Produkt: Metallica Special
Metallica Special
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Handgepäck!

Test: Starmanbass The Travelist & The Guitar Classic

(Bild: Dieter Stork)

Reisen ist schön, zu zweit noch schöner. Zum Beispiel, wenn man seinen Bass oder seine Gitarre mitnehmen kann. Damit das sperrige Instrument dabei bequem als Handgepäck mitreisen kann, hat sich Stefan Tschanz in seiner Berner Werkstatt eine hochwertige Lösung ausgedacht.

625 × 310 × 110 mm klein ist die Starmanbass-Reisetasche mit dem kompletten Instrument, und damit das möglich ist, müssen Hals und Korpus voneinander getrennt werden. Hier liegt natürlich der besondere Knackpunkt der Konstruktion, schließlich soll das Zerlegen und der Zusammenbau flott und einfach durch den Musiker erfolgen, ohne dass der dafür einen Gitarrenbau-Kurs absolvieren muss. Stefan Tschanz hat uns einen bundierten E-Bass mit zusätzlichem Fretless-Hals und eine ebenso wertig gebaute Gitarre geschickt, übrigens komplett aus einheimischen Hölzern gefertigt.

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(Bild: Dieter Stork)

THE TRAVELIST BASS

Fangen wir mit dem Bass an, der keine Kompromiss-Konstruktion mit extrakurzer Mensur ist, sondern nach dem Zusammenbau einen ausgewachsenen Headless-Longscale ergibt, bei dem laut Hersteller alle relevanten Maße wie Korpuslänge, Aufhängungspunkte und Halsbreite vom beliebten Jazz Bass abgeschaut sind.

In der Tasche findet man den Korpus sanft in eine gepolsterte Passmulde gebettet, dazu den Hals in einer weichen Vlieshülle, damit er den Korpuslack nicht verkratzen kann. Was zum fertigen Instrument noch fehlt, sind die Saiten, die bereits für die Schnellmontage einseitig in ein spezielles Endstück montiert sind und sich in der kleinen Fronttasche befinden. Vom Öffnen der Tasche bis zum spielbereit gestimmten Instrument habe ich gerade einmal drei Minuten gebraucht – das ist überzeugend!

Der Zusammenbau erklärt sich von selbst, dabei wird auch gleich deutlich, welche Tricks das Transportwunder möglich machen. Hals und Korpus werden nämlich einfach zusammengesteckt, ohne dass dafür eine einzige Schraube notwendig wäre, denn die Verbindung besteht aus einer Hartaluminium-Passung, die allein durch den Saitenzug präzise in der korrekten Position gehalten wird.

Als zweite Zutat findet sich am Halsende eine Headless-Saitenhalterung, die mit einer Passmulde für den zylinderförmigen Saitenhalter versehen ist. Die offenen Saitenenden werden einmalig im hölzernen Zylinder mit Inbuschrauben festgesetzt und können dann später als kompletter Satz einfach in die Headless-Halterung des Halses eingehängt werden – Ballends in den Tunerblock legen – stimmen – fertig!

Alle Saiten werden gemeinsam mit einem Handgriff eingehängt (Bild: Dieter Stork)

Man hätte zwar auch mit Double-Ballend-Saiten arbeiten können, aber das Starmanbass-Prinzip ist für normale Basssaiten ausgelegt, wo die Auswahl wesentlich größer ist. Stimmmechanik und 3D-Steg stammen von ABM. Der schlank reduzierte Travelist-Body besteht aus Elsbeer-Holz; der relativ seltene Baum stammt aus der Familie der Mehlbaumgewächse, sein Holz ist sehr hart und mit Birnbaum zu verwechseln, zumal es auch als „Schweizer Birnbaum“ gehandelt wird.

Beim einstreifigen Hals wird harter heimischer Ahorn verwendet, das Griffbrett mit der palisanderartigen Erscheinung ist aus Robinie und mit 20 Medium-Bünden sowie einem Knochensattel bestückt. Elektrisch ist der Testbass passiv ausgelegt und arbeitet mit zwei Quarterpound-Singlecoils von Seymour Duncan.

Fretless-Hals und Flatwound-Basssaiten gehören nicht serienmäßig dazu. (Bild: Dieter Stork)

THE GUITAR CLASSIC

Analog zum Travelist Bass ist The Guitar gebaut, wobei sich der Zusatz Classic auf die variierte Korpusform mit dem runderen Hintern bezieht. Die E-Gitarre besitzt eine 624-mm-Mensur und ist dementsprechend auch Gibson-mäßig mit zwei Humbuckern ausgestattet. Es handelt sich um handgefertigte Good Tone Vintage 59 PAFs aus der Schweiz, die Pickup-Anwahl geschieht per Toggle, dann folgen Volume-Regler und Höhenblende.

Das Gitarrenmodell ist aus den gleichen Hölzern wie der Bass gebaut, also Elsbeere für den Korpus, Ahorn mit Robinie-Griffbrett für den aufsteckbaren Hals. Die sechs Monorail-Stege mit integriertem Tuner stammen von ABM, für guten Zugriff auf die Stimmschrauben ist der Korpusbereich dahinter tief ausgefräst.

Auch bei der Gitarre ist der Zusammenbau in drei Minuten abgeschlossen, es wird ja das gleiche Prinzip für Halspassung und Headless-Saitenhalterung angewendet. Sowohl beim Bass wie auch bei der Gitarre liegt ein Ledergurt mit in der Reisetasche, fertig bestückt mit den Gegenstücken für die Schaller Security Locks an den Instrumenten.

VERBLÜFFEND STARK

Am Gurt hängen Bass und Gitarre nicht nur wie altgewohnt, sondern sogar willig austariert in jeder gewünschten Haltung, was natürlich auch mit dem fehlenden Headstock zu tun hat. Beim Hals ist der Viersaiter mit 38 mm Sattelmaß zwar so schlank wie ein Jazz Bass, besitzt aber ein fetteres Profil in Richtung D.

Bei der Gitarre ist die füllige D-Form noch ausgeprägter und fördert genaues Greifen, vielleicht darf man das „Classic“ im Namen ja auch ein wenig aufs Halsprofil beziehen ;o) Man kann übrigens an den aufgesteckten Headless-Hälsen kräftigst rütteln und biegen – da bewegt sich aufgrund der selbstzentrierenden Passung gar nichts und beide Instrumente sind vollkommen stimmstabil, sogar deutlich stabiler als manche Schraubhals-Konstruktion!

Mit Zweiwege-Spannstäben ausgerüstet, geschieht die Justierung der Halskrümmung von der Korpusseite aus. Bei der Gitarre ist der Hals-Humbucker im Weg, beim Bass fehlt eine Korpusausfräsung für den ungehinderten Zugang; wegen der leicht demontierbaren Hälse gibt es bei der Einstellung aber kein echtes Problem.

Klanglich scheint die Hartaluminium-Verbindung zwischen Hals und Korpus keineswegs zu schaden, vielmehr fällt bei der Gitarre der präsente Twang und die üppige Sustain-Entwicklung bis in strahlende Obertöne auf. Was der Korpus nicht an Volumen hat, macht er offenbar durch die harte Holzwahl wieder wett, auch die Robinie als Palisander-Ersatz beim Griffbrett kommt ausgesprochen überzeugend rüber.

Die Passung aus Hartaluminium sitzt stabiler als mancher Schaubhals. (Bild: Dieter Stork)

Filigrane Detaildarstellung ist dieser Gitarre schon akustisch anzuhören, elektrisch übertragen die Schweizer Nobel-Humbucker mit gediegener Eleganz, wo das satt-cremige Fundament exakt zur seidenklaren Direktheit passt. Überhaupt muss man sich hier von der Vorstellung lösen, dass eine zerlegbare Reisegitarre irgend ein billiger Kompromiss sein muss – Starmanbass macht vor, dass es auch betont anspruchsvoll geht!

Beim Bass sind die Klangergebnisse ähnlich verblüffend, sein lebendiger Ton wird durch die dickeren Quarterpound-Magnete der Duncan-Singlecoils so angefeuert, dass schon der Growl-starke Grundklang so saftig wie mit einem fett eingestellten Amp klingt. Auch der zusätzlich mitgelieferte Fretless-Hals profitiert von dieser Charakteristik. Wieder ist, verglichen mit einem Schraubhals, die mehr als gesunde Sustain-Entwicklung zu bemerken, woran die kraftschlüssige Alu-Verbindung sicherlich einen Anteil hat.

So stark und vielversprechend der Travelist-Viersaiter auch rüberkommt – hier gibt es noch etwas nachzubessern, denn bei mittelhoher Saitenlage ist am Steg kein Einstellspielraum für niedrigere Saitenlagen vorhanden. Da dies für den bundierten und den bundlosen Hals gleichermaßen gilt, ist entweder der verwendete Steg zu hoch oder der Halsanstellwinkel zu flach. Das sollte der Hersteller einfach beheben können.

RESÜMEE

Starmanbass fertigt nicht nur durchdacht zerlegbare Bässe und Gitarren fürs komfortable Reisen als Handgepäck, es sind auch erstaunlich ernstzunehmende Instrumente auf hohem Niveau!

Die selbstzentrierende Aluminium-Passung zwischen Hals und Korpus funktioniert perfekt und übertrifft in der Stabilität bewährte Schraubhals-Konstruktionen; klanglich spielen The Travelist und The Guitar in einer Liga, die locker auch professionellen Ansprüchen genügt. Stark, dass sich solche Klangergebnisse mit ausgesuchten heimischen Hölzern realisieren lassen, wobei natürlich jeweils auch hochwertige Tonabnehmer ihren Anteil am eindrucksvollen E-Sound haben.

PLUS

● Klangverhalten
● stabile Halsbefestigung
● Headless-Saitenhalterung
● einheimische Hölzer
● Verarbeitung

MINUS

● Steg-Einstellspielraum beim Bass

(erschienen in Gitarre & Bass 03/2020)

Produkt: Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
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