Produkt: Jack Bruce 1943 – 2014
Jack Bruce 1943 – 2014
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Heimexoten

Test: Marleaux Consat RTW

(Bild: Dieter Stork)

Ohne hochwertige Klanghölzer kann kein Spitzeninstrument entstehen, und dass sich dieser Bedarf aus nachhaltig bewirtschafteten, heimischen Beständen decken lässt, beweist Marleaux mit seinen Regio Tone Woods.

Natürlich darf das auch gut aussehen, für feinen Riegelahorn und beste Esche braucht man keine langen Transportwege. Doch wenn es um exotischere Design-Zutaten geht, muss man in unseren Forsten schon länger suchen. In der Nähe von Hildesheim wurden einige Tulpenbäume gefällt, mit denen einst Versuche über die Anpassungsfähigkeit der nordostamerikanischen Magnolien-Gewächse durchgeführt wurden. Marleaux hat sie gekauft und kann daraus nun mit gutem Gewissen etliche feine Edelholzdecken fertigen.

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Tulpen aus Hildesheim

Interessanterweise haben die Hildesheimer Tulpenbäume eine besonders starke, harte Kernzone ausgebildet, mit denen sich auch größere Flächen abdecken lassen, ohne ins helle, weiche Splintholz zu gelangen. Normalerweise ist viel mehr Splintanteil vorhanden, weshalb im ursprünglichen Verbreitungsgebiet das Whitewood auch für minder prominente Anwendungen wie Sperrholz und Kistenbau verwendet wird. Natürlich bekommen wir das von Marleaux nicht präsentiert, und unser RTW-Consat punktet mit einer wunderbar dicht gewachsenen und trotzdem wild gezeichneten Tulpenbaum-Decke. Bei diesem ersten Exemplar wurde zunächst ein Endstück mit einigen Rissen verwendet, die nobel mit echtem Silber gefüllt wurden.

Auch ein rissiges Tulpenbaum-Stück muss nicht weggeworfen werden und wird durch eine Silberfüllung sogar aufgewertet. (Bild: Dieter Stork)

Auch die Korpusbasis aus Sumpfesche kann sich sehen lassen – auch hier wird offensichtlich Spitzenqualität geboten, dazu noch mit bildschöner Maserung. Die eingelassenen Deckel für Batterie und Elektronikfach sind aus geflammtem Ahorn gemacht.

Auch die verwendete Esche ist von erster Qualität. (Bild: Dieter Stork)

Weiter geht es beim sechsfach aufgeschraubten Fivestring-Hals, dessen dreistreifige Konstruktion aus sichtbar hartem, feinzelligem Ahorn besteht. Etwas weicher ist das helle Riegelahorngriffbrett gewählt, um allzu vorwitziger Klanghärte vorzubeugen; trotzdem stimmt hier die Statik, denn auch ohne Hilfsmittel wie versteifende Graphitstäbe steht der 24-Bünde-Hals wie eine Eins, selbst wenn man feste dran zieht.

Vom harten Halsahorn setzt sich das geflammte Griffbrett hell ab. (Bild: Dieter Stork)

Ausstattungsmäßig darf man sich natürlich auf beste Komponenten verlassen, gekapselte Schaller-Präzisions-Tuner verrichten ebenso exakt ihren Dienst wie der dreidimensional justierbare ETS-Steg, der sich durch Klemmfixierung aller beweglichen Teile quasi wie ein Massivblock verhält. Security Locks gehören zur Standard-Ausstattung. Für nebengeräuschfreie Abtastung der Saiten sorgen Quadcoil-Humbucker von Delano, durch eine aktive Dreiband-Klangregelung wirksam variabel.

Mastertight

Am Gurt hängt der 4,1-kg-Fünfsaiter entspannt ausgewogen, sein flacher Hals mit extrem niedrig eingestellter, schnarrfreier Saitenlage und flachen Medium-Bundstäbchen ist praktisch ein Selbstläufer. Wobei man fast schon freiwillig die Saiten etwas höher drehen möchte, denn auf dem breiten Griffbrett und den erwachsenen Saitenabständen von 19 mm am Steg fühlt man sich bei festerem Zupacken sicher zu Hause. Nur mit der Platzierung der Regler bin ich persönlich nicht ganz zufrieden, weil der wichtige Überblender für die Pickup-Anwahl in zweiter Reihe sitzt, wo zudem auch der nahe Klinkenstecker den Zugriff behindern kann.

Klanglich ist der Schraubhals-Consat unerwartet Sustain-stark und entwickelt in jeder Lage einen harmonischen Schnurrton, wobei zugleich auch die Mapleneck-typische Präsenz und Exaktheit unüberhörbar ist. Allerdings präsentiert der Fivestring mit dem Riegelahorngriffbrett seine strahlenden Obertöne ohne vordergründig aggressive Schärfe und Schroffheit, sondern seidig abgerundet, auch wenn es härter zugeht. Kurzum: Der RTW-Consat überzeugt auf ganzer Linie durch tighte, wohlgewogene Präsenz und Schwingfreude. Diese wird durch die keramikgeladenen Delanos in den Einzel-Einstellungen betont detailliert und obertonstark wiedergegeben, während sich in der Mittelstellung des Überblenders eine deutliche Mittenauslöschung mit trockenem, tragkräftigem Bass ergibt.

Der Bassregler der aktiven Klangregelung arbeitet sauber abgegrenzt und fügt ohne Dröhnen und Wummern fundamentalen Druck hinzu – was dann auch sehr brauchbare Abdämpfungen ergibt, wenn man das Klangbild wirksam aufräumen möchte, ohne dass der Sound gitarrenhaft dürr wird. Ausgesprochen wirksam greift auch der Mittenregler ins Klanggeschehen ein und stellt bei Boosts einen nasigen „Ook“ bereit, während in den Cut-Einstellungen die Nasalanteile ebenso wirkungsvoll ausgeblendet werden, wobei man wohl nur selten die absoluten Extremeinstellungen benötigen wird.

Schließlich bringt der Treble-Regler nicht nur schmatzende Highlights, sondern auch die obersten Drahtpräsenzen wohlgewogen nach vorne und dämpft unterhalb der Mittelstellung so mild wie eine passive Tonblende. Letzteres kann für mild abgerundete Vintage-Klänge wichtig sein, da der Marleaux-EQ im Passiv-Modus keine Tonblende anbietet.

Resümee

Einmal mehr führt dieses Consat-Modell vor, dass man auch für klangliche Spitzenleistungen ganz auf exotische Holzimporte verzichten kann. Wobei hier auch die exotisch wirkenden Deckbeläge aus Tulpenholz für Body und Kopfplatte keine Schummelei sind, da sie ja nachweislich aus heimischen Forsten stammen.

PLUS

  • Klangverhalten, tighte Ausgewogenheit
  • Sustain-Stärke
  • leichte Spielbarkeit
  • Hölzer, Verarbeitung
  • Ausstattung

MINUS

  • Platzierung PU-Überblender

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2020)

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