Produkt: Gitarre & Bass 10/2019
Gitarre & Bass 10/2019
INTERVIEWS: Toto & ZFG – FAMILIENTREFFEN, The Allman Betts Band, In Extremo, Jared James Nichols, Nathan Navarro u.v.m. +++ TEST: Kemper Profiler Stage, Engl Savage 120 Mark II, Gretsch G5655TG Center Block Jr., Ibanez Fingerstyle-Collection, Reverend Rick Vito Soulshaker, Phil Jones Bass BP-800, Dingwall NG3 Combustion 5, Fender Vintera ’70s Telecaster Thinline & ’50s Precision Bass
Zum Projekt gemacht

Test: Rabenberger guitars & basses Hornbass

(Bild: Dieter Stork)

Hornbach ist in neun europäischen Ländern aktiv und betreibt allein in Deutschland 97 Baumärkte. Da gibt es einiges zu finden, aber dass man dort fast alles zum E-Bass-Bau bekommt, ist neu.

Natürlich ist dafür etwas Phantasie erforderlich, die Mike Bolz von Rabenberger guitars & basses mit hoher Kunstfertigkeit in die Tat umgesetzt hat, Hornbass heißt das Ergebnis. Ein Fretless ist umso sensibler für die Kombination von Zutaten, und so ist es wirklich spannend, was hier aus Baumarkt-Stoffen geschaffen wurde.

Anzeige

Elegante Klarheit

Zum futuristischen Design kann man nur sagen: Wow. Eine gewagte Schlankform, die bemerkenswert harmonisch gelungen ist und zugleich vollen Praxiswert bietet, in angenehmer Spielhaltung vom tiefsten bis zum höchsten Ton. Gebaut ist der viersaitige Longscale aus vier verschiedenen Hölzern, wie man sie beispielsweise als Terassendielen bei Hornbach bekommt. Der durchgehende Hals ist fünfstreifig aus 3x Thermoesche und 2x Thermobambus gebaut, jeweils mit Ahorn-Furnieren dazwischen.

Die angeleimten Korpusteile sind Sandwiches aus dunkelbraun gebackener Thermoesche auf der Front und heller Douglasie auf der Rückseite, alles ehrlich und gediegen in geschmeidigem Öl-Finish präsentiert. Nochmal Wow für die wirklich attraktiv dargebotenen Hölzer, die ja eigentlich zum Drauftreten gedacht waren!

Sogar das Fretless-Griffbrett, auf den ersten Blick könnte man es für Ebenholz halten, ist in Wirklichkeit harter Thermo- Bambus. Es endet nicht (wie sonst üblich) z. B. bei der 24. Lage, sondern reicht, sanft heruntergeschliffen, bis zum Korpusrand, sodass man bei Bedarf auch die allerletzten Töne vor dem Piezo-geladenen Steg noch spielen kann.

Was für ein schönes Instrument! Sogar die glänzenden Poller, die als Saitenhalter die Ballends aufnehmen, sind ursprünglich als Messingstange bei Hornbach gekauft.

An den Gewindeschrauben kann die Höhe der Saitenhalter-Poller justiert werden. (Bild: Dieter Stork)

OK, was man im Baumarkt nicht bekommt, sind Pickup und elektrische Komponenten, Wilkinson-Tuner und Security Locks.

Um das geschmeidige Design in seiner Klarheit nicht zu verhunzen, sind beim Hornbass die wichtigen Regler für Volume und Tone oben in die Zarge versenkt, der Fishman-Preamp für den Piezo- Steg in die Rückseite. Schönes Detail ist die maßgefertigte Holzblende für das Preamp-Fach, ein weiterer magnetgehaltener Holzdeckel verschließt die untere Elektrokammer mit der 9-Volt-Batterie.

Einziges Manko ist, dass man zur Bedienung der Zargenregler sehr spitze Finger braucht, um die Potiknöpfe zu packen – doch das ließe sich durch schlankere oder weiter hervor ragende Knöpfe lösen.

Aufbäumender Knurr

Das spezielle, ausgeprägt kastenförmige Halsprofil liegt verblüffend gut in der Hand und passt perfekt zum schlanken Griffbrett. Zum präzisen Spielgefühl auf diesem Fretless tragen auch die hellen Markierungen in der Griffbrettflanke bei; außerdem sorgt das lange Korpushorn dafür, dass die Gurtaufhängung in die Höhe der 10. Lage fällt und der ganze Bass nach rechts gerückt wird, sodass die tiefsten Lagen ungewöhnlich nahe sind.

Nicht zuletzt weist auch das angenehm geringe Gewicht von 3,1 kg den Hornbass als entgegenkommendes Komfortinstrument aus. Und wenn man erst seinen Schnurrton hört!

Schon auf zarte Streicheleinheiten reagiert der Longscale mit schwelgender Tonintensität und entwickelt ein schubkräftiges Sustain, das nicht einfach langsam verebbt, sondern sich im Klangverlauf aufbäumt – so, wie man es in der Spitzenklasse von einem Fretless erwartet. Nur, dass man in der Spitzenklasse normalerweise keine Klanghölzer aus dem Baumarkt verwendet.

Thermisch vorbehandelte Hölzer haben in den letzten Jahren allerdings schon mehrfach bei Instrumententests eine gute Figur abgegeben, und der Roasted Neck ist mehr als eine Modeerscheinung. Durch Erhitzen des Materials auf etwa 200 Grad soll es dauerhaft unempfindlicher gegen Witterung und Schädlinge werden; ursprünglich kommt also die Idee tatsächlich aus dem Bau- und Gartenbereich. Da das Holz bei der Hitzeprozedur unter Sauerstoffabschluss nicht einfach nur optisch angekokelt wird, sondern auf molekularer Ebene Veränderungen eintreten, ist auch ein verändertes Schwingungsverhalten erklärbar, was zumeist darauf hinausläuft, dass thermomodifizierte Hölzer härter klingen.

Rabenberger Hornbass
Jede Lage ist in der Griffbrettflanke markiert (Bild: Dieter Stork)

Und genau das tut besonders einem bundlosen Bass gut, wobei der Rabenberger mit dem aufbäumenden Sustain-Verlauf auch ein markantes Mittenknurren verbindet, was von dem Steg-Piezo authentisch ins Elektrische übertragen wird. Übrigens ist der Andruck jeder Saite durch die Höheneinstellung der Saitenhalter-Poller in feinen Grenzen justierbar, was auch die perfekte Gleichmäßigkeit der Tonabnahme erklärt.

Manche Funktion des Presys-Vorverstärkers wird entweder nicht benutzt (Mic-Blend-Regler) oder ergibt bei der Abnahme mit nur einem Tonabnehmersystem keinen Sinn (Phase-Schalter), schließlich ist der Fishman-Preamp ja auch für akustische Instrumente ausgelegt. Nichtsdestotrotz bieten seine kleinen Potiknöpfchen wirksame und praxisgerechte Möglichkeiten, den Grundklang des Hornbasses nach eigenen Präferenzen zu variieren. Die jetzige Lösung im Bass-Prototyp ist eher als Provisorium anzusehen, Pläne für eine maßgeschneiderte Elektronik hat Mike Bolz schon.

Rabenberger Hornbass
Auch das sanft abfallende Griffbrett im Korpusbereich liefert
noch spielbare Töne.
(Bild: Dieter Stork)

resümee

Zunächst könnte man es für einen Gag halten, das Material zum Instrumentenbau im Baumarkt einzukaufen. Der Hornbass von Rabenberger zeigt allerdings, dass man mit solchen Materialien sogar in die Spitzenklasse vordringt, so überzeugend knurrt und schnurrt dieser Fretless mit üppig aufbäumender Sustain-Entwicklung! Das spricht natürlich nicht nur für die guten Eigenschaften der thermisch modifizierten Hölzer, sondern auch ganz gehörig für die Kompetenz des Erbauers Mike Bolz, der ein ausgesprochen elegantes und stimmstarkes Design mit handwerklicher Akkuratesse umgesetzt hat: Glückwunsch!

PLUS
• Klangverhalten, Sustain-Entwicklung
• ausgeglichene Saitenlautstärken, Justierbarkeit der Saitenhalter
• Spielbarkeit, Balance
• Design
• Materialien, Verarbeitung
MINUS
• Bedienung der Zargenregler

Rabenberger Hornbass

Produkt: Jimi Hendrix Technik
Jimi Hendrix Technik
Das große Jimi Hendrix Technik Special auf über 30 Seiten aus Gitarre & Bass!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren