Huckepack

Test: Quilter Bass Block 800 & Bassliner 2x10W

Quilter Bass Block 800
(Bild: Dieter Stork)

Wenig Knöpfe, reichlich Power. Und dazu noch eine merkwürdig geformte Box, die den kleinen Amp huckepack nehmen kann. Der amerikanische Hersteller Quilter macht einiges anders, und das mit System.

Zum System gehören noch zwei weitere Boxenmodelle im normalen Rechteck-Format, mit denen man unser Test-Setup zusätzlich unterfüttern kann. Die Kombi von Bass Block und der gebogenen Bassliner-Topbox ist die kompakte Kernzelle, die auch alleine stark genug ist für die Band. Mit ungewöhnlichen Rezepten.

Anzeige

Quilter Bassliner
(Bild: Dieter Stork)

eingebuchtet

Gerade bei ultraleichten Class-D-Tops unserer Zeit ist es eine gute Idee, für Fixierung zu sorgen. Quilter gestaltet das recht aufwendig, indem auf der Boxenrückseite eine passende Einbuchtung mit Passlöchern für die Amp-Füße vorhanden ist. Die Montage ist einfach, nur zwei Rändelschrauben besitzt das Halteblech für den Amp. Vorteil dieser Lösung ist, dass der Verstärker im Boxengehäuse gut geschützt ist und für den Transport der Anlage nicht abgenabelt werden muss.

Die 2x10W ist die Wedge-Version der ebenfalls auch gerade erhältlichen 2×10″-Box, bestückt mit starken Neodym-Speakern von Eminence und einem Eminence-Hochtonhorn. Ob auf dem Boden oder einer anderen Box – sie strahlt auf die Ohren. Doch unüblich ist, dass die Konstruktion auf Bassreflex-Unterstützung verzichtet und die potenten Speaker im luftdichten Kabinett arbeiten lässt. Verstärkerleistung ist ja genügend da, und die 8-Ohm-Box kann 450 Watt verarbeiten. Das kurze Boxenkabel zum Amp wird mitgeliefert.

Genau zu den Boxendaten passt der Verstärker, der an 8 Ohm 450 Watt liefert (und seine volle Leistung von 800 Watt an 4 Ohm, also mit zweiter Box). Geheimnisvoll gibt sich das kompakte Power-Top dennoch beim Blick auf die wenigen Regler. Zwei davon sind mit Gain und Master beschäftigt, bleiben also für alles übrige noch zwei Knöpfe. Einer davon scheint konventionell für die Bässe zuständig, der andere erlaubt laut Piktogrammen entweder Mitten-Dellen oder Höhendämpfungen. Wer mit so wenig Mitteln auskommen will, muss sich etwas Besonderes einfallen lassen, man darf gespannt sein. Ansonsten bietet der Bass Block getrennte Eingänge für aktive und passive Instrumente, eine Miniklinkenbuchse für Kopfhörer, einen Mute-Schalter sowie die originelle Beschriftung des Master-Reglers in Wattzahlen.

Auf der Rückseite steht neben einem Speakon- und zwei Klinkenanschlüssen für die Lautsprecher das Vorstufensignal am symmetrischen XLR-Ausgang bereit, zusätzlich ist auch ein symmetrischer Line In vorhanden, über den externe Vollpegel-Signale vor dem Master-Regler eingekoppelt werden können – hier mit professionellem XLR-Anschluss fürs Reamping vom Studiomixer aus. Beim symmetrischen Line Out liegt der einzige Schwachpunkt im Amp-Konzept, denn sein Ausgangspegel ist abhängig von der Master-Einstellung. Wer also seine Bühnenlautstärke öfter nachjustiert, muss mit bösen Blicken des PA-Manns am Mixer rechnen.

Quilter Bass Block 800
Ungewöhnlich ist der symmetrische Line Input, mit dem fürs Reamping Vollpegel-Signale in den Wiedergabeweg eingespeist werden können. (Bild: Dieter Stork)

ausgepackt

Die Wedge-Box ist aus leichtem Sperrholz von 15 mm Stärke gebaut, für die 13,5 Kilo (plus 1,6 kg für das Topteil) reicht der oben angebrachte Koffergriff locker aus. Das gebogene Frontgitter aus Aluminium schützt zuverlässig die Speaker, Gummifüße geben sicheren Halt. Gänzlich ohne Eckenschoner, ist die Quilter-Optik allerdings auf schonenden Umgang angewiesen.

Günstig für die Ablesbarkeit ist beim Amp die nach hinten abgewinkelte Frontpartie, auf der die Regler sitzen. Das gilt allerdings nur für die konventionelle Aufstellung, denn wenn der Bass Block in der Box montiert ist, hat man die jetzt schräg nach hinten weisenden Regler eher schlecht im Blick. Nun gut, es sind ja nicht viele. Allerdings können sie mehr, als es aussieht. Der Gain-Knopf ist nämlich nicht allein für die Eingangs-Aussteuerung da, sondern ausdrücklich auch dafür vorgesehen, das Bass-Signal gegen die Wand zu fahren: Ein unauffälliger, aber wirksamer Limiter sorgt dann dafür, dass harsche Verzerrungen ausbleiben, aber der Ton heiß verdichtet wird.

Wer uneingeschränkte Peaks will, dreht den Gain-Regler eben nur so weit auf, dass der Begrenzer nicht zupackt; Eine einfache Lösung, die klanglich überzeugt. Ebenso der Depth-Regler für die Tiefen, der wirklich nur das unterste Fundament-Register erfasst und sauber herausgreift: Damit lässt sich der betont kernig arbeitenden, geschlossenen Box ein verblüffend fetter Tiefbass ohne Dröhnfrequenzen entlocken, was die beiden Neodym-Zehnzöller klaglos mitmachen!

Quilter Bassliner
Mit einfachen Mitteln wird aus der Bassbox ein Basscombo. (Bild: Dieter Stork)

Auch der zweite Klangregler präsentiert sich musikalisch und deckt bei einfachster Bedienung ein weites Sound-Spektrum ab. Mit eingestellter Mittendelle wird so ein cleaner, aufgeräumter HiFi-Sound mit betonten Eckfrequenzen erzeugt, von hier aus lässt sich stufenlos über den Neutralton zu einem mild abgerundeten Vintage-Klang hinüberblenden, der sich am anderen Ende des Potiweges findet.

Und da die meisten modernen Bässe ohnehin noch eigene Klangregler an Bord haben, vermisst man am geschmackvoll abgestimmten Bass Block nichts weiter, der in der Bedienung simple Zwei-Regler-EQ überzeugt in allen Einstellungen. Da kann auch die 2×10″-Box mithalten, die alle Sound-Varianten mit straffer Offensivnote und auffälliger Direktheit präzise abbildet. Den hochbelastbaren Speakern ist es zu danken, dass die Wiedergabe bis in wirklich Band-taugliche Pegel sauber und exakt bleibt.

resümee

Womöglich braucht man einen Moment, um dem ungewöhnlichen Quilter-Konzept zu vertrauen, doch ein Antesten lohnt sich. Zum einen überzeugt der starke Bass Block 800 gerade wegen seiner spartanischen Ausstattung, wo nur zwei Klangregler eine verblüffend musikalische Variabilität bescheren. Und bei der luftdicht versiegelten Box springt einen der ungemein direkte und konturenstarke Klang an, der auch ein sattes Basspfund sauber rüberbringt. Nicht zuletzt ist die praktische Huckepack-Fixierung für den leichten Amp ein Argument für diese erstaunlich klangstarke Bassanlage.

Quilter Bass Block 800

Quilter Bass Block 800

Quilter Bassliner

[5485]

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2018)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: