Spreizbalance

Test: Maruszczyk Instruments Jake Multiscale

Maruszczyk Jake Multiscale
FOTO: Dieter Stork

Eine lange Mensur sichert klare Definition, je länger, desto straffer wird der Ton. Insbesondere tiefe Töne profitieren davon, weshalb der Multiscale-Bass zu den dickeren Saiten hin länger wird. Und die höheren Saiten klingen mit leicht verkürzter Mensur fülliger.

Die für jede Saite angepasste Mensurlänge ist keine neumodische Bass-Erfindung, sondern hat traditionelle Wurzeln und ist seit jeher in jedem Klavier zu finden. Traditionell ist auch noch etwas anderes am Maruszczyk-Ansatz, wo nämlich das klassisch basierte Bass-Design Jake mit der Multimensur ausgestattet wird. Wo man sonst gefächerte Bünde eher bei hochmodernen Bässen sieht, geht Adrian Maruszczyk also einen anderen Weg und zielt damit auf den traditionellen Stilgeschmack.

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neu bewährt

Erlenholz-Body, aufgeschraubter Ahornhals: Der Jake bleibt nicht nur in der Form, sondern auch in den Materialien beim Altbewährten. Wenn auch mit zarten Modernisierungen: Die fast unmerklich nach hinten abgewinkelte Kopfplatte reicht aus, um die Saiten auch ohne Niederhalter ausreichend fest in die Sattelkerben zu pressen, ein zusätzlicher Nullbund gleicht zudem den Klang der Leersaiten an gegriffene Töne an. Allerdings ist es bei der Multimensur-Bauweise nicht einfach nur mit gefächert eingesetzten Bundstäbchen im Ahorngriffbrett getan, schließlich müssen auch noch andere Komponenten entsprechend der verschiedenen Mensuren platziert werden.

Beim Steg geht das am einfachsten, indem Monorails verwendet werden, bei den Tonabnehmern ist es schon schwieriger. Und zwar deshalb, weil bei schräg eingebauten Normal-Pickups die Abstände der Magnetpole nicht mehr zur Saitenführung passen; aus dem Grund sind hier spezielle Delano-Pickups eingebaut, die präzise auf den Schrägeinbau abgestimmt sind.

Maruszczyk Jake Multiscale
FOTO: Dieter Stork
Delano hat die passenden Spezial-Tonabnehmer für die Multimensur angefertigt.

neu ausbalanciert

Mit 3,8 kg hat der Viersaiter die Multimensur ohne Gewichtszunahme überstanden und hängt am Gurt angenehm austariert. Denn tatsächlich steht der Hals trotz der längeren E-Saite kaum weiter aus dem Body heraus, und das hängt mit der maßvollen Verteilung der verschiedenen Mensurlängen zusammen. Für die G-Saite ist nämlich die normale Longscale um knapp ein Zoll verkürzt, auch die D-Saite ist noch 8 mm kürzer als sonst üblich. Für das A steht die normale Langmensur bereit, während die tiefe E-Saite mit 880 mm länger und straffer ausfällt. An dieser geschickten Verteilung der Mensurlängen liegt es auch, dass sich der Multiscale-Jake erstaunlich normal spielt und kaum Eingewöhnung auf die Fächerbünde fordert. Und wenn etwas auffällt, ist es eher die entgegenkommende Leichtgängigkeit, mit der die Finger übers Griffbrett wandern.

Maruszczyk Jake Multiscale
FOTO: Dieter Stork
Schnurgerade gewachsener Ahorn kommt beim einstreifigen Hals zum Einsatz.

Klanglich ist das allerdings eine andere Sache, zumindest die straffere und drahtigere Artikulation der tiefsten Saite merkt man dem Viersaiter sofort an. Besondere Klarheit in den Tiefen geht einher mit stimmigen Bassanteilen der höheren Saiten, hier hat sich also tatsächlich die altgewohnte Klangbalance hörbar verschoben. Einen gewissen Anteil an der modernen Offenheit und Breitbandigkeit des Sounds haben allerdings auch die Delano-Tonabnehmer, deren fette Stahlpole im Music-Man-Stil von unten durch keramische Magnete aufgeladen werden.

Obwohl beim Jake der zweigeteilte P-Pickup etwas näher am Hals sitzt, kommt sein bellender, pfundiger Basston dem Original jedoch erstaunlich nahe, die Erweiterung mit dem Humbucker in der Stegposition bringt ebenfalls sehr praxisgerechte und ausgewogene Ergebnisse. Schwächen leistet sich der Jake höchstens bei extremerem Saitenziehen, was aber erstens beim pfundigen Spiel auf einem solchen Arbeitstier wenig üblich ist und generell bei Single-Polepiece-Tonabnehmern zu erwarten ist.

Maruszczyk Jake Multiscale
FOTO: Dieter Stork
Unmerklich abgewinkelt, sichert der Headstock den Saitenandruck auf den Sattel.

resümee

Absolut gelungen beim neuen Multiscale-Klassiker von Maruszczyk ist die problemlose Spielbarkeit, wo man sich praktisch ohne Eingewöhnung sofort zu Hause fühlt. Auch die neue Klangbalance mit strafferer Klarheit in den Tiefen und sahniger Fülle für die höheren Töne ist ein eindeutiger Gewinn – der Multimensur-Jake wird seine Freunde deshalb nicht nur im klassischen Rockermilieu finden.

Maruszczyk Jake Multiscale
Maruszczyk Jake Multiscale

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(erschienen in Gitarre & Bass 08/2018)

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