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Schönholztöner

Test: Schönitz Ellipsis Nussbaum

Schönitz Ellipsis(Bild: Dieter Stork)

In Sachen Akustikbass zeigt Jens Schönitz alles, was geht. Auch wieder bei diesem Nussbaum-Ellipsis, der eine wahre Orgie von schönen Hölzern, intelligenter Verarbeitung und vollendetem Klang ist.

Wie der Name verrät, spielt hier das Nussbaumholz eine wichtige Rolle, ausgewählt schöne Maserung geht mit dunklem Timbre einher, sodass sich nicht nur die Augen, sondern auch die Ohren weiden können. Und natürlich gibt es eine Fülle meisterlicher Details zu entdecken.

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solide & filigran

Massivhölzer sind in dieser Güteklasse selbstverständlich, hier wird als klangbestimmendes Schwingelement eine Fichtendecke mit außergewöhnlich feiner, absolut fehlerfreier Maserung verwendet. Um sie möglichst wenig zu dämpfen, ist die notwendige Stabilisierung unter dem Steg durch eine filigrane Strahlverbalkung ausgeführt, nur dort, wo sich das Griffbrett auf der Decke abstützt, sitzt ein stärkerer Querbalken.

Zusätzlich entlastet der große Spanische Halsfuß die Decke, indem er sich auf dem Korpusboden abstützt. Dieser besteht, wie die Zargenteile, aus wunderbar wild gemasertem Nussbaum mit gespiegelten Hälften und einem spitzen Mittelkeil aus Padouk. Aufwendig auch die stabile Verbalkung des Bodens, bei der eine Mixtur aus Kreuz- und Strahlverbalkung zum Einsatz kommt.

Um das Korpusvolumen nicht durch ein Cutaway zu verringern und dennoch erleichterten Zugriff auf die höchsten Lagen zu gewährleisten, besitzt die Decke jenseits der 16. Griffbrettlage eine Ausbuchtung, die mit Padoukholz gefüllt ist. Gegenüber liegt das elliptische Schallloch, um so nah wie möglich am Ohr des Spielers zu sein. Um beim Live-Einsatz mit elektrischer Verstärkung etwaige Rückkopplungen in den Griff zu bekommen, liefert Schönitz einen passenden Verschlussdeckel aus Nussbaum mit, der sich mit seiner Schaumstoff-Unterseite passgenau im Schallloch festhält.

Nicht nur für den Resonanzkorpus, auch beim Hals wird hier der schöne, dunkle Nussbaum verwendet, zwei schnurgerade gewachsene Teile bilden die Halswangen, der schmalere Padouk-Mittelstreifen wird beidseitig durch dreilagige Trennfurniere abgesetzt. Vorder- und Rückseite der abgewinkelten Kopfplatte sind mit ausgesuchten Nussbaum-Aufleimern versehen, der Zugang zum Halsspannstab mit einem mehrlagigen, dünnen Holzdeckel verdeckt. Im dicken Padouk-Griffbrett sitzen 24 Bundstäbchen und ein Nullbund, wobei die rundum angebrachte, vierlagige Naturholz-Einfassung die Bundschlitze verdeckt. Oberhalb der höchsten Lagen schützt eine dünne Padouk-Platte das Deckenholz vor Abnutzung, wenn dort der Daumen der Anschlagshand aufgestützt wird.

Aus Padouk besteht auch der aufgeleimte Steg, der solide Metallhülsen für die Ballends der Saiten besitzt. Die zweigeteilte Knochenauflage für die Saiten ist für optimale Justierung der Oktavreinheit frei verschiebbar und wird durch den Saitendruck in Position gehalten.

Schönitz Ellipsis
Der schöne Nussbaum prägt das seidig-warme Timbre. (Bild: Dieter Stork)

seidige tiefe

24 Bünde sind für einen Akustikbass ungewöhnlich, die volle Longscale-Mensur auch. Dadurch bedingt, wird man den Greifarm etwas weiter ausstrecken müssen, sowohl beim Spiel im Sitzen, wie auch am Gurt (wofür zusätzlich zur Endpin-Buchse noch ein Ebenholz-Gurthalter am Halsfuß eingeschraubt ist). Trotzdem spielt sich der lange Hals des Ellipsis ausgesprochen angenehm und leichtgängig, was zum einen an seinen schlanken Maßen liegt: Am Nullbund misst die Breite weniger als 38 mm. Zum anderen schonen die Nylonkern-Saiten die Fingerkuppen, indem sie sich butterweich niederdrücken lassen.

Absolut verblüffend ist schließlich der wuchtige Bass, den dieser Akustikbass produziert; zwar sind die Spezialsaiten nicht so laut wie stählerne, sie nutzen aber das ganze Potential der schwingsensiblen Holzkonstruktion eindrucksvoll aus. Der Ellipsis poltert im Tiefbass-Attack wie ein Kontrabass, verbindet dies aber mit klarer Präsenz und markanter Oberton-Entwicklung, wobei die Fichtendecke hörbar offensiver agiert als die sonst gerne bei Schönitz verwendete Zeder.

Laut Erbauer ist das Deckenholz zu 80 Prozent für den Klangcharakter verantwortlich, dennoch meint man zugleich auch das seidig runde, dunkle Timbre der Nussbaum-Anteile herauszuhören, jedenfalls ist das stimmig präsente Klangbild nicht nur mit wuchtigem Tiefbass, sondern auch mit warmen unteren Mitten gesegnet – eine schöne und solide Basis für die deutlichen Mitten der Fichte.

Erstaunlich satt und mild kommt die elektrische Piezo-Abnahme rüber, sehr räumlich und vollkommen frei von jeder Schärfe. Anders als bei der Platzierung direkt unter der Saitenauflage im Steg, wird hier der Holzklang kultiviert, was im Endeffekt viel voluminöser und irgendwie nach Kontrabass klingt als bei konventionellen Akustikbässen. Die Obertonfarben der Fichtendecke werden dabei freilich etwas abgedämpft, was im Live-Einsatz aber wohl eher günstig die tragende Rolle des Basstons stärkt.

Im Aufnahmestudio könnte das gleichzeitige Abmiken der Decke entsprechende Präsenzen wieder hinzufügen, außerdem hat man ja noch den Verschlussstopfen für das Schallloch zur Hand, der nicht nur zur Bekämpfung von Feedbacks nützlich ist: Er wirkt nämlich stark auf den Gesamtklang, der durch die gebremste Bassresonanz den Ton merklich kompakter und direkter präsentiert, was auch in der elektrischen Abnahme deutlich wahrnehmbar ist.

Schönitz Ellipsis
Das Schallloch lässt sich mit einem Deckel verschließen für einen direkteren und kompakteren Ton (Bild: Dieter Stork)

resümee

Man möchte sich vor diesem gediegenen Meisterinstrument verbeugen, solch kultivierte Vollkommenheit im seidig warmen, fundamentalen Basston ist selbst in der Spitzenklasse sehr bemerkenswert. Die Verbindung einer grundsoliden Longscale-Konstruktion mit besonders sensiblen Schwingeigenschaften macht die besondere Stärke der Schönitz-Bauweise aus, selbstverständlich sind auch die ausgesuchten Hölzer und deren aufwendige Verarbeitung eine Freude an sich. Einmal mehr liefert Jens Schönitz einen Akustikbass für ultimative Ansprüche!

PLUS
• kultivierter, detailreicher Klang
• wuchtiges Bassfundament
• warme Tiefmitten
• Elektroklang ohne Schärfe
• Hölzer & Konstruktion
• Verarbeitung

Schönitz Ellipsis

(erschienen in Gitarre & Bass 10/2018)

Produkt: Jack Bruce 1943 – 2014
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Kommentar zu diesem Artikel

  1. WOW, das ist ja mal ein gelungener Akkustik Bass.
    Leider nicht meine Preisklasse aber sieht zum verlieben aus…:-)
    Danke für den ausfühlichen Test.

    Auf diesen Kommentar antworten

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