Produkt: Gitarre & Bass 5/2019
Gitarre & Bass 5/2019
INTERVIEWS: Slash, Phil Campbell, J.J. Cale, Bill Frisell, Kreator +++ VINTAGE-SPECIAL: Fender Princeton
Kleiner Max

Test: Peavey Max 100, 150 & 208

Peavey Max 100, 150, 208(Bild: Dieter Stork)

Was nach handlichen Rollkoffern aussieht, sind die drei kleinen Modelle aus der Max-Serie. Mit klugen Details präsentieren sie sich als Bühnenprofis, die man nicht unterschätzen sollte.

Mit 60 bis 120 Watt sind diese Kompakt-Combos leistungsmäßig für kleine Bühnen ausgelegt. Auch was klare Hörbarkeit angeht, spielen die kleinen Mäxe ihre Besonderheiten im intimeren Kreis aus. Denn dadurch, dass die Schallwand schräg im Gehäuse sitzt, strahlen die Speaker etwas nach oben. Auch das um die Oberkante gebogene Frontgitter hat einen Sinn, nämlich die ungehinderte Wiedergabe in Ohrrichtung zu erlauben.

Anzeige

drum und dran

Was die kleinen Max-Modelle zudem auszeichnet, ist die relativ üppige Ausstattung der Verstärker. Zwischen Gain und Volume-Regler sitzt zwar nur ein dreibandiger Aktiv-EQ für Bässe, Mitten und Höhen, doch der wird durch eine umschaltbare Mittenfrequenz sowie zuschaltbare Filter für Contour und Bright wirkungsvoll erweitert. Und durch den eingebauten Transtube-Overdrive gelangt man per Knopfdruck in die Zerrwelt, was gegebenenfalls auch mit dem optionalen Fußschalter möglich ist.

Auch anschlussmäßig findet sich alles, was man für den Bühneneinsatz benötigt, insbesondere ein symmetrischer DI Output zum Ausspielen des Bass-Sounds in die PA. Für Effektgeräte steht ein serieller Einschleifweg mit großen Klinkenbuchsen bereit, Miniklinken für den Aux In und Kopfhörer.

Peavey Max 100, 150, 208
Max 100 und Max 150 haben ein Stimmgerät an Bord. (Bild: Dieter Stork)

Während die Endstufe des Max 100 ihre volle Leistung an den eingebauten 8-Ohm-Zehnzöller abgibt, wird der doppelt so starke Max 208 durch die beiden 8″-Speaker ausgelastet. Nur der Max 150 mit seiner 1×12″-Bestückung besitzt eine Kombibuchse für Klinke und Speakon, um noch eine externe 8-Ohm-Box anzutreiben. Wo die Modelle Max 100 und 150 mit Mute/Tuner-Taste und einem Stimmgerät ausgestattet sind, wurde dies beim schmaler gebauten 208, wohl aus Platzgründen, weggelassen.

Alle Lautsprecher-Abteile arbeiten nach dem Bassreflex-Prinzip mit Tunnelöffnungen nach vorne. Für ein transportfreundliches Gewicht sorgt das leichte, aber zähe Gehäusematerial, nämlich Sperrholz von 12 mm Stärke, verkleidet mit grobnarbigem, grauen Kunstleder. Rundum werden die Ecken durch Kunststoffkappen geschützt, und bei Gewichten von rund 12 bis 15 kg reicht der oben aufgeschraubte Tragegriff vollkommen aus.

Peavey Max 100, 150, 208
Der 12″-bestückte Max 150 besitzt eine Speakon/Klinkenbuchse für externe Lautsprecher. (Bild: Dieter Stork)

wirksame mittel

Alle drei Kleinmäxe kommen ohne Hochtöner aus, die schräg eingesetzte Frontplatte soll dennoch für präzise Hörbarkeit sorgen. Um das im unmittelbaren Nahfeld hinzubekommen, müssten die Lautsprecher allerdings noch deutlich steiler nach oben strahlen. Fazit: Gute Idee, aber sie müsste noch konsequenter umgesetzt werden, um einen wirklichen Vorteil zu bringen.

Allerdings kann man den Kompakt-Basscombos trotzdem eine gehörige Praxistauglichkeit bescheinigen, wobei insbesondere das satte Bassfundament verblüfft. Beim Max 100 ist der Zehnzoll-Grundklang zwar in Neutralstellung der Klangregler recht mittig, er lässt sich aber wirkungsvoll (allein auch schon durch Benutzung des Contour-Presets) aufräumen – bis hin zu betont wuchtigen Druckbässen mit tightem Klick, die trotz begrenzter Endstufenleistung dank Peaveys bewährtem DDT-Limiter selbst bei ausgereizten Pegeln sauber rüberkommen.

Dem Max 150 hört man die doppelte Leistung und den Zwölfzoll-Lautsprecher durch sein souveräneres, nachdrücklicheres Auftreten an, aber auch hier ist ohne Nachhilfe der Klangregelung ein betont mittiges Klangbild festzustellen. Wieder helfen die wirksamen Klangregler und Presets, wenn es um detailfeinere Wiedergabe mit stärkerer Betonung der Bässe und Brillanzen geht. Mangels Hochtöner ist für offenere Sounds generell das Bright-Preset nützlich, wobei das wahrnehmbare Rauschen auf der Bühne nicht weiter stören wird.

Dass der Max 208 mit seiner 2×8″-Bestückung den knackigsten Grundklang bietet, ist aufgrund seiner flotten Speaker wenig überraschend. Bei seinen übereinander angeordneten Speakern funktioniert der Nahhör-Trick mit der schrägen Schallwand auch am besten, wohl auch, weil die Achtzöller in dieser Konkurrenz den Präsenzbereich am wenigsten bündeln. Auch beim 208 lassen sich verblüffend fundierte Bässe einstellen, wobei der Kosmos-C-Schalter bei allen Modellen ein kleines Volumenwunder vollbringt und kraft seiner zusätzlich generierten Frequenzen sowohl erwachsenere Tiefbässe wie auch einen Hauch mehr Räumlichkeit bietet.

Auch der eingebaute Overdrive ist bei allen drei Mäxen ein nützliches Extra, welches je nach Gain-Einstellung von der zarten Anrauung des Tons bis in deutliche Distortion geht. Leider werden weder die Extras wie Kosmos-Enhancer und Overdrive, noch die Klangregel-Einstellungen im symmetrischen DI-Signal herausgegeben, sodass sie zwar zur persönlichen Klangformung auf der Bühne verwendet, aber nicht über eine etwaige PA einem größeren Auditorium mitgeteilt werden.

Peavey Max 100, 150, 208
Die schräg eingebaute Schallwand bringt beim 2×8″-Modell die beste Wirkung. (Bild: Dieter Stork)

resümee

Die drei kleinen Basscombos aus der aktuellen Max-Serie überzeugen für kleinere Bühnen mit verblüffender Pegelfestigkeit und Basswiedergabe, wenn auch der Trick mit der schräg eingesetzten Schallwand beim Max 100 und Max 150 kaum Vorteile im unmittelbaren Nahfeld bringt und beim 208 am ehesten hörbar ist. Auch die wirkungsvollen Klangregler und die Extras wie Overdrive und Kosmos-C-Enhancer bewähren sich im praktischen Einsatz, nur wirken sie leider nicht auf den symmetrischen DI Output, was zumindest für den Overdrive doch sinnvoll wäre. Alles in allem bieten die kleinen Mäxe für kleinere Anlässe dennoch einen soliden Praxiswert.

PLUS
• Pegelfestigkeit, verblüffende Basswiedergabe
• wirkungsvolle Klangregler
• Overdrive/Kosmos-C-Enhancer
• Ausstattung
• Verarbeitung

MINUS
• Vorstufen-Einstellungen nicht im symmetrischen DI-Signal wirksam

Peavey Max 100, 150, 208

Produkt: Kemper Amp Special
Kemper Amp Special
Der große Kemper Amp Testbericht! Kemper Amp – High-Tech in neuer Evolutionsstufe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren