Produkt: Gitarre & Bass Digital 01/2018
Gitarre & Bass Digital 01/2018
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Scheinzwerg

Test: Phil Jones Bass Micro 7

(Bild: Dieter Stork)

Phil Jones ist der Spezialist für besonders kompakte Bassanlagen. Und was da aussieht wie ein kleiner Übungsverstärker, klingt deutlich erwachsener.

Der Micro 7 ist der kleinste und günstigste Basscombo der Marke, seinen Namen hat er dem verwendeten 7″-Lautsprecher zu verdanken. Der relativ kleine Speaker sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass hier ausgefeilte Technik geboten wird.

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Wertiger Auftritt

Das macht der Klein-Combo schon durch das wertige Auftreten des oben eingelassenen Verstärkerteils deutlich. Schwarz eloxiertes Aluminium mit gebürsteter Oberfläche und griffige Knöpfe strahlen Seriosität aus.

Zum Funktionalen: Die Empfindlichkeit des Klinkeneingangs kann per Schalter zwischen Low und High umgeschaltet werden, zugleich ist der dreistufige Kippschalter für die Mute-Funktion zuständig. Eine Clip-LED soll vor zu hoher Aussteuerung warnen. Zwischen dem Level-Poti für die Feinaussteuerung und dem Volume-Regler für die Wiedergabelautstärke sitzt eine aktive Dreiband-Klangregelung. Allerdings eine mit gehörigem Einstellspielraum; Bässe, Mitten und Höhen können nämlich um +/-18 dB variiert werden. Zum Einspielen von Playbacks ist eine Stereo-Miniklinke vorhanden und sogar mit eigenem Pegelsteller versehen. Für den Kopfhörer ist ebenfalls eine Stereo-Miniklinke da, als Ausspielweg für Recording und zusätzliche Verstärkung ist die unsymmetrische Line-Out-Klinke vorhanden.

Für saubere Wiedergabe ist der Winzling mit einer 50 Watt starken Endstufe ausgestattet, deren Leistung komplett den eingebauten Lautsprechern zukommt. Der 7″-Basslautsprecher ist mit seiner weichen Schaumstoffsicke auf Langhub ausgelegt, denn was nicht von der begrenzten Membranfläche geliefert werden kann, wird durch Hub ausgeglichen. Zudem hilft das Bassreflexgehäuse mit, dessen Tunnelausgang auf der Rückseite liegt. Die aluminiumfarbene Beschichtung der Membran dient der Erweiterung des Wiedergabebereichs nach oben, in den obersten Frequenzen übernimmt allerdings ein 3″-Konuslautsprecher, wie der Siebenzöller mit angemessen starkem Keramikmagnet ausgestattet.

Zum wertigen Eindruck trägt auch das präzise verarbeitete Gehäuse bei, in der Mittelzone mit einem Filzbelag versehen, beide Seitenteile hingegen mit robuster Kunststoffbeschichtung. Als Baumaterial wird 12 mm starkes MDF verwendet, unten sind weiche Gummifüße aufgeschraubt, die Speakerfront wird durch ein stählernes Gitter geschützt. Bei einem Gewicht von weniger als 7 Kilogramm reicht der komfortable Koffergriff auf der Oberseite selbstverständlich aus. Und um die vorstehenden Schalter und Potiknöpfe beim Transport zu beschützen, ragen links und rechts aus der Verstärkerfront Metallbügel hervor.

Vorstehende Griffbügel schützen die Verstärkerregler beim Transport. (Bild: Dieter Stork)

Erwachsene Performance

Natürlich sollte man vom kleinen Micro 7 nicht erwarten, einem Rock-Drummer Paroli bieten zu können – aber auch die Einschätzung, dass dieser kleine Übungsverstärker nur fürs Wohnzimmer taugt, wird dem PJB-Combo nicht gerecht.

Was nämlich aus dem kleinen Kubus ertönt, ist ziemlich frei von den üblichen Limitierungen kleiner Übungsverstärker, klingt sogar erstaunlich erwachsen. Hier werden tatsächlich tiefe Bässe produziert, die ja hauptsächlich für den Bass-Spielspaß verantwortlich sind. Mit klarer, durchsichtiger Mittenwiedergabe und präzisen Brillanzdetails liefert der M-7 ein ausgeglichenes Klangbild, sodass man seine Freude haben wird, auch einen sehr guten E-Bass einzustöpseln und sich an seinen Klangstärken zu delektieren.

Mit den enorm wirkungsstark ausgelegten Klangreglern lässt sich entsprechend drastisch ins Geschehen eingreifen. Das gilt besonders für die Bässe, die sich dem ohnehin schon verblüffend tiefen Fundament unterfüttern lassen. Beim tiefen Ausloten der Bassfestigkeit traten allerdings bei größeren Bassanhebungen flarzige Verzerrungen auf, die eindeutig vom Preamp stammten, ohne dass die Clip-LED aufleuchtete. Durch Reduktion der Eingangsempfindlichkeit auf die Low-Stufe verschwanden diese Probleme. Ähnlich beherzt geht der Mittenregler zu Werke, vom nasigen Rockboost bis zur knarztrockenen Mittenarmut. Schließlich deckt der Treble-Regler alles vom mild abgedämpften Vintagesound bis zur silbrig schmatzenden Brillanz ab.

Zum Üben im Wohnzimmer ist der Micro 7 eine hochwertige Lösung mit beeindruckender Klanggüte. Aber auch, wenn zum Jammen eine Akustik-Gitarre und andere Kumpels dazukommen, zeigt der Klein-Combo seine Qualitäten als Session-Anlage.

Ohne Umschaltung kann der Combo an Netzspannungen zwischen 100 und 240 Volt betrieben werden. (Bild: Dieter Stork)

Resümee

Ein Scheinriese hat die Eigenschaft, aus der Ferne groß auszusehen und immer kleiner zu werden, je näher man ihm kommt. Beim Micro 7 von Phil Jones verhält es sich umgekehrt, er sieht winzig aus und klingt am Ende deutlich größer.

Mit erstaunlich ausgewogenen Wiedergabeleistungen bekommt man Übespaß auf hohem Niveau geboten, wobei das noble Köfferchen auch bei gesitteten Session-Pegeln eine gute Figur abgibt.

PLUS

  • Wiedergabegüte, ausgewogenes Klangbild
  • wirkungsstarke Klangregelung
  • Verarbeitung, Ausstattung

MINUS

  • Clip-LED reagiert nicht bei hörbaren Verzerrungen

(erschienen in Gitarre & Bass 12/2019)

Produkt: Gitarre & Bass Digital 07/2018
Gitarre & Bass Digital 07/2018
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