Schwer drauf

Test: Sandberg California VM2 Darkhawk 4 & 5

Sandberg California VM 2 Darkhawk
(Bild: Dieter Stork)

Bei den musikalischen Schwergewichtlern ist die finnische Marke Darkglass gerade ganz vorne, erst in unserer letzten Ausgabe hatten wir die neuen Overdrives vorgestellt. Nun trifft man auf das markante Logo an ganz unerwarteter Stelle.

Als limitierte Auflage hat Sandberg exklusiv für Musik Produktiv die Darkhawk-Bässe aufgelegt, schwarze VM2-Californias mit fetter Pickup-Bestückung und einer besonderen Aktivelektronik. Darkglass baut nämlich nicht nur gefragte Verzerrer, sondern auch komplette Bass-Amps – und jetzt auch Klangregler fürs Instrument.

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solide aufgefrischt

Die California-Basis ist vertraut und kombiniert Vintage-Grundwerte mit moderner Ausstattung. Zum Altbewährten gehört der einstreifige Ahornhals, der mit einem Korpus aus Esche verschraubt ist. Retro ist dabei auch die Anzahl der Bünde im Palisandergriffbrett, doch schon bei den Feinheiten hört alles Altbackene auf. Denn zum einen ist der Hals sechsfach in der Korpustasche fixiert, zum anderen sind die Bünde nach dem Plek-Verfahren auf ein Hundertstel Millimeter abgerichtet, was besonders günstige Saitenlage ohne Schnarren ermöglicht. Ein zusätzlicher Jumbobund definiert die Nulllage exakt, der dahinter angebrachte Sattel dient lediglich der geraden Saitenführung zu den Tunern. Damit genügend Druck auf Sattel und Nullbund lastet, ist ein metallener Niederhalter für drei Saiten (beim Fünfsaiter für vier) vorhanden, schließlich wollte man das Design der geraden, nicht abgewinkelten Kopfplatte beibehalten.

Sandberg California VM 2 Darkhawk
Der vierfache Niederhalter behindert nicht den Saitenwechsel. (Bild: Dieter Stork)

Solide Sandberg-Tuner vereinen Vintage-Look mit präzise flotter Arbeitsweise, der Sandberg-Steg kombiniert Sustain-fördernde Masse mit dreidimensionaler Justierbarkeit, durch Klemmschrauben werden die beweglichen Teile so festgesetzt, dass sich der Steg quasi wie ein einziges Stück verhält. Etwas zusätzliche Masse bringt übrigens noch das Pickguard mit ins Spiel, es ist aus schwarz eloxiertem Aluminium gefertigt. Und Sicherheitsgurthalter bewahren den Bass mit entsprechenden Gegenstücken am Gurt auch bei ausgefalleneren Turnübungen vor dem Absturz.

Für die Tonabnahme sind sowohl bei der viersaitigen wie auch bei der fünfsaitigen Darkhawk-Ausführung zwei fette Black-Label-Humbucker montiert, die Mischung geschieht stufenlos per Überblendregler. An einem Kippschalter können beide Tonabnehmer gleichzeitig vom Humbucker zum Singlecoil umgeschaltet werden, außerdem bietet der Zugschalter im Master-Volume-Poti die Wahl zwischen aktiver Klangformung durch den dreibandigen Darkglass-EQ oder passiver Betriebsart.

Sandberg California VM 2 Darkhawk
Schon die Tonabnehmer signalisieren gewichtige Sounds. (Bild: Dieter Stork)

massiv aufgetischt

Zwischen Vier- und Fünfsaiter gibt es viele Gemeinsamkeiten, aber außer der Saitenzahl auch noch einen wesentlichen Unterschied. Während der Viersaiter eine normale 862-mm-Mensur besitzt, spannt der 888 mm lange Fivestring die Saiten etwas straffer, was natürlich vor allem dem dicken H zugute kommen soll, aber auch den übrigen Saiten etwas mehr drahtige Bestimmtheit und Autorität verleiht. Am Gurt hängt die viersaitige Version mit 4,3 kg, wo der Fünfsaiter etwa 250 Gramm schwerer ausfällt. Bemerkenswert ist – vor allem beim fünfsaitigen Darkhawk mit der zusätzlichen Stimmmechanik auf der Kopfplatte – die perfekte Balance am Gurt, dank derer man selbst in tieferen Tragepositionen sorglos die Hand von Hals nehmen, kann, ohne dass er sich im Mindesten senkt. Das flache Halsprofil ermüdet auch bei emsigem Spieleinsatz nicht die Greifhand.

Sandberg California VM 2 Darkhawk
Das klassische Schraubhals-Prinzip ist solide ausgeführt. (Bild: Dieter Stork)

Dass es sich um klangliche Schwergewichte handelt, sieht man den Darkhawks schon an der Pickup-Bestückung an. Doch es sind nicht nur die großen Humbucker, sondern zugleich speziell ausgewählte Pickup-Positionen, die für besondere Ergebnisse sorgen. Denn sowohl im voluminösen Humbucker-Modus, als auch in der Singlecoil-Einstellung werden vorwitzige Mitten drastisch ausgelöscht, wenn der Überblender genau in der Mitte steht. Das ergibt besondere Wuchtigkeit, ohne zu nerven. Und sehr starke Veränderungen des Obertonspektrums, wenn man den Überblender aus der Mitte herausbewegt! Bereits ohne einen Klangregler zu berühren, spielt man allein am Überblender schon mit bulliger Zurückhaltung und aggressiver Attacke.

Das Besondere am dreibandigen Darkglass-EQ ist wiederum die Saftigkeit des Eingreifens. Röhrender Growl kann per Mittenregler hinzugedreht werden, donnerndes Bassvolumen mittels darunterliegendem Drehring, aber der letzte Regler ist nicht für die feine Brillanz zuständig, sondern für die hohen Mitten um 2,8 kHz, was spitzmetallische Präsenz mit viel Edge bedeutet. Natürlich sind auch entsprechend starke Dämpfungen einstellbar – der wesentliche Unterschied zu den diszipliniert arbeitenden Aktiv-Klangreglern anderer Marken liegt hier nicht nur in den Frequenzen, sondern generell in der gelungen austarierten Frechheit der Sounds. Wer böse klingen will, wird das zu schätzen wissen.

resümee

Ihrer dunklen Erscheinung werden die Darkhawks in jedem Fall klanglich gerecht, wobei es das Spiel zwischen bulliger Fundamentalität und offener Aggression ist, was sie besonders auszeichnet. Dazu passt die saftige Auslegung der neuen Darkglass-Klangregelung, die sich in Heavy-Manier undiszipliniert gibt, tief ansetzt und zwischen drastischen Boosts und konsequenten Cuts genau die schillernden Darkhawk-Charakterseiten unterstützt. Für gepflegtes Leisetreten sind diese Sondermodelle gewiss nicht gemacht.

Sandberg California VM 2 Darkhawk

Sandberg California VM 2 Darkhawk

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(erschienen in Gitarre & Bass 02/2018)

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