Gutes Werk

Test: Marleaux Tonwerk

Marleaux Tonwerk
FOTO: Dieter Stork

Hochwertige Preamps in Pedalform repräsentieren das Musizieren von heute, wo man eben nicht nur Live auf der Bühne steht, sondern unter anderem seinen persönlichen Sound auch ungeschmälert auf die A/D-Wandler des Aufnahmesystems geben will. Nun ist auch der Basshersteller Marleaux mit seinem Spitzen-Ruf in dieser Klasse vertreten.

Wolfgang Behn baut seit jeher die Aktivelektroniken für Marleaux, einen gewissen Anteil am Erfolg der superben Bässe darf man ihm sicherlich gutschreiben. Der neue Tonwerk-Preamp ist nun wieder eine gemeinsame Entwicklung mit Marleaux Bass Guitars, die schon bei der ersten Vorstellung auf dem Guitar Summit in Mannheim alle Erwartungen übertraf. Wer also zu den ersten Tonwerk-Usern gehören möchte, sollte sich beeilen.

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Variabilität

Viele Knöpfe signalisieren schon die Wandelbarkeit des Klangs, aber im Grunde ist das Tonwerk eine geradlinige Angelegenheit. Zwischen separaten Pegelstellern für Input Level und Volume sitzt eine vierbandige Klangregelung, bei der allerdings für jeden Bereich drei verschiedene Centerfrequenzen gewählt werden können. Zugunsten der einfachen Reproduzierbarkeit der Ergebnisse hat diese Schalterlösung Vorteile gegenüber einer stufenlosen Frequenzwahl, allerdings kommt es darauf an, dass die angebotenen Frequenzen vom Hersteller musikalisch sinnvoll festgelegt wurden.

In den Tiefen, wo ein saftiger Einstellbereich von +/-15 dB bereitsteht, werden 25 Hz für ein tiefes Subbass-Fundament, 40 Hz für universelles Pfund und 75 Hz mit Präferenz für drückenden Punch angeboten. Die Einstellbereiche der beiden Mittenbereiche sind praxisgerecht etwas zahmer mit +/-12 dB ausgelegt, wobei der erste Mittenregler den Growl bei 300 Hz oder eher nasale Färbungen rund um 750 Hz bearbeiten kann, zusätzlich auch die Kombination aus beiden bei 450 Hz. Mid 2 ist hingegen für die präsenteren Mittenbereiche zuständig, wobei der Grad an drahtiger Aggressivität durch die Centerfrequenzen von 850 Hz, 1,2 kHz und 1,7 kHz fein abgestuft ausgewählt werden kann. Ähnlich funktioniert das im wiederum stärker variablen Treble-Bereich (+/-15 dB), wo man bei 4 kHz noch ziemlich viel Edge und knackigen Attack mitnimmt, bei 8 kHz gepflegte Brillanzen ins Visier nimmt und sich die 16-kHz-Einstellung auf die filigranen Highlights konzentriert.

Smart kann man die Routing-Lösungen für den Klinkenausgang und den DI-Out nennen, die in einem dreistufigen Kippschalter zusammengefasst werden. Zum einen bietet er die Möglichkeit, im True-Bypass-Modus das Bass-Signal ohne weitere Beeinflussung direkt auf den DI-Out zu leiten, das gleiche Signal liegt dann am Klinkenausgang an, wenn EQ und Bufferamp am Fußschalter nicht aktiviert sind. In der Mittelstellung wird hingegen das niederohmige und am Input Level gepegelte Signal des Bufferamps auf die Ausgänge gelegt, nur für den Klinkenausgang kann per Fußschalter der EQ hinzugeschaltet werden. Schließlich wird in der dritten Schalterstellung sowohl auf den DI- wie auf den Klinkenausgang das vorverstärkte und gepegelte Signal herausgegeben, auch im DI Out ist der Equalizer dann wirksam, sofern er am Fuß- schalter aktiviert ist.

Marleaux Tonwerk
FOTO: Dieter Stork

Praxisdenken

Das Tonwerk glänzt nicht nur durch Wahlmöglichkeiten bei Klangformung und Routing, sondern ebenso mit seiner qualitätsvollen Ausführung. Potis und Schalter sind natürlich hochwertig, vor allem aber nicht einfach direkt in die Schaltungsplatine gelötet, sondern auf eine separate Metallplatte montiert, um mechanische Belastung der Lötstellen von vornherein auszuschließen und somit eine lange, störungsfreie Lebensdauer des Geräts sicherzustellen (ganz nebenbei wandern auch hässliche Potimuttern unter die Gehäuseoberfläche). Und die beste Preamp-Schaltung bliebe unter ihren Möglichkeiten, wenn sie nicht optimal ausgesteuert würde, weshalb Marleaux diesem Pedal eine dreistellige LED-Aussteuerungsanzeige spendiert hat.

Der elektronisch symmetrierte DI-Out ist grundsätzlich erdfrei, sodass auf einen Ground-Lift-Schalter verzichtet werden konnte und keine Brummprobleme durch Doppelerdung auftreten können. Außerdem ist der Ausgang gegen versehentlich am Mixer eingeschaltete Phantom Power geschützt. Als nützliches Extra besitzt das Preamp-Pedal einen Kopfhörer-Ausgang, um damit auch unkompliziert das Üben zwischendurch zu ermöglichen.

Die Speisung des durchdachten Tonwerks geschieht wahlweise über die Netzteilbuchse (9 Volt DC) oder per Batterie, die innen sicher durch einen metallenen Halteclip gelagert wird. Anhand der gemessenen Ruhestromaufnahme von ca. 16 mA lässt sich eine Batterie-Lebensdauer von rund 30 Betriebsstunden voraussagen. Sorgen über eine begrenzte Dynamik muss man sich übrigens wegen der 9-Volt-Speisung nicht machen, da daraus intern ein Spannungspotential von +/-9 Volt, also 18 Volt generiert wird.

Marleaux Tonwerk
FOTO: Dieter Stork

Resümee

Man braucht nicht lange zu suchen, um die Qualitäten des Pedal-Preamps zu entdecken – der tighte, klar differenzierte Klang spricht für sich. Kein Detail wird hier unterschlagen, und selbstverständlich auch bei neutraler EQ-Einstellung keine noch so geringe Färbung hinzugefügt. Dabei arbeitet das Gerät außergewöhnlich rauscharm und selbst bei voll angehobenen EQ-Reglern bleiben störende Nebengeräusche aus. Überzeugend agieren die vier Klangregler in sämtlichen Einstellungen, was für eine harmonische Auswahl der Frequenzen spricht. Bereits feine Variationen gehen wirksam ins Klangbild ein, extremere Einstellungen wahren hingegen die allgemeine Stimmigkeit und nerven nicht. Das Klangwerk von Marleaux arbeitet auf Highend-Niveau und wird somit voll der filigranen Klangkultur moderner Edelbässe gerecht, ob man den Pedal-Preamp nun als klangliche Erweiterung für die bestehende Bassanlage nutzt, als praktische DI-Lösung für den Live-Einsatz, als netzunabhängigen Übungs-Amp oder für gediegene Aufnahme-Qualität. [2449]

Marleaux Tonwerk
Marleaux Tonwerk

(erschienen in Gitarre & Bass 11/2017)

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