuchtiger Schub bis in die Mitten kommt hinzu, wenn der Push/ Push-Schalter der Höhenblende gedrückt wird, wo in der Stegposition des PU-Sliders dann die Serienschaltung des Steg-Singlecoils mit dem Mitteltonabnehmer den dichtesten, stärksten Sound des t.man-Viersaiters herausgibt.

Beim Umschalten in die Mitte macht sich der erhöhte Output durch die 10-mm-Magnete bezahlt und liefert als Einzel-Pickup ohne bemerkenswerten Pegelsprung die offenere Alternative zum vorhergehenden Powersound. Schließlich folgt darauf im klanglichen Sinne die dritte Einstellung des Sliders, wo die äußeren Tonabnehmer in Parallelschaltung einen trockenen, transparenten Klang abliefern.

Um die holzigen Charaktermitten noch konkreter hervortreten zu lassen, mag der Mediumscale übrigens etwas abgespielte Roundwounds oder Nickel-Typen besonders, während die Singlecoils nagelneue Stahlsaiten mit bissiger Alnico-Präsenz übertragen – was sich natürlich an der perfekt und gleichmäßig arbeitenden Höhenblende abmildern lässt.

t.man guitars T.C.Buzz(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Es ist wirklich der Hammer, was die t.man-Trickschaltung an Charakterklängen aus der Dreier-Bestückung mit Alnico-Pickups herausdestilliert, jede Einstellung ist ein Treffer und doch markant verschieden zu den anderen. Woran natürlich auch die highendige Holzkonstruktion mit einteiligem Body, spektakulärer Wilddecke und griffigem Padouk-Hals ihren heraushörbaren Anteil hat. Der T.C.Buzz III ist ein Charakterdarsteller erster Güte.

PLUS

  • Charakterklang, Sound-Variabilität
  • leichte Spielbarkeit
  • Hölzer, Konstruktion
  • Verarbeitung

MINUS

  • Kopflastigkeit

t.man guitars T.C.Buzz

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2020)

Produkt: Gitarre & Bass 2/2019 Digital
Gitarre & Bass 2/2019 Digital
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