Produkt: Highlights 2015
Highlights 2015
Was waren die Gitarre & Bass Equipment-Highlights im vergangenen Jahr? Unsere Redakteure haben abgestimmt!
Persönlichkeiten

Test: Maruszczyk Jazzus 4a Walnut

Man darf den Namen nicht so ernst nehmen, denn natürlich ist der Jazzus nicht nur für eine Musikrichtung gut, so vielfältig sie auch sein mag. Fraglos interessant ist seine spezielle Ausrichtung aber für ganz persönliche Sounds.

Dazu hat der Testbass ein Vorbild, und zwar eines, welches bis heute in gewisser Weise sagenumwoben ist, weil die eigensinnige Instrumentenkonzeption eben nicht einfach nur die bekannten klassischen Vorbilder kopierte. Und genau diese Eigenheiten inspirierten schon einige namhafte Bassisten zu markant persönlichen Sounds, die wohl nur mit dem Wal Bass möglich sind.

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(Bild: Dieter Stork)

Richtungsweisend

Besonders steifer Hals mit flinker Ansprache für die präzise Artikulation, milder Ton vom Mahagoni-Body, auch gerne mit einer dunkelfärbenden Holzart als Decke – das zusammen mit viel Klangbildung in der Elektrik ergibt beim britischen Vorbild eine ebenso variable wie charakterstarke Stimme. Solche Voraussetzungen sind bei diesem Jazzus gegeben: fünfstreifig verleimter Hals aus Ahorn und Nussbaum, zweiteilige Mahagoni-Basis für den Korpus und dunkler Timbre-Einfluss durch die Nussbaum-Decke. Und auch hier versprechen die großen Humbucker mit den justierbaren Polschauben in Verbindung mit einer höchst flexiblen Dreiband-Parametrik eigensinnige Elektrocharaktere.

Per Kippschalter sind drei Pickup-Sounds abrufbar. (Bild: Dieter Stork)

Zu den Unterschieden: Hier sind natürlich keine englischen Original-Pickups, sondern die der Wal-Bestückung nachempfundenen Bigbucker von Bassculture montiert, die mitunter auch als W-Bucker bezeichnet werden. Schön in Ebenholzkappen verpackt und an drei Schauben in ihren mehrlagigen Holzrahmen justierbar. Bei den aktiven Klangreglern lässt sich nicht nur eine Anhebungsspitze über das Frequenzband verschieben, die Dreiband-Parametrik von Noll hat für Bässe, Mitten und Höhen separat variable Centerfrequenzen, womit man noch einiges mehr anfangen kann. Summa summarum geht es hier durchaus in die Wal-Richtung, aber mit eigenen Ansätzen und erweiterter Variabilität. Das mag die moderne Interpretation unübersichtlicher machen, aber sie überwindet damit den enger eingegrenzten Charakter des Originals, zeigt sich geöffnet für normalere wie auch extremere Sounds.

Alle Reglerplätze haben Doppelfunktion. (Bild: Dieter Stork)

Zwei 9-Volt-Blöcke speisen die aktive Elektronik, damit auch bei Extremeinstellungen Zerrfreiheit gewährleistet ist. Deren Klappfächer sitzen verteilt auf Ober- und Unterseite im Body, die Batterien sind für mehr als 300 Spielstunden gut. Außerdem gibt es per Zugschalter im Volume/Überblender-Poti eine Passiv-Option, wo man auch ohne Parametric-EQ schon etliche Sound-Varianten geboten bekommt. Denn beide Pickups haben eigene Dreiweg-Schalter, an denen verschiedene Grund-Sounds abrufbar sind. Die halboffenen Hipshot-Tuner verrichten auf der sanft abgewinkelten Kopfplatte ihren Präzisions-Job, solide und geradlinig ist der Hipshot-Basssteg ausgeführt.

Durch die Mitte

Bei Wal zwingt das ausgeprägt V-förmige Halsprofil die Greifhand in eine günstige Spielhaltung, der lässige Fuhrmannsgriff wird dadurch aber unbequem. Auch der Maruszczyk-Hals hat eine leichte V-Ausprägung, agiert dabei aber bei Weitem nicht so streng pädagogisch. Insgesamt ist das Handling hier weniger speziell, der 3,7-Kilo-Viersaiter hängt perfekt ausbalanciert und bietet komfortable Voraussetzungen für tightes, präzises Spiel.

Mit drahtiger Präzision formuliert der Ahornhals die direkte Tonansprache, satte Tiefe fügt der Mahagoni-Body hinzu, sodass der Walnut-Jazzus seinen klar definierten Ton mit runder Geschmeidigkeit abliefert – was ja seinem Vorbild schon recht ähnlich ist. Und auf klangliche Passgenauigkeit hin sind die aufwendigen Bassculture Bigbucker entwickelt worden, wobei hier noch ein Plus in der Variabilität eingebaut ist, schließlich lassen sich die Tonabnehmerspulen an Kippschaltern seriell, parallel und in den Singlecoil-Modus umschalten. Neben dem dicken, dichten Humbucker-Pfund steht somit eine deutlich transparentere Grundausrichtung sowie ein knorriger Singlecoil-Sound zur Verfügung. Positiv fällt dabei auf, dass alle drei Einstellungen brummfrei arbeiten, denn aufgrund des authentisch achtspuligen Innenlebens der Bigbucker weist auch die „Singlecoil“-Hälfte (die ja tatsächlich aus vier Einzelspulen besteht) einen Humbucking-Effekt auf.

Mit dem eingebauten Parametrik-EQ lässt sich die Wirkung der aktiven Wal-Klangregler nachbilden – und noch viel mehr darüber hinaus: Statt der Peak-Filter mit verschiebbarer Frequenz stehen hier drei durchstimmbare Filter für verschiedene Bereiche zur Verfügung, und natürlich kann man damit auch, anders als beim Vorbild, gezielte Dämpfungen setzen. Der Noll-EQ zeichnet sich nicht nur durch die enorme Variabilität aus, sondern auch durch sein nuancenfeines Eingreifen, wobei gerade die mittigen Charaktere sehr stimmig die besonderen Wal-Voicings aufgreifen.

Sechs Schrauben halten den Hals in der passgenauen Tasche fest. (Bild: Dieter Stork)

Resümee

Die Anlehnung an den berühmten Wal Bass ist hier nicht zu überhören, was nicht nur an den aufwendigen Tonabnehmern liegt, sondern auch in der hölzernen Grundlage verankert ist. Im Ganzen punktet der Walnut-Jazzus durch seine gefälligere Bespielbarkeit, ohne dass dabei die markanten Charakter-Sounds auf der Strecke bleiben. Im Gegenteil, denn zu den markanten Knödel-Voicings kommen hier durch die umschaltbaren Pickup-Klänge und die dreibandige Parametrik noch eine Menge feinfühliger Varianten hinzu.

PLUS

  • Klangverhalten, Charakter
  • Sound-Variabilität
  • Spielbarkeit
  • Hölzer, Verarbeitung
  • Ausstattung, Pickups

(erschienen in Gitarre & Bass 10/2019)

Produkt: Gitarre & Bass Digital 12/2018
Gitarre & Bass Digital 12/2018
Mark Knopfler +++ Billy Gibbons +++ Behemoth +++ John Butler Trio +++ Coco Schumann +++ Voivod +++ MonoNeon +++ Besuch bei Deimel +++ Guitarworks

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