Produkt: Gitarre & Bass 4/2019 Digital
Gitarre & Bass 4/2019 Digital
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Routenplaner

Test: Lehle P-Split III, Little Dual II, Little Lehle III, Parallel SW II

(Bild: Dieter Stork)

Früher war die Welt noch einfach: Gitarre in den Verstärker gestöpselt, vielleicht noch ein Effektpedal dazwischen. Heute sind jedoch die Setups vielfach anspruchsvoller geworden, und da muss man sich mitunter um angemessene Lösungen kümmern.

Wer mit mehreren Amps spielt oder den Weg über wechselnde Pedalketten nimmt, wird irgendwann auf Schwierigkeiten stoßen, die es zu lösen gilt. Seien es nervende Brummschleifen, Phasenauslöschungen, Klangverluste oder schlicht und einfach inakzeptable Geräusche beim Umschalten, Burkhard Lehle hat sich hochwertige Problemlöser ausgedacht.

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P-SPLIT III

(Bild: Dieter Stork)

Schon wer mit mehreren Verstärkern spielen möchte, kann ernste Probleme bekommen. Denn durch die unsymmetrische Signalleitung werden die aus Sicherheitsgründen separat geerdeten Amps nochmals massemäßig verkoppelt, wodurch in aller Regel eine störende Brummschleife entsteht. Die althergebrachte Lösung, einfach am Netzstecker die Schutzerde für einen Amp abzukleben, ist lebensgefährlich und deshalb in keinem Fall eine Option!

Sachgerecht und vollkommen ungefährlich ist es jedoch, die Massekopplung durch die Instrumentenkabel mittels galvanischer Trennung aufzuheben, und speziell für das hochohmige Instrumentensignal hat Lehle mit dem Transformer Hz einen hochwertigen Übertragertrafo entwickelt.

Im P-Split III wird der Klinkeneingang direkt auf den Direct-Klinkenausgang für den ersten Amp durchgeleitet, vor dem Ausgang für den zweiten Verstärker sorgt der Hz-Übertrager für die galvanische Entkopplung. Beim zweiten Verstärker kann es sich übrigens auch um ein Mischpult oder den Rechner für die Aufnahme handeln.

Und um die verschiedenen Gerätschaften ggf. auch über längere Leitungswege störungsfrei anzusteuern, kann die dreipolige Buchse mit einem entsprechenden Kabel sogar symmetrisch abgegriffen werden, wobei die Erdung des Kabelschirms per Schalttaste abgetrennt oder aufgelegt werden kann, sofern am anderen Kabelende keine Schirmerdung stattfindet. Beim Einstöpseln einer Monoklinke sollte die Schirmerdung abgeschaltet sein, um auch im unsymmetrischen Betrieb die galvanische Trennung zu erhalten.

Nicht jeder Verstärker und jeder Mixer arbeitet phasentreu und gibt sein Ausgangssignal in gleicher Phasenlage wie das ankommende Eingangssignal heraus. Um bei gleichzeitiger Benutzung Signalauslöschungen aufgrund unterschiedlicher Phasenlage zu vermeiden, ist der P-Split III mit einem 180-Grad-Umschalter für den zweiten Ausgang ausgestattet. Die passive Splitbox arbeitet ohne Strombedarf und ist eine gut durchdachte, praktische und hochwertige Lösung für Brumm- und Phasenprobleme.

LITTLE DUAL II

(Bild: Dieter Stork)

Wer die Split-Funktion samt galvanischer Trennung und möglicher Phasenumkehr gleich mit der Anwahl der beiden Verbraucher per Fußschalter kombinieren möchte, bekommt mit dem Little Dual II die fertige Komplettlösung mit zusätzlichen Extras geboten.

Durch besonders robust konstruierte Fußschalter und Mikrocontroller-verwaltete Relais hat man die Wahl, knackfrei an Fußschalter A zwischen Ausgang A und B umzuschalten, am Fußschalter B kann der jeweils fehlende Ausgang zusätzlich aktiviert werden. Der Schaltzustand wird durch LEDs angezeigt, die trotz versenkten Einbaus auch aus flacherem Winkel gut ablesbar sind.

Als Extra kann der Little Dual II über eine zusätzliche Stereo-Eingangsbuchse bei gedrückter TRS-Taste auch Stereo-Signale auf die beiden Ausgänge verteilen, was für einen vorgeschalteten Stereo-Effekt sinnvoll ist. Ebenfalls kann man die Eingangsbuchsen mit den Signalen getrennter Abnehmersysteme eines Instruments füttern, was dem Little Dual II weitere Anwendungsmöglichkeiten beschert. Zur Stromversorgung kann jede Netzteilspannung zwischen 9 und 15 Volt verwendet werden.

LITTLE LEHLE III

(Bild: Dieter Stork)

Ganze Effektketten oder ggf. nur ein Teil davon lassen sich mit dem Little Lehle III per Fußschalter ein- und ausschalten, wobei wieder die hochwertige Kombination von leichtgängigem Fußschalter und Mikrocontroller zum Einsatz kommt. In Anbetracht dessen, dass hier Relais die Umschaltung ausführen, muss man die prompte Ausführung der Befehle loben.

Zwischen Ein- und Ausgangsbuchse sitzen die Send- und Return-Klinken für die zu schaltenden Effekte, der Schaltstatus wird natürlich per LED angezeigt. Je nach Belegung der Send- und Return-Buchse kann zudem auch zwischen zwei Instrumenten umgeschaltet werden (zweites Instrument in die Return-Buchse) oder eine wahlweise Ansteuerung zweier Verstärker erfolgen, wobei der zweite Amp an die Send-Buchse angeschlossen wird.

Weil beim Umschalten auch der Masseleiter geschaltet wird, können keine Brummschleifen auftreten, allerdings ist hier nicht der gleichzeitige Betrieb beider Verstärker vorgesehen. Per Schalter kann der Eingang auf stereofone Signale umgeschaltet werden, die dann auch zweikanalig durchgereicht werden, weil der gesamte Signalpfad inklusive der Klinkenbuchsen zweifach ausgelegt ist. Auch Effektgeräte mit Mono-Input und Stereo-Ausgangssignal können hier eingeschleift werden. Jedes Netzteil zwischen 9 und 15 Volt kann zur Speisung dienen.

PARALLEL SW II

(Bild: Dieter Stork)

Das übliche serielle Einfügen von Effekten in den Signallauf liefert nicht immer beste Ergebnisse, weil dabei ja auch der Clean-Anteil des Instruments zwangsläufig die Elektronik der verwendeten Pedale durchlaufen muss. Paralleles Zumischen des Effektanteils, wie in der Studiotechnik, erlauben allerdings die wenigsten Amps, doch dafür bietet der fußschaltbare Parallel SW II einen Ausweg. Da er für die reinkommenden Signale hochwertige Class-A-Eingangsverstärker mit extremem Dynamikumfang besitzt, sollten Minderungen der Signalqualität nicht auftreten.

Außerdem kann durch separate Einsteller für Send- und Return-Pegel für optimale Aussteuerung der eingeschleiften Effekte gesorgt werden. Am Mix-Regler wird dann die Balance zwischen Clean-Sound und Effekt justiert, wobei die angeschlossenen Effekte natürlich optimalerweise auf reinen Effekt-Output eingestellt sein sollten. Auch hier ist der Signalpfad zweikanalig ausgelegt, der Eingang kann per Schalttaste zwischen Mono und Stereo umgeschaltet werden.

Zum Ausprobieren der günstigsten Ergebnisse ist im Return-Weg sogar ein Schalter für die Phasenlage vorhanden. Die intelligente Steuerung erlaubt je nach Betätigung des Fußschalters die Verwendung als Schalter oder als momentanen Taster, der nach dem Loslassen wieder in den Bypass zurückkehrt. Wie bei den anderen Lehle-Pedalen akzeptiert die Netzteil-Buchse alle üblichen Spannungen.

RESÜMEE

Im Test haben sich alle vier Lehle-Geräte vorbildlich bewährt und lösen tatsächlich in der Übertragungsgüte wie im Nebengeräuschverhalten alle Versprechungen seriös ein. Die durchdachte Signalführung erweitert die Anwendungsmöglichkeiten über die eigentliche Grundfunktion hinaus, insbesondere die vorhandenen Optionen des symmetrischen oder mono/stereophonen Routings sind ausgeklügelt.

Das durchgestylte Äußere geht mit perfekter Verarbeitung und Qualität einher, allerdings erfordert die spartanische Beschriftung vorher eingehende Beschäftigung mit den nicht so offensichtlichen Möglichkeiten dieser Problemlöser.

PLUS

● Signalgüte
● Nebengeräuschverhalten
● Durchdachte Konzeption
● Verarbeitung, Qualität, Design

MINUS

● spartanische Beschriftung

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2020)

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