Produkt: Gitarre & Bass 4/2019
Gitarre & Bass 4/2019
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Gestern und heute

Test: LTD by ESP GB-4

LTD by ESP GB-4(Bild: Dieter Stork)

Früher baute man einprägsame Formen, heute klingen die Bässe breiter und vielseitiger. Der GB-4 will beides zusammenbringen, Retro-Outfit und zeitgemäße Sounds.

Natürlich hat unsere Wahrnehmung viel mit langjähriger Prägung zu tun, wenn es darum geht, wie ein Bühneninstrument auszusehen hat. Futuristische Raketen haben sich eher nicht durchgesetzt, aber ein Vintage-Look geht immer. Wenn der ein wenig vom Mainstream abweicht, ist das angenehm originell: Mit dem GB-4 kann man sich in jedem Umfeld sehen lassen. Und was man hört, ist auf der Höhe der Zeit.

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Beide Welten

Geradlinig einfach die Holzbasis nach altbewährten Rezepten, wo der Sumpfesche-Body mit dem einstreifigen Ahornhals verschraubt ist; allerdings extrastabil mit fünf Fixierungspunkten. Der Korpus ist eine schlichte Planke von gut 40 mm Stärke, mit den üblichen Komfort-Shapings für Bauch und Unterarm. Im Pau-Ferro-Griffbrett sitzen 21 Medium Jumbos und rechteckige Blockeinlagen im Seventies-Stil. Die gerade Kopfplatte benötigt einen Niederhalter für D- und G-Saite, die Front ist passend zum Korpus in Hochglanz lackiert, während die Halsrückseite griffig matt ist. Kurzum: Viel traditionelle Bauweise beim Holz, blitzsauber ausgeführt.

Das Moderne kommt deutlicher bei der Ausstattung ins Spiel, noch nicht bei den offenen Vintage-Tunern, aber gewiss beim Gußsteg mit massiger Grundplatte und fetten Saitenreitern. Die Saiten können sowohl von hinten durch den Korpus eingefädelt wie auch von vorne eingehängt werden, was die Sustain-Entwicklung dosierbar macht. Für die Abnahme der Saitenschwingungen sind zwei passive SSB4-Soapbar-Humbucker von Seymour Duncan eingebaut, in der Stegposition mit gestärktem Pfund.

Vom gleichen Hersteller stammt auch die Aktiv-Elektronik mit Reglern für Mitten, Bässe und Höhen. Und einem Extra, das durch Ziehen des Volume-Knopfs abgerufen wird: Das Slap-Preset lässt sich an Trimmpotis im Elektronikfach in Mitten- und Bassgehalt vorjustieren. Eine Passiv-Einstellung ist bei der Elektronik nicht vorgesehen, bei einer Stromaufnahme von 1,6 mA hält die im separaten Fach untergebrachte Batterie mehr als 300 Spielstunden lang.

LTD by ESP GB-4
Strings-thru-body und fünffache Halsverschraubung (Bild: Dieter Stork)

Variable Feinheiten

Mit 4,3 kg ist die Longscale-Viersaiter kein Leichtgewicht, hängt aber angenehm am Gurt, wobei die leichte Tendenz zur Waagerechten unproblematisch beherrschbar ist. Der schlanke Hals ist zierlich geformt und auf müheloses Greifen gezüchtet, allerdings ist der GB-4 insgesamt ein Bass für den langen Arm, den man zum Spiel in den tiefsten Lagen recht weit ausstrecken muss.

Seine Holzkonstruktion artikuliert präzise, aber ohne übertriebene Härte jeden Ton, wie man es von der traditionellen Schraubhals-Bauweise erwarten kann.

Durch das optionale Einfädeln der Saiten durch den Korpus erhöht sich der Druck auf die Stegreiter, was pfundige Tonopulenz fördert; wer jedoch eher die perkussive Komponente stärker betonen möchte, hängt die Saiten konventionell von vorne in die Steg-Grundplatte ein.

Schon allein die stark unterschiedlichen Sounds aus Hals- und Steg-Position bieten viel Auswahl. (Bild: Dieter Stork)

Bei der Elektro-Ausstattung hört man sofort heraus, dass der GB-4 auf hohe Variabilität setzt, so unterschiedlich klingen die verschiedenen Soapbar-Varianten in Steg- und Halsposition: betont knorrig mit mittiger Durchsetzungskraft am Steg, mit starkem, sauberem Tiefbass in der Halsposition.

Als zusätzliches Plus ergibt sich in der Mittelstellung des Überblenders eine markant ausgeprägte Mittenauslöschung beim gleichberechtigten Betrieb beider Tonabnehmer.

Mit gepflegt praxisgerechter Abstimmung geht der aktive Duncan-EQ (der eigentlich als Replacement für MusicMan-Bässe gedacht ist) zu Werke, wobei übertriebene Extreme nicht seine Sache sind, dafür umso feinfühliger die wirklich brauchbaren Variationen dosiert werden können.

Klare Tiefbässe ohne Dröhnen, crispe Brillanzen ohne scharfen Nerv-Anteil, und in den Mitten greift der Regler wirksam die Nasalanteile heraus, ohne den Punch zu schmälern. Eine Passiv-Einstellung ist hier nicht vorhanden, aber durch Ziehen des Volume-Knopfs ein Slap Preset abrufbar.

Leider sind die beiden Trimmpotis dafür im E-Fach nicht beschriftet, sodass nur Ausprobieren bleibt: Bei dem einen handelt es sich um den Bassregler, der noch machtvolle Tiefenreserven aktivieren kann, der andere wirkt auf die Mitten.

Resümee

Die Holzkonstruktion präsentiert sich mit Vintage-mäßiger Geradlinigkeit, während die Elektro-Ausstattung auf große Klangflexibilität und zugleich feinfühlige Dosierbarkeit der Nuancen setzt. Im GB-4 wirkt beides stimmig zusammen, sodass man hier von einem überzeugenden Universal-Player für alle Stile reden kann.

PLUS

  • Klang-Variabilität
  • feinfühlige EQ-Dosierbarkeit, Slap-Preset
  • schlanker Hals, Spielbarkeit
  • Verarbeitung, Ausstattung

MINUS

  • kein Passiv-Modus
  • Preset-Trimmer nicht beschriftet

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