Produkt: Gitarre & Bass 3/2019
Gitarre & Bass 3/2019
Interview: Gary Clark Jr. +++ im Test: Mooer Preamp Live +++ Röhren-Sound kompakt: Neue Studio-Amps von Marshall & Blackstar +++ Pickup Guru: Zu Besuch bei Harry Häussel
Losröhren, die Zweite

Test: Orange Terror Bass 500 Mk2 & OBC112

Orange Terror Bass 500 OBC112(Bild: Dieter Stork)

Den satten, runden Röhren-Sound mögen viele, nicht jedoch das Gewicht und die Schlepperei der alten Technik. In der Neuauflage des Terror Bass Tops erfüllt Orange diese Wünsche in stilvoller Weise und kombiniert den röhrigen Ton mit aktueller Leichtgewichtstechnologie.

Echte Röhre im Preamp, Class-D-Power mit gewichtssparendem Schaltnetzteil für die Endstufe – das hört sich nach einem Erfolgsrezept an. Und dazu eine passend handliche Box, die reichlich Saft wegstecken kann. Diese Kleinanlage soll groß klingen.

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Terror Bass Mk2

Schon vor einigen Jahren machte Orange mit dem Hybridkonzept auf sich aufmerksam, und dass die handlichen Terror-Tops dann wieder vom Markt verschwanden, wollten etliche Bassisten nicht hinnehmen. Deshalb gibt es nun zum 50-jährigen Firmenjubiläum die Mk2-Version, in die gleich auch einige Detailverbesserungen eingebaut sind.

Vollröhre gibt es mit einer 12AX7-Doppeltriode in der Vorstufe, zwischen den getrennten Reglern für Gain und Master sitzt ein passives Tone Stack für Bässe, Mitten und Höhen. Klassischer geht es kaum, nur, dass alles dahinter in hochmoderner Technik ausgelegt ist. Wo das alte Terror-Top noch ziemlich empfindlich in der Vorstufe ausgelegt war und entsprechend schnell in die Zerre ging, besitzt der aktuelle Mk2 neben dem 6dB-Pad-Schalter für die Eingangsempfindlichkeit noch einen Clean Switch für erweiterte Aussteuerung ohne Verzerrung.

Orange Terror Bass 500 OBC112
Trotz des extrastabilen Stahlgehäuses wird ein Softbag zum Transport mitgeliefert. (Bild: Dieter Stork)

Seitlich sind die Klinkenbuchsen des (im Send) röhrenbetriebenen Effekt-Einschleifwegs sowie der elektronisch symmetrierte DI-Ausgang angebracht, hinten zwei Speakon-Buchsen für die Lautsprecher. An 8 Ohm liefert das Orange-Basstop 250 Watt Ausgangsleistung, das Doppelte, wenn 4 Ohm angeschlossen sind.

Aufgrund seiner handlichen Abmessungen liebt das Orange-Top das Reisen. Zum einen ist sein Gehäuse deshalb besonders robust aus dickem Stahlblech gebaut, zum anderen wird ein gepolstertes Softbag mit Schultergurt und separatem Kabelfach mitgeliefert.

Am Amp ist der Umschalter für 230 und 120 Volt Netzspannung durch eine Abdeckung gegen irrtümliches Verstellen geschützt.

Orange Terror Bass 500 OBC112
Im Standby-Betrieb werden die Röhren weitergeheizt, damit sie direkt betriebsbereit sind (Bild: Dieter Stork)

OBC112

Die knuffige Bassbox im kultigen Orange-Look beinhaltet einen Lavoce-Zwölfzöller, der laut Herstellerbeschriftung 800 Watt abkönnen soll. Dieser 8-Ohm-Speaker besitzt zwar einen reichlich dimensionierten Neodym-Magnet, aber solche Angaben waren wohl auch Orange nicht ganz geheuer, weshalb außen auf der Box 400 Watt angegeben sind (was ja für einen Einzellautsprecher auch schon enorm ist). Der starke Zwölfer arbeitet in einer ungedämpften Bassreflexkammer mit rückwärtiger Tunnelöffnung. Das Gehäuse ist aus 15 mm starkem Sperrholz gebaut, alle Ecken mit Metallschonern versehen, die Speakerfront durch eine aufgeklettete Nylonbespannung geschützt.

Orange Terror Bass 500 OBC112(Bild: Dieter Stork)

Der stilvolle Auftritt liegt nicht alleine an der markentypischen Farbe und dem gut sichtbar platzierten Emblem, sondern wird noch durch zwei schwarze, umlaufende Keder im orangefarbenen Vinylbezug unterstützt. In Anbetracht des geringen Gewichts von knapp 12 kg reicht der oben angebrachte Koffergriff zum Transport völlig aus.

Dampf machen

Die Röhre im Ton ist beim Terror Bass deutlich heraushörbar, sei es in den fundierten, tragfähigen Bässen, der allgemein ziemlich lebhaften Dynamik oder dem harmonisch fetzenden Crunch bei höherer Gain-Dosierung. Ebenfalls beeindruckend ist in der überarbeiteten Version die Wirksamkeit aller Klangregler des Tone Stacks, wo sich bei subtiler gegenseitiger Beeinflussung nun gezielt auf tiefe Bässe, knurrige Tiefmitten und klare Präsenzen Einfluss nehmen lässt.

Eine Besonderheit ist geblieben: Wenn alle drei Klangregler zugedreht sind, kommt kein Signal mehr aus der Vorstufe heraus. Das bedeutet auch, dass die drei Klangregler insgesamt den Vorstufenpegel beeinflussen, sodass man bei weit aufgedrehten Klangbereichen gegebenenfalls den Gain etwas zurücknehmen muss, wenn kein Anzerren erwünscht ist. Hilfreich ist dafür auch der neu hinzugekommene Clean-Schalter, der tatsächlich mehr Headroom für den sauberen Ton schafft.

Ein Schwachpunkt der ersten Version wurde bei der Anordnung von Einschleifweg und symmetrischem Ausgang bereinigt; vorher waren eingeschleifte Effekte nicht im Balanced Out hörbar, der vor dem Master-Regler abgegriffen wurde, während der Effektweg hinter dem Master lag. Jetzt sind angeschlossene Effekte im XLR-Ausgangssignal präsent – allerdings wurde nicht der Effektweg vor den symmetrischen Ausgang verlegt, sondern der Balanced Out hinter Mastervolume und Effektweg. Schön für die Effekte, aber jetzt wirkt der Master auf den symmetrischen Ausgangspegel, was bei PA-Abnahme nicht unproblematisch ist.

Orange Terror Bass 500 OBC112
Die Bassreflexöffnung der Box liegt auf der Rückseite. (Bild: Dieter Stork)

Tatsächlich macht sich die kleine Bassanlage bis in Band-taugliche Pegel mit einem saftigen, fundierten Basssound bemerkbar, der sich bei fester Spielweise gefühlvoll in fetzigen Crunch hineinfahren lässt. Die kompakte 1×12″-Box macht dabei eine gute Figur und bildet auch heftige Attacken standfest und sauber ab. Einen Hochtöner vermisst man nicht, der runde Charakterklang mit markantem Growl besitzt stimmige Drahtpräsenzen.

Für einen kleinen Clubgig und für Sessions, wo man nicht unbedingt gegen zwei Marshalltürme ankämpfen muss, reicht das Potential des kompakten Setups vollauf, zumal man ja mit guten Ergebnissen bis in die Zerre aufdrehen kann. Wenn es freilich im lauteren Umfeld um mehr Volumen und erwachsenere Tragfähigkeit geht, ist eine zweite Box anzuraten, alldieweil ja dann erst die ganze Endstufenleistung des Basstops abrufbar ist.

Orange Terror Bass 500 OBC112
Ade Emsley, Amp Designer bei Orange, zum neuen Preamp: „Die neue Vorstufe des Terror Bass ist genau die gleiche wie beim AD200, allerdings mit einem zusätzlichen CleanSwitch, mit dem man die Mittensättigung sehr früh im Signalweg zurücknehmen kann. Der Preamp ist also jetzt viel näher am AD200 als beim ursprünglichen Terror Bass.“

resümee

Schon im ersten Anlauf, vor gut acht Jahren, war die Kombination von fetziger Röhrenvorstufe und reichlich Class-D-Power ein Sound-Versprechen, das vielen einleuchtete. In der Neuauflage wurden beim Terror Bass kleinere Schwachpunkte ausgebügelt, sodass nun mehr cleane Aussteuerungsreserve bereit steht und eingeschleifte Effekte auch im symmetrischen Ausgang hörbar sind. Fakt ist, dass dieser Amp nicht nur kultig aussieht, sondern auch charakterstark performt und mit der hochbelastbaren OBC112 die perfekte Partnerin als reisefreudige Kompakt-Bassanlage besitzt.

PLUS
• harmonischer bis fetziger Röhren-Klang (Topteil)
• Belastbarkeit (Box)
• Wirkung Klangregler (Topteil)
• solide Bauweise, Verarbeitung, Design
• Softbag (Topteil)
MINUS
• Balanced Out im Pegel Master-abhängig (Topteil)

Orange Terror Bass 500 OBC112

Orange Terror Bass 500 OBC112

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2019)

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