Produkt: Gitarre & Bass 7/2019 Digital
Gitarre & Bass 7/2019 Digital
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Der liefert!

Test: Sandberg California SL TT4 „superlight“

(Bild: Dieter Stork)

Was bei den leistungsfähigen Bassanlagen gelungen ist, sollte doch auch bei den Instrumenten klappen, ohne dass der Sound auf der Strecke bleibt. Im neuen Superlight-California hängt das Pfund nicht am Gurt und steckt dennoch in den Hölzern.

Nur 2,9 kg für einen ausgewachsenen Longscale, das ist bemerkenswert. Mit seinem Superlight-Vorgänger hat dieser neue Prototyp die bewährte Ausstattung gemein, Neuigkeiten gibt es aber bei den Hölzern, und die gleich zweifach.

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Nachhaltig

In der Einfahrt, direkt vor meinem Fenster, wuchs einst ein schöner Blauglockenbaum. Das Geschehen konnte ich vom kleinen Zweig mit den ersten Blättchen bis zum haushohen Großgewächs mit üppigem blauen Blütenschmuck beobachten, wofür der wuchswütige Baum der Gattung Paulowniaceae keine 10 Jahre brauchte. Wer solches Tempo vorlegt, ist prädestiniert für den nachhaltigen Anbau in Plantagen, wo man eben keinen Baum fällt, ohne einen neuen nachzupflanzen.

Und was schnell wächst, ist auch nicht so dicht und schwer wie langsamere Holzkollegen. Dass sich leichte Hölzer ausgezeichnet für einen E-Bass eignen, hat ja zuvor schon ein jahrelanger Sumpfesche-Boom bewiesen, noch leichter war dann der Superlight-Vorgänger mit Zedernholz-Body, der zudem auch mit luftig-resonanten Sounds überzeugte. Künftig wird der SL einen Korpus aus Paulownia haben, zugunsten der Nachhaltigkeit und sogar weiterer Gewichtsersparnis. Spannend wird nur sein, wie sich die Blauglocke auf den Klang auswirkt.

Der neue Paulownia-Korpus zeigt sogar ein attraktives, Esche-ähnliches Maserungsbild. (Bild: Dieter Stork)

Dafür ist beim Testbass noch etwas zu beachten, nämlich der neue „Roasted Neck“, der künftig als Option statt des normalen Ahornhalses angeboten wird. Thermisch modifizierte Hölzer haben nun schon bei einigen Tests hervorragende Ergebnisse geliefert, jetzt halten sie auch bei Sandberg Einzug. Nicht einfach so, denn vorher hat man zwei Jahre an einem Forschungsprojekt der Uni Dresden teilgenommen – und jetzt einen eigenen Laborofen angeschafft, um die Sache selbst durchzuführen und auf den Punkt zu bringen! Schön gebräunt gibt sich der einstreifige Ahornhals unter der seidenmatten Lackversiegelung, optisch ist das Rösten schon mal bestens gelungen.

Schön gebräunt, erweist sich der optionale Roasted Neck auch klanglich als Glücksgriff. (Bild: Dieter Stork)

Im Ahorn-Griffbrett sitzen 22 Jumbos, auf der Kopfplatte vier offene Vintage-Tuner aus Aluminium und der Sandberg-Niederhalter für A, D und G. Alu spart auch beim solide gebauten 3D-Steg unnötiges Gewicht, schließlich soll der Longscale am Ende ja „superlight“ sein. Das hat er zweifellos geschafft und bringt gerade einmal 2,9 kg auf die Waage! Für die Tonabnahme blieb man bei den Blacklabel-T-Pickups, keramisch geladenen Noiseless-Typen im J-Look und dem aktiv/passiven Sandberg-Preamp mit Zweiband-Klangregelung.

Aluminium macht die Hardware leicht und stärkt zugleich die flinke Tonansprache. (Bild: Dieter Stork)

Leichtfüßig

Der braungeröstete Ahornhals sieht nicht nur klasse aus, er liegt auch perfekt in der Hand, was natürlich an den bewährten J-Bass-Abmessungen liegt. Mit präzise geplecten Bundstäbchen ist zudem eine besonders flache Saitenlage ohne Nebengeräusche einstellbar. Echte Irritation entsteht beim ersten Anfassen des Leichtgewichts, denn ausgewachsene Longscale-Bässe unter 3 kg gibt es eigentlich gar nicht – bis jetzt.

Mit seinem extrem geringen Gewicht spürt man den SL-California praktisch nicht am Gurt, dennoch hängt der Viersaiter tadellos ausbalanciert. Zusammen mit der bewährten Ergonomie ergibt das einen Komfort-Player der Extraklasse!

Und dabei ist er klanglich alles andere als ein Leichtgewicht, auch wenn die leichtfüßige Art, wie er den Ton hervorbringt, sehr auffällig ist. Alles geht hier beinahe von selbst, so direkt und willig spricht der Sandberg-Prototyp in jeder beliebigen Lage an. Ungemein resonant und mit sonorer Dichte steht die Tonenergie sofort bereit, dieser ultraflinke Player ist das schiere Gegenteil von träger Masse. Natürlich ist das nicht allein Verdienst des superleichten Paulownia-Bodys, der optionale Roasted Neck spielt hier wohl mindestens eine Hauptrolle, und das mit Bravour.

Die bewährte Elektroausstattung des California TT bringt den tollen, schnellen Ton der Superlight-Konstruktion breitbandig ausgeleuchtet, dabei trotzdem charakterstark rüber. Mit kernigem Mittenspektrum und extrem präzisem Attack aus der Stegposition, saftig bellender Growl kommt vom Hals-Tonabnehmer, während in der Mittelstellung des Überblenders ein zupackender Allround- Sound mit kraftvollem Bass, tighten Mitten und klarer Höhenzeichnung bereitgestellt wird. Am aktiven Höhenregler hat man das ganze Spektrum von gehypten Drahtpräsenzen mit schmatzenden Brillanzspitzen bis zum milde abgerundeten Vintage-Klang unter Kontrolle, bei den Bässen geht es von knorrig-knochigen Holzmitten bis zum Tuba-artigen Bassvolumen. Interessant ist zudem die Wirkung des Höhenreglers in der Passiv-Einstellung, wo der Tonkondensator so sensibel auf den Punkt gebracht wurde, dass mit der Abdämpfung der Brillanzen zugleich eine markante Mittennase erzeugt wird.

Resümee

Unglaublich leichtgängig bringt der neue Superlight-California seine schnelle Tonentwicklung zuwege, woran der neue, optional erhältliche Roasted Neck sicherlich einen gehörigen Anteil hat. Dieser ultrakomfortable Viersaiter ist nicht nur superlight, sondern auch superschnell und wird ganz gewiss das neue Highlight im Sandberg-Programm!

PLUS

  • Klangverhalten, Klang- Variabilität
  • leichtgängige Spielbarkeit
  • außergewöhnlich schnelle und konkrete Tonartikulation
  • Ausstattung
  • Verarbeitung
  • Hölzer

(erschienen in Gitarre & Bass 12/2019)

 

Produkt: Gitarre & Bass 8/2019 Digital
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