Lichtspiele

Test: Spector Euro4 LX RS E-Bass

E-Bass von Spector

Dass Rudy Sarzos Signature-Modell ein solider Spector vom besten alten Schlag ist, muss nicht erstaunen. Die Masse bringt Sustain, die perfekte Ergonomie Beschleunigung für sein ausschweifendes Spiel. Es ist ein toller Player, der die Kräfte schont und Extra-Reserven mobilisiert.

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In der europäischen Version sitzen allerdings statt der gewohnten EMGs auffällig fette Pickups mit Leuchtdioden, die entweder rot, grün oder blau leuchten. Die SimS Super Quad Pickups können sich keine bessere Basis für den ersten prominenten Auftritt wünschen! Wo dieser Euro-Viersaiter zunächst wie ein US-Original aussieht und sich auch weitgehend so anfühlt, beinhaltet er nach Sarzos Wünschen doch spürbare Änderungen.

spezialvarianten

Auf den ersten Blick ist der Sarzo-Bass ein typischer Spector, mit durchgehendem Dreistreifenhals aus Ahorn, den auffälligen Crown-Inlays im Palisandergriffbrett und einem gewölbten Sandwich-Korpus aus schönem Riegelahorn auf europäischer Erle, der sich angenehm an den Bauch anschmiegt. Doch irgendetwas stimmt hier nicht ganz, wenn man die Platzierung des Stegs und die höchsten Bundstäbchen betrachtet.

Normalerweise ragt der Hals nämlich um zwei Lagen tiefer in den Korpus hinein, hier steht jedoch auch der 24. Bund noch frei und ist somit vollkommen ungehindert erreichbar. Um das zu erreichen, wurde nicht etwa der harmonische Korpus verändert und mit tieferen Cutaways ausgestattet, sondern die komplette Schwingungseinheit von den Tunern bis zum Steg weiter hinaus versetzt. Bei unveränderter Longscale-Mensur steht der Hals nun also etwas weiter heraus und der Steg wanderte im gleichen Maße weg vom Korpusrand. Stabilitätsprobleme sind freilich nicht zu befürchten, da die ohnehin steife Halskonstruktion intern durch Graphitstäbe zusätzlich verstärkt wird. Aber am Gurt wird sich der RS-Viersaiter etwas anders anfühlen.

Der nun völlig freie Zugang bis zur höchsten Lage ist die eine, die LED-bestückten Sims-Tonabnehmer die andere Eigenheit des Sarzo-Modells. Die beiden Super Quads sind jeweils mit vier Tonabnehmerspulen ausgestattet, was erweiterte Klangvariabilität verspricht. Zwölf Drähte sind in die vergossenen Pickups eingesteckt und leiten die Einzelspul-Signale zu den Tri-Logic-Umschaltern. Dort hat man die Wahl zwischen drei verschiedenen Sounds, was einem insofern vertraut vorkommt, als dass mitunter ja auch anderweitig Umschaltmöglichkeiten zwischen „seriell“, „parallel“ oder „Singlecoil“ geboten werden, was hier freilich noch durch verschiedene LED-Farben signalisiert wird: Blau, Grün, Rot. Dass hier manche Begriffe in Anführungszeichen stehen und dabei andere Sounds als bei entsprechender Schaltung normaler Humbucker erzeugt werden, liegt am Quad-Coil-Design – doch dazu später mehr.

Hardware-mäßig ist der Spector kerngesund ausgestattet, mit gekapselten Präzisionstunern von Gotoh auf der abgewinkelten Kopfplatte und einem fetten Steg aus einer speziellen Zink/Messing-Legierung, bei dem die klotzigen Saitenreiter durch eine seitliche Klemmschraube nach dem Justieren festgesetzt werden. Sicherheits-Gurthalter von Schaller sind für einen Profibass natürlich selbstverständlich, ebenso die ab Werk aufgezogenen Qualitäts-Roundwounds von D´Addario.

offensiv-potential

Für den ungedämpften Sustain-Ton und direktes Ansprechen setzt Spector auf Masse, und die bringt der Viersaiter in Form von 4,3 kg Gesamtgewicht auf die Waage. Weil der Hals hier weiter aus dem Korpus herausragt, muss man freilich den rechten Arm zum Spiel der tiefsten Lagen weiter austrecken – mit dem Vorteil, dass die Exkursionen bis zu höchsten Tönen noch müheloser als sonst gelingen. Ein wenig leidet darunter freilich die sonst so perfekte Balance des NS-Designs, wo jetzt ein breiterer Ledergurt notwendig wird, um Kopflastigkeit zu vermeiden. Wer also üblicherweise nur in den tiefen Lagen unterwegs ist, für den fühlt sich der ansonsten leichtgängige Sarzo-Player also etwas ungemütlicher an; nur wen es zur vollen Ausnutzung aller Bundstäbchen treibt, der hat etwas von der Detailveränderung.

Spector Euro4 LX RS
Durch das Klappfach geht der Batteriewechsel flink vonstatten. (Bild: Dieter Stork)

Die Idee, an den Pickups selbst den gewählten Grundklang per LED anzuzeigen, ist originell und praktisch – zumal die Super Quads in ihren drei Einstellungen erfrischend verschiedene Sounds produzieren, was sie deutlich von normalen Tonabnehmern mit solchen Umschalt-Optionen unterscheidet! Das liegt an der jeweiligen Verwendung der vier Einzelspulen, wo im Blau angezeigten seriellen Modus alle vier Spulen eines Pickups in Betrieb sind und im grünen „Parallel“-Modus nur das stegnähere Spulenpaar benutzt wird. In der rot signalisierten „Singlecoil“-Einstellung sind tatsächlich wieder zwei Spulen am Werk, allerdings in typischer P-Anordnung mit stegnäherer Spule für die beiden hohen Saiten und halsnäherer Abtastung für die beiden tiefen.

Die unterschiedlichen Voicings überzeugen, wobei vor allem positiv auffällt, dass die verschieden satten Sounds allesamt mit praktisch gleichem Pegel erzeugt werden. Blau ist hier der sattmassive Basiston mit zurückgenommenen Mitten, Grün schon deutlich offensiver in Mitten und Obertönen, Rot betont dabei noch die Bässe für die beiden tiefen Saiten. Während Blau und Grün brummfrei arbeiten, fällt allerdings im rot angezeigten Modus eine Singlecoil-typische Einstreuungs-Empfindlichkeit auf. Dabei müsste es eigentlich bei der Verwendung von zwei Einzelspulen gar nicht brummen, jedenfalls nicht bei entsprechender Kombination von Polung und Magnetpolariät. Trotzdem sind die kultigen Super Quad eine echte Bereicherung.

Apropos Bereicherung: Weil bei normalen Aktiv-Klangreglern kaum jemand die schwächeren Dämpfungseinstellungen benutzt, ist der Zweiband-EQ von Spector als reiner Booster ausgelegt und kann die Grund-Sounds mächtig mit satten Druckbässen und lispelnden Brillanzhöhen aufpumpen. Dazu steht jeweils eine Maximalanhebung von 18 dB bereit, was dem schwingstarken Präzisions-Sound gewaltige Offensivität sichert. Bei 4,7 mA Stromaufnahme sollte allerdings nach etwa 100 Spielstunden ein neuer Saftspender eingesetzt werden.

Spector Euro4 LX RS
Bei den Normalmodellen ragen die letzten Lagen tiefer in den Korpus hinein. (Bild: Dieter Stork)

resümee

Spritzige Drahtigkeit auf druckvollem Fundament: Der Sarzo-Spector mit den kultigen SimS-Vierspulern ist nicht nur ein quicklebendiger Player, sondern auch in seinen Klangfarben variabler als üblich. Der weiter herausstehende Hals bringt zwar nur denen etwas, die gerne bis zum höchsten Bundstäbchen unterwegs sind, doch insgesamt überzeugt das RS-Spezialmodell durch enorme Offensivität in allen Varianten – ein echter Zupacker, über den sich nicht nur flinke FunkFinger, sondern auch Rocker und HeavyBassisten freuen werden!

Spector Euro4 LX RS

Spector Euro4 LX RS

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(erschienen in Gitarre & Bass 02/2018)

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